Todkranken besuchen oder nicht

Geh hin, sonst machst du dir ewig Vorwürfe …
Dass du dir eigentlich wirklich nichts vorzuwerfen hast, steht dabei auf einem ganz anderen Blatt. Gehe hin und nimm einfach Abschied von ihm - wie auch immer.

Schöne Grüße
Miss E. Tat

Das sollte sie für sich selbst tun (eben wenn es ihr ein
Bedürfnis ist, was ich aus ihren Zeilen lese).

Genau.

Warum ist es
dir also überhaupt ein Bedürfnis, hinzugehen, wenn er ganz
nichts mehr von dir will?

Erwartest Du eine rationale Begründung für ein emotionales Bedürfnis?

Gruß
Kreszenz

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Hi Frau W.,

Möchtest du ihm die Absolution erteilen? Wenn ja, warum?
Absolution kann aber nur jemand erteilen, wenn sich der andere
seiner Schuld bewusst ist.

Da hast Du was völlig falsch verstanden und ich vermute, dass Du so heftig reagierst, weil Du selbst in ähnlicher Sache verstrickt ist. Versöhnung bzw. Versöhnungsversuche sind - ob es klappt oder nicht - ein für mich „gesundes“ Bedürfnis. Auch die Peiniger haben oft auf dem Sterbebett das Verlangen, in Frieden zu gehen und es ist eine Anmaßung, darüber zu urteilen.

Gruß,

Anja

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Hi,

ich würde sagen geh hin.
Du kannst nichts verlieren dadurch denn im schlimmsten Fall kommst du ins Zimmer und er spricht nicht mit dir…
Im besten Fall kannst du ein schwieriges Kapitel deines Lebens zu einem guten Abschluss bringen und musst das alles nicht als Bremsklotz hinter dir herziehen.

Dein Kind würde ich allerdings nicht mitnehmen. Die Situation ist für dich schon schwierig genug und dann musst du nicht nur deine Gefühle verarbeiten sondern auch noch darauf achten dass der Besuch für dein Kind nicht zum Problem wird.

Wenn der erste Besuch gut gelaufen ist - dann würde ich darüber nachdenken dein Kind nochmal mitzunehmen.

viele Grüße und alles Gute egal wie du dich entscheidest.

Susanne

Tja, also keine guten Vorzeichen. Warum nimmt es mich dann so
mit nun zu hören dass es ihm so extrem schlecht geht? Ich bin
hin und her gerissen, einerseits möchte ich ihn besuchen und
ihm, falls es ihm ein Bedürfnis wäre, sagen dass alles gut ist
und er sich keine Vorwürfe machen braucht. Andererseits,
womöglich macht er sich gar keine Vorwürfe, bzw. ist es ihm
ziemlich egal. Ach ich weiss nicht, was würdet ihr tun?

Hallo!

Ich verstehe dein Beürfnis, mit ihm noch mal reden zu wollen und die letzte Gelegenheit zu nutzen, noch Dinge zu klären und sich auszusprechen.

Aber Vorsicht! Dein Besuch bei ihm könnte alte Wunden aufreißen. Er könnte verbittert sein und vielleicht auch schon etwas verwirrt. Es könnte sein, dass er zu den ganzen Verletzungen, die er dir früher angetan hat, noch ein paar obendrauf setzt. Ich glaube nicht, dass du von ihm Reue erwarten kannst. Eher Vorwürfe, Verbitterung, Unzufriedenheit.

Selbst Leute, mit denen man ein Leben lang ein recht gutes Verhältnis hatte, können im Angesicht ihres Todes durch ihren Schmerz, ihre Krankheit und ihre Verzweiflung noch alles verdrehen und verzerren, so dass Liebe durch Verbitterung ersetzt wird und das eigentlich gute Verhältnis noch in ein schlechtes verwandelt wird.

Du solltest also nicht damit rechnen, dass sich dein Stiefvater im Angesicht seines Todes zum Positiven entwickelt hat. Deshalb solltest du auf einen Kontakt verzichten, außer der Sterbende verlangt ausdrücklich nach dir und will etwas gut machen.

Bedenke, dass ein schlecht verlaufender Kontakt u.U. bei dir Trauer, Wut und Verzweiflung auslösen könnte. Er wird bald tot sein, aber du musst damit leben und fertig werden.

Also, wenn du den Kontakt unbedingt willst, gehe hin. Bedenke aber, dass Leute kurz vor ihrem Tod verzweifelt, verwirrt und verbittert sein können. Lass das nicht zu dicht an dich heran. Es wäre aber besser, du verzichtest ganz auf den Kontakt.

Gruß

Anne

Vielen Dank…
…ich überlege hin und her und habe mich immer noch nicht entschieden. Es ist einfach verzwickt.
Eure Antworten waren sehr hilfreich, „Food for Thought“ sozusagen, danke nochmal!

Gruß DM

Hallo, DM,

…ich überlege hin und her und habe mich immer noch nicht
entschieden. Es ist einfach verzwickt.

wenn Du ihn besuchst, wirst Du - unabhängig davon, wie er reagiert - wissen, woran Du bist; wenn nicht, geht nach seinem Tod die belastende Grübelei wahrscheinlich weiter („Vielleicht hätte ich doch …“) - ohne eine Möglichkeit der „Auflösung“.

Den Versuch würde ich auf jeden Fall machen.

Alles Gute!

Kreszenz

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Da muss ich dich enttäuschen. Ich bin weder verstrickt, noch war meine Feststellung oder Fragestellung „heftig“. Wenn es bei dir so ankommt, dann hast du es falsch verstehen wollen oder falsch verstanden.

Es sollte lediglich die Nachfrage sein, warum man jemanden hinterherlaufen möchte, der den Schlußstrich offensichtlich bereits gezogen hat. Er ist es, der Kontakt zu ihr abgebrochen hat und sie will ihm jetzt Absolution erteilen, was etwas widersprüchlich ist. Das Verhalten erinnert mich an eine verprügelte Ehefrau, der es ein Bedürfnis ist, zu ihrem Peiniger zurückzukehren und ihm dann noch versichert, dass alles o.k. ist bzw. er sich doch keine Vorwürfe machen soll.

Ob das „gesund“ ist, wage ich doch sehr zu bezweifeln.

Mir scheinen die Vorschläge hier bezüglich „Vergebung“ doch sehr eine Modeerscheinung von „Gutmenschen“ zu sein. Mein Posting sollte lediglich eine Anregung sein, das Motiv hinter dem Bedürfnis zu hinterfragen.

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Hi,

Mir scheinen die Vorschläge hier bezüglich „Vergebung“ doch
sehr eine Modeerscheinung von „Gutmenschen“ zu sein.

Nein. Das hat mit „Gutmensch“-sein rein gar nichts zu tun (dieses Wort sollte man eh auf die Liste der verabscheuenswerten Wörter setzen).

Es gilt manchmal einfach, sich am Ende zu versöhnen - oder zumindest zu verzeihen. Auch der Peiniger zieht angesichts des Todes ein Resümee und er soll die Chance haben, zumindest um Verzeihung bitten zu dürfen. Und dem „Opfer“ ist es oft eine Erleichterung, verzeihen zu können, um sich selbst von einer Last zu befreien.

Gruß,
Anja

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Hallo,

Mir scheinen die Vorschläge hier bezüglich „Vergebung“ doch
sehr eine Modeerscheinung von „Gutmenschen“ zu sein. Mein
Posting sollte lediglich eine Anregung sein, das Motiv hinter
dem Bedürfnis zu hinterfragen.

Das ist falsch. Wenn du z.B. meine Antwort liest, dann empfehle ich hinzugehen aus reinem Egoismus. „Zur Ruhe zu kommen“ ist ein schönes Ziel.

Gruß
Elke

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Noch eine Frage
Jetzt weiß ich was es ist … zumindest ist das ein Grund warum ich immer noch unsicher bin:
Seine Frau will ja nicht dass er zu mir (uns) Kontakt hat. Was wenn sie uns wegschickt? Was wenn sie es irgendwie unterbindet und mir vorwirft einem Sterbenden Stress zu machen?

Bin ich feige?

Gruß DM

Hallo,

Seine Frau will ja nicht dass er zu mir (uns) Kontakt hat. Was
wenn sie uns wegschickt?

Dann kannst du dir zumindest sagen, dass es nicht an dir gelegen hat.

Was wenn sie es irgendwie unterbindet

dito

und mir vorwirft einem Sterbenden Stress zu machen?

Ich würde mich nicht um die Meinung der Frau kümmern. Wieso auch? Sie kann dir doch nicht?

Bin ich feige?

Ich glaube, du machst dir zuviel Gedanken über das unwichtige Drumherum.

Gruß
Elke

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Gehts hier wirklich um Bedürfnisse des Todkranken oder um Bedürfnisse der früher Misshandelten? Der Todkranke hat nicht den Wunsch geäußert, das Opfer rennt ihm nach. Das ist ein gewaltiger Unterschied.

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Ich glaube, du hast den Beitrag falsch verstanden. Der Peiniger will gar keine Chance auf Versöhnung. Der Peiniger hat den Kontakt abgebrochen.

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Warum schreibst du ihm nicht einfach einen Brief, den du durch eine andere Person in das Krankenhaus überbringen lässt?

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Ich glaube, du hast den Beitrag falsch verstanden. Der
Peiniger will gar keine Chance auf Versöhnung. Der Peiniger
hat den Kontakt abgebrochen.

Das war, wenn ich das UP richtig gelesen habe, vor über 10 Jahren und geschah auf Verlangen seiner Partnerin. Es mag ein Zeichen von Schwäche sein, dass er sich nicht dagegen durchgesetzt und die Verbindung aufrechterhalten hat, sagt aber nichts darüber aus, ob er nicht dennoch auf Versöhnung/Vergebung hofft.
Genau das könnte die Stieftochter aber herausfinden, wenn sie ihn besuchte.

Gruß
Kreszenz

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Geh hin
Servus Münchnerin !

Offensichtlich ist es Dir (aus welchen Gründen auch immer) ein Bedürfnis, ihn noch einmal aufzusuchen. Hättest Du dieses Bedürfnis nicht, wäre es Dir wurscht und Du würdest Dir und uns nicht diese Frage stellen.
Wenn Du nicht hingehst, wirst Du Dich später (vermutlich) immer wieder fragen, ob es nicht doch besser gewesen wäre … aber dann ist es zu spät. Also, geh hin!
Und was mögliche Einwände seiner Frau angeht: Du musst ja nicht in einem offiziellen Deklarationsakt Deinen Besuch ankündigen.
Und wenn Du vor Ort auf seine Frau triffst und diese Dir eine Szene macht, nun denn, … Du hast getan was Du konntest (und wolltest), somit hast Du Deinen Frieden mit ihm (und mit Deinem Seelenleben) gemacht.

Ich wünsche Dir für Dein Vorhaben viel Kraft.
Grüße aus Wien.
Helmut

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Gehts hier wirklich um Bedürfnisse des Todkranken oder um
Bedürfnisse der früher Misshandelten? Der Todkranke hat nicht
den Wunsch geäußert, das Opfer rennt ihm nach. Das ist ein
gewaltiger Unterschied.

Du wagst, darüber zu „urteilen“?

*erstaunt*
Anja

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Warum schreibst du ihm nicht einfach einen Brief, den du durch
eine andere Person in das Krankenhaus überbringen lässt?

Oder einfach ne SMS? Scheint ja heute Mode zu sein.

IoI