Forschung und Ethik
Hallo babs 
Mit dir Diskutiere ich doch mit am liebsten…
Wirklich sehr spannend und anregend…
Die Naturwissenschaften haben ein klares System der
Beweisführung. Dieses System lässt sich aber nur innerhalb der
naturwissenschaften korrekt anwenden. sobald ich dieses
beweißsystem ausserhalb der nat- Wiss verwende, kann ich in
teufels küche kommen, und zwar wegen prinzipell mit dieser
Methodik nicht mehr unterscheidbaren Fällen.
Aber genau diese Methodik ist das Denkraster der westlichen
Welt!
Und das ist das Problem. Die Übertragung der naturwissenschaftlichen Denkweise auf nicht-naturwissenschaftliche Fragestellungen ist m.E. ein Relikt des 19. Jahrhunderts. damals entstanden die naturwissenschaftlichen Ideologien, aufbauend auf dem Versprechen der Naturwissenschaften, das alles erklärbar und alles beherrschbar und vorhersagbar ist.
Dieser naturwissenschaftliche Ideologische Ansatz ist aber bereits zu Beginn unseres Jahrhunderts von den Naturwissenschaften selbst wiederlegt worden. Es hat sich blos noch nicht rumgesprochen.
dazu gehören vor allem die ethisch-moralischen Fragen. Und aus
dieser Diskussion, also dem wechselspiel zwischen Ethik und
naturwissenschaften haben sich die Philosophen im weiteren
Sinn nun meiner Bescheidenen Meinung nach vollkommen
ausgeklinkt.
Nein, sie haben sich nicht ausgeklinkt, sondern sie werden
nicht gehört.
Ist im Endeffekt das gleiche Ergebnis, traurig aber wahr.
Ich nehme mal die brutaloexperimentatoren mit
„machbarkeuitswahn“ aus…
Die sind für mich nur ein extremes Symptom vom ganzen.
Fanatiker (und dazu gehören die Brutaloexperimentatoren) sind in jeder Ideologie zu finden.
Die Religion der Liebe führte die Inquisition ein
Die Revolution der Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit führte zu den Massenhinrichtungen mittels Gulliotine.
Es ist einfach so, das jede „Glaubensrichtung“ (dazu gehören auch die Naturwissenschaften als Ideologie betrachtet) seine Fanatiker hervorbringt.
Ich kenne keinen besseren Geisteswissenschaftler/Philosophen,
der sich so mit angewandter Gebrauchsphilosophie im heutigen
Naturwissenschaftsmilieu beschäftigt, das man ihn auch
VERSTEHT.
Ich habe nur vor geraumer Zeit die Diskussion um die
Bioethik-Kommission verfolgt (ca. 4 Jahre? her)…war
eigentlich alles ganz verständlich, finde ich. Da gab es
eigentlich eine Menge Denkansätze, die sehr spannend waren und
von sehr unterschiedlichen Gruppen kamen. Es wird auch immer
wieder diskutiert. Ich sehe nur überhaupt nicht, dass
Naturwissenschaftler irgendeine Konsequenz daraus ziehen. Und
es reicht ja auch leider, wenn einige wenige einfach in eine
Richtung weitermachen…irgendwann ist der nächste Damm
gebrochen und der Forschungsmarkt zieht seine Konsequenzen…
das mit der Einsetzung der Ethikkommission war schon sehr spannend, ist dann aber irgendwie versandet… schade eigentlich.
Und so übernehmen die Naturwissenschaftler selber die ethische Beurteilung. So wird gerade das Klonen von Menschenderzeit sehr kontrovers Diskutiert. Aber Nat-Wissler haben einfach eine begrenzte Sichtweise (Ich nehme mich da nicht aus), Ein anderer Input ist notwendig…
Die Sachebene, auf der das ganze sich abspielt: ist folgende: Ich habe einen Kranken, einen Schwerstkranken… Und ich will ihm helfen. Eine Weitere Triebfeder ist der Ruhm, den man damit einheimsen kann. Und die Dritte liegt in der intellektuellen Herausforderung, ein Problem zu lösen, das vor einem noch keiner geschafft hat (eine nicht zu unterschätzende Triebfeder des Menschen) das Finanzielle steht bei dem Grundlagenforscher eigentlich nicht an erster Stelle, es ist zwar ganz nett, aber nicht ausschlaggebend… es reicht um die Miete zu bezahlen und nett in den Urlaub zu fahren. Aus der Sicht der Konzerne sind die Prioritäten natürlich etwas anders… *g*
Wenn zu mir jemand (objektiv korrekt) sagt: „wegen der ethischen Bedenken kann ich diesem menschen nicht helfen, ich darf es nicht einmal versuchen, und ich finde das total Panne“
…was soll ich dann darauf sagen?
Ich kann einem Esoteriker 100 mal
auf der Sach/ Naturwissenschaftsebene das Gegenteil beweisen,
aber wenn ich seine Gefühlsebene nicht erreiche, dann muß ich
dessen Meinung tolerieren.
Ja, aber Esoteriker bestimmen nicht die Regeln der Diskussion
in der Gesellschaft. Deshalb bist du immer auf der „stärkeren“
Seite. Da ist es leicht(er) zu tolerieren. (nicht, dass ich
esoterische Regeln wollte, aber darum geht es nicht…)
Ja, man kann dazu stehen wie man will, aber durch die prinzipielle Diskussion von Dingen auf der Sachebene konnte man auch Dinge klären, die auf der Gefühlsebene umstritten sind/waren. Und zwar durch simple Demonstration.
Es gibt Dinge, die sich durch ein Experiment zeigen lassen. Und es gibt einen ganzen Haufen Dinge, die sich eben NICHT durch ein Experiment verivizieren lässt, weil die Fragestellung falsch ist.
bezüglich deines Beispieles Parkinsonpatient:
Die Therapie scheint erfolgversprechend, Das ist ein auf der Sachebene nicht zu wiederlegendes Argument.
Ich kann aber sagen, es ist unethisch, Teile von Föten für eine derartige Therapie zu verwenden. Das ist jetzt nicht Sachebene, sondern Gefühlsebene…
das Sachebenenargument wird übrigens häufig als Totschläger verwendet *DU willst diesen Kranken leiden lassen???*
Die diskussion um, was ethisch Gerechtfertigt ist und was nicht, führt dann immer in eine Sackgasse, weil beide von anderen Grundwerten und Grundüberzeugungen ausgehen…
bei den einen wird dadurch die ethische Basis der Gesellschaft angegriffen, die anderen sehen darin kein Problem…
Die Frageastellung, ob es Ethisch gerechtfertigt ist, solche Experimente vorzunehmen, ist somit sachlich unentscheidbar.
Um eine andere Meinung tatsächlich als total wiederlegt und
als „Zu bekämpfen“ einzustufen, muß ich für mich sowohl auf
der Sach- als auch auf der Gefühlsebene von der Richtigkeit
meiner Meinung überzeugt sein.
Ja, du vielleicht, aber das ist nicht die Norm.
leider
))
jein: Es kommt drauf an, was man draus macht. Der Fortschritt
gibt uns Mittel zu einer besseren Selbstbestimmung in die
Hand, aber wie und wozu wir diese Mittel nutzen, ist uns
selbst überlassen. Zum Guten oder zum Bösen.
Das Problem ist, dass erst gehandelt wird und dann nachgedacht
wird. Es ist wie KErbi sagt, in einigen Punkte ist die
Konsequenz, ein Stopschild hochzuhalten, nur, dass wollen
zumindest einige dann nicht sehen.
Und die Überfahren dieses Stoppschild dann und knallen ab und an gegen eine Mauer. Es ist unbedingt nötig, auf dem Sektor Biotechnologie am Menschen eine breite gesellschaftliche Diskussion anzleiern, um eben hier einen Ethischen Konsens zu bilden. Derzeit hängt die Forschung hier gesellschaftlich total in der Luft.
Aber ich habe so den Eindruck, die Meinungsmacher interessiern sich mehr für Big Brother und ähnliches…
Und wenn der Topf dann in den Brunnen Gefallen ist, dann wird wieder rumgeschrien… und umgehend das Kind mit dem Bad ausgeschüttet.
Über die Chancen (im guten wie im bösen) der Biotechnologien existieren einiges an lesbarem Druckwerk, aber über die Ethischen Konsequenzen wird kaum geredet, und wenn, dann meist total abgehoben.
(finde ich mal)
CU
*knuddel*
Mike