Hallo Wer-Weiss-Was Mediziner,
ich studiere Medizin (im ersten Semester, also noch absoluter Laie), und befasse mich momentan noch mit der Vorklinik. Allerdings werden natürlich auch immer wieder Teile der Klinik angeschnitten, und so habe ich mich im Zuge der Situs-Makroskopie auch ein wenig mit Prostatakarzinomen befasst. Nun hab ich mich gefragt.
Was ist eigentlich die Todesursache bei Krebs generell?
Natürlich weiß ich, dass die Metastasen und/oder (multiples) Organversagen meist die Todesursache ist, aber ich frage mich: warum?
Ich verstehe nicht, wie ein beispielsweie Tennisball-großes Geschwülz (was ja übertrieben groß ist) im rechten Lungenflügel schließlich zum Tod führen kann, wo doch der Körper auch mit nur einem Lungenlappen völlig lebensfähig ist?
Manche Dinge kann ich mir erklären. Wenn der Krebs in die großen Blutbahnen metastasiert, kommt es zu Embolien oder Thrombosen (vermute ich). Einige Krebsarten metastasieren auch massiv in die Lymphbahnen (Hodenkrebs beispielsweise), und ich vermute, man stirbt schließlich an den dadurch entstehenden Vergiftungen.
Aber sicher bin ich mir nicht, und es gibt ja auch viele andere Ursachen (wodurch entsteht das multiple Organversagen?), die schließlich zum Tod führen.
Kann mir jemand auf die Sprünge helfen?
Viele Grüße und Danke im vorraus
Leon
Hallo,
nur ein kleiner Anteil der tumor-assoziierten Todesfälle geht auf den Primärherd zurück, bei dem Gros der Patienten haben sich bereits Metastasen ausgebildet, die dann zu weiteren fatalen Beeinträchtigungen führen.
Ein wichtiger Todesgrund ist die Tumorkachexie. Ausgelöst durch den immensen Energieverbrauch der entarteten Zellen bleibt für die restlichen Gewebe nicht mehr genügend übrig, was zu einer schnellen Abmagerung und Entkräftung führt.
Ebenfalls bedeutend sind invasive Prozesse, die Gefäße verengen oder etwa Thromben/Emboli ausbilden. Weiterhin sind auch systemische Faktoren von Relevanz, nicht wenige Patienten versterben an multiplem Organversagen bzw. Leber- oder Nierenversagen.
Daneben tritt häufig der Tod durch Komplikationen oder „kleinere“ Folgeerkrankungen, wie etwa Infektionen, insbesondere Pneumonie, ein.
Mit freundlichen Grüßen
jaZoo
Der Zerfall von Zellen, die Invasion der Tumorzellen in das gesunde Gewebe setzt Gewebsthromboplastin frei. Viele Tumorzellen produzieren zudem auch Gewebsthromboplastin. Das führt zu einem ständigen Stimulus der Gerinnung auch an entfernteren Stellen im Gefäßsystem. Das ergibt sowohl eine Neigung zu Thrombosen als auch, durch Verbrauch von Gerinnungsfaktoren, zu Blutungssituationen. Man nennt das Verbrauchskoagulopathie oder DIC (Dissiminierte Intravaskuläre Coagulation). Sie ist Teil des multiplen Organversagens, weil sich die Prozesse (auch durch Metastasierung) in den Kapillaren der Organe manifestieren.
Udo Becker
Hallo Leon,
auch wenn ich mich gleich mit meiner Antwort in die Nesseln setze 
Also Todesursache ist beim Krebs und bei den anderen Erkrankungen immer der Herzkreislaufstillstand. (abgesehen von traumatischen Kopfamputationen oder sowas).
So und wenn man nachdenkt was den dazu führen kann, dass das passiert, dann kommt man auf viele Ursachen. Zu einem was die anderen schön ausgeführt haben (paraneoplastische Syndrome) mit der Gerinnung und sowas alles.
Meist ist es aber, wie auch schon erwähnt, eine eher banale Erkrankung mit der der Körper aufgrund einer erworbenen Abwehrschwäche nicht mehr zurechtkommt sie zu beherrschen. Die führt über den jeweiligen Mechanismus zu Sauerstoffmangel, Elektrolytdissbalance oder sonst über weitere Mechanismen zum Tod.
Anja
Was soll ich sagen?
Keine offenen Fragen mehr, Thema abgehakt. Vielen Dank euch allen.