Tom Sawyer und die FSK

Moin auch,

ich bin gerade richtig sauer auf die FSK. Ich war mit meinen Monstern in den Abenteuern des Tom Sawyer, der ab 6 Jahre freigegeben ist. Zu sehen ist dann ein Mord in Großaufnahme, eine Leiche mit Messer in der Brust, eine Szene, in der ein Mann fast gelyncht wird und ein Sturz von einer Strickleiter von geschätztem 8 Metern. Und das für 6-jährige Kinder! Haben die sie eigentlich noch alle? Wir haben den Film nach rund einer Stunde verlassen, weil beide Monster nur noch am Zittern und Heulen waren.

Ich bin gerade richtig sauer!

Ralph

Hatte Mark Twain sie noch alle?
Hallo Ralph,

aber wäre es nicht vielleicht doch angebracht gewesen als Elternteil der kleinen Monster, den gemeinsamen Besuch einer Romanverfilmung, in dessen literarischer Vorlage eben genau die von dir inkriminierten Szenen elementarer Bestandteil des Inhaltes sind, ein wenig sorgfältiger vorzubereiten?

Ich habe keine Kinder, aber bekäme ich die Gelegenheit, mit 6jährigen beispielsweise einer filmischen Aschenputtel-Adaptation beiwohnen zu wollen, würde ich doch erstmal im Vorfeld eruieren, ob diese nicht eventuell zu werkgetreu wäre (exzessive Selbstverstümmelungen der Gliedmassen, grausamste Blendungen durch Taubenschnäbel und abschliessend das unvorstellbar grausame und größtmöglich qualvolle Ende der Schurkin in einem Fass mit siedendem Öl).

Beste Grüße

Annie

Liebe Annie,

von Aschenputtel gibt es viele Versionen vom tschechischen Märchenfilm bis hin zur animierten Disney-Variante. Und in keiner davon werden „exzessive Selbstverstümmelungen“ oder die anderen Grausamkeiten gezeigt, von denen Du schreibwst. Das wäre ja dann ein FSK-18-Horrorfilm! Von daher kann man als Eltern ja nicht davon ausgehen, dass ein KINDER-Film solche Szenen beeinhaltet.

Und eigentlich gibt es ja genau aus diesem Grund die FSK! Wenn ich mit meinen Kindern in die Videothek gehe und die dann den Mark-Twain-Film aus dem Regal ziehen, dann kann ich ja auch nicht sagen: Ok, dann gehen wir jetzt erst nochmal nach Hause und schauen im Internet Trailer an und checken ein paar Foren und rufen zur Sicherheit auch noch beim Filmverleih an, ob da ev. grausame Szenen enthalten sind. Nein! Ich sehe das FSK-Prüfsiegel und vertraue darauf.

Offenbar hat die FSK in diesem Fall versagt oder dem Druck des Verleihers nachgegeben. Ich würde auf jeden Fall eine Beschwerde-Mail dorthin schreiben oder gleich an die BILD. Nicht auszudenken, wieviele kleine Kinder da noch drunter leiden müssen.

Beste Grüße,
sleepless

aber wäre es nicht vielleicht doch angebracht gewesen als
Elternteil der kleinen Monster, den gemeinsamen Besuch einer
Romanverfilmung, in dessen literarischer Vorlage eben genau
die von dir inkriminierten Szenen elementarer Bestandteil des
Inhaltes sind, ein wenig sorgfältiger vorzubereiten?

Ich habe keine Kinder, aber bekäme ich die Gelegenheit, mit
6jährigen beispielsweise einer filmischen
Aschenputtel-Adaptation beiwohnen zu wollen, würde ich doch
erstmal im Vorfeld eruieren, ob diese nicht eventuell zu
werkgetreu wäre (exzessive Selbstverstümmelungen der
Gliedmassen, grausamste Blendungen durch Taubenschnäbel und
abschliessend das unvorstellbar grausame und größtmöglich
qualvolle Ende der Schurkin in einem Fass mit siedendem Öl).

Beste Grüße

Annie

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Hallo sleepless,

ich überspitzte dramatisch zwecks Verdeutlichung, zugegeben. Aber in der Sache bleibe ich dabei. Ein 6jähriges Kind ist meines Erachtens meistens fürs Kino noch sehr erheblich zu klein eigentlich und wenn überhaupt, dann sollte dieser Ausflug wirklich wohlüberlegt sein.

Und bei Kenntnis der Romanvorlage hätte man das auch besser tun sollen. Die Stelle, wo sie die Leiche von Indianer-Joe finden, der elendig verhungert ist und in seinem verzweifelten, aussichtslosen Todeskampf die letzten Kerzenstummel in der Höhle gefressen hatte, bevor er endgültig krepierte, ist da ja noch gar nicht mal gezeigt worden.

Besten Gruß

Annie

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Ich kenne auch Leute für die Bambi wegen dem Tod der Mutter bereits brutal ist. Von Tom und Jerry ganz zu schweigen…

Es werden aus meiner Sicht aber auch Filme von der FSK freigegeben, denen ich diese Freisgabe so nicht erteilt hätte.
Das ist kein neues „Problem“… ich sag nur: Harry Potter als Beispiel

Sauer auf die FSK zu sein, hilft sicherlich nicht.
Fakt ist, dass viele Filmprodizenten zwischenzeitlich die Unterhaltung für die ganze Familie wollen, also auch Szenen drin sind die den Film für ältere interessant machen sollen.
Daher befindet sich die FSK in einen permanenten Spagat zwischen den Interessen der Filmindustrie und dem Schutz des „Kindswohls“… dass dabei für „sehr behütete“ (ich mein das nicht negativ - aber es gbt genug Kinder für die Mord und Totschlag eben auch im Fernsehen in dem Alter Alltag sind und für die die von dir genannten Szenen nichts neues sind - wie gesagt will ich dies nicht gutheissen, aber es ist traurige Realität) Kinder nicht immer ein Optimales Ergebnis in der Beurteilung raus kommt, ist leider nur verständlich.

Andererseits kann man die elterlichen Aufgaben nicht immer auf externe Stellen (FSK, Schule, sonstwen) verlagern.

Als Eltern sollte man die Inhalte des Films vorher kennen.
Es gibt genug Informationen im Netz dazu und ausserdem hat man ja das Buch vielleicht mal gelesen ums als nicht ganz unproblematisch einzustufen.

Dann muss man eben entscheiden: Ist das was für meine Kinder, braucht es eine Vor und Nachbesprechung, oder eben ist es nichts.

Dir viel Erfolg beim Vermitteln der Inhalte… wohl im nachhinein wie ich deinem Posting entnehme und dass es deine Kinder gut aufnehmen.

Gruss HighQ

an alle Antworter
Moin auch,

die Romanvorlage kenne ich wohl. Ich wusste also, dass der Doc ermordet wird und Indianer Joe verhungert. Aber nur mal als Vergleich: In fast allen Tatorten, Polizeirufen etc., die erst nach 20:00 Uhr gesendet werden (aus gutem Grund) sieht man eigentlich nie den Mord selber sondern nur die Leiche. Aber in einem Kinderfilm muss draufgehalten werden?
Und was das Thema vorher ansehen betrifft: Dann können wir die FSK abschaffen und das Geld sparen.

Ralph

Das Problem ist doch dass es wie so oft eigentlich ein Familienfilm und kein Kinderfilm ist.
„Bernhard und Bianca“ ist ein Kinderfilm, die Monster AG, etc…

Nochmals: Ich sage nicht dass die FSK hier gute Arbeit geleistet hat…zudem stellt diese Freigabe lediglich eine Enpfehlung dar.

Und wenns nach mir ginge bräuchten wir die nicht… Wobei für manchen der Anhaltspunkt halt hilfreich sein mag.

Und deine selektive Wahrnehmung bezüglich Morde im Fersehen stimmt nicht mit der Realität überein…
Ausserdem… tu es dir mal an und schau mal ins typische RTL2 Mittags-Kinder-Programm… auch wenns für dich und mich wahrscheinlcih wenig nachvollziehbare Comics sind. Mord und Totschlag sind an der Tagesordnung.

Gruss HighQ

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Hallo,

von Aschenputtel gibt es viele Versionen vom tschechischen
Märchenfilm bis hin zur animierten Disney-Variante. Und in
keiner davon werden „exzessive Selbstverstümmelungen“ oder die
anderen Grausamkeiten gezeigt, von denen Du schreibwst. Das
wäre ja dann ein FSK-18-Horrorfilm! Von daher kann man als
Eltern ja nicht davon ausgehen, dass ein KINDER-Film solche
Szenen beeinhaltet.

Auf meiner LP die ich als kleines Kind zu Aschenputtel hatte, wurde einmal die große Zehe und einmal die Ferse abgehauen damit der Fuß in den gläsernen Schuh passte…
Die Tauben deckten den Schwindel jedesmal auf mit den Rufen:" Ru Ru Rugedigu Blut ist im Schuh, der Schuh ist zu klein, die richtige Braut sitzt noch daheim" Wie man sieht ist das eine Passage an die ich mich noch sehr genau erinnere, auch wenn es das Bild dazu nur im Kopfkino gibt.

Aber auch Watership down/Unten am Fluss hätte von mir keine FSK6 Freigabe bekommen.

Gruß
M.

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Moin auch,

Ausserdem… tu es dir mal an und schau mal ins typische RTL2
Mittags-Kinder-Programm

Das tu ich mir nicht an, noch nicht einmal abends. Man hat ja doch ein gewisses Niveau:smile:

Ralph

hallo

entschuldigung das ich gerade an deinem post antworte - ich denke du hast den punkt an dem ich mich gleich aufhänge in der tat anders gemeint, aber ich muss da was geraderücken:

Nochmals: Ich sage nicht dass die FSK hier gute Arbeit
geleistet hat…zudem stellt diese Freigabe lediglich eine
Enpfehlung dar.

eben genau das tut die fsk NICHT.
die freigabe-einstufungen der fsk sind bindend! und keine empfehlung.
deshalb gerade sollte die fsk ja so niedrig wie gerade nötig einstufen.

allerdings - und ich vermute (?) das du darauf hinaus wolltest: die fsk muss den bogen über unmengen an unterschiedlichen individuellen kindern schlagen und setzt sich deshalb natürlich damit immer mal wieder in die nesseln.
der begriff „empfehlung“ meint hier also etwas in der richtung: zwar ist jedes kind unterschiedlich und daher ist jede festlegung eigentlich unmöglich aber wir „empfehlen“ mal was das für die meisten kinder passen müsste . . .
so in etwa ?

immerhin:
die einstufung dient einzig und alleine der „abwendung psychischer schäden“ oder so - ich kriege den wortlaut nicht mehr hin, sorry.

dabei betont die fsk selbst ja explizit dass nicht jedes kind auf demselben entwicklungsstand ist und daher die eltern IMMER eine eigene entscheidung mit einfliessen lassen sollen - denn nur sie kennen ihre kinder gut genug.

die eltern müssen ihren teil leisten, mit dem geschärften blick auf ihre kinder.
die fsk leistet ihren teil mit ihrem geschärften blick auf die filme.
nur so kann das funktionieren.

eine „empfehlung“ bekommt man (darauf hast du ja schon hingewiesen) an anderen stellen.
der filmdienst zb „empfiehlt“ tom sawyer ab 10 !

schliesslich sind ja auch filme ab 6 freigegeben die 6-jährige nicht die bohne interessieren dürften.
von manchen dokumentarfilmen mal ganz abgesehen finde ich „whale rider“ (2002) dafür schon immer ein gutes beispiel:
der film ist ab 6 freigegeben.
dennoch darf die frage erlaubt sein ob die geschichte eines jungen (heranwachsenden) maori-mädchens und deren emanzipatorisches bestreben sich in einer herrschenden männerwelt durchzusetzen für 6-jährige interessant sein dürfte.

da tom sawyer anscheinend erst am 17. offiziell anläuft wenn ich das richtig sehe ist übrigens die freigabe-BEGRÜNDUNG der fsk leider noch gar nicht online.
http://www.spio.de/index.asp?SeitID=545&TID=469
auf jeden fall etwas das zu lesen sich meist lohnt.

bin aufgrund dieser diskussion auf jeden fall darauf gespannt.

nix für ungut
frohes filmeschauen

grüße

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nachtrag
schussel

der mir vorhin entfallene wortlaut findet sich ja im von mir selbst angegebenen link . . . .

Die FSK-Kennzeichnungen sind keine pädagogischen Empfehlungen, sondern sollen sicherstellen, dass das körperliche, geistige oder seelische Wohl von Kindern und Jugendlichen einer bestimmten Altersgruppe nicht beeinträchtigt wird

grüße

Hallo,

wir waren vor einigen Tagen auch im Kino. Meine beiden sind 8 Jahre. Wir haben uns (trotz schlechter Kritiken) spontan entschieden in „Johnny English“ zu gehen. FSK war bei diesem Film auch ab 6 Jahren was ich in Orndung finde, aber mal ehrlich bei „Mr. Bean“ mach ich mir nicht viele Gedanken. Hab aber auch schon die Werbung für Tom Sawyer gesehen und
dachte mir noch : Dass ist bestimmt auch was für die beiden…
Insofern danke für die Warnung hier!

Und ich glaub nicht dass ich da was recherchiert hätte. Klingt ebens zu sehr nach „Kinderfilm“ als dass man sich da viele Gedanken macht. Versteh ich. Kann passieren. Aber der FSK hätte es nicht passieren dürfen ! Das find ich schon eine grosse Sauerei!

LG

Unterstützung
Moin auch,

ich bin nicht allein: http://www.focus.de/kultur/kino_tv/filmstarts/filmkr…, vorletzter Absatz.

Ralph

An alle . . .
. . . die das thema ernsthaft interessiert.
die freigabe begründung der fsk für den stein des anstosses ist online.

http://www.spio.de/index.asp?SeitID=545&TID=469

unabhängig bisheriger und zukünftiger persönlicher meinungen halte ich das lesen dieser begründung für interessant.
auf alle fälle zeigt es meiner meinung nach ganz eindeutig dass sich die fsk durchaus gedanken macht. unabhängig von sicher immer mal wieder auftretenden verfehlungen.

Tom Sawyer, D 2011
Verfilmung des berühmten Jugendbuchs von Mark Twain über die Abenteuer von Tom Sawyer und Huckleberry Finn, die in der Mitte des 19. Jahrhunderts am Mississippi unter anderem auf einen Piratenschatz stoßen und einen skrupellosen Mörder zur Strecke bringen. Der Film ist jugendaffin inszeniert und bindet zahlreiche typische Abenteuermotive in die Handlung ein. Trotz mancher eher märchenhafter Elemente birgt er jedoch auch heftigere Szenen, etwa in der Darstellung eines Mordes oder in Momenten, da Tom und Huck sich in bedrohlichen Situationen befinden. Da der Film jedoch von seinen beiden so sympathischen wie starken Protagonisten getragen wird, die Atmosphäre insgesamt sehr positiv ist und die Dramatik einzelner Szenen stets wieder aufgelöst und mit heiteren Szenen konterkariert wird, besteht für Kinder im Grundschulalter nicht die Gefahr einer Beeinträchtigung.
FSK ab 6 freigegeben, feiertagsfrei

quelle: spio/fsk

viel spass beim filme schauen
grüße