Tochter langsam loslassen

Guten Tag,
Ich schreibe jetzt hier da mich irgendwie sonst niemand versteht.
Seit mehreren Tagen bin ich sehr nachdenklich und könnte nur noch weinen. Meine 10-jährige Tochter kommt nach den Sommerferien auf die Gesamtschule und ist jetzt von der Grundschule verabschiedet worden. Aber irgendwie komme ich damit nicht richtig zurecht, sie kommt mir schon so groß und selbständig vor. Ich habe immer wieder meine kleine Maus vor Augen als sie eingeschult worden ist. Wenn sie von der Schule nach Hause kommt, gegessen und und die Hausaufgaben gemacht hat will sie schon direkt zu ihren Freunden gehen. Ich vermisse sie dann richtig doll. Selber gehe ich auch bis mittags arbeiten, also ich mache auch mein Ding. Wenn sie dann weg ist bin ich sehr häufig am weinen. Ich würde gerne wissen ob das normal ist oder was mit mir los ist. Ich weiß einfach nicht mehr weiter vielleicht kann mir jemand tipps geben.

Gruß Melli

hi,

aber in der überschrift steht langsam! loslassen…

macht ihr beide nix zusammen - so nen frauenabend oder familientag oder sowas? das hört sich so an als ob ihr von heute auf morgen
jeder sein ding macht…

ich würde es viell. so machen - dass ich so was wie nen familientag oder mama-tochtertag wo nur ihr beide was macht einführ…

dann hab ihr beide losgelassen aber nicht ganz - sie ist ja erst 10…

viell. hilft dir das

und das weinen schein eher normal zu sein -meine mom hat auch geweint in dieser phase (obwohl jedes zweite wort war - freu ich mich wenn du 18 bist und deine eigenen wege gehst)

lg

Guten Tag,

hi,

aber in der überschrift steht langsam! loslassen…

macht ihr beide nix zusammen - so nen frauenabend oder
familientag oder sowas? das hört sich so an als ob ihr von
heute auf morgen
jeder sein ding macht…

ich würde es viell. so machen - dass ich so was wie nen
familientag oder mama-tochtertag wo nur ihr beide was macht
einführ…

Vieln Dank für die Antwort.
So etwas mache ich öfters mit ihr. Erst letzten Samstag waren wir zusammen bummeln gegangen, trotzdem fängt es immer wieder bei mir an.

lg

Hi Melli,

klingt, als ob Du Alleinerzieherin bist.

Ein wenig kann ich Deine Gefühle nachvollziehen, meine Jungs sind in etwa genauso alt.

Im Gegensatz zu Dir bin ich aber stolz, daß sie immer selbständiger werden und immer größere Flügel kriegen.
Ich vermiss sie natürlich, wenn sie nicht da sind, freue mich, wenn sie da sind.
Versuche es als Bestätigung Deiner Erziehung zu sehen, daß Du einen Menschen herangezogen hast, der selbstbewust und stark ist. Genieße die Zeiten umso mehr, wenn Deine Tochter bei Dir ist, akzeptiere es, daß diese Zeiten immer weniger werden und irgendwann eine junge Frau bei Dir auszieht.

Es ist schwer und manchmal empfinde ich das Haus erschreckend leer, wenn meine Jungs auf Tour sind.
Aber so ist das (leider?!).
Aber wenn Du Kinder ziehen läßt, kommen sie garantiert wieder!

Gandalf

Hallo,
ich bin nicht alleinerziehend, bin glücklich mit dem Vater meiner Tochter verheiratet.
Natürlich bin ich sehr stolz auf sie und das sage ich ihr auch. Ich denke wenn man 2 oder mehr Kinder hat ist es vielleicht nicht ganz so schwer.

lg Melli

Hi

Das hört sich an als würde dir etwas fehlen, woran du bislang nicht dachtest, weil du ja immer deine Tochter um dich hattest.

Wie ausgelastet fühlst du dich denn? Vielleicht brauchst du einfach eine Freundin mit der du was unternehmen kannst, oder einen Sportverein.

Du hast dich bisher immer stark auf deine Tochter konzentriert und auch wenn du schreibst, dass du trotzdem „dein Ding“ machst, war das ja eine Menge Zeit die du jetzt umverteilen kannst. Entweder fehlte dir vorher vielleicht was oder erst jetzt reichen deine sonstigen Nebenaktivitäten nicht mehr, um dich auszulasten.

Das Weinen kann, neben dem natürlichen Vermissen der Tochter, auch dahe rühren, dass du dich nicht voll fühlst und dadurch etwas einsam, auch wenn dein Mann zuhause ist kann das passieren.

Vielleicht würde dir ein neues Hobby oder etwas mehr raus gehen und Kontaktsuchen weiterhelfen?

(ich kann mit meiner Interpretation natürlich auch völlig danebenliegen und du weißt vor lauter Stress nicht wie du dich drehen sollst - dennoch sollten Tätigkeiten auch Spaß machen. Wenn du dich den ganzen Tag dank Arbeit, Wäsche waschen, Essen kochen, Flur fegen ausgelastet fühlst, aber daran keinen Spaß hast, laugt dies das innere Stimmungsbarometer auch aus)

lg
Kate

Hallo Melli,

Natürlich bin ich sehr stolz auf sie und das sage ich ihr
auch. Ich denke wenn man 2 oder mehr Kinder hat ist es
vielleicht nicht ganz so schwer.

Warum meinst du? Das zweite, dritte, vierte wird ja auch irgendwann flügge.

Gruß
Miriam

Hallo Melli,

ich finde es gut, dass du das registrierst, dass da „etwas bei dir nicht ganz stimmt“ und dich frühzeitig damit auseinandersetzt. Denn nur so kannst du selber gegensteuern!

Deine Überschrift sagt doch alles aus. Das heisst: Der Kopf weiß, dass das, was da passiert, nämlich die langsame Abnabelung völlig normal ist. Jetzt musst du „nur noch“ gucken, dass du den Bauch hinterher bringst.

Ich kann dir nur dringend ans Herz legen, dass du sehr aktiv an dir arbeitest. Es steht die Pubertät ins Haus. Deine Tochter wird spüren, dass du damit emotional ein Problem hast. Also solltest du gucken, deinen Seelenfrieden mit diesem Prozess gefunden zu haben, bevor sie die Abnabelung offensiv betreibt (als Zeichen der Pubertät - das jetzt ist ein Vorgeplänkel und noch nicht offensiv!). Sonst drohen größere Verletzungen und Konflikte in der Pubertät und die Gefahr, sie wirklich zu verlieren.

Mach dir den Unterschied klar: Sie fängt jetzt nur an, ihre Wege zu gehen, was völlig normal ist. Du verlierst sie nicht! Das würde nur dann drohen, wenn du sie so begluckst, dass sie sich mit „Gewalt“ losreissen müsste.

Wie du damit umgehst, ist ein wenig Mentalitätssache. Du kannst dir aber auch Krücken bauen. Betrachte den Schritt in die Gesamtschule als symbolischen Schritt, dass du sie auf einen neuen Wegabschnitt entlässt. Plane - vielleicht mit ihr gemeinsam - irgendein Ritual, was das verdeutlicht. Wenn du sie einbindest, kannst du ihr dabei sagen, dass du stolz darauf bist, dass sie jetzt diesen Weg geht. Du kannst dir auch immer vornehmen, wenn es dich erwischt und du weinst / weinen möchtest, du dir in dem Moment die positiven Folgen dieser Selbstständigkeit vor Augen führst.

Last not least: Was gibt es, was du früher immer mal machen wolltest und nicht machen konntest, weil die Tochter noch zu klein war. Etwas, was du für dich machen wolltest. Such dir was und fange es jetzt an. Nutze den neuen Abschnitt deiner Tochter für einen neuen eigenen.

LG Petra

Mach dir den Unterschied klar: Sie fängt jetzt nur an, ihre
Wege zu gehen, was völlig normal ist. Du verlierst sie nicht!
Das würde nur dann drohen, wenn du sie so begluckst, dass sie
sich mit „Gewalt“ losreissen müsste.

Wie du damit umgehst, ist ein wenig Mentalitätssache. Du
kannst dir aber auch Krücken bauen. Betrachte den Schritt in
die Gesamtschule als symbolischen Schritt, dass du sie auf
einen neuen Wegabschnitt entlässt. Plane - vielleicht
mit ihr gemeinsam - irgendein Ritual, was das verdeutlicht.
Wenn du sie einbindest, kannst du ihr dabei sagen, dass du
stolz darauf bist, dass sie jetzt diesen Weg geht. Du kannst
dir auch immer vornehmen, wenn es dich erwischt und du weinst
/ weinen möchtest, du dir in dem Moment die positiven Folgen
dieser Selbstständigkeit vor Augen führst.

Last not least: Was gibt es, was du früher immer mal machen
wolltest und nicht machen konntest, weil die Tochter noch zu
klein war. Etwas, was du für dich machen wolltest. Such dir
was und fange es jetzt an. Nutze den neuen Abschnitt deiner
Tochter für einen neuen eigenen.

LG Petra

Vielen Dannk für die lieben Ratschläge. Ich werde sie aufnehmen und hoffentlich kann ich bald normal mit dieser Situation umgehen. Es tut mir richtig gut darüber zu schreiben und von anderen tipps zu kriegen.

Liebe Grüße Melli

lieber etwas schneller :wink:
Hallo!

Eine kleine Geschichte zum Anfang:

Mein Sohn war ca. 7 Jahre alt, als wir ihn für 1 Woche bei meiner Schwester (5h Fahrt entfernt) unterbringen wollten. Mein Mann und ich freuten uns auf die Kinderlose Zeit und das Kind freute sich auf seine Cousins. Er war schon früher bei Freunden über Nacht, aber so lange hatten wir ihn noch nie weg gegeben.

Wir reisten abends dort an und wollten am nächsten Morgen weiterfahren. Schon abends diskutierten meine Neffen und Nichten mit meinem Kind, warum die Eltern denn bis zum nächsten Tag bleiben wollten und nicht sofort weiterfuhren. :smile:

Am nächsten Vormittag hatten mein Mann und ich Mühe, uns richtig von unserem Kind zu verabschieden. Ein flüchtiger Kuss, mehr war nicht drin, uns fiel der Abschied offensichtlich schwerer als unserem Kind.

Und jetzt kommt der Punkt, an dem man sich Folgendes überlegen sollte: Ist das nicht besser so als mit großem Wehgeschrei und Theater seitens des Kindes?
Und ist es nicht ein Vertrauensbeweis? Unser Sohn ist sich offensichtlich unserer sehr sicher, er hat keine Angst, dass wir nicht wieder kommen.
Uns war zwar ein wenig larmoyant zumute, aber eigentlich waren wir sehr stolz auf unser großes Kind, das übrigens die ganze Woche über keinerlei Heimwehanfälle hatte. Sich aber auch sehr freute, als wir wieder da waren.

Am 1. Schultag habe ich ihn zum Schulbus gebracht. Am 2. Tag durfte ich schon nicht mehr mit, obwohl ich das starke Bedürfnis hatte, ihn zu begleiten. Ich habe mich aber am Riemen gerissen und es hat sich alles bestätigt: Er ist jeden Tag pünktlich im Bus angekommen.

Einige Wochen später war ich zufällig morgens an der Bushaltestelle und sah, wie eine Mutter ihr Kind (anscheinend täglich) unter Tränen verabschiedet. Das kann doch auch für das Kind nicht gut sein, oder? Außerdem ist das dem Kind doch peinlich, das sollte man sich auch mal überlegen.

Also, harte Worte: reiß Dich zusammen, es muss sein. Wenn Du das partout nicht schaffst, hole Dir Hilfe. Offensichtlich hast Du ein massives Problem, dass Du evtl. selber nicht in den Griff bekommst. Tu es auch Deinem Kind zuliebe. Dräng dich nicht auf.

Schöne Grüße und alles Gute
kernig

Hallo Melli,

bitte tu Dir selbst einen Gefallen und hadere nicht mit Dir, wenn Dir zum Weinen zumute ist. Such Dir in Deinem Alltag Nischen, in denen Du Deine Traurigkeit ausleben kannst. Es muss ja nicht die ganze Welt mitkriegen, schon gar nicht Deine Tochter. Aber Trauer wegschieben oder gar nach irgendeinem allgemeinen Bewertungssystem für normal oder unnormal zu beurteilen? Davon halte ich nichts. Schau Dir Deine Gefühle genau an.
Allein bist Du mit Deinem Problem gewiss nicht. Wer kleine Kinder hat wird gebraucht. Das macht das Leben so angenehm sinnvoll, daran kann man sich schön gewöhnen. Plötzlich weiß man, warum man auf der Welt ist.
Dir ist sicherlich klar, dass das Abnabeln im wahrsten Sinne des Wortes schon mit der Geburt Deiner Tochter begonnen hat, nur war Dir das da vielleicht nicht ganz so vor Augen. Kein Wunder, dass es vielen Eltern/Frauen so schwer fällt, wenn das Baby in ein eigenes Zimmer zieht, wenn’s ans Abstillen geht, wenn’s in den Kindergarten geht und so weiter. Mit dem Beginn der Pubertät entwickelt das Kind dann von sich aus enorme Abstossungskräfte, das sehe ich bei meinem 11jährigen Stiefsohn. Das darf ruhig weh tun.
Als mein erstes Kind zur Welt kam, war da plötzlich ein Gedanke in meinem Kopf, der mir seither das Abnabeln recht erleichtert: Dich auf einem Stück Deines Weges BEGLEITEN zu dürfen, ist das größte Geschenk, das mir zuteil wurde. Mehr ist es letztendlich nicht und mehr gehört uns auch glücklicherweise nicht.

Ich wünsch Dir was!
Andrea