Hallo liebe Experten,
ich habe eine Frage zu einem Todesfall einer 86-jährigen Dame, die bis zuletzt fast völlig selbständig in ihrem eigenen Häuschen gelebt und gewirtschaftet hat. Einzig zum Einkaufen fuhr sie die Enkelin, welche im Obergeschoss gelebt hat. Die alte Frau hatte seit ca. 3-4 Wochen einen sehr produktiven Husten, der sich richtig „tief“ anhörte. Der Schleimauswurf funktionierte gut, die Angehörigen machten sich jedoch Sorgen wegen des Hustens. Seit dem Tod des Ehemannes kam wöchentlich der Hausarzt zu der alten Dame, um Blutdruck und Allgemeinzustand zu übeprüfen (quasi als Fortführung der ärztlichen Betreuung, denn vor dem Tod des Mannes kam der Arzt wöchentlich vorbei, um den Ehemann zu untersuchen). Die alte Dame war vor 2 Jahren für 7 Wochen im Krankenhaus bzw. in Reha, nachdem eine Lungenentzündung sie völlig außer Gefecht gesetzt hatte. Diese Lungenentzündung wurde damals im Vorfeld nicht erkannt, die Enkelin fand die alte Frau damals hintenübergekippt und völlig geschwächt auf einem Stuhl in der Küche. Nach dieser Erkrankung erholte sich die Frau jedoch schnell wieder und war bald wieder die rüstige alte Dame, wie man sie kannte. Seit ca. 10 Jahren bekam die Frau folgende Medikamente täglich:
- Digimerck minor 0,5 (1 morgens)
- Metohexal Succ 95mg (1 morgens)
- Ramipril 5mg (1 morgens + 1/2 abends)
- Furosemid 40 (1 morgens + 1 mittags)
- Spironolacton 50 (1/2 morgens)
- Novonorm 0,5 (1 morgens + 1 abends)
- Carbimazol 10 (1/2 morgens)
Das Furosemid liess die Dame seit 1 Woche auf Anraten des Hausarztes weg, da sie an einem Morgen zweimal umgekippt war, was der Hausartz auf einen Flüssigkeitsmangel zurückführte und riet, das Furosemid wegzulassen.
Die Tochter der Frau drängte die Dame, dem Hausarzt bei seinem nächsten Besuch auf den Husten aufmerksam zu machen, was die Dame auch tat. Der Arzt hörte sie ab, er hörte sie laut Aussage der Dame auch Husten und schrieb ihr anschl. auf ein Privatrezept den Hustensaft „Silomat“ auf. Die Apothekerin machte die Enkelin darauf Aufmerksam, dass der Silomat Hustensaft gar nicht mehr im Handel sei, und gab ihr als Ersatz „Neotussan“ Hustensaft. Diesen nahm die Frau nun auch regelmäßig ein.
Drei Tage später wurde sie morgens tot in ihrem Bett gefunden. Sie war jedoch nicht im Schlaf gestorben, denn sie hatte sich bereits morgens das Gebiss eingesetzt und angefangen sich anzukleiden. Anschl. legte sie sich wieder in ihr Bett, wo sie dann verstarb. Der Arzt, welcher die Todesursache feststellte, sagte den Angehörigen, sie sei entweder an einem Herzschlag gestorben oder an den Folgen einer Lugenentzündung. Darauf deute auch der mit Blut vermischte Speichel hin, der ihr beim auf die Seite drehen aus dem Mund lief.
Die Enkelin fand einige Tage später heraus, dass der Hustensäfte Silomat sowie Neotussan für trockenen Reizhusten sind, und im schlimmsten Fall sogar den Auswurf beim produktiven Husten verhindern können. Sie und die anderen Angehörigen fragen sich nun, in wie fern dieser Saft sowie die Fehldiagnose des Hausarztes zu ihrem völlig unvorhergesehenen Tod beigetragen haben könnten.
Der Hausarzt der Dame ist Mitte 50 und es ist in der Stadt allgemein bekannt, dass er ein starkes Alkoholproblem hat. Die Enkelin hat selbst gesehen, dass die Hände des Arztes beim Abhören der Dame nachdem sie morgens zweimal umgekippt war, starkt gezittert haben.
Vielleicht können Sie in diesem Fall etwas Licht ins Dunkel bringen. Was sollen die Angehörigen tun?
Liegt ein Verschulden des Arztes vor?
Kann ein Hustensaft für Reizhusten durch eine Verhinderung des Abhustens zu Keimen in der Lunge und anschl. zum Tod führen?
Vielen Dank
Carpasia