Hallo,
gibt’s Hinweise auf ein reales Vorbild für den Adalbert aus dem Tonio Kröger? (Der Schriftsteller, der ins Café geht, damit er nichts vom Frühling mitbekommt?)
Adalbert Stifter kanns wohl nicht sein…irgendein Bekannter von Mann?
Nur Interesse, nix Hausaufgabe…
Grüße
Sonja
Heinrich ?
Hallo Sonja,
meine Lektüre ist schon lange her, aber ich glaube,
dass zur selben Zeit der Entstehung der Novelle
Thomas Mann sich mit seinem Bruder Heinrich Mann
auseinander - gesetzt hat.
Der war ihm zu bürgerlich als Künstler.
Oder so.
Eventuell.
mfg:stuck_out_tongue:it
[vergesslich]
Hallo,
die Auseinandersetzung mit seinem Bruder gleichzeitig - das ist interessant, und der Bürger-Aspekt passt ja auch gut zur „Novelle“.
Bloß der Adalbert, der ist doch eigentlich so sehr nicht-bürgerlicher Künstler, dass er am Liebsten gar nichts vom Leben mitkriegen möchte, also doch eher nicht Heinrich…
da gibt’s dann aber noch irgendeine Figur von einem stümperhaft dichtenden Beamten - vielleicht ist er ja der verkappte Bruder…
Grüße
Sonja
Hallo Sonja,
Adalbert…
ist doch eigentlich so sehr nicht-bürgerlicher
Künstler, dass er am Liebsten gar nichts vom
Leben mitkriegen möchte
Ist er nicht einer, der bei Sonnenschein einen Sonnenschirm will?
Das würde doch eher für seine Bürgerlichkeit sprechen.
Aber Du wirst mich nicht dazu bekommen, jetzt den Tonio zu lesen,
DUUU NICHT!
mfg:stuck_out_tongue:it
[glotzt.tv]
Hallo!
Aber Du wirst mich nicht dazu bekommen, jetzt den Tonio zu
lesen,
keine Sorge, es gibt doch Sonjas Zitier-Service…
Adalbert: „„Gott verdamme den Frühling“, sagte er in seinem aggressiven Stil. „Er ist und bleibt die gräßlichste Jahreszeit! Können Sie einen vernünftigen Gedanken fassen, Kröger, können Sie die kleinste Pointe und Wirkung in Gelassenheit ausarbeiten[…] Was mich betrifft, so gehe ich nun ins Café. Das ist neutrales, vom Wechsel der Jahreszeiten unberührtes Gebiet[…], das stellt sozusagen die entrückte und erhabene Sphäre des Literarischen dar, in der man nur vornehmerer Einfälle fähig ist.““
Und später Tonio: „Man arbeitet schlecht im Frühling, gewiß, und warum? Weil man empfindet. Und weil der ein Stümper ist, der glaubt, ein Schaffender dürfe empfinden. […] Denn das gesunde und starke Gefühl, dabei bleibt es, hat keinen Geschmack. Es ist aus mit dem Künstler, sobald er Mensch wird und zu empfinden beginnt. Das wusste Adalbert und darum begab er sich ins Café, in die „entrücke Sphäre“, jawohl!“
Ich glaub der dichtende Bürger würde eher die Picknickdecke rausholen und ein Frühlingsgedicht dichten, aber der richtige Künstler, der geht ins Café…
Grüße
Sonja