Kauf dir einen Schalter
Hallo Danie,
mit dem Schalter kannst du dann die Gefühle ein- und ausschalten.
Ich komme langsam in das Alter, in dem deine Mutter verstorben ist. Meine Mutter lebt noch, aber etliche Verwandte nicht mehr.
ich dachte eigentlich, dass ich relativ damit umgehen kann…
„ich dachte“, damit wird oft der größte Unsinn eingeleitet. Das Leben will gelebt sein und nicht gedacht. Mag sein, dass dir die Bedeutung deiner Mutter dir nicht bewusst war, dann hast du eben neue Seiten an dir entdeckt. Und das ist doch gut.
aber in letzter zeit fang ich immer wieder an zu weinen… ohne
ersichtlichen grund fuer meine mitmenschen…
Die Mitmenschen werden schon wissen, dass du nicht grundlos weinst, und sie werden nach dem Grund fragen. Sag ihnen doch einfach den Grund, jeder kann ihn verstehen.
leider kann ich in solchen momenten auch nicht drueber reden -
auch nicht spaeter…zum einen, weil ich dann wieder anfangen
wuerde zu weinen und zum anderen, weil ich angst habe, dass
die leute dann genervt sein koennten…
Erstens brauchst du nicht weiter darüber zu reden, weil jeder den Grund nachvollziehen kann.
Zweitens schadet es weder dir noch den anderen, wenn du dann erst recht weinst.
Und drittens solltest du Schönwetterfreunde, die genervt sind, auf schnellstem Wege entsorgen.
ist sowas normal? und wie lang dauert es, bis ich es
ueberwunden habe?
Du wirst es nie ganz überwinden. Deine Mutter ist ein Teil von dir. Sie ist in jeder deiner Gehirnwindungen. Der menschliche Geist arbeitet nun mal nicht vernünftig. Du hast zigtausende Erinnerungen an deine Mutter, und jede muss bearbeitet werden und auf den neuesten Stand gebracht werden: deine Mutter ist tot.
Ich halte nicht viel vom Begriff der Trauerarbeit. Kann man heutzutage nicht einfach traurig sein, ohne einen Plan abzuarbeiten? Aber man muss die Trauer zulassen. Nicht ohne Grund bieten hier die (von mir wirklich nicht geschätzten) Religionen eine Anleitung. Die orthodoxen Christen haben feste Termine, einen nach 40 Tagen, wenn ich mich recht erinnere, auch die Katholiken treffen sich ein Jahr nach dem Tod, soviel ich weiß.
hat jemand von euch sowas schonmal erlebt und kann sich mit
mir austauschen? waere wirklich lieb von euch.
leider bin ich nur am we online, um zu sehen, ob mir jemand
geschrieben hat, aber ich wuerd mich ehrlich ueber antworten
freuen.
Ehrlich gesagt solltest du dir Menschen suchen, die dich und deine Mutter kennen bzw. kannten. Das Gefühl der Trauer kennen wohl die meisten Menschen, aber du musst deine persönliche Trauer um deine eigene Mutter durchleben. Und da helfen Menschen am meisten, mit denen man Erinnerungen austauschen kann.
Das will nicht heißen, dass ich nicht zu einem weiteren Gedankenaustausch bereit bin, aber der wäre sehr theoretisch, und es geht bei der Trauer immer um einen konkreten Menschen.
Gruß, Zoelomat