Torpedoantrieb mit Abgaskreislauf

Hallo zusammen,

hat jemand weitergehende Informationen zu diesem Thema (Internet/Bücher usw.):

Es gab einmal eine Entwicklung eines Torpedo-Antriebs mit einen sehr kleinen Verbrennungsmotor von etwa 250 - 300 PS (alte Maßeinheit). Um eine Abgasblasenspur auf der Wasseroberfläche zu vermeiden, wurden die Auspuffgase in einem geschlossenen Kreislauf komprimiert in einen Behälter geleitet, aus einem Vorrat an flüssigem Sauerstoff wieder mit diesem angereichert und unter relativ hohem Ladedruck wieder der Verbrennung zugeführt. Die Lebensdauer des Motors lag etwa bei 90 bis 120 min. Die Betriebszeit war auf kleiner als 45 min ausgelegt. Das ergibt aber nur einen Sinn wenn ganz spezielle Forderungen (s.o.) im Vordergrund stehen, wo Wirkungsgrad und Wirtschaftlichkeit eine untergeordnete Rolle spielen.

Grüße Thomas

Moin, moin Thomas,

es könnte sein, daß der seit 1927 bei der Technischen Versuchsanstalt der Versuchsanstalt für Kraftfahrzeuge an der TH Berlin entwickelte Torpedo-Antrieb nach dem Abgas-Sauerstoff-Überladeverfahren dem entspricht, was Du suchst:
„Der Antriebsteil bestand aus einem wassergekühlten 8-Zyleinder-Vergasermotor in 90 o-V-Form mit insgesamt 7,45 l Hubvolumen und max. 134 PS bei 2200 U/min im Luftbetrieb. Die Kühlung der Abgase erfolgte durch Einspritzwasser, das anschließend durch 2 Wasserabscheider wieder abgeführt wurde. Das im Kreislauf verbliebene Abgas wurde mit Sauerstoff angereichert und dem Vergaser zugeführt. Bei einem Ladedruck von 1,4 ata erghaben sich im Kreislauf120 PS bei 2200 U/min, bei 2,7 ata sogar 250 PS.

wurde ein 8-Zylinder V-Motor mit max 425 PS bei 4300 U/min und nur 4,3 l Hubraum entwickelt, der die Bezeichnung KM 8 erhielt. Die ersten Erprobungen begannen 1941 und ergabven bei einem Ladedruck von 2,5 ata, 0,68 kg/PSh Sauerstoff und 290 g/PSh Kraftstoff im Kreislauf 300 PS bei 3800 U/min. Die ersten Schüsse mit diesem neuen Torpedo, der die Bezeichnung G 7 m erhielt, wurden Mitte 1943 in Neubrandenburg durchgeführt. Parallel dazu begann auch die Erprobung dieses Torpedos bei der TVA in Eckernförde. Es wurden Entfernungen bis 12000 m bei einer Geschwindigkeit von fast 40 kn erreicht, jedoch bis Kriegsende noch keine ausreichende Betriebssicherheit erzielt. Besondere Schwierigkeiten bereiteten die zu primitiven und nicht aufeinander abgestimmten Regelgeräte. Am 2. Februar 1945 wurden die Entwicklungsarbeiten auf Beschluß der 4. Tagung der Kleinkampfmittel-Kommission eingestellt.“

Zitat aus Eberhard Rössler, Geschichte des deutschen U-Bootbaus,
Band 1, S. 228

Gruß - Rolf

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Danke Rolf!

Da gibt es ein kleines Mißverständnis: Torpedos hatten - auch nach Rössler - nie und nimmer einen Antrieb durch Verbrennungsmotoren.

Da gibt es ein kleines Mißverständnis: Torpedos hatten - auch
nach Rössler - nie und nimmer einen Antrieb durch
Verbrennungsmotoren.

Warum schreibt er dann von einem 8-Zylinder-Vergasermotor?
Gibt es auch noch andere als Verbrennungsmotoren, die einen Vergaser benötigen?
Ich gebe ja zu, daß mein technisches Verständnis sich ungefähr auf dem Niveau des Cro-Magnon-Menschen bewegt, also hilf mir bitte auf!

Hallo Thomas,

das müsste der Torpedo „G 7 m“ der Deutschen Kriegsmarine gewesen sein…
Der hatte allerdings eine Leistung von 425 PS und war als sogenannter
„Langstrecken-Torpedo“ gedacht…
Reichweite 120 Kilometer bei 40 Knoten Geschwindigkeit war geplant…
Kam jedoch nicht über das Versuchsstadium hinaus…

mfg

Frank

i Thomas
Im Internet habe ich leider nichts gefunden
Bei Brian Ford: „Die Deutschen Geheimwaffen“ stehen einige kurze Infos:
Name: Jumo KM 8
4,34 l V8 Motor mit ca 4400 U/min und 425 PS, Verdichtung 6,6:1
Gewicht 205 kg.
Als Besonderheit keine normalen Ventile, sondern eine rotierende Ventilscheibe.

Allerdings ging das Ding dank der Dämlichkeit des deutschen Beschaffungsamtes nie in Serie und wurde nie in einen Kampftorpedo eingebaut, und ging nie auf Feindfahrt.

Gruß
Mike

(kleine Korrektur eingebaut)

Ich komme drauf zurück!

Gruß

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Die Frage und die postings sind einen Zwischenruf und eine Ergänzung wert.

Ausgangspunkt der Anfrage so scheint mir nach der Formulierung des Textes, ist die Annahme, Torpedos wären in aller Regel von Verbrennungsmotoren „angetrieben“ worden.

Das war nicht so.

Auf die meist sternförmig ausgeführten Antriebsmaschinen (prinzipiell ausgelegt wie Verbrennungsmotoren) wirkte hochgespannte Luft (in vorgeschalteten Brennkammern stark erhitzt). Allerdings erzeugten die Standardantriebe mittels Luft die unerwünschten, weithin sichtbaren Blasenbahnen (bei ruhiger See und nicht an der Wasseroberfläche – Torpedos liefen optimal in gemutmaßter Tiefe der Kiellinie von Zielen). Das Problem wurde sehr zeitig durch elektrische Antriebseinheiten gelöst.

Die Antriebskonzepte stießen hinsichtlich der erwünschten Verbesserung der Torpedoeigenschaften an Grenzen. Erwünscht waren vor allem höhere Geschwindigkeiten und damit verbunden höhere Reichweiten. Denn Schiffe können Torpedos je nach Entfernung und dem Winkel, in dem das Geschoss auf ein Schiff zuläuft, mit guter Aussicht auf Erfolg ausweichen (so das Ding gesehen wird).

Elektrische Antriebe waren wartungsintensiv und die damalige „Batterietechnik“ setzte den Geschwindigkeiten der E-Torps enge Grenzen. Die Wartung gefährdete, wie zahlreiche Verbrennungsunfälle durch Stromschlag auf deutschen U-Booten belegen, das Bedienungspersonal in einer schwer dauerhaft zu tolerierenden Weise.

Unter Zeitdruck unter Wasser und erbärmlichen Lichtverhältnissen war es heikel und fehlerträchtig High-Tech Waffen zu warten. Elektrische Speichermedien in denen hohe Ströme lauerten allemal.

Anlass für Projektarbeiten zum Einsatz von Verbrennungsmotoren war nicht das Problem der Blasenbahn. Vielmehr sollten höhere Geschwindigkeiten (getestet: ~ 50 kn für mehr als 20 hm) und Reichweiten bei gleichzeitig geringeren Wartungsanforderungen und besserer Funktionssicherheit erreicht werden.

Mehr als ein paar Dutzend Exemplare für Versuchszwecke wurden wohl nicht gefertigt. Die „Laborversuche“ waren überraschend erfolgreich.

Außerdem spielte die Idee des „Schlachtschifftorpedos“ mit 75 cm Durchmesser (ein richtig fetter Aal – Normkaliber: 53 cm) eine Rolle.

Der Drucklufttorpedo erreichte ~ 40 kn bei normaler Laufstrecke (theoretisch 8 hm); der Elektrotorpedo ~ 30 kn (theoretisch 5 hm).
Fragen der Wirtschaftlichkeit waren nachgeordnet.

Immerhin kostete ein Torpedo so viel wie ein Einfamilienhaus.

Die Entwicklung eines Verbrennungsmotors mit maximalen Außenmaßen von weniger als 53 cm war eine technische Herausforderung, von deren Ergebnissen der deutsche Maschinenbau in Nachkriegs-Deutschland profitiert hat. Wäre in den dreißiger Jahren der führende Ingenieur nicht unerwünschter Jude gewesen; wer weiß, wie das Projekt sich auf den Geleitzugkampf der U-Boote ausgewirkt hätte.

Informationen finden sich nicht nur in dem erwähnten Buch von RÖSSLER, sondern in einem weiteren Buch des Autors „Die Torpedos der deutschen U-Boote“. Darin ist auch das Nachkriegsprojekt „Nixe“ erwähnt.

Vielleicht gibt’s dazu was unter google… Manchmal hilft es auch nach Bildern unter denkbaren Stichworten zu suchen (also: google, dann Bilder, dann ein … Wort).

Eine gute Adresse ist auch unter dem Stichwort „Conning tower“ vorhanden; die Internetseite betreibt ein Isländer mit viel Hingabe.

Die angegeben technischen Daten sind alle richtig. Der Motor war allerdings nicht klein im Sinne von Leistung und Hubraum. Buchheim (wir sind hier bei den U-Booten) hätte seinen Protagonisten sagen lassen: ein fetter Brocken!

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Hallo,

manchmal hilft auch ein Blick ins Forum Archiv…
da stehen sämtliche Torpedo-Typen der Dt.KM des 2.WK drinn…
(Mit Ihren Daten)…:smile:

mfg

Frank

Hallo,

hilf mir mal bitte aufs Pferd. Ich find im Archiv grad nichts.