Hallo,
zuerst: was Sharon schreibt, stimmt und hat Hand und Fuß.
Viele Trotzanfälle kann man voraussehen und verhindern, solange sie noch nicht passiert sind (–> Ablenkung). Wenn es zu spät ist, cool bleiben, nicht selber ausrasten. Wenn es ein wirklicher Trotzanfall ist, nützt zum Zeitpunkt des Anfalls auch nicht mehr, dem Kind nachzugeben.
Nur möchte ich unsere Erfahrungen mit unserem Sohn beitragen.
Es ist unser jüngerer Sohn, wir dachten, wir wären vom ersten her etwas gewöhnt, was Trotzanfälle betrifft – Pustekuchen! Er schrie wie am Spieß. Sein Bruder hatte schon immer während dieser Zeit seine Kopf auf den Boden gehauen. Wir haben ihn immer an den Hosenträgern (trug meistens Latzhosen und war sehr leicht) auf eine Matraze gelegt, wo er sich nach Herzenslust austoben konnte. Der jüngere unterlief das, in dem er immer nach scharfen Ecken und Kanten Ausschau hielt, um seine Stirn draufzudonnern. Er hat heute noch mitten auf der Stirn eine wunderschöne Narbe. Ich versuchte ihn festzuhalten (liebevoll, vor mir auf dem Schoß, sobald ich dachte, er hat sich beruhigt, ließ ich locker und er warf den Kopf nach hinten und mir von unten ans Kinn). Es dauerte fast immer eine Stunde, manchmal auch zwei. Jeden Tag ein großer Anfall, mehrere kleinere.
Seine schlimmsten Trotzanfälle geschahen nach dem Aufwachen nachmittags.
Dann kam folgende Beobachtung: Morgens war er auch nicht gut drauf. Er wachte auf und verlangte seine Milch. Sehr rabiat, schnell ausrastend und auch aggressiv. Natürlich denkt man erstmal: nicht nachgeben. Grenzen setzen. Kontrolle. Irgendwann fiel uns aber auf, dass er, sobald er die Milch intus hatte, der fröhlichste, ausgeglichenste, netteste Junge war. Mhm…
Wir haben das dann nachmittags versucht - sofort nach dem Aufstehen etwas zu essen, etwas zu trinken, Traubenzucker, etwas das schnell „ins Blut geht“. Und konnten die Trotzanfälle minimieren. Haben wir sein Aufwachen verpasst, war ihm kaum noch was einzuflößen, gelang es uns (was ein Kampf!) beruhigte er sich innerhalb weniger Minuten.
Wir waren natürlich daraufhin beim Arzt. Resultat: eigentlich keines. Alles in Ordnung. Lediglich: sehr hohe Schwankungen im Blutzuckergehalt.
Übrigens hat er noch heute Probleme, seine Gefühle (Wut, Aggression, etc.) unter Kontrolle zu halten, wenn er nichts gegessen hat. Oder umgekehrt, wenn er etwas isst oder ein Glas Orangensaft trinkt, gelingt es ihm leichter, seine Emotionen zu kontrollieren.
Vielleicht hilft euch dieser Tipp.
Aber das ist nur eine Erfahrung einer Familie mit einem Kind. Ihr müsst selbst herausfinden, wie euer Kind tickt, auf was es reagiert. Dabei hilft es zu wissen, dass Trotzanfälle normal sind, auch wenn sie bei verschiedenen Kindern unterschiedlich ausgeprägt auftreten. Dagegen anschreien oder gar klapsen, hauen etc. hilft mit Sicherheit nicht. Es ist nichts, was ein Kind kontrollieren kann. Aber es kann mit zunehmendem Alter lernen, damit umzugehen. Manchen fällt das leichter, anderen weniger.
Ich wünsche euch viel Ruhe und Durchhaltevermögen.
Gruß
Elke