Tod in Venedig (Novelle)-schwacher Held

Schönen Guten Abend!
Die Novelle "Tod in Venedig besitzt einen „schwachen Helden“-nämlich Gustav von Aschenbach, ein Künstler, der nach Venedig reist, sich dort in einen 15-jährigen Jungen verliebt und letztendlich an Cholera stirbt.

Das Werk wurde 1912 von Thomas Mann geschrieben…Nun meine Frage:

Warum verwendete Thomas Mann so einen „schwachen Helden“ für seine Novelle?

Es wäre halt wichtig diesen „schwachen Helden“ auf das Zeitgeschehen um 1912 zu beziehen, also warum so ein „schwacher Held“ gerade in diese Zeit passt!?

Hallo!
Fng mal mit diesen Suchbegriffen an:
http://de.wikipedia.org/wiki/Dekadenzdichtung
http://de.wikipedia.org/wiki/Fin_de_siecle

Leseempfehlung:
http://www.amazon.de/Jahrhundertd%C3%A4mmerung-Jens-…

Hi,

war der Normalbürger in dieser Zeit nicht sowieso schwach? Ein „starker“ Held hätte ein Angehöriger „höherer“ Stände gewesen sein müssen, und die ach so starken „Helden“ sind irgendwie auch so langweilig, dass sich kein Leser mit ihnen identifizieren kann.

Das wahre Heldentum liegt doch darin, im Kampf mit den eigenen Schwächen einigermaßen zu bestehen oder „unterzugehen“ wie Leonidas mit seinen 300 Spartanern … (m. E. überbewertete Publicity)

Übrigens ist jeder Einzelne von uns ein geborener Held! Seit der Geburt leben wir alle im Angesicht des Todes und drehen trotzdem nicht durch (… meistens … oder wir denken nicht darüber nach … was interessante Korrelationen provoziert zwischen Heldentum und der dazu nötigen Intelligenz …).

Das ist doch auch stark, oder?

Lieben Gruß
Günter

Hallo Günter!

Das kann ich gut für meinen Roman gebrauchen. Sternchen von mir.

Grüße

Andreas

Super Antworten von euch beiden, DANKE!
Da ich den Bezug zur damaligen Gesellschaft suche, wäre es vielleicht denkbar, dass es so einen Aussenseiter als Held gab, weil es vielen Leuten um 1912 materiell nicht so gut ging?

Hi,
man schreibt immer nur für die, die sich das Buch leisten können.
Damals also wohlhabendes Bürgertum und Oberschicht.
Der Held durfte also weder der einen noch der anderen Klasse angehören, denn davon hatten die jeweiligen Leser schon selbst genug am Hut.
Also nehme man einen Künstler. Diesem darf man auch Freiheiten und Sehnsüchte zuschanzen, die sich Andere nie erlauben / eingestehen würden. Wobei diese Neigungen natürlich „wie Asche den Bach runter“ („Aschenbach“ - okay, es gibt bessere Kalauer :wink: ) gehen müssen, damit sich die christliche Moral wieder bestätigt fühlt.
So sehe ich den Plot.

Lieben Gruß
Günter

… nicht einmal Märchenerzähler leben heute noch von „Sterntalern“ … :wink:
Trotzdem Danke!

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Hallo,
ich finde, der schwache Gustav von Aschenbach passt super zu der Zeit der Decadence-Strömung: Verfall tradierter Werte, die daraus resultierende Unsicherheit. Ein einheitliches, nie wirklich hinterfragtes Weltbild ist ins Wanken geraten! Sowohl Aschenbach als auch Thomas Mann befanden sich in einer Zeit grundlegender Umwälzungen. Decadence: Der typisch anti-vitale Mensch. Da passt dann natürlich ein schwacher, unsicherer Held…
Hoffe, ich konnte dir ein bisschen helfen =)
Lg Julietta