Tochter - erwachsen werden?

Hallo,
in letzter Zeit mache ich mir gehäuft Sorgen um meine Tochter. Sie ist fast 20,ist mir ihrer Ausbildung fertig, wohnt aber noch zuhause.

Ich halte mich absolut nicht für eine Glucke, die die Flügel schützend über ihre Brut breitet :wink: aber im Moment mache ich mir schon Sorgen.

Sie hat ziemliche Probleme an einer Sache dran zu bleiben, die Ausbildung hat sie mit Ach und Krach geschafft - wegen vieler Probleme hat man ihr jetzt nur einen befrísteten Vertrag angeboten. Mit ihren Kollegen kommt sie absolut nicht zurecht, ich fürchte dass ihr Arbeitslosigkeit droht.

Mir fällt auf, dass sie selbst sich gnadenlos überschätzt. ZB. träumt sie davon das Abi nachzumachen, ihre Noten sind aber so schlecht, dass sie in keiner Schule aufgenommen wird. Ich habe ihr auch deutlich gesagt, dass ich das unter den gegebenen Umständen nicht finanzieren würde (sie lernt nicht, und wenn die Leistungen nicht stimmen sind die Anderen Schuld, niemals sie). Schule möchte sie nur deshalb machen, weil das weniger anstrengend ist als arbeiten.

Gespräche mit ihr, sind sinnlos. Ich merke regelrecht, dass sie sofort dicht macht.

Andererseits ist sie emotional noch nicht von mir gelöst.

Wie kann ich ihr weiter helfen? Denke sie würde es sich sehr viel einfacher machen, wenn sie etwas mehr reflektieren würde und etwas weniger egoistischer wäre.

Bin für jeden Tipp dankbar!

Grüße
Christiane

Hai, Christiane,

warum sollte sich Deine Tochter einen Kopf machen? Sie hat’s warm, trocken und ist satt…
Die einzige negative Folge von nicht-arbeiten und kein-Geld-verdienen ist doch, daß Mama schimpft - Mama schimpft seit zwanzig Jahren hin und wieder mal…

Das ist wie mit dem Schwimmenlernen, es geht nur im Wasser und Du willst Deine Tochter Schwimmen lehren, ohne daß sie in das so gräßlich nasse Wasser muß…

Meine Lösung wäre, dem Kind eine billige Wohnung zu suchen, sie auszuquartieren und sie alleine wurschteln zu lassen. Ich selbst würde nur eine minimale Notfallunterstützung leisten, z.B. eh sie aus der Wohnung wegen nicht-Bezahlen der Miete fliegt; eine Zeit lang ohne Strom zu leben geht aber durchaus und ist ausgesprochen lehrreich.

Erwachsen-werden funktioniert nur, wenn man auch die entsprechende Verantwortung übernehmen muss - und den Part übernimmst Du ja noch

Gruß
Sibylle

loslassen!
hallo christiane!

ich sehe das wie sibylle, ich befürchte, du kannst deiner tochter nur so helfen. sie muss lernen, auf eigenen beinen zu stehen und das kann sie nicht, wenn du sie hälst.

auch wenn es weh tut, wenn du siehst, dass sie vielleicht dabei ein paar mal auf die nase fällt, aber man muss auch mal klar sehen - du kannst nicht immer da sein. du wirst nicht immer da sein.

sie macht sich ein gemütliches leben, welches dir eigentlich zustehen würde und du machst dir sorgen, die eigentlich die ihren wären.

falls jetzt jemand auf meine vika/mein alter schaut, was ich da groß zu sagen hätte: ja, ich bin jung. nein, ich habe noch keine tochter.
ABER ich war mal so eine!

Hallo Christiane,

auch wenn es dir schwer fällt, deine Tochter muss alleine da durch. Sie ist erwachsen und selbst für ihr Leben verantwortlich. Dieses kann sie nicht lernen, wenn sie eine Mutter im Hintergrund hat, die ihr in jeder Lebenslage unter die Arme greift.

Als ich 20 war, bin ich von zu hause ausgezogen in meine erste klitzekleine Wohnung. Ich war damals in meinem 2. Ausbildungsjahr und habe mir alles selbst finanziert (Miete, Nebenkosten, Essen, Klamotten, usw.) Meine Eltern haben sich nicht in mein Leben reingehängt. Natürlich konnte ich mal zu ihnen kommen und mit ihnen reden, wenn ich Sorgen hatte, aber ich wusste, dass ich für mich und mein Leben selbst verantwortlich bin und dafür Sorge tragen muss, dass ich über die Runden komme.

Deine Tochter ist inzwischen nicht mehr in der Ausbildung, sondern hat einen Job, in dem sie ganz normal verdient. Ich würde raten, dass sie auszieht. Dann lernt sie auf eigenen Füßen zu stehen und was es heißt für sein Leben Verantwortung zu übernehmen.

Wenn du ihr zu sehr hilfst, machst du es nur noch schlimmer, auch wenn es von dir gut gemeint ist.

Gruß

Phoebe

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo,

mein Tip: verlange sofort einen Teil ihres Einkommens als Miet- und Essen-, Dienstleistungsanteil.
Biete deine allgemeine Unterstützung an aber mache klar, dass du wünschst, dass sie sich eine eigene Wohnung sucht und auf eigenen Beinen steht.
Falls sie weiter zur Schule gehen oder doch weiter arbeiten und ausziehen will, soll sie dir sachlich begründen wie sie ihre Ziele erreichen will und wie lange sie dafür braucht.
Halte diese Massnahmen schriftlich fest und unterschreibt beide.

Gruss D.K.

Hallo Christiane,

ich finde es schwierig, zu deinem Thema inhaltlich etwas zu schreiben, denn - verständlicherweise - beschreibst du ja nur einige Symptome, aber die ganze Geschichte (ihr und euer Leben bisher) ist ja unbekannt.

Meines Erachtens ist die Zeit so um die 20 eine Zeit, in der manchmal Dinge hochkommen, die bis dato erfolgreich weggedrückt wurden.
Ein Beispiel: Bei Scheidungskindern ist beobachtet worden, dass die Probleme, die die Scheidung für sie bedeutete, in den ersten Jahren nach der Scheidung für die Umwelt kaum sichtbar waren, Jahre später jedoch heftig an die Oberfläche drängten.

Ich weiß nicht, ob irgendetwas in der Art auf deine Tochter zutrifft, meine Idee wäre aber zu schauen, ob es vielleicht problematische Aspekte in ihrer Lebensgeschichte gibt, die weiter zurückreichen und in dem heute von ihre gezeigten Verhalten nachwirken. Erkennt man da eine Möglichkeit, könnte das helfen, das Heute besser zu verstehen und auf die jetzige Situation einzuwirken.

Selbst wenn es sich nur um die „normalen“ Wehwehchen des Erwachsenwerdens handelt, kann das das Leben manchmal leichter machen. Einfach, weil man eine Idee bekommt, was eigentlich los ist oder sein könnte.

Außerdem fallen mir noch folgende Fragen ein:

  • Hat sie gute (!) Freunde und Freundinnen?
  • Hat sie einen Freund? Hatte sie schon einmal einen?
  • Interessiert sie ihr Ausbildungsberuf, wenn auch vielleicht nur in Teilaspekten?
  • Was genau stört sie an ihren Kollegen, an der Firma, an ihren Vorgesetzten, an ihrem Joballtag?
  • Gibt es irgendetwas, was sie gerne tut, Hobby etc.?
  • Treibt sie Sport?
  • Geht sie raus? Trifft sie sich mit Leuten? Hat sie eine aktive Freizeit?
  • Zeigt sie Essstörungen?
  • Ist sie eher introvertiert oder extravertiert?
  • Ist sie schüchtern und/oder hat sie Schwierigkeiten mit Leuten in Kontakt zu kommen?
  • Hat sie Pläne und Ideen, die sie dann auch umsetzt?
  • Lacht sie viel, wenig, selten?
  • Gibt es Dinge, bei denen sie keine Probleme hat, dran zu bleiben, die sie stundenlang tun kann, ohne den Spass daran zu verlieren?
  • Woher meinst du zu wissen, dass sie nur deswegen wieder zur Schule gehen will, weil das angeblich weniger anstrengend ist als zu arbeiten? Ist das deine Interpretation oder hat sie das genau so gesagt?

Oberflächlich mangelndes Durchhaltevermögen in der Schule und in der Jobroutine oder auch ständig wechselnde Hobbys können übrigens auch damit zu tun haben, das jemand eigentlich über eine sehr gute Auffassungsgabe verfügt, bei Routinen schnell gelangweilt ist und erst dann aufblüht, wenn er/sie es mit ständig wechselnden Anforderungen zu tun hat. Ich gehöre zu dieser Sorte. Bei Routineaufgaben wird meine Leistung schnell höchstens durchschnittlich, habe ich einen Job, bei dem ständig neue Probleme zu bewältigen sind und kaum ein Tag wie der andere aussieht, ich ständig Brände löschen und Anweisungen im fliegenden Wechsel neuen Aspekten anpassen muss, werde ich richtig gut und kann Stunden ohne Pause durcharbeiten.

Meiner Mutter erschien es jedoch früher anscheinend so, als wäre ich partiell faul und hätte kein Durchhaltevermögen.

Ich hoffe, ich konnte dir ein paar Denkanstöße geben.

Grüße
Christiane

Meines Erachtens ist die Zeit so um die 20 eine Zeit, in der
manchmal Dinge hochkommen, die bis dato erfolgreich
weggedrückt wurden.
Ein Beispiel: Bei Scheidungskindern ist beobachtet worden,
dass die Probleme, die die Scheidung für sie bedeutete, in den
ersten Jahren nach der Scheidung für die Umwelt kaum sichtbar
waren, Jahre später jedoch heftig an die Oberfläche drängten.

Irgendwie erinnert mich diese Passage an mich selber. Als ich in der zweiten Klasse war, heulte ich wegen einer vermeintlichen Ungerechtigkeit. Ein Mitschülerin fragte mich, warum denn ich nun weinte…plötzlich schämte ich mich wegen meiner Heulerei und suchte einen passenden Grund, um nicht zugeben zu müssen, dass ich nur eine Heulsuse war. Also antwortete ich…‚weil man Papa gestorben ist‘. Stimmte auch, nur dass damals bereits gute 6 Jahre zurücklag und ich mich gar nicht an ihn erinnerte. Aber wer wollte mir die Schwindelei schon nachweisen und sie brachte mir außerordentliches Mitleid ein.

Sei es wie es sei, ich glaube Probleme in dem Alter haben schlicht mit dem ‚echten‘ Erwachsenwerden zu tun und weniger mit Scheidungen oder sonstigen Biografien.

Gruß Maid :smile:

Hallo Maid!

Sei es wie es sei, ich glaube Probleme in dem Alter haben
schlicht mit dem ‚echten‘ Erwachsenwerden zu tun und weniger
mit Scheidungen oder sonstigen Biografien.

Alle Probleme bei allen Jugendlichen/jungen Erwachsenen?

Grüße
Christiane

Hallo Maid!

Sei es wie es sei, ich glaube Probleme in dem Alter haben
schlicht mit dem ‚echten‘ Erwachsenwerden zu tun und weniger
mit Scheidungen oder sonstigen Biografien.

Alle Probleme bei allen Jugendlichen/jungen
Erwachsenen?

Hi!

Ist das nicht ziemlich egal? Schleppt nicht fast jede/r irgendwelchen potenziell hinderlichen Ballast herum? Ich denke, wenn jemand offensichtlich nichts Rechtes mit sich anzufangen weiß, ist ein bisschen Ursachenforschung (und Anregung) nie verkehrt. Wenn man weiß, woher man kommt, ist es doch auch leichter, eine Richtung für die Zukunft zu finden, oder?

Schönes Wochenende!

Beate

OT

Schönes Wochenende!

Dir auch! Ich hoffe, du sitzt jetzt nicht mehr in der Firma, ansonsten muss ich wohl mal eine E-Mail an deinen Cheffe schreiben!! :wink:

Grüße
Christiane

ich weiss ja nicht ob der ausbildungsberuf nun wirklich ihr traumjob war. es kann auch daran liegen dass es ihr so schwer fällt im job.
abgesehen davon stimme ich den anderen zu. frag sie was sie gerne will in den nächsten monaten - redet sie vom ausziehen? dann motiviere sie dahingehend. es ist wichtig das sie lernt, das alles was sie tut oder lässt folgen hat für die sie allein geradestehen muss.

egal ob es ihr traumjob war oder nicht, ob sie nun pläne hat die dir ein wenig schräg erscheinen - es wird ihr helfen wenn sie weiss, ihre mutter traut ihr das alles zu.

finanzielle unterstützung in sachen wohnung würde ich auf keinen fall ankündigen - denn dann wird sie wieder wissen, andere springen ein - genau das sollte aus meiner sicht aber nicht der erste oder zweite gedanke für sie sein wenn sie nun allein lebt.

das du berichtest ist aus meiner sicht im grossen und ganzen das was alle mütter oder eltern bei ihren kindern befürchten und wieviel von deiner sichtweise wirklich „so arg“ ist, bleibt offen:wink: - mütterliche sorge sieht oft die dinge überzogen so ich finde.

ich bin mit gerade 3 wochen 21 jahren 950 km von meinen eltern wegge- zogen - nach einer ausbildung die ich mit ach und krach geschafft habe - obwohl ich mir den arsch aufgerissen hatte - aber mir lag der job enfach nicht - ich wollte alles werden - aber niemals wollte ich ins büro - da bin ich aber gelandet. - ich habe dann fern der eltern meine erste kleine wohnung gehabt, habe lange genau diese jobs gemacht (weil sich nix besseres auftat so fix) und einen hohen preis bezahlt dafür dass ich mir von meinen eltern zuvor alles was mir freude gemacht hätte ausreden zu lassen. - letztlich aber fand ich dann den mittelweg.
so hatte ich dann gute posten, die notwenige hier bereits erwähnte abwechselung (jobs mit extrem viel routine z.b sind für mich tötlich und alles was mich langweilt, nicht fordert in der richtung wie ichs gebraucht hab führte zu miesen leistungen)

sie muss ihren weg erstmal finden - sie ist 20 keine 80 - sie ist am anfang eines langen weges - ich finde es eher fast nicht normal wenn jemand in dem alter bereits so fertig in der formung ist, dass die person keine aufgaben an sich zu finden und bewältigen hätte.

was du schreibst wirkt auf mich in keiner weise wirklich bedrohlich - dass die elterliche fürsorge da ein wenig gefoltert wird mag sein - liegt aber aus meiner sicht auch in der betrachtungsweise - die säuft nicht, sie geht in ihre arbeit, sie gibt also ihr bestes - was das beste wiederum für sie ist, wird sie noch herausfinden müssen.

reicht das nicht fürs erste um jemanden zuzutrauen sein leben zu meistern? - ich finde ja es reicht, wenn der anspruch der eltern nicht „nur“ der eigenen beruhigung dient :smile: lass sie sich erfinden, das ist die aufgabe von jungen menschen und es ist normal das nicht alles glatt geht, das muss sogar so finde ich, sonst würde man nie neues versuchen, nie nach dem für sich selbst besseren ausschau halten. und wenn sie ein wenig änger braucht als du gehofft hast - so geh mal davon aus, das es einen sinn hat das es ist wie es ist - zumal es nicht das schlechteste ist wie es ist oder?

liebe grüsse

nina