Guten Tag,
durch das Drama in Rußland etwas bewegt, frage ich mich mal wieder, wie es sich unter ethischen Gesichtspunkten mit dem Töten verhält. Vertritt die offizielle Ethik einen anderen Standpunkt, als die Religionen? Und wo steht der „gesunde Menschenverstand“, der doch oft als ‚Volkes Stimme‘ zur Gewalt gegen Gewalttäter aufruft?
Was bringt es, die andere Wange hinzuhalten in dieser Situation? Wie ist das gemeint? Wenn man nicht das eigene Kind dort festgehalten sieht, wird man wohl anders urteilen als vom Lehrstuhl aus?
Was haben die Tibeter getan, als sie von den Chinesen überfallen wurden?
Und hat „Gott“ dazu auch eine Meinung?
Also, in Hinblick auf diesen Anschlag und jeden noch zu erwartenden Terror - wie stellt sich der ethische oder religiöse Mensch dazu?
Danke für eure Gedanken, Dionys.
Hallo
Danke für eure Gedanken, Dionys.
Mein bescheidener Gedanke dazu. Das Dilemma ergibt sich aus einer eigentlich banalen Tatsache. Daß nämlich wir Menschen nicht zu wissen scheinen, was wir wirklich sind. Vielmehr ist es so, daß jedem, rund um die Welt, von Kind an die unterschiedlichsten Theorien als angeblich richtig eingeredet werden. Das aber jeweils unter latenten oder auch ganz vordergründigen Drohungen (Strafen), diese als richtig „glauben“ zu müssen.
Und dieser Vorgang ist es dann, der in weiterer Folge dazu führt, daß diese Theorien vom Einzelnen nicht nur lebenslang als jeweils richtig betrachtet und vertreten werden, sondern - noch schlimmer - alle anderen Theorien darüber als falsch angesehen werden, mit dem „Recht“ solche Menschen dann auch bekämpfen, also töten zu dürfen.
Die eigene, im Zuge der jeweiligen Übertragung einer Theorie unter Strafandrohungen erlebte Angst wird dann später in Aggression gegen die so genannten „Andersdenkenden“ umgewandelt, bzw. kann bei „Bedarf“ als solche „abgerufen“ werden.
Schlimme Sache, und weltweit überall das gleiche Prinzip.
Soweit mein Gedanke dazu.
Grüße
Gert
Also, in Hinblick auf diesen Anschlag und jeden noch zu
erwartenden Terror - wie stellt sich der ethische oder
religiöse Mensch dazu?
Danke für eure Gedanken, Dionys.
Der Terror ist nichts anderes als eine Art moderner Kriegsführung. Dieser ist weitgehends auf die Starrköpfigkeit und egoistische Ausrichtung von Politikern zurückzuführen. Was hat das mit Gott zu tun?
mfg
rolf
Hallo,
bevor ich bis morgen den Platz vor dem Computer wieder räumen muß, muß ich dazu noch etwas sagen.
Der Terror ist nichts anderes als eine Art moderner
Kriegsführung. Dieser ist weitgehends auf die Starrköpfigkeit
und egoistische Ausrichtung von Politikern zurückzuführen. Was
hat das mit Gott zu tun?
Ich denke, daß die Fragestellung schon in Ordnung ist. Ich denke auch, daß wir alle wissen, daß es so ist, wie Du hier sagst. Ich meine nur, daß die Frage anscheinend deshalb vorgebracht wurde, weil es jedem von uns doch darum geht, endlich verstehen zu lernen, warum das so ist.
Und insofern wären ja alle bekannten Theorien einmal zu hinterfragen, ob die überhaupt stimmen, weil wir uns ja permanent auf diese verlassen, sie als richtig vertreten, uns aber immer wieder wundern müssen, daß sie scheinbar doch nicht gestimmt haben konnten, im Vergleich zur Realität.
Dazu gehört natürlich auch die Theorie(n), die es zum Begriff „Gott“ gibt.
Grüße
Gert
Guten Tag,
durch das Drama in Rußland etwas bewegt, frage ich mich mal
wieder, wie es sich unter ethischen Gesichtspunkten mit dem
Töten verhält. Vertritt die offizielle Ethik einen anderen
Standpunkt, als die Religionen? Und wo steht der „gesunde
Menschenverstand“, der doch oft als ‚Volkes Stimme‘ zur Gewalt
gegen Gewalttäter aufruft?
Hallo,wenn wir heute Erleben das
Gewalt,Zerstörung,Mord und Totschlag im zunehmenden maße sich
steigern,so müßen wir feststellen das sich im Menschen selbst
was verändert hat.Der Grund dazu,liegt in der Betätigung seines
Freien Willens !er kann Ihn zum Guten und edeln betätigen,
aber auch zum Schlechten/Bösen.Das dies hauptsächlich
zum Schlechten genutzt wird,zeigt die Tatsache,das wir Menschen
uns nicht so entwickelt haben wie es vom Schöpfer vorgesehen war.
Hätten wir den anderen Weg gewählt,so wären die Gedanken
reiner,Neid,Hass,Mord unsw.würden den Menschen nicht belasten !
Was bringt es, die andere Wange hinzuhalten in dieser
Situation? Wie ist das gemeint? Wenn man nicht das eigene Kind
dort festgehalten sieht, wird man wohl anders urteilen als vom
Lehrstuhl aus?
Was haben die Tibeter getan, als sie von den Chinesen
überfallen wurden?
Und hat „Gott“ dazu auch eine Meinung?
Hier gilt das Gottgebot"
Du sollst nicht töten " das dieses Gebot nie verstanden wurde,
zeigt die Gegenwart ! ! !
Also, in Hinblick auf diesen Anschlag und jeden noch zu
erwartenden Terror - wie stellt sich der ethische oder
religiöse Mensch dazu?
Danke für eure Gedanken, Dionys.
Du sollst nicht _Morden_!
Hier gilt das Gottgebot"
Du sollst nicht töten " das dieses Gebot nie verstanden wurde,
zeigt die Gegenwart ! ! !
Das wurde, soweit ich weiss, falsch übersetzt. Richtig ist „Du sollst nicht morden!“
Das kann jeder auslegen wie er will:
http://www.das-weisse-pferd.com/de/main/dwp/00_17/00…
http://www.dialog.at/d200209/morden.html
http://www.christliche-mitte.de/material/10gg.htm
Gruss Jan
Hiho 
Ist eigentlich eine Katastrophe, daß ein Gebot dem
Verteidigungsministerium Kopfzerbrechen macht. Die
10 Gebote sind das eine, reale Politik in einem säkularen
Staat etwas anderes.
grüße, rené
Richtig ist „Du
sollst nicht morden!“
nicht „du sollst nicht“ sondern „du darfst nicht“.
was mord bedeutet kann jeder in einem lexikon nachschlagen. nicht töten ist was anderes, „nicht töten sollen“ wieder was anderes.
datafox
Noch genauer: Du wirst nicht morden!
Moin, moin, Datafox und alle anderen,
Gott hat mit Israel am Sinai einen Bund geschlossen, in dem er sich dieses Volk als SEIN Volk erwählt hat und im Gegenzug verlangt, daß ER Israels Gott sei. Der Dekalog, das Zehnwort, die zehn Gebote also, sind der Rahmen, in dem Israel sich als SEIN Volk verhalten wird.
Die einzelnen Gebote sind mithin nicht einfach Verbote, sondern beschreiben bundesgemäßes Verhalten; sollte ein Israelit eines der „Gebote“ brechen, wäre ganz Israel aus dem Bund herausgefallen.
Da ER sich so weit herabgelassen hat, dieses kleine und arme Volk zu SEINEM Volk zu machen, kann Israel darauf nur so antworten, daß es seinerseits aus Dankbarkeit bundesgemäß handelt.
Anders zu handeln sollte eigentlich unmöglich sein: Du, Israel, wirst den Bund halten, indem Du dieses tun wirst und jenes nicht tun wirst.
Daß es für Israel eine Freude war und keine Last, wird im Alten Testament immer wieder gesagt: „Ich habe meine Freude an deinem Gesetz…“ usw.
Gruß - Rolf
[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]
Interessant wird an dieser Stelle, wenn man die Perspektive im Zusammenhang mit den Wiederständen im 3. Reich betrachtet.
So wurde auch Dietrich Bonnhoeffer gefragt, wie es ein Pastor, ein Mann Gottes, verantworten könnte, sich an einem Mordkomplott zu beteiligen.
Seine Antwort darauf war - sinngemäß:
„Wenn ich einen Verrückten in einem Auto auf eine Menschenmenge zurasen sehe, kann ich mich entweder seelisch darauf vorbereiten, den Angehörigen der Toten Trost zu spenden oder ich kann dafür sorgen, daß er garnicht erst mit dem Auto in die Menge rast.“
An der Stelle hat er irgendwo Recht: bloß weil ein paar Verrückte hier eine ganze Nation in Atem halten, muß man nicht das Leben von Tausenden riskieren. Wenn man die Wahl hat ob einer stirbt oder Millionen durch dessen Handeln sterben - was soll man da sagen?
Natürlich heißt es „Jedes Leben zählt“, aber in so einer Situation kann man durchaus behaupten, daß Nichthandeln passives Morden ist und Handeln aktives Morden. Man hat also nicht die Auswahl zwischen „richtig“ und „falsch“ sondern zwischen „falsch“ und „auch falsch“. Dann bleibt es letztendlich nur dem gesunden Menschenverstand überlassen, was „weniger gravierend“ ist.
Nicht daß ich das Vorgehen der russischen Behörden für grundweg richtig erklären möchte, aber manchmal im Leben entscheidet man sich falsch, richtig falsch oder sogar vollkommen falsch.
Trotzdem geht das Leben weiter. Im christlichen Glauben finden wir die Zuversicht, daß unsere Fehler durch Christus vergeben sind, was uns keine Ermutigung sein soll, absichtlich Fehler zu machen aber uns von der Last des falschen Handelns befreien kann.
In uns selbst gibt es keine Rechtfertigung für das Töten, wir können und sollten es auch nicht rechtfertigen. Aber im Glauben können wir die Gewißheit haben, daß uns die Schuld nicht ewig plagen muß, sollten wir es dennoch getan haben.
Aber als erstes haben wir die Richtlinie „Du sollst nicht töten“, d.h. wenn wir Töten als Option ansehen müssen wir uns erstmal fragen ob das Falsche wirklich das einzig Mögliche ist. Kann man nicht anders - „richtig“ handeln?
Ich denke mal, in den meisten Kulturen, auch außerhalb des Christentums, ist anerkannt, daß Leben ein unersetzlicher Wert ist. Und überall, wo dieser Wert gewürdigt wird, ist Töten niemals der „richtige“ Weg, da er etwas zerstört, was nicht wieder zu heilen ist.
Wer mit diesem Bewußtsein lebt, der sollte an sich versuchen sein Handeln so auszurichten daß Todesfälle auf ein Minimum (welches im Idealfall 0 ist) zu reduzieren.
Moin, moin Michael,
Du hast auf etwas ganz Wichtiges aufmerksam gemacht: daß es manche Situationen gibt, in denen man einfach nur falsch handeln kann!
Und mit Bonhoeffer hast Du auch vollkommen Recht. Ich möchte da nur noch eins anfügen: Bonhoeffer war vollkommen klar, daß er auf die eine wie auf die andere Weise schuldig wird und daß diese Schuld, die er auf sich lädt, nur durch die Gnade Gottes vergeben werden kann. Da bezieht er sich auf Luthres Satz: „Peccate fortiter, sed credite fortius!“ - „Sündigt kräftig, aber glaubt kräftiger!“ Das heißt ja nicht, daß wir nun auf die Pauke hauen und alle möglichen Sünden begehen sollen, damit Gott seine Gnade mal so richtig zeigen kann, sondern: wenn wir uns in einer Lage finden, in der, egal, was wir tun, alles Sünde ist, dann sollen wir uns mit Überzeugung und Tatkraft für die eine Sünde entscheiden, von der wir meinen, daß sie den anderen Menschen am wenigsten schadet und uns dennoch bewußt sein, daß wir damit nicht ent-schuldigt sind, sondern uns mit dieser Schuld nur der Barmherzigkeit Gottes anvertrauen können.
Danke für den Anfang, den Du gemacht hast, die Diskussion in etwas tieferes Fahrwasser zu lenken!
Grüß Dich! - Rolf