Hallo Gärtner / Gourmets,
ich hab da so eine nach Süden ausgerichtete Garagenwand in meiner Gemüseecke an der wir unsere Tomaten anpflanzen. Die werden da recht gut reif,was mir auffällt sind die großen Unterschiede im Aroma der reifen Tomaten. Nun möchten wir möglichst aromatische und süße Tomaten, große wie kleine. Die Anzahl der angebotenen Sorten ist groß und bei beinahe allen steht was von hocharomatisch oder dgl. drauf. Aber welche sind die besten? Wäre mal interessant wenn ein paar Leute mit Erfahrung ihre persöhnliche Bestenliste posten.
Freue mich schon auf die Antworten
Gruß
Stefan
Hallo,
wir nehmen immer Picolino F1. Das ist eine recht widerstandsfähige Sorte. Die Früchte liegen von der Größe zwischen Cocktailtomaten und normalen Gemüsetomaten. Geschmacklich sind sie näher an Cocktailtomaten. Der Gesamtertrag ist auch recht üppig (genauso wie der Preis des Saatguts: 10 Korn ca. 3,50 Euro). Zum selber ansäen ist es jetzt aber etwas spät und als Setzlinge habe ich bisher noch keine gesehen.
Gruß, Niels
Hallo,
es ist natürlich Geschackssache, aber ich bevorzuge Roma - sowohl die großen als auch die kleinen. Die großen sind schnittfest.
Es gibt beide als Setzlinge zu kaufen - so etwa ab Mitte Mai (jedenfalls bei uns).
Viel Erfolg und dann guten Appetit !
Uli
Hi,
also meistens sind die schwarzen Sorten sehr aromatisch,
ansonsten Pfeffertomaten, Barbaniaka, diversen Cherry auch dabei mein Favorit: black cherry.
einige meiner Lieblinge nicht schwarzen sind Teardrop, Golden King, Stier und Ochsenherz aber auch
schlesische Himbeere, etc.
es hängt auch davon ab was man damit machen will.
Was den Geschmack betrifft ist nicht nur die Sorte alleine verantwortlich,sondern vor allem wie Sie
angebaut werden. Meistens bekommen Sie zuviel Wasser und die Leute wundern sich warum die
Tomaten nur nach Wasser schmecken.
3- 5 liter pro Woche und Pflanze sind völlig ausreichend, auch bei großer Hitze, wenn dann noch ein
sonniger heisser August dazukommt, dann passts.
OL
Servus,
meine persönliche „Bestenliste“ umfasst solche, die man anbauen kann, ohne dabei meterweise Folie und kübelweise Fungizide zu verbraten. Es gibt tatsächlich Tomaten, die auch im echten Freilandanbau ziemlich lang gegen Phytophtora tolerant sind. Außerdem scheidet bei mir alles aus, was „F1“ heißt, weil Hybridzüchtungen meiner Ansicht nach nur im gewerblichen Anbau einen Platz haben.
Da sind erstmal alle kleinfrüchtigen, die der Wildform nahe stehen - besonders die gelben Sorten sind angenehm süß und kommen bei uns bloß dann vom Garten bis in die Küche, wenn der Hauptschwung reift. Man muss sie anders ziehen als die großen Kulturtomaten: Viel Standraum, nicht oder wenig ausgeizen. Gute, robuste Sorten mit feinem Aroma sind Cerise und Celsior.
Dann zwei große, in Richtung Fleischtomate gehende, die vor allem für Saucen und zum Konservieren gut sind: De Berao und Große Paprikaförmige. Beide habe ich in diesem Sommer in dritter Generation in Nachzucht, sie lassen sich leicht selektieren und werden immer besser. Beide, insbesondere Große Paprikaförmige, werden ziemlich hoch - das dürfte an der Garagenwand aber keine Mühe machen.
Aus der Kante große, bleiche, aromatische Fleisch-/Sugotomate hab ich noch eine namenlose aus Rumänien in Obhut, die der Großen Paprikaförmigen ähnelt, aber intensiver im Aroma ist und damit auch roh gut gegessen werden kann - im August/September kann ich davon wieder Samen hergeben.
Roma wurde schon genannt.
Eine kompakte Eiertomate von wunderschönem Aroma zum roh essen, und nach meiner Erfahrung viel besser Phytophtora-tolerant und damit freilandgeeignet als ihr Ruf, ist San Marzano.
Die letzten beiden variieren ziemlich breit, sie sind als Sorten nur vage definiert. Man sollte bei diesen acht geben, von wem man sie bekommt.
Schöne Grüße
MM
Hallo,
Außerdem scheidet bei mir alles aus, was „F1“
heißt, weil Hybridzüchtungen meiner Ansicht nach nur im
gewerblichen Anbau einen Platz haben.
wieso das denn?
Gruß, Niels
Servus Niels,
wieso das denn?
da spielt einiges zusammen, vieles davon ist subjektiv, von daher eher ein „ich finde“ als ein „ich bin der Meinung“.
Zuallererst denke ich, dass Liebhabergärten selten die optimalen Bedingungen bieten, für die viele (nicht alle) Hybridzüchtungen gemacht sind. Das fängt schon damit an, dass einige Tätigkeiten dort an Feierabend (ab Sommerzeitumstellung) und sonst halt Samstagnachmittag und Sonntag gebunden sind, also nur zufällig zu den optimalen Zeitpunkten passen. Nährstoffversorgung hängt eher vom Gefühl als vom Sachverhalt ab, und die Bodenverhältnisse sind von allen möglichen Gegebenheiten bestimmt. Die Grundstücke, die den Kommunen zwischen 1890 und 1920 für Kleingärten überlassen wurden, sind nicht unbedingt die, die ein Gemüseproduzent für seinen Betrieb auswählen würde - hie und da eher das Gegenteil.
Es geht bei solchen Bedingungen also eher darum, vorhandene Sorten an die mehr oder weniger kompromissbelasteten Gegebenheiten anzupassen. Und das geht beim Liebhaber eher durch Selektion, und dafür braucht er Sorten, die eine relativ große genotypische Varianz zeigen und eigene Nachzucht ermöglichen - gerade an dem fehlt es bei Hybriden, und speziell bei Tomaten ist eigene Nachzucht mühelos möglich.
Aber auch bei anderen Arten bietet eigene Nachzucht sehr gute Möglichkeiten, weil sich die im gewerblichen Anbau nicht oder kaum mehr vertretenen Landsorten, die über lange Zeit vor allem phänotypisch, nicht systematisch genotypisch selektiert worden sind, durch eine ziemlich breite genotypische Varianz auszeichnen: Sie bieten sozusagen für jeden etwas.
Weiter gehend geht es freilich um Ideologisches: Nämlich die Frage, ob die Erhaltung genetischer Vielfalt schon einen Wert für sich allein bedeutet - vergleichbar mit der Frage „welchen Wert hat der Große Brachvogel?“. Wenn man sich vorstellt, dass es objektiv nicht möglich ist, eine einmal verloren gegangene genetische Eigenschaft einer Pflanze wieder herzustellen, geht dieser Wert einer Art oder auch Sorte gegen Unendlich. Wegen der für über lange Zeit nur phänotypisch selektierten Landsorten typischen genetischen Varianz ist es zu ihrer Erhaltung notwendig, dass sie gärtnerisch genutzt und nachgezüchtet werden. Die öffentlichen „Genbanken“, bei denen Sorten zur Erhaltung bloß immer nachgezogen, aber nicht ständig gärtnerisch/züchterisch bearbeitet werden, können das nicht leisten.
Das ist zugegeben ein ziemlich frei schwebendes Gedankenkino.
Aber aus dem verwandten Bereich der Tierzucht kann ich zwei Fälle benennen, in denen die moderne Zucht ohne den altmodischen Kram verschissen hätte: Extrem war die Geschichte mit dem Allgäuer Braunvieh. Die Zucht war in den frühen 1980er Jahren kurz vor dem Zusammenbruch, weil durch Arbeit mit einigen wenigen Brown-Suisse Bullen die Verwandtschaften unvorhergesehen so eng geworden waren, dass ein Übermaß an Fehlkalbungen, Missbildungen und schwächelnden Kälbern auftrat, und von den Spitzenleistungen der Väter bei den Töchtern nicht mehr so viel zu finden war. Die Rettung des Herdbuchs kam aus dem Südosten (ich glaube mich zu erinnern Ostslawonien, kann auch Bessarabien gewesen sein - halt irgendwo, wo Schwaben und Kühe wohnen): Da waren noch Braunviehbullen zu finden, die genetisch weit entfernt von Brown Suisse waren. Freilich bleibt die Frage offen, ob man überhaupt Allgäuer Braunvieh braucht, wenn es doch Holstein Frisian gibt. Das ist eine Frage, die man objektiv so wenig beantworten kann wie die nach dem Wert des Großen Brachvogels.
Deutlich markt- und praxisnäher ist die Sache mit dem Hällischen Landschwein. Heute eines der begehrtesten „Premium“-Schweine. 1984 gab es davon noch genau einen Eber und sieben Sauen. Wenn sich nicht einige Sturköpfe dem BHZP verweigert hätten, gäbe es heute weder Wurscht noch Schinken noch Ripple vom Schwäbisch-Hällischen Landschwein.
Dieses Fallbeispiel ist beiläufig auch deswegen interessant, weil es sich beim Schwäbisch-Hällischen Landschwein eigentlich um eine noch keine zweihundert Jahre lang phänotypisch selektierte Gebrauchskreuzung handelt, die aus der Einkreuzung von Ebern des Chinesischen Maskenschweines in württembergische Feldwaldwiesenmischungen hervorgegangen ist, die Wilhelm I. („König der Landwirte“, neben Graf Eberhard im Bart einer von wenigen Württembergern, der wirklich was taugte) um 1820 veranlasst hat - ohne ihn gäbe es herich auch keine württembergischen Merinoschafe.
Wieauchimmer: Wir wissen heute noch nicht, wofür unsere Pflanzen morgen gut sein werden. Auch Hybriden brauchen Elternlinien, und die hervorragenden Ergebnisse, die z.B. bei Pilzresistenzen von Gurken durch züchterische Arbeit und die Erzeugung von Hybridsorten möglich wurden, sind erst dadurch möglich geworden, dass die notwendigen Eltern da waren. Liebhabergartenbau kann dafür sorgen, dass diese auch noch übermorgen da sind, wenn man sie für die dann gegebenen Anforderungen braucht - im gewerblichen Anbau wird man sie eventuell nicht mehr finden, und die öffentlichen „Genbanken“ sind dafür nur bedingt tauglich, weil sehr viele Landsorten ohne permanente Bearbeitung ins X-Beliebige „mendeln“.
Deswegen habe ich gern namenlose rumänische Fleischtomaten und „Ulmer Ochsenhörner“ aus der Batschka im Garten, und deswegen habe ich die Tomaten auch mit Vergnügen einem Geschäftspartner aus Mumbai für den Hof seines Vaters überlassen.
Aber aus vernünftig-pragmatischer Sicht habe ich keine wirklichen Argumente contra Hybridzucht zu bieten.
Schöne Grüße
MM
Hallo Stefan,
ich hatte letztes Jahr von Manfred Hahm (Internetseite mit ca. 700 Tomatensorten) einige Tomaten, von denen die Cherrytomaten Lady Bird und Sungold den kräftigsten Geschmack hatten - echt lecker.
Auch gut und recht robust war die weiche Normaltomate Stupice. Der Geschmack ist milder, aber sie hat zumindest einen. Eignet sich allerdings, da grundsätzlich weich, eher für Soßen (meine Tochter aß sie allerdings auch gerne so).
Carbarino, alte italienische Flaschentomate, hat zwar kräftig getragen, war aber geschmacklich kein Erfolg - lag vielleicht auch am dürftigen Tomatenwetter. Ich versuchs nochmal mit ihr.
Gruß, Anne