Tot krank - überfordert

Hallo,

keine Ahnung, ob das Thema hier schon einmal besprochen wurde:
Gerade hat mir eine Nachbarin mit Tränen in den Augen erzählt, dass ihr Mann Krebs hat. Die Chance für ihn wieder gesund zu werden ist gering - so die Aussage des Arztes. Es wird an ihrem Mann ein Medikament ausprobiert, mit dem sie auf Heilung hoffen. Und ich riet ihr, sich an diese Hoffnung zu halten.
Im nachhinein war ich sehr unzufrieden mit mir. Sie hat Angst um ihren Mann und leidet darunter - kein Platz für Hoffnungsgefühle. Trösten hätte ich sie nicht können, nur mitleiden. Aber wäre ihr das recht gewesen? Es tut mir auch weh, wenn ihr Mann nicht mehr da sein sollte. Aber das ist mein eigener Schmerz.
Oh, erzählt mal. Was macht Ihr in solchen Situationen? Kann ich richtiges Verhalten in solchen Situationen lernen, nicht nur mir sondern auch anderen zuliebe?

ratlose und traurige Grüße
claren

Hallo,
keine Ahnung wie man da „richtig“ reagiert aber

Die Chance für ihn wieder gesund zu
werden ist gering - so die Aussage des Arztes.

auf den Singular bei Arzt wäre ich angesprungen. Im Klartext solche Diagnosen stellt einfach kein _einzelner_ Arzt. Hier würde ich an ihrer/seiner Stelle auf jeden Fall zusätzliche ärztliche Diagnosen abwarten.

Gruss
Enno

Hallo,

ich stehe bei solchen Nachrichten auch erst mal geschockt und hilflos da, das geht fast jedem so.
Versuch ihr doch einfach im nächsten Gespräch zu vermitteln: Ich fühle mit Dir, ich bin für Dich da.
Hoffnungen wecken oder ansprechen, wo möglicherweise keine sind, halte ich nicht für so glücklich. Du bringst sie damit nur in die Lage, Dir zu erklären, wie schlimm die Situation ist.

Geh hin, lass sie nicht allein, frag ob Du ihr was abnehmen kannst, damit sie mehr Zeit bei ihrem Mann verbringen kann oder gib ihr einfach die Chance sich mal auszuheulen.

Ob man da richtiges Verhalten lernen kann - ich glaube nicht.
Ich wünsch Dir viel Kraft!

Birgit

Hi claren,
ich würde ihr schlicht anbieten, für sie da zu sein, wenn sie Dich braucht (und nicht nur sagen, sondern auch so handeln). Mitleid hilft niemandem.
Gruß,
Anja

Hallo Claren
ich glaube das ist genau das was man immer denkt ,dass man sich „RICHTIG“ verhalten muss. Das lässt auch viele Leute von Kranken oder Hinterbliebenen Abstand nehmen,wegen dieser Unsicherheit.Man kann sich nicht richtig oder falsch verhalten ,wenn man da ist .
Ich denke ,das ist das was zählt ,dass man da ist und die Trauernden oder Sichsorgenden nicht alleine lässt .Trost gibt es sowieso nicht,wenn der liebste Mensch so krank ist oder gestorben.

Nimm dir ein wenig Zeit für Deine Nachbarn.
Weine mit ihnen oder was auch immer .

LIeben GRuss
Kosmokatze

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genau das
hallo,
ich betrachte es mal aus der anderen perspektive: wenn ich einen solchen trauerfall hätte, würde mir von allen denkbaren reaktionen irgendeine geschmeidige psycho-technik am übelsten aufstoßen. mir wäre ehrlichkeit am wichtigsten:
wenn du sprachlos bist, sag es genau so. wenn dir zum heulen ist, ist es nicht verkehrt das auch zu tun. wenn dir was anderes einfällt, umso besser- bzw.: warum eigentlich reden? wortlos in den arm nehmen sagt vielleicht viel mehr…
m.a.w.: alles, nur kein „herzliches beileid“.

greetings
bernd

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Hallo,

ich stehe bei solchen Nachrichten auch erst mal geschockt und
hilflos da, das geht fast jedem so.

Ja, da hast du Recht!

Versuch ihr doch einfach im nächsten Gespräch zu vermitteln:
Ich fühle mit Dir, ich bin für Dich da.

Ja, und zwar imho am besten dadurch zu vermitteln, indem man fragt, wie geht es dir! Ich war vor genau 8 Jahren in der Lage, dass man mir sagte, mein Mann habe Krebs und er werde das Jahr nicht mehr zu Ende gehen erleben! Am schlimmsten habe ich diejenigen empfunden, die mit Leichenbittermiene da standen und mich, bzw uns bemitleideten! Am besten fand ich das Verhalten meiner Eltern damals! Sie riefen oft an, fragten, wie es uns (!) geht und erzählten dann von sich und ihrem Alltag! Da war kein falsches Mitleid, sondern Unterstützung! Wie die aussieht in solch einem Fall, muss erspürt werden, denn das sieht bei jedem anders aus!

Hoffnungen wecken oder ansprechen, wo möglicherweise keine
sind, halte ich nicht für so glücklich. Du bringst sie damit
nur in die Lage, Dir zu erklären, wie schlimm die Situation
ist.

Stimmt, das habe ich auch erlebt! Es artet zu einer Rechtfertigungsposition aus, die für den Angehörigen im wahrsten Sinne des Wortes entsetzlich sein kann. So jedenfalls habe ich das damals empfunden! Am liebsten hätte ich damals losgeschrien: Seid doch endlich still, wisst Ihr, wie es in uns aussieht?

Geh hin, lass sie nicht allein, frag ob Du ihr was abnehmen
kannst, damit sie mehr Zeit bei ihrem Mann verbringen kann
oder gib ihr einfach die Chance sich mal auszuheulen.

Genau!

Ob man da richtiges Verhalten lernen kann - ich glaube nicht.

Du kannst es aber offenbar:smile:
Herzliche Grüße
Renate

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Hallo Claren,

wie man sich verhalten soll ist für einem selbst immer eine schwierige Frage, denn jeder Mensch ist da anders.
Die einen haben lieber ihre Ruhe, die anderen möchten Aufmerksamkeit und Mitleid.

Du solltest keine zu großen Erwartungen in dein Verhalten interpretieren, die meisten sind erst einmal perplex, stammeln dann etwas von Ohh wie schrecklich oder dergleichen oder wissen nicht was sie sagen sollen,das kommt meist auch bei dem Betroffenen nicht gerade positiv rüber, aber ich denke jeder weiß das auch, dass es schwierig ist, darauf einzugehen, wenn man selbst belastet ist und nicht weiß wie man damit umgehen soll.

Das Idealste Verhalten wäre wohl,zuhören, dann sagen: Das tut mir leid, ich hoffe das es ihrem Mann bald besser geht.(damit gibt man vielleicht auch noch Hoffnung).

Gruß Pegasus