Tomatenvirus

hallo,
nachdem ich dieses Jahr einen absoluten Totalausfall meiner Tomaten habe (Tomatenvirus) hier nun meine Frage:
was kann man alles dagegen machen?
Klar: ein Gewächshaus.
Doch das würde mich ca. 500 - 1000 € kosten.
Gibt es inzwischen Spritzmittel gegen diese Pest?
Die anderen Methoden, von denen ich weiß, sind nur Spielerei:
Knoblauchabsud spritzen, Magermilch spritzen…
Causa

Servus,

um welches Virus handelt es sich? Es gibt eine ganze Reihe davon.

Wenn sicher ist, dass es sich nicht um eine Pilzkrankheit handelt - die Symptome ähneln sich zum Teil ziemlich -, kann man nur Infektionen bremsen und befallene Pflanzen sofort aus dem Garten entfernen (Hausmüll!).

Ein Gewächshaus hilft da überhaupt nichts, und Pflanzenschutzmittel gegen Virosen gibts keine.

Übertragung der verbreiteten Tomatenviren erfolgt kaum oder nicht durch Insekten, sondern durch Menschen. Zumindest einige der bekannten Viren sind sehr stabil, so dass auch mit Fruchtfolgemaßnahmen wenig zu machen ist. Infektionen könne gebremst werden durch: Pflegearbeiten (Hochbinden, Ausgeizen) immer in der gleichen Richtung vornehmen; Einweghandschuhe tragen; Gartenschuhe und ggf. verwendete Werkzeuge in kurzen Abständen während der Arbeit und nach der Arbeit desinfizieren. Den Bestand nicht beregnen oder mit dem Schlauch wässern - sollte man bei Tomaten wegen Phytophtora sowieso nicht tun.

Schöne Grüße

MM

Hallo!
Hatte jahrelang das gleiche Problem. Meine Tomatenpflanzen behandle ich jetzt mit: Kupferkalk-Atempo von Neudorf. Das soll es jetzt nicht mehr geben, da kupferhaltige Mittel umweltschädlich sein sollen! ! !
Es gibt jetzt: Celaflor . Ein anderer Name aber der gleiche Wirkstoff und natürlich teurer. Der Wirkstoff ist der gleiche: Kupferoxychlorid 756g/kg! ! ! Meine selbstgezogenen Tomatenpflanzen ( Tamina ) habe ich beim Erscheinen des 3.Blattes mit diesem Mittel gespritzt,allerdings nicht in der vorgeschriebenen Stärke, sondern etwas dünner und auch die Unterseiten der Blätter habe ich mitbehandelt. Das 2. Mal habe ich sie zusammen mit den gekauften Pflanzen unmittelbar nach dem Auspflanzen gepritzt, genau so wie das erste Mal. Es ist ein Erfolg gewesen, der Pilzbefall ist nicht zu 100% weg, hält sich aber in beherrschbaren Grenzen. Befallene Pflanzenteile werden natürlich auch nach wie vor sofort entfernt.
Gruss Peter

Servus Peter,

wenn Kupferkalk wirkt, handelt es sich nicht um eine Virose, sondern um einen Pilz: Phytophtora infestans.

Ich habe allerdings auch den Eindruck, dass der Fragesteller diesen Pilz meint, und nicht ein Tomatenvirus. Weil er aber zu meiner Rückfrage noch nicht geantwortet hat, müssen wir einstweilen von einer Virose, am häufigsten Tomatenmosaikvirus, ausgehen. Und dagegen ist Kupferkalk definitiv ohne jede Wirkung.

Kupferkalk ist bei angemessener Anwendung vollkommen harmlos. Wenn ich mir aber anschaue, wie einige meiner Gartennachbarn arbeiten, ists schon gut, dass er nicht mehr angewendet werden darf. Er ist nämlich nicht nur fischgiftig, sondern vor allem hoch giftig für Regenwürmer. Wenn man die einzelnen Stöcke mit genügend Abstand setzt und nur punktuell spritzt, kann die Regenwurmpopulation in einem Garten gut damit zurecht kommen. Wenn aber wie hie und da üblich mit Kaliber Thor auf Zaunkönige angelegt wird, kann man mit Kupferkalk verheerende Schäden anrichten. Ferner ist die Anreicherung von Kupfer im Oberboden auf Dauer auch nicht grad gesund für das System, und niemand kann die Beschränkung auf maximal zwei Anwendungen kontrollieren.

Aus diesem Grund wird jetzt auf andere Kupferpräparate ausgewichen, die teilweise günstiger formuliert sind, teilweise andere Kupferverbindungen enthalten. Mit oder ohne Ausrufezeichen ist Celaflor übrigens kein Mittel, sondern ein Hersteller. Es gibt viele Anbieter von Kupferoxychlorid-Präparaten; Wirkstoff Kupferoktanoat (z.B. Neudorff) ist sinnvoller als Kupferoxychlorid, weil die Cu-Dosierung dabei viel niedriger gehalten werden kann (bis zu zwölf Anwendungen zugelassen); und Kupferoxychlorid von Spiess-Urania kostet sichtbar weniger als von Celaflor, wo ein teurer aggressiver Vertriebsapparat im Preis drin stecktt.

Bei Kupferoxichlorid ist die sehr frühe Anwendung, die Du beschreibst, nicht nützlich. Es handelt sich um ein reines Kontaktfungizid ohne systemische Wirkung, d.h. die Wirkung entfaltet sich nur dann, wenn die Pflanze schon genügend Stängel- und Blattfläche entwickelt hat. Erste Anwendung nicht vor Mitte, bei warm-feuchten Nächten allenfalls Anfang Juni.

Soviel zu Phytophtora an Tomaten.

Und jetzt warte ich drauf, ob Causa noch etwas näheres zu seinem Virus schreibt.

Schöne Grüße

MM

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Hallo Ihr beide,
also: ob es ein Pilz oder ein Virus ist weiß ich nicht.
Wie kann man das erkennen?
Ich habe seit Jahren das Problem. allerdings erst im Herbst.
Erst werden die Blätter braun, dann bekommen die Tomaten Flecken, die sich dann über die gesamte Frucht ausbreiten.
Da es sich erst im Herbst zeigt, hatte ich mich damit abgefunden. Doch nun ging es schon im Juni los!
Die Tomaten hatten gar keine Chance wenigstens ein paar Früchte zur Reife zu bringen.
Ich geize regelmäßig aus. Und Gießen nur in dem Gießring (so etwas wie ein Topf ohne Boden. Durchmesser ca. 25 cm)
Ein Gärtner sagte mir mal: das ist der Kartoffelvirus. Der tritt seit Jahren deswegen so häufig auf, weil die Bauern das Kartoffelkraut im Herbst nicht mehr verbrennen sondern einsammeln und in die Silage geben. Damit würde das Virus gute Chancen zum überleben haben.
Gegenmittel, sagte er, gibt es nur damit, dass man die Tomaten in einem Gewächshaus zieht und keinen Regen dran lässt, also nur die Füße nässt.)
Grüße
Causa

Servus,

die Befallsbilder ähneln sich; das Tabakmosaikvirus zeigt allerdings zu Beginn des Befalls ein etwas anderes, charakteristisches Schadbild (daher der Name „Mosaik“). Auch die Nähe zu Kartoffeln kann bei beiden einen Einfluss haben.

Die Beschreibung des Verlaufs - in 2003 erst im September oder später, in 2006 und 2008 zum Teil schon im Juni, 2009 über allen Rekorden - deutet allerdings auf Phytophtora hin: Diese Pilzerkrankung wächst, bevor man sie mit bloßem Auge erkennen kann, als Pilzrasen auf der ganzen Pflanze, warme und feuchte Witterung fördert schnelles Wachstum.

Vom Mosaikvirus unterscheidet sich das Schadbild u.a. durch Auftreten von länglichen, dunklen Flecken an den Trieben der Tomaten - wenn die einmal da sind, ist nichts mehr zu machen.

Vorbeugende Behandlung wie durch Peter beschrieben mit Kupferpräparaten, bei anfälligen Sorten und in feuchtem Klima vorzugsweise mit Kupferoktanat, weil dann zwei Behandlungen nicht ausreichen. Behandlung schon der ganz jungen Pflanzen ist, wie ausgeführt, nicht sinnvoll.

Auch im Freiland weitgehend phytophtoratolerante Sorten sind Große Paprikaförmige (Fleischtomate), De Berao (eine Kochtomate) und die gelben Celsior und Cerise. Nach meiner Erfahrung auch San Marzano, die aber bei Dreschflegel e.V., wo schon seit Jahren ein entsprechendes Screening durchgeführt wird, nicht erwähnt wird.

Eine gewisse Toleranz lässt sich auch durch Veredeln auf Wildtomaten erreichen - die Infektion geht zwar nicht langsamer dadurch, aber die Pflanze ist insgesamt vitaler, so dass sie vor ihrem Ende eher noch Früchte reif kriegt.

Schöne Grüße

MM

Hallo Martin,
dann werde ich nächstes Jahr mal mit dem Kupfermittel anfangen.
Mehr als nicht wirken kann es ja nicht.
Entweder es ist der Pilz oder er ist es nicht… :frowning:
Mal sehen ob ich zu meinen geliebten Tomaten komme.
Ich mag doch keine holländischen!
Das sind für mich keine Tomaten, obwohl sie so aussehen.
Eine Tomate muss süß und fruchtig sein.
Ich habe da eine Adresse von einer Russin in D, die aus Russland importierten Tomatensamen anbietet. Die tollsten Pflanzen!
Solltest Du die Adresse haben wollen, ich schreibe sie Dir gerne als PN.
(sonst wird´s als Werbung angesehen! :smile:)
Causa

Servus,

jederzeit gerne. Wobei ich übrigens diese Art von nicht-kommerziellen Samenbank-Austäuschen für durchaus Forumskonform halten täte, auch wenn es nicht hauptsächlicher Inhalt hier ist - frag doch mal den Mod, was er von einem öffentliche Ausgebot halten täte.

Die relativ gut freilandgeeigneten Tomatensorten kommen heute hauptsächlich aus dem Osten und Südosten. Ich habe eine aus Cugir, eine aus Ploiesti und eine aus der Gegend von Turnu-Severin, die alle bisher dem grässlichen Phytophtora-Sommer 2009 prima standgehalten haben.

Grenzen hin oder her, im Ursprung sind das alles Schwäbische und Pfälzer Tomaten, auch wenn sie beim Auszug Duna-abwärts noch gar nicht lang auf dieser Seite des Atlantiks waren. Bei den Fleischtomaten „Große Paprikaförmige“ und bei der Kochtomate „De Berao“ muss man sich halt von der Vorstellung „knackig und bissfest“ verabschieden. Aber wenn sich dann so eine angeschnitten und geschält süß duftend in den Topf ergießt, ist das eine richtige Paradeiser-Musik. Radetzkymarsch, sozusagen.

Weil ich heute grade dabei war: Das Abnehmen der unteren Blätter und das (maßvolle) Ausgeizen lassen den Stock leichter abtrocknen und hemmen dadurch auch die Ausbreitung von Phytophtora. Hochwachsende Sorten mit wenig Blättern machen zwar die Arbeit mit dem Hochbinden, aber sie sind eher widerstandsfähig.

Schöne Grüße

MM

Hallo,

nachdem ich dieses Jahr einen absoluten Totalausfall meiner
Tomaten habe (Tomatenvirus)

mit hoher Wahrscheinlichkeit war das Kraut- und Braunfäule (PHytophtora)

hier nun meine Frage:
was kann man alles dagegen machen?

Klar: ein Gewächshaus.

besse ist ein Regenschutz, der eine gute Durchlüftung ermöglicht. Gewächshaus ist zu feucht.

Doch das würde mich ca. 500 - 1000 € kosten.

Ein einfacher Unterstand aus Dachlatten und Gewächshausfolie bewirkt schon viel und kostet wenig. (Keine billig-Folien nehmen, die sind nicht UV-beständig)

Gibt es inzwischen Spritzmittel gegen diese Pest?

Es gibt chemische, die teilweise heilend wirken. Es gibt Kontaktfungizide wie das Kupfer und es gibt Stärkungsmittel, die die Pflanzeneigene Abwehrkraft stimulieren.

Die anderen Methoden, von denen ich weiß, sind nur Spielerei:
Knoblauchabsud spritzen, Magermilch spritzen…

Hast Du das ausprobiert? Solche Mittel nutzen nichts mehr, wenn der Befall schon da ist. Sie müssen vorbeugend gespritzt werden. Es gibt aber auch käufliche Stärkungsmittel (auf Basis von Braunalgen, Schachtelhalm, nichtinfektiösen Pilzen o.ä), die in ihrer Wirkung teilweise nahe an die chemischen Mittel rankommen sollen.

Gruß, Niels

Hallo Martin,
Deine Zeilen lassen mich vermuten, dass Du auch ein Liebhaber von Gartentomaten bist.
Für mich sind die holländischen ein Graus… auch wenn sie wesentlich besser geworden sind als vor ca. 5 Jahren.
Falls der MOD nichts dagegen hat, hier der link: http://irinas-tomaten.de/

Grüße
Causa

Hallo Niels,
so ein Tomatendach wollte ich mir schon mal bauen. Auf der Wetterseite und oben aus Folie.
Halt so, dass kein Regen an die Blätter kommt.
Grüße
Causa

Hallo,
ich bin in unserer Gartenkolonie einer der wenigen, bei dem die Tomaten jedes Jahr toll sind.
Grund: sie stehen zu Sonne, Rücken am Gewächshaus (Wärme), darüber ein Plastikwelldach, und werden jeden Abend, im Wurzelbereich, mit abgestandenem Wasser gegossen.
Probiere es.
Gruß premme