Titel Kaiser, König, Prinz, Herzog tragen?

Hallo Geschichts-Fans!

Wir ham gerade diskutiert, warum in Dtl. nicht der Titel „König“ (z.B. Haus Württemberg)
und Kaiser (z.B. Haus Hohenzollern) geführt werden darf.

Wir haben uns überlegt, daß man für diese Titel gekrönt werden muß (richtig?).

Aber wie ist das mit dem Titel Prinz?
Der darf doch geführt werden, oder?

Hoffe, daß dies nicht eine Frage ist, die bereits 1000de male gestellt wurde
und ich Euch somit nerve.

Ich freue mich über Euere Antworten! - Danke!

Beste Grüsse, Florian

Hallo!

Wir ham gerade diskutiert, warum in Dtl. nicht der Titel
„König“ (z.B. Haus Württemberg)
und Kaiser (z.B. Haus Hohenzollern) geführt werden darf.

Oh, da irrst Du Dich aber. In Deutschland darf man den Titel König und Kaiser führen. Das darf jeder - solange man damit keine staatsrechtlichen Umwälzungen intendiert und auf dem Boden unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung bleibt. So „führt“ Jürgen Drews den Titel eines „Königs von Mallorca“ und weder das Königreich Spanien noch die Bundesrepublik Deutschland sehen sich veranlaßt, dagegen vorzugehen. Eben weil der Drewssche Königstitel keinen staatsrechtlichen Hoheitsanspruch, sondern nur einen über den Ballermann intendiert.

Die Titel „König“ und „Kaiser“ sind den Regenten in Monarchien vorbehalten. Da es in Deutschland keine Monarchie und keine Monarchen mehr gibt - abgesehen vom Freistaat Sachsen von König Kurt, der durch eine Palastrevolte gestürzt wurde :wink: -, führen die ranghöchsten Vertreter der deutschen Fürstenhäuser, die einen Thronanspruch hätten, wenn die Monarchie wieder eingeführt werden würde, die Bezeichnung eines „Chef des Hauses …“ (z.B. Hohenzollern). Ihr Adelstitel ist laut deutscher Gesetzgebung Bestandteil des Namens und da die kaiserlich/königlichen Adligen allesamt nichtregierend sind, tragen sie den Titel „Prinz“, z.B. Prinz Ernst August von Hannover, der Anspruch auf den Königsthron von Hannover hätte. Zu dumm, daß das Königreich Hannover bereits 1866, als Demokratie noch lange nicht in Sicht war, vom Königreich Preußen erobert wurde. Also selbst wenn die Monarchie in Deutschland wieder eingeführt werden würde, so hätten die Hohenzollern ´was dagegen, daß Ernst August König von Hannover werden würde und der Mann bliebe wahrscheinlich weiterhin „Prinz“. Hier wird klar, daß der Drewssche Königstitel realistischer ist, als es der von Ernst August wäre (Fürst von Monaco wird der auch nicht).

Wir haben uns überlegt, daß man für diese Titel gekrönt werden
muß (richtig?).

Nein, das ist nicht richtig. Es gab etliche Monarchen, die ungekrönt ihre Herrschaft antraten und trotzdem legitim den Titel führten. Ein Beispiel ist der letzte Schah von Persien, Mohammad Reza Pahlewi, der 1941 Schah wurde, aber erst sehr viel später gekrönt wurde.

Schönen Sonntag,

Oliver Walter
(stammt über mehrere Ecken von Adligen ab)

Hallo Oliver

(stammt über mehrere Ecken von Adligen ab)

und bist kein noch besserer Mensch geworden…? *g*

Meine Ahnen würden sich in ihren komfortablen Gräbern umdrehen, wüssten sie, was der letzte des Geschlechtes vom ganzen Adels-Brimborium hält - nichts!
Ich amüsiere mich immer wieder, wenn, speziell in Oesterreich, Leute vor dem „von“ im Geiste Hab-acht-Stellung einnehmen.
Meiner Ansicht nach gehören sämtliche Adelsprädikate auf den Misthaufen der Geschichte und alle noch bestehenden Privilegien ersatzlos aufgehoben. Und wenn wir schon auf Nestbeschmutzung machen: Was tragen die Träger von Titeln zum Wohl der Allgemeinheit bei, ausser dass sie einer bestimmten Presse helfen, Spalten zu füllen. Durch eigene Leistungen fallen die Herrschaften selten auf, sie hauen in der Regel nur das von ihren Vorfahren gestohlene Volksvermögen auf den Kopf.

Markus

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Hallo Oliver!

Vielen Dank für die ausführliche Antwort!

Bei diesen Pseudo-Titelen (von denen ich überhaupt nichts halte) hast Du noch „Kaiser Franz“ Beckenbauer vergessen. :smile:

Stimmt, der Schah von Persien! An den hatte ich überhaupt nicht gedacht!

Beste Grüsse, Florian

Hallo Markus,

Deine Bescheidenheit ehrt Dich!
Ich würde dies in Deinem Fall jedoch anders sehen. Gerade in konservativen Kreisen ist auch heute noch das „von“ ein absoluter Bonuspunkt!

Sicher würde ich vor Dir keinen „Bückling“ machen. :smile:
Jedoch würde ich insgeheim Hochachtung empfinden. Kann dies nicht rationell beschreiben, ist eben einfach ein Gefühl.

Beste Grüsse, Florian.

P.S. vielleicht lass ich mir ja bei „Konsul“ Weyer 'nen „König von Botswana“ oder ähnliches raus. :smile:

Über die Last adlig zu sein.
Es gibt sotte und sotte Adelige. Aber da hast du pauschal auf den Adel eingehauen. Das klingt doch so, als ob alle Lehrer Idioten und alle Ärtze Scharlatane sind. Es mag ja stimmen, dass die gelegentlich so ist. Ich kenne einige Adelige aus der Umgebung. Einige passen schon in das Profil das du gezeichnet hast. Aber das passt auch gut für gut bürgerliche Leut. Dann kenne ich aber adelige Familien von denen man sofort weiß, das sind ganz besondere Leute. Die haben eine unglaubliche soziale Verantwortung und bereichern eine Gemeinde durch ihr Vorbild. Aber dazu muß man nicht adelig sein. Ich kenne einige Mittelständige Unternehmer, die fallen auch durch ihr soziales Engagement auf.
Nun stellt sich natürlich die Frage, wie die von Etschens zu ihrem Titel kamen. Gehören die wirklich auf den Müll? Außer dir wird es bestimmt noch andere Vorzeigeexemplare geben. Laß dich doch einfach umtaufen in Markus Ätsch. Oder mach es so wie Jutta Ditfurth - einfach Ditfurth.
Alexander

Aber eigentlich ist alles eine Frage der Vereinbarung. Hierzu drei Beispiele:

  1. Karl Martell, der Großvater Karls des Großen (der Vieles von dem aufgebaut hat, was dann sein hochgelobter Enkel gegen die Wand gefahren hat), dieser unumschränkte oberste Herrscher des gesamten Frankenreiches war de facto König, ohne sich aber durch eine formale Krönung durch den Papst bestechen zu lassen.

  2. Der Habsburger Maximilian I. hat Zeit seines Lebens vergeblich versucht, nach der Wahl zum Kaiser durch die deutschen Kurfürsten auch den päpstlichen Krönungssegen in Rom zu bekommen. Da ihm Jacob Fugger den Kredit für 30.000 Mann bewaffneter Begleitung am kriegerischen Venedig vorbei verweigerte, mußte sich Max mit einer lächerlichen Ersatzzeremonie in Trient zufrieden geben. Das machte ihn zum gewählten und erklärten, aber eben nicht zum echten, d.h. gekrönten und gesalbten Kaiser

  3. Der etwas lärmende Prinz von Hannover ist kein geborener, sondern genau genommen ein „vereinbarter“ Welfensproß. Nur, weil die echten Welfen schon vor Jahrhunderten ausgestorben waren, gilt Ernst-August heute als solcher. Als Nachkomme eines d´Este aus Ferrara ist er eigentlich Italiener.

MfG
TRPM