Totenehre, organspende und christentum

nochmal zusammengefaßt, was ich zu sagen habe. hoffentlich wird es jetzt klar.

warum begraben wir tote? warum machen wir beerdigungsrituale? wir könnten sie einfach auf den müll schmeißen oder im hauseigenen ofen verbrennen. warum gibt es gräber und friedhöfe? in dieser atheistischen zeit! warum? weil die totenehre mehr als nur religion ist. sie ist teil unserer kultur.

in den letzten hundert jahren versucht die wissenschaft systematisch, kulturelle gefühle dieser art wegzurationalisieren und als schwäche und religiöse spinnerei abzutun, weil sie ein forschungshindernis darstellen. „leichen sind biomüll!“ einer sagte hier glatt „kadaver“, als ob es sich um tiere handelte. die „menschenwiederverwertung“ geht nur mit unterdrückung enormer schuldgefühle. diese werden aber abgefangen durch den glauben an einen akt der nächstenliebe. organspenden soll etwas humanistisches sein. warum?

das christentum hat im mittelpunkt die figur jesus. nach christlicher lehre ist jesus für die sünden der menschen gestorben. er wurde hingerichtet, geopfert, damit andere leben. dies ist das grundmotiv des christentums. aufopferung steht daher als paradebeispiel für christliche nächstenliebe. die organspende folgt diesem motiv nach. der tod des einen wird sinnvoll, weil durch ihn ein anderer lebt. wie bei jesus!

  • deswegen unterstützt die kirche die organspende, während sie sonst immer gegen die moderne medizin wettert (klonen, künstliche befruchtung, abtreibung.)

  • und deswegen setzte sich ein organspendegesetz wie in .at und .de nur in christlichen ländern durch.

gegen was genau ich bin, ist nebensächlich. ich will auf diesen zusammenhang aufmerksam machen.

da drüber gibts auch ein buch. borgt euch das mal aus. der herzlose tod, von anna bergmann.

Hallo lehitraot

ich habe leider nicht gesehen, dass du hier einen neuen Thread aufgemacht hast, deshalbd meine Antwort hier noch einmal.

warum begraben wir tote? warum machen wir beerdigungsrituale?

Für mich bedeutet eine Beerdigung , Abschied nehmen zu können von einem Menschen, der mir etwas bedeutete, in welcher Form auch immer.
Nichts anderes…nur Abschied nehmen !
Ich sehe den Leichnam dann nicht, ich sehe den Sarg und weiß, wer dort drinnen liegt…am offenen Grab kann ich dann gebührend Abschied nehmen und bekomme dann so langsam das Gefühl dafür, dass dieser Mensch nun nicht mehr unter uns weilen wird.

wir könnten sie einfach auf den müll schmeißen oder im
hauseigenen ofen verbrennen. warum gibt es gräber und
friedhöfe?

Zum Abschied nehmen ?
Um die letzte Ruhestätte des Toten zu besuchen, nachzudenken und zu ihm „zu sprechen“ ?

…in dieser atheistischen zeit! warum? weil die
totenehre mehr als nur religion ist. sie ist teil unserer
kultur.

Nein, für mich nicht !
Für mich hat Beerdigung nichts, aber auch gar nichts mit der Religion zu tun…es ist nur ein endgültiger Abschied.

Viele Grüße,
Vanessa

Hallo lehitraot,

ich weiss zwar immer noch nicht, warum Du Dich in dieser Sache so engagierst, aber in einem Punkt muss ich Dir mal klar widersprechen:

das christentum hat im mittelpunkt die figur jesus. nach
christlicher lehre ist jesus für die sünden der menschen
gestorben. er wurde hingerichtet, geopfert, damit andere
leben. dies ist das grundmotiv des christentums. aufopferung
steht daher als paradebeispiel für christliche nächstenliebe.
die organspende folgt diesem motiv nach. der tod des einen
wird sinnvoll, weil durch ihn ein anderer lebt. wie bei jesus!

Der Tod Jesu hat keine Vorbildfunktion für gläubige Christen.
Durch den Tod Jesu hat kein Mensch eine physische Lebensverlängerung erhalten, daher hat er auch gar nichts mit Organspenden zu tun.

Da Jesus einmal für alle Menschen gestorben ist, wäre jeder andere Tod sinnlos.

Durch den Tod Jesu haben wir ein Leben im Jenseits, wo wir aber keinen Bedarf an einem stofflichen Körper haben werden. Deshalb ist es egal, ob wir mit zwei Armen und Beinen oder ohne Herz und Lunge begraben werden. Zum Zeitpunkt der Auferstehung ist von alldem nichts mehr übrig.

Diese Erkenntnis hatte übrigens schon Paulus. Das ist also nicht erst in den letzten hundert Jahren entstanden.

Die christliche Nächstenliebe ist darauf ausgerichtet, dem Nächsten Gutes zu tun. In welcher Form ist nicht näher definiert. Jeder soll das nach bestem Wissen und Gewissen machen.

Gruss Harald

nicht Christentum, sondern griechische …
…Philosophie spielt da rein als Menschenbild. Nämlich die Idee von der Trennung von Körper und Seele. (vom Christentum aber rezipiert). Wer keine Trennung sieht, hat da natürlich ein ganz ernstes Problem. Wer die Sache getrennt definiert und „fühlt“ versteht nicht mal ansatzweise dein Problem:smile: (wie man hier sieht)

Hallo Lehitraot,

nach ein paar Tagen www-Abstinenz meld ich mich mal wieder:smile:. Ich habe unten voll Interesse den Thread gelesen. Vor allem Kerbis Postings (huhu Kerbi *wink*:smile:) kann ich unterschreiben.

Ich selbst bin da auch ganz zwiespältig. Vom Gefühl her möchte ich nicht, dass man an Toten rumschnippelt, sie als „Ersatzteillager“ verwendet. Ich möchte eigentlich nicht, dass man das mit irgendjemand macht, ich finde das genauso furchtbar wie du und wollte es auch nicht für mich.

(Ich hatte z.B. auch heftigste Probleme damit, als in meiner zweiten Heimatstadt Mannheim zum ersten Mal die Körperweltenausstellung gezeigt wurde!)

Mein anderes Gefühl sagt, da sind Menschen, die können weiterleben mit diesen Organen, diese Organe - das sagt mir dann mein Kopf- werden sonst nur von Würmern zerfressen, oder gar verbrannt (nicht wenige Menschen lassen sich ja mittlerweile verbrennen). Diese Menschen sterben sonst, die Organe retten ihr Leben.

Ich habe also keine abgeschlossene Meinung zu dem Thema, nur diffuse Gefühle.

Meine Mutter war sehr erstaunt, als ich ihr einmal sagte, dass ich eigentlich eher nicht Organe spenden will. Sie war sehr froh, dass ich ihr das mal gesagt habe, denn sie hielt mein Einverständnis für selbstverständlich.

Ich weiß aber auch nicht, was ich machen würde, wenn ich ein Organ zum überleben bräuchte. Das sage ich jetzt mal so ehrlich. Ich weiß es einfach nicht. Eigentlich will ich das vom Gefühl her alles nicht.

Kultur

Dein Hinweis auf die Kultur verstehe ich nicht wirklich als Argument. Kultur ist ja nichts statisches. Tradition ist natürlich nicht nur schlecht, aber sie wird zum Gesinnungsterror, wenn sie nicht hinterfragt, überdacht und gegebenenfalls modifiziert werden kann. Tradition, Werte, Ideen, Moral - das ändert sich immer wieder und oft bin ich froh darum. z.B. beim Thema Homosexuelle ( da hattest du ja auch eher traditionelle Vorstellungen, wenn ich mich recht erinnere)…also: nur weil etwas kulturell bedingt ist, ist es nicht per se gut oder schlecht. Finde ich.

Beste Grüße,

barbara

Hi Lehi
Ich hoffe, das ich nun auf die Meta-Ebene gekommen bin…

warum begraben wir tote? warum machen wir beerdigungsrituale?
wir könnten sie einfach auf den müll schmeißen oder im
hauseigenen ofen verbrennen. warum gibt es gräber und
friedhöfe? in dieser atheistischen zeit! warum? weil die
totenehre mehr als nur religion ist. sie ist teil unserer
kultur.

Vollkommen korrekt, aber es gibt in der Weltgeschichte zahllose Beispiele für abweichende Begräbnisrituale… Sie reichen von einer möglichst guten Erhaltung der Leiche (möglichst vollständig sozusagen) bis hin zur Deponierung in Abfallhaufen… (nein, nicht heute in Südamerika…)

Begräbnisrituale sind ausserdem sehr alt, bereits der Homo erectus könnte derartige Rituale vorgenommen haben, sicher ist dies beim Neadertaler belegt sowie beim frühen Homo sapiens.
Über den Zweck der damaligen Rituale kann man nur Mutmaßungen anstellen.

Das Tabu des Todes war übrigens im Mittelalter und der frühen Neuzeit viel weniger ausgeprägt als HEUTE, einfach weil der Tod eine viel alltäglichere Sache war.
Hinrichtungen, Schwere Arbeitsunfälle, der Tod im Kindbett, Brutale Kriege etc, sowie die generell niedrige durchschnittliche Lebenserwartung von etwa 30 Jahren führten zu einer viel größeren Vertrautheit mit dem Phänomen Tod.
Heute ist der Tod eines nahen Angehörigen, insbesondere ein verfrühter, ein tiefer Einschnitt und ein sehr emotionales Erlebnis für die nahen Angehörigen und Freunde.

Mit der Verlängerung des menschlichen Lebens durch medizinische und hygienische Maßnahmen hat sich generell die Wertschätzung des menschlichen Lebens an sich erhöht. So werden heutzutage Kriegshandlungen, die noch in der frühen neuzeit als ganz normal galten, heutzutage international geächtet und strafrechtlich verfolgt, insbesondere Vergehen gegen die Zivilbevölkerung. Es gibt eine weltweite Bewegung gegen die Todesstrafe. Ideologischer Massenmord gilt als das schändlichste Verbrechen überhaupt.
Der Denkansatz verschiebt sich also hin zum Erhalt des einzelnen Lebens.
Ausserdem hat die Versachlichung und Entideologisierung des Körpers einen Punkt in den Vordergrund geschoben, den es früher nicht gab: Die eigene Verantwortung für sich selbst. Die ideologischen Tabus, die früher existierten und den Körper „vor uns selbst“ schützten, sind nach und nach gefallen.

In wie weit das Weltweit der Fall ist, entzieht sich meiner Kenntnis, ich kann nur für den erweiterten westlichen Kulturkreis sprechen. Für die anderen Kreise fehlt mir die Kompetenz.

Die Leiche ist heute weniger ein spirituelles Objekt (bitte entschguldige den Ausdruck, ein besserer ist mir nicht eingefallen) im Sinne von „Heilig“, sondern der Punkt, an dem die Trauernden ihre Trauer fokussieren. Die Beerdigung ist somit ein Abschied nehmen von einem geliebten Menschen. Dazu passen auch die großen psychischen Probleme, die die Angehörigen von Kriegsvermissten oder beispielsweise die Angehörigen von nicht geborgenen Grubenunglücksopfern haben.

in den letzten hundert jahren versucht die wissenschaft
systematisch, kulturelle gefühle dieser art
wegzurationalisieren und als schwäche und religiöse spinnerei
abzutun, weil sie ein forschungshindernis darstellen.

Diese Wegrationalisierung ist ein Ergebnis der Aufklärung. Die kritische Betrachtung und Enttabuisierung des Körpers ermöglichte erst den wissenschaftlich-medizinischen Fortschritt.
Dieser Fortschritt ist zum einen auf die simple menschliche Neugierde zurückzuführen. Des weiteren natürlich auf die Lust, etwas ganz neues Auszuprobieren. ABER auch, weil die Forscher Leben retten wollen. Medizinischer Fortschritt entsteht häufig aus der Entschlossenheit, dem Sterben nicht tatenlos zusehen zu wollen. Mit verstärkend wirkt die Entschlossenheit der ansonsten hoffnungslos verlorenen Patienten, alles zu versuchen, weil sie eh nichts mehr zu verlieren haben.
Diese Hoffnungen der Patienten stellen natürlich eine große Versuchung für den einzelnen Forscher dar, darum gibt es ja die Ethikkommissionen, und regelmäßig Skandale…

Die ersten Transplantationen wurden übrigens aus genau dieser Verzweiflung heraus durchgeführt… Ein (junger) Mensch musste sonst sicher sterben, es war die „letzte Chance…“

die „menschenwiederverwertung“ geht
nur mit unterdrückung enormer schuldgefühle. diese werden aber
abgefangen durch den glauben an einen akt der nächstenliebe.
organspenden soll etwas humanistisches sein. warum?

Warum nicht. Durch mein Organ rette ich das Leben eines anderen.
Wenn ich Plasma- oder Thrombozythen oder Granulozyten spenden gehe, dann kann meine Spende einem anderen Menschen das Leben retten. Ich kann sogar eine Niere spenden, oder Teile meiner Leber…
Diese Entnahmen von Organen sind aber mit Risiko verbunden, ein derartiges Risiko würde ich nur für einen geliebten Menschen eingehen.

Die zentrale Frage ist nun: worin liegt der moralische Unterschied, ob man die Organe einer lebenden Person entnimmt oder einer Toten Person (sprich, einer hirntoten Person), wenn die Person einer Organentnahme zugestimmt hat.

Der Unterschied liegt darin, das bei einer Entnahme aus Hirntoten Personen deren theoretische Lebensfähigkeit beendet wird. Ohne Herz und Leber ist schwer zu leben.

Wir können jetzt eine Riesendiskussion über das Hirntodkriterium anzetteln, aber ich setzte mal voraus, das der Hirntod tatsächlich das Ende der menschlichen Existenz darstellt.

Wann kann man nun die Entnahme von Organen aus Hirntoten erlauben:
Folgender Fall ist klar: Der Verstorbene hat dem ausdrücklich zugestimmt. Eine derartige Zustimmung ist einem testament gleichzusetzten, der Wille des Toten muß (wenn möglich) entsprochen werden. Ähnlich wie er über seinen Sachbesitz verfügt, so kann er über seinen Körper verfügen. Dies folgt zwingend aus derm Recht auf Selbstbestimmung. Umgekehrt gilt natürlich das gleiche. Hat ein Verstorbener sich vorher ausdrücklich gegen eine Entnahme ausgesprochen, so darf dies auch nicht geschehen. Alles andere wäre wirklich Leichenfledderei.

Problematisch bleibt die Entnahme von Organen aus Personen, die einer Organentnahme weder zugestimmt noch sie abgelehnt haben. Dies ist eine Moralische Grauzone. Bin ich berechtigt, einer solchen Person Organe zu entnehmen.

Zu den psychischen Problemen:
es ist für einen Angehörigen emotional nur schwer zu verstehen, wenn man gesagt bekommt… „Er ist Tot“ wenn man ihm nichts ansieht… Die Person ist tief Bewußtlos, wird beatmet… aber so ist nichts zu erkennen. Was soll man tun? Das Kriterium „Hirntod“ führt immer wieder in diesen Bereich hinein. Der „gesunde menschenverstand“ sagt uns: „Er kann nicht tot sein, sein Herz schlägt…“ Es ist nun aber so, das uns der gesunde Menschenverstand in vielen Situationen nicht weiterbringt…
Wir kommen zu einem weiteren Problem:
Wenn ich aus Rücksicht auf die Gefühle der Angehörigen die Organentnahme bei einem Spendewilligen (sofern geeignet) nicht durchführe, dann verletze ich den letzten Willen des Toten.
Zum anderen kann das Bewußtsein, das Teile eines geliebten Menschen in einem anderen weiterleben, für die Angehörigen auch ein Trost sein…

  • und deswegen setzte sich ein organspendegesetz wie in .at
    und .de nur in christlichen ländern durch.

das Deutsche Gesetz (erweiterte Zustimmungslösung) unterscheidet sich wesentlich von dem Österreichischen (Wiederspruchslösung)

gegen was genau ich bin, ist nebensächlich. ich will auf
diesen zusammenhang aufmerksam machen.

Mir stellt sich da folgende Frage: ist der heutige Christliche Glaube ein Produkt der westlichen Moral oder ist die Moral ein Produkt des Christentums…
was war zuerst da, die Henne oder das Ei?
Hm…

Zusammengefasst:
Jeder sollte sich mit dieser Problematik auseinandersetzten, scharf nachdenken, und eine Entscheidung für sich selbst treffen. Er soll dann einen Zettel in seinen Geldbeutel legen, wo das draufsteht, für was er sich entschieden hat. Das macht es für alle Beteiligten einfacher…

Gruß
Mike

Fortschritt und Menschenbild
Huhu Mike:smile:),

Mit der Verlängerung des menschlichen Lebens durch
medizinische und hygienische Maßnahmen hat sich generell die
Wertschätzung des menschlichen Lebens an sich erhöht.

Also, ich möchte doch mal behaupten, dass das nicht die kausale Kette ist…Mehr Medizin - mehr Fortschritt- mehr Humanismus…

Ausserdem hat die Versachlichung und Entideologisierung des
Körpers einen Punkt in den Vordergrund geschoben, den es
früher nicht gab: Die eigene Verantwortung für sich selbst.
Die ideologischen Tabus, die früher existierten und den Körper
„vor uns selbst“ schützten, sind nach und nach gefallen.

Also, da möchte ich doch mal leise nachhaken. Wieso denkst du, dass deine Sicht des „Körpers“ weniger ideologisch ist? Was verstehst du unter Versachlichung?

Das ist genauso Ideologie- nämlich die Ideologie, das Fortschritt und Lebensverlängerung per se gut sind.

Ich habe meiner Großmutter 4 Monaten beim Dahinsiechen zuschauen dürfen und beim Sterbeprozess sehr enger Verwandter erlebt, was der Preis dafür sein kann.

Die Leiche ist heute weniger ein spirituelles Objekt (bitte
entschguldige den Ausdruck, ein besserer ist mir nicht
eingefallen) im Sinne von „Heilig“, sondern der Punkt, an dem
die Trauernden ihre Trauer fokussieren.

Ich verstehe Lehitraot so, dass es ihr auch um das Menschenbild als solches geht (und ich teile hier ihre Meinung). Leichen - tote Menschen - als Ersatzteillager für Lebende zu benutzen (mit oder ohne Einverständnis ist da völlig irrelevant) hat natürlich auch Auswirkungen auf unsere Sicht der lebenden Menschen. Es verändert das Gefühl unseres Selbst. Oder hat es bereits verändert. Ist wahrscheinlich wirklich auch eine Frage, wie sehr wir davon überzeugt sind, dass Körper und Seele eine Einheit sind - oder eben nicht.

Die Beerdigung ist

somit ein Abschied nehmen von einem geliebten Menschen. Dazu
passen auch die großen psychischen Probleme, die die
Angehörigen von Kriegsvermissten oder beispielsweise die
Angehörigen von nicht geborgenen Grubenunglücksopfern haben.

Und warum reden dann so viele Menschen am Grab mit ihren Geliebten, die jetzt tot sind? Mein Opa hat für seine Frau Steine vom Strand aus der Bretagne mitgebracht und auf ihr Grab gelegt. Blumen, Grabpflege, alles nur aus Sentimentalität? Nein, das glaube ich nicht, die Überzeugung ist doch irgendwo da, dass ein Teil des Menschen noch hier ist. Oder nicht?

in den letzten hundert jahren versucht die wissenschaft
systematisch, kulturelle gefühle dieser art
wegzurationalisieren und als schwäche und religiöse spinnerei
abzutun, weil sie ein forschungshindernis darstellen.

Diese Wegrationalisierung ist ein Ergebnis der Aufklärung. Die
kritische Betrachtung und Enttabuisierung des Körpers
ermöglichte erst den wissenschaftlich-medizinischen
Fortschritt.

Da seid ihr euch einig in den Konsequenzen, ihr bewertet es nur unterschiedlich.:smile:

Problematisch bleibt die Entnahme von Organen aus Personen,
die einer Organentnahme weder zugestimmt noch sie abgelehnt
haben. Dies ist eine Moralische Grauzone. Bin ich berechtigt,
einer solchen Person Organe zu entnehmen.

Das ist für mich persönlich keine Grauzone, sondern ein Skandal!

Liebe Grüße,

barbara

hallo babs
Long time no read…

Mit der Verlängerung des menschlichen Lebens durch
medizinische und hygienische Maßnahmen hat sich generell die
Wertschätzung des menschlichen Lebens an sich erhöht.

Also, ich möchte doch mal behaupten, dass das nicht die
kausale Kette ist…Mehr Medizin - mehr Fortschritt- mehr
Humanismus…

Da hast du Recht… Eine Korrelation macht noch keine Kausalität. Die Korrelation ist aber interessant. Muß da noch mal ein bisschen drüber nachdenken.

Ausserdem hat die Versachlichung und Entideologisierung des
Körpers einen Punkt in den Vordergrund geschoben, den es
früher nicht gab: Die eigene Verantwortung für sich selbst.
Die ideologischen Tabus, die früher existierten und den Körper
„vor uns selbst“ schützten, sind nach und nach gefallen.

Also, da möchte ich doch mal leise nachhaken. Wieso denkst du,
dass deine Sicht des „Körpers“ weniger ideologisch ist? Was
verstehst du unter Versachlichung?

Auch die „Sachliche Betrachtung“ ist natürlich irgendwo Ideologie. Denn auch die Naturwissenschaften (um die geht es im Kern) bauen auf einem unbeweisbaren Axiom auf. Allerdings stellt gerade die Versachlichung sehr hohe Ansprüche, denn hierbei muß ich neine Argumente pro oder kontra durch Untersuchungen am Objekt belegen. Sollten die Ergebnisse der Untersuchungen meiner Meinung wiedersprechen, so muß ich meine Meinung ändern. Bei „klassischen“ Ideologien steht die Wahrheit fest. Im versachlichten Bereich ist die Wahrheit sozusagen immer relativ und muß permanent überprüft werden.
Also nicht, ob meine Handlungen mit „DER WAHRHEIT“ in Einklang stehen, sondern auch, ob die derzeitige Wahrheit überhaupt als wahr angesehen werden kann.
(Irgendwie hört sich das furchtbar wirr an)

das ist übrigens die Hauptschwierigkeit, die viele mit den Naturwissenschaften haben… das es eben keine Absoluten Wahrheiten gibt.

Das ist genauso Ideologie- nämlich die Ideologie, das
Fortschritt und Lebensverlängerung per se gut sind.

Hmmmm…
Schwierig…
Es resultiert aus der (natürlich angreifbaren) Überzeugung, das das menschliche Leben per se gut ist. Also bin ich verpflichtet, dieses Leben so weit als möglich und sinnvoll (sic!!!) zu verlängern (ansonsten verrate ich meine Überzeugung).

Ich habe meiner Großmutter 4 Monaten beim Dahinsiechen
zuschauen dürfen und beim Sterbeprozess sehr enger Verwandter
erlebt, was der Preis dafür sein kann.

Der Preis kann hoch sein, aber auch der Gewinn…
Ein Kollege von mir wäre ohne moderne Medizin wahrscheinlich bereits tot (Bekam vor 5 Jahren eine neue Herzklappe). Man muß sich immer fragen: ist die Behandlung sinnvoll oder nicht… oder gibt man auf und behandelt rein palliativ weiter (also sterbebegleitend)
ist aber ein anderes Thema…:smile:

Die Leiche ist heute weniger ein spirituelles Objekt (bitte
entschguldige den Ausdruck, ein besserer ist mir nicht
eingefallen) im Sinne von „Heilig“, sondern der Punkt, an dem
die Trauernden ihre Trauer fokussieren.

Ich verstehe Lehitraot so, dass es ihr auch um das
Menschenbild als solches geht (und ich teile hier ihre
Meinung). Leichen - tote Menschen - als Ersatzteillager für
Lebende zu benutzen (mit oder ohne Einverständnis ist da
völlig irrelevant) hat natürlich auch Auswirkungen auf unsere
Sicht der lebenden Menschen. Es verändert das Gefühl unseres
Selbst. Oder hat es bereits verändert. Ist wahrscheinlich
wirklich auch eine Frage, wie sehr wir davon überzeugt sind,
dass Körper und Seele eine Einheit sind - oder eben nicht.

Vollkommen korrekt (Verbeugung)
wieso bin ich da nicht auch drauf gekommen grummel

Stellt sich jetzt nur die Frage, ob die „Benutzung“ eines Körpers auf die Veränderung des Menschenbildes hinwirkt oder umgekehrt. wahrscheinlich beides…

Aber nun gelange ich in einen byzantinischen Irrgarten: gehe ich davon aus, das Körper und Seele getrennt sind, dann darf ich Explantieren.
Gehe ich davon aus, das Körper und Seele nicht getrennt sind, dann darf ich nicht explantieren, egal ob lebend oder tot.
Aber wer will das entscheiden, was nun richtig ist…
Ich kann in einem solchen Falle nur für mich selber sprechen, in dem Vertrauen, das GottallahwerauchimmerhöchstesWesen mir den richtigen Gedanken eingibt. Aber wer bin ich, das ich meine Meinung als die einzig richtige hinstelle… und sie dann anderen aufzwinge, die möglicherweise anderer Meinung sind.
Meine Überlegungen müssen ja nicht von irgendeiner höheren moralischen Instanz eingegeben sein.

Ich halte deshalb die Selbstbestimmung eines Menschen über seinen Körper auch nach dem Tod für einen ganz wichtigen Aspekt. Sprich, das man sich selbst zwingt, sich mit dem Tod und den daraus resultierenden Folgen auseinanderzusetzten.

Die Beerdigung ist

somit ein Abschied nehmen von einem geliebten Menschen. Dazu
passen auch die großen psychischen Probleme, die die
Angehörigen von Kriegsvermissten oder beispielsweise die
Angehörigen von nicht geborgenen Grubenunglücksopfern haben.

Und warum reden dann so viele Menschen am Grab mit ihren
Geliebten, die jetzt tot sind? Mein Opa hat für seine Frau
Steine vom Strand aus der Bretagne mitgebracht und auf ihr
Grab gelegt. Blumen, Grabpflege, alles nur aus
Sentimentalität? Nein, das glaube ich nicht, die Überzeugung
ist doch irgendwo da, dass ein Teil des Menschen noch hier
ist. Oder nicht?

Ich weiß es es nicht, ich kann aber glauben…
Und ich glaube, das unsere Angehörigen in uns und unseren Erinnerungen (unter anderem) weiterleben. Grabpflege ist für mich auch ein Erinnern an die geliebten Menschen…
Oder wenn man vor einem Denkmal von im Krieg ermordeter Zivilisten steht und die Namen liest… Die Sinnlosigkeit dieser Tode berührt die Seele, und es beeinflußt mein heutiges Denken…
ich weiß nicht, ob diese Menschen was davon mitbekommen, Ich hoffe aber schon…

Problematisch bleibt die Entnahme von Organen aus Personen,
die einer Organentnahme weder zugestimmt noch sie abgelehnt
haben. Dies ist eine Moralische Grauzone. Bin ich berechtigt,
einer solchen Person Organe zu entnehmen.

Das ist für mich persönlich keine Grauzone, sondern ein
Skandal!

Für mich persönlich auch, aber wie gesagt, wer bin ich, das ich meine Meinung in einer ethischen Grauzone anderen aufzwinge. Ich könnte falsch liegen…
(es gibt Problempunkte, wo ich mir persönlich sicher bin, das ich nicht falsch liege… aber das ist eine andere Baustelle…)

Zusammengefasst:
Wir haben in der westlichen Kultur einen Paradigmenwechsel erlebt, dessen Konsequenzen noch nicht ausgestanden sind:
Weg von der generell gültigen christlichen Ideologie, hin zum Individualismus und der Selbstverantwortung. Die Kirchen können uns nicht mehr Entscheidungen über uns selbst abnehmen, sondern höchstens Hilfestellungen geben.
An was jemand glaubt, und welche Konsequenzen er daraus zieht, muß jeder für sich selbst entscheiden. Diese Entscheidungen sind zu beachten und zu achten. (sofern sie nicht gegen die öffentliche Ordnung verstoßen)

Auch liebe Grüße
Mike

Durch den Tod Jesu hat kein Mensch eine physische
Lebensverlängerung erhalten, daher hat er auch gar nichts mit
Organspenden zu tun.

es geht ums prinzip. sterben für andere. es hat sehr wohl etwas damit zu tun.

hallo barbara.

ich sehe das eis tauen. langsam nähern wir uns an. es tut mir leid, daß ich so krass und emotional geschrieben habe. aber das war notwendig. ich mußte meine gefühle zum ausdruck bringen.

ich danke dir für dein offenes posting.

Was
verstehst du unter Versachlichung?

die versachlichung des menschen IST die ideologie des westens der neuzeit. sowohl die guten seiten der medizin wie auch die medizinisch-menschlichen katastrophen (zb. die menschenversuche und der massenmord an behinderten durch die nazis) sind eine folge davon. alles hat zwei seiten. nichts ist gut an sich.

Das ist genauso Ideologie- nämlich die Ideologie, das
Fortschritt und Lebensverlängerung per se gut sind.

meine rede.

Das ist für mich persönlich keine Grauzone, sondern ein
Skandal!

richtig. das sehe ich ganz genauso. was wenn einer niemals erfährt, daß es das gesetz überhaupt gibt?

bis hin zur Deponierung in
Abfallhaufen…

könntest du da genauer werden? das interessiert mich. wo werden/wurden leichen in den müll geworfen? ich meine verstorbene und keine mordopfer natürlich.

Über den Zweck der damaligen Rituale kann man nur Mutmaßungen
anstellen.

wahrscheinlich nicht viel andere zwecke als heute. erinnerung, ehre. ich würde soweit gehen, daß ausgeklügelte beerdigungsrituale das auftauchen der menschheit anzeigen (neben anderen dingen wie speise- und sexualtabus.)

Hinrichtungen, Schwere Arbeitsunfälle, der Tod im Kindbett,
Brutale Kriege etc, sowie die generell niedrige
durchschnittliche Lebenserwartung von etwa 30 Jahren führten
zu einer viel größeren Vertrautheit mit dem Phänomen Tod.

ja. herumgeschnitten wurde aber nicht an den toten.

Ausserdem hat die Versachlichung und Entideologisierung des
Körpers einen Punkt in den Vordergrund geschoben, den es
früher nicht gab: Die eigene Verantwortung für sich selbst.
Die ideologischen Tabus, die früher existierten und den Körper
„vor uns selbst“ schützten, sind nach und nach gefallen.

ganz richtig. allerdings wurde daraus eine art anti-ideologie. das sagte barbara ja schon mehr als treffend.

Die Leiche ist heute weniger ein spirituelles Objekt (bitte
entschguldige den Ausdruck, ein besserer ist mir nicht
eingefallen) im Sinne von „Heilig“, sondern der Punkt, an dem
die Trauernden ihre Trauer fokussieren. Die Beerdigung ist
somit ein Abschied nehmen von einem geliebten Menschen. Dazu
passen auch die großen psychischen Probleme, die die
Angehörigen von Kriegsvermissten oder beispielsweise die
Angehörigen von nicht geborgenen Grubenunglücksopfern haben.

ich sehe in der praxis keinen wirklichen unterschied zwischen spirituellem objekt und fokus der trauer. daß sich das verschoben hat, liegt bloß an der verweltlichung des lebens. die bedeutung des leichnams hat sich eigentlich nicht verkleinert. so ähnlich wie bei den verschollenen toten ist aber auch das gefühl, daß dem geliebten menschen, der jetzt zu grabe getragen wird, möglicherweise beide augen fehlen, oder ganze gliedmaßen, und ein anderer völlig fremder läuft jetzt damit rum. für mich zumindest. ich sehe den unterschied nicht wirklich.

Diese Wegrationalisierung ist ein Ergebnis der Aufklärung. Die
kritische Betrachtung und Enttabuisierung des Körpers
ermöglichte erst den wissenschaftlich-medizinischen
Fortschritt.

natürlich. aber die annahme, dies sei etwas gutes, ist reine ideologie. das ist dir klar, oder?

Die ersten Transplantationen wurden übrigens aus genau dieser
Verzweiflung heraus durchgeführt… Ein (junger) Mensch musste
sonst sicher sterben, es war die „letzte Chance…“

dem wage ich zu widersprechen. die ersten transplantationen wurden an tieren ausprobiert, aus reinem spaß am forschen. dann kamen zu tode verurteilte (also entmenschte individuen) dran. später dann erst todkranke. das tabu wurde also schrittweise gebrochen. zuerst war es voll da und tiere mußten her. dann kamen menschen, denen das menschsein abgesprochen wurde (verbrecher), bis das tabu schließlich ganz fiel.

Die zentrale Frage ist nun: worin liegt der moralische
Unterschied, ob man die Organe einer lebenden Person entnimmt
oder einer Toten Person (sprich, einer hirntoten Person), wenn
die Person einer Organentnahme zugestimmt hat.

daß dies überhaupt angedacht wird, ist mir unbegreiflich. wahrscheinlich kannst du das einfach nicht verstehen. keiner stirbt, wenn er einen teil der leber oder eine niere hergibt, oder blut oder rückenmark. leichen sind keine ersatzteillager. die werden nicht wiederverwertet, sondern möglichst bald in gebührender weise beigesetzt. ich kann dir das gar nicht erklären, warum das moralisch verwerflich ist. es ist einfach widerwärtig. ich frage mich, warum dann die leichen nicht auch anders „verwendet“ werden. als tierfutter oder was weiß ich. was ist dagegen aus deiner sicht zu sagen?

Der Unterschied liegt darin, das bei einer Entnahme aus
Hirntoten Personen deren theoretische Lebensfähigkeit beendet
wird. Ohne Herz und Leber ist schwer zu leben.

wir drehen uns im kreise.

Folgender Fall ist klar: Der Verstorbene hat dem ausdrücklich
zugestimmt. Eine derartige Zustimmung ist einem testament
gleichzusetzten, der Wille des Toten muß (wenn möglich)
entsprochen werden. Ähnlich wie er über seinen Sachbesitz
verfügt, so kann er über seinen Körper verfügen. Dies folgt
zwingend aus derm Recht auf Selbstbestimmung.

ja. stimme zu.

Umgekehrt gilt
natürlich das gleiche. Hat ein Verstorbener sich vorher
ausdrücklich gegen eine Entnahme ausgesprochen, so darf dies
auch nicht geschehen.

nein. man muß nicht widersprechen müssen. wo kommen wir denn da hin. muß ich auch widersprechen, nicht ausgeraubt werden zu wollen?

Problematisch bleibt die Entnahme von Organen aus Personen,
die einer Organentnahme weder zugestimmt noch sie abgelehnt
haben. Dies ist eine Moralische Grauzone. Bin ich berechtigt,
einer solchen Person Organe zu entnehmen.

nein. es ist wohl mein recht, unversehrt zu bleiben. schließlich gibt es tatsächlich straftaten die da heißen „störung der totenruhe“, „entehrung verstorbener“, „grabschändung“. was ist eigentlich damit?

Zum anderen kann das Bewußtsein, das Teile eines geliebten
Menschen in einem anderen weiterleben, für die Angehörigen
auch ein Trost sein…

herzen leben nicht. nieren auch nicht. hornhäute auch nicht.

das Deutsche Gesetz (erweiterte Zustimmungslösung)
unterscheidet sich wesentlich von dem Österreichischen
(Wiederspruchslösung)

könntest du mir das explizieren?

Mir stellt sich da folgende Frage: ist der heutige Christliche
Glaube ein Produkt der westlichen Moral oder ist die Moral ein
Produkt des Christentums…

die westliche moral ist wohl ein patchwork aus den unterschiedlichnsten quellen. wieso ist diese frage hier wichtig? ich stelle bloß einen zusammenhang zwischen christlicher opferideologie und organspende her.

naacht Mike:smile:,

noch ein bisschen Philosophieren und Disputieren, bevor ich ins Bett steige:smile:)…

…chtung" ist natürlich irgendwo

Ideologie. Denn auch die Naturwissenschaften (um die geht es
im Kern) bauen auf einem unbeweisbaren Axiom auf. Allerdings
stellt gerade die Versachlichung sehr hohe Ansprüche, denn
hierbei muß ich neine Argumente pro oder kontra durch
Untersuchungen am Objekt belegen.

Diese „Versachlichung“ ist m.E. per se schon die Ideologie!

Das ist genauso Ideologie- nämlich die Ideologie, das
Fortschritt und Lebensverlängerung per se gut sind.

Hmmmm…
Schwierig…
Es resultiert aus der (natürlich angreifbaren) Überzeugung,
das das menschliche Leben per se gut ist. Also bin ich
verpflichtet, dieses Leben so weit als möglich und sinnvoll
(sic!!!) zu verlängern (ansonsten verrate ich meine
Überzeugung).

Das ist die Frage. Was ist denn dann bitte schön für diese Mediziner „Leben“? Und wo ist es „sinnvoll“, es zu verlängern? Was nötigen wir Menschen für Entscheidungen auf, so etwas entscheiden zu müssen? Ist es nicht überhaupt und per se pervers, entscheiden zu wollen, wann es „sinnvoll“ ist ein Leben zu verlängern??? (und wann nicht??)

BTW - Wenn Leben für die von dir geschätzte fortschrittliche Wissenschaft per se gut wäre, dürfte man nicht gleichzeitig Embryonen als "Rohstoffe " verwenden- beispielsweise. Im Namen der Wissenschaft, im Namen des Fortschritts und der Verbesserung des Menschen?? Wer wollte nicht, dass es morgen keine Behinderungen und Krankheiten mehr gibt? Doch: zur Zeit heißt das allein: Selektion! D.h. Tötung der behinderten Kinder ( bis zum 6. Monat in Deutschland erlaubt!!!)

Wie heißt es so schön: Gut gemeint ist (oft genug) das Gegenteil von gut!

Der Preis kann hoch sein, aber auch der Gewinn…
Ein Kollege von mir wäre ohne moderne Medizin wahrscheinlich
bereits tot (Bekam vor 5 Jahren eine neue Herzklappe). Man muß
sich immer fragen: ist die Behandlung sinnvoll oder nicht…
oder gibt man auf und behandelt rein palliativ weiter (also
sterbebegleitend)
ist aber ein anderes Thema…:smile:

Nein, ist kein anderes Thema. Ist vielleicht auch eine Frage, was man selbst erlebt hat. Ich bin ja nicht gegen die Medizin. Aber ich sehe -denke ich- sehr klar, was es auch an negativen Folgen hat. Und ich frage schon, ob der Preis nicht zu hoch war und ist!

Der „Fortschritt“ in der Medizin nötigt uns Entscheidungen auf, die wir mit unserem „ethischen Handwerkszeug“ gar nicht entscheiden können. Die ich (menschlich) auch gar nicht entscheiden will. Eigentlich. Ich muss aber. Und das ist eine Selbstverwirklchung auf die ich dankend verzichtet hätte. Allein die Tatsache, das es Möglichkeiten gibt, zwingt mich zu Entscheidungen, die ich früher nie hätte treffen müssen, die mich vielleicht auch in meiner Seele korrumpieren: Lasse ich meien Großmutter verhungern, beende ich die künstliche Ernährung?, dann hat sie es in ein paar Tagen hinter sich. Lasse ich das Herz eines anderen Menschen in mich herein? …obwohl ich das eigenlich nicht gut finde, aber die Angst zu Sterben ist größer?..ist das wirklich Selbtbestimmung?

Ich halte deshalb die Selbstbestimmung eines Menschen über
seinen Körper auch nach dem Tod für einen ganz wichtigen
Aspekt. Sprich, das man sich selbst zwingt, sich mit dem Tod
und den daraus resultierenden Folgen auseinanderzusetzten.

Ist halt die Frage, wie selbstbestimmt das ist. Wir wissen nicht, ob die Empfindungen gleich Null sind nach dem Tod. Ob der Körper völlig irrelevanter Kadaver ist. Ist er es nicht, kann sich ein Toter auf jedenfall nicht mehr umentscheiden…eine Nierenspende oder eine Blutspende kann ich als Lebende bis zur Anästhesie aufhalten und mir von anderen Spendern Erfahrungsberichte holen, wie sie nach der Spende leben. Einen Toten können wir nicht fragen.

Ich weiß es es nicht, ich kann aber glauben…
Und ich glaube, das unsere Angehörigen in uns und unseren
Erinnerungen (unter anderem) weiterleben. Grabpflege ist für
mich auch ein Erinnern an die geliebten Menschen…
Oder wenn man vor einem Denkmal von im Krieg ermordeter
Zivilisten steht und die Namen liest… Die Sinnlosigkeit
dieser Tode berührt die Seele, und es beeinflußt mein heutiges
Denken…
ich weiß nicht, ob diese Menschen was davon mitbekommen, Ich
hoffe aber schon…

Ich persönlich glaube an ein Leben nach den´Tod. Viele Dinge meine ich nicht mal ansatzweise zu verstehen.Gerade weil ich keine letzten Antworten habe, finde ich es sehr problematisch, wie mit Toten - und auch Sterbenden umgegangen wird.

Für mich persönlich auch, aber wie gesagt, wer bin ich, das
ich meine Meinung in einer ethischen Grauzone anderen
aufzwinge. Ich könnte falsch liegen…
(es gibt Problempunkte, wo ich mir persönlich sicher bin, das
ich nicht falsch liege… aber das ist eine andere
Baustelle…)

Wie kann man hier falsch liegen? Wo bleibt die vielgerühmte Selbstbestimmung? Auf Verdacht bei so einem sensiblen Thema davon auszugehen, dass die Menschen im Zweifelsfalle einverstanden gewesen wären mit einer Organspende…

Wir haben in der westlichen Kultur einen Paradigmenwechsel
erlebt, dessen Konsequenzen noch nicht ausgestanden sind:
Weg von der generell gültigen christlichen Ideologie, hin zum
Individualismus und der Selbstverantwortung. Die Kirchen
können uns nicht mehr Entscheidungen über uns selbst abnehmen,
sondern höchstens Hilfestellungen geben.
An was jemand glaubt, und welche Konsequenzen er daraus zieht,
muß jeder für sich selbst entscheiden. Diese Entscheidungen
sind zu beachten und zu achten. (sofern sie nicht gegen die
öffentliche Ordnung verstoßen)

Nun ja. Siehe meine Ausführungen weiter oben. Ob das noch Selbstbestimmung ist? Ich sehe uns eher oft genug als Sklaven des Machbarkeitswahns…

liebe Grüße:smile:,

barbara

Ich auch nicht!
Hallo

Ich schreibe meine Ansicht unter deine Antwort, obwohl sie nicht allein an dich gerichtet ist.

Ich selbst bin da auch ganz zwiespältig. Vom Gefühl her möchte
ich nicht, dass man an Toten rumschnippelt, sie als
„Ersatzteillager“ verwendet.

Natürlich darf man an keinen Toten „herumschnippeln“, wenn er das nicht zu Lebzeiten erlaubt hat. Ich aber denke, dass ist die Entscheidung eines jeden einzelnen und ich möchte nicht für die Allgemeinheit sprechen. Jeder soll (und hat das Recht) selbst darüber zu entscheiden.

Ich möchte eigentlich nicht, dass
man das mit irgendjemand macht, ich finde das genauso
furchtbar wie du und wollte es auch nicht für mich.

Ich möchte auch nicht nach meinem Tod als Organspender gebraucht werden. (Dein Hinweis über das Gespräch mit deiner Mutter, macht mir klar, dass ich meinen Wunsch unbedingt meiner Verwandschaft mitteilen muß.)
Ich möchte auch nicht beerdigt sonder verbrannt werden und meine Asche soll über einen Fluß verstreut werden.
Vielleicht liegt meine Einstellung daran, dass ich nicht an die Dreiteilung Geist, Seele, Körper glaube. Ich kann das einfach nicht spüren. Alles liegt in allen Körperzellen meines Körpers. Ich kann mir nicht vorstellen, das jemand glücklich ist oder er selbst bleibt, wenn er Zellen von mir in seinem Körper trägt, die doch von meinem Ich inspiriert sind.

Wie gesagt, jeder soll das so sehen und fühlen wie Er/Sie will. Jeder soll individuell für sich entscheiden.

Ich weiß aber auch nicht, was ich machen würde, wenn ich ein
Organ zum überleben bräuchte. Das sage ich jetzt mal so
ehrlich. Ich weiß es einfach nicht. Eigentlich will ich das
vom Gefühl her alles nicht.

Wenn ich heute abend darüber nachdenke, empfinde ich (ich muß auch noch rational darüber nachdenken), dass ich auf jede Organspende verzichten werde.
Mein Leben ist im Moment nicht so wichtig, dass ich mit aller Gewalt noch länger Leben müßte (nicht Falsch verstehen: es geht mir ganz gut und ich bin ausgeglichen, fast alles im grünen Bereich).
Aber ist es nicht wichtiger, in vollem Bewustsein mit seinen Angehörigen dem Unvermeintlichen entgegen zu gehen, dass uns ja sowieso irgentwann passieren wird.
Wir sterben alle irgentwann mal. Und das ist es, was uns die Anti-Sterben-Industrie, die damit viel Geld machen will, vorgaukelt.
Ist das Mögliche auch nötig?

Wie gesagt, dass muß jeder für sich entscheiden, ich habe nur eine Meinung, die sich aber noch festigen muß.

Mit lieben Grüßen

Gertfried

Guten Morgen Nachteule *gg*

Das ist genauso Ideologie- nämlich die Ideologie, das
Fortschritt und Lebensverlängerung per se gut sind.

Wir wollen nicht sterben und wir wollen auch nicht daß Angehörige sterben…egal wie besch*** das Leben oft ist…wir kämpfen darum.

Hmmmm…
Schwierig…
Es resultiert aus der (natürlich angreifbaren) Überzeugung,
das das menschliche Leben per se gut ist. Also bin ich
verpflichtet, dieses Leben so weit als möglich und sinnvoll
(sic!!!) zu verlängern (ansonsten verrate ich meine
Überzeugung).

Das ist die Frage. Was ist denn dann bitte schön für diese
Mediziner „Leben“? Und wo ist es „sinnvoll“, es zu verlängern?
Was nötigen wir Menschen für Entscheidungen auf, so etwas
entscheiden zu müssen? Ist es nicht überhaupt und per se
pervers, entscheiden zu wollen, wann es „sinnvoll“ ist ein
Leben zu verlängern??? (und wann nicht??)

Ja es ist pervers und es macht Angst, weil wir nicht wissen wie weit die Wissenschaft noch geht…oder nein, gehen werden sie immer weiter…und das macht Angst.

Ich bin schon ganz wirr *g*, abgesehen von an Schläuchen hängenden lebenden Toten, warum sollte man nicht ein Leben verlänger wollen ? Sobald ein Wissen da ist muß ich einfach eine Entscheidung treffen…nur wenn ich etwas nicht weiß brauche ich mich nicht zu entscheiden.

Hat es je Menschen gegeben oder Kulturen gegeben die nicht Leben verlängern wollten, und wenn ich nur Kräuter kenne…werde ich diese verwenden.

Menschen wollen leben…möglichst lange.
Kulturen helfen Menschen gut zu leben.
Religionen helfen Menschen sich mit dem DANACH zu befassen.

BTW - Wenn Leben für die von dir geschätzte fortschrittliche
Wissenschaft per se gut wäre, dürfte man nicht gleichzeitig
Embryonen als "Rohstoffe " verwenden- beispielsweise. Im Namen
der Wissenschaft, im Namen des Fortschritts und der
Verbesserung des Menschen??

Die Wissenschaft hatte noch nie eine moralische Hemmschwelle…dadurch haben wir gute und schlechte Errungenschaften.

Wer wollte nicht, dass es morgen

keine Behinderungen und Krankheiten mehr gibt? Doch: zur Zeit
heißt das allein: Selektion! D.h. Tötung der behinderten
Kinder ( bis zum 6. Monat in Deutschland erlaubt!!!)

Wie heißt es so schön: Gut gemeint ist (oft genug) das
Gegenteil von gut!

Dieses Beispiel von dir…der Zwangsentscheidung der Eltern ist eine der schrecklichsten. Nur, man muß aber keine Tests machen lassen ob eine Behinderung vorliegt.

Der „Fortschritt“ in der Medizin nötigt uns Entscheidungen
auf, die wir mit unserem „ethischen Handwerkszeug“ gar nicht
entscheiden können. Die ich (menschlich) auch gar nicht
entscheiden will. Eigentlich. Ich muss aber. Und das ist eine
Selbstverwirklchung auf die ich dankend verzichtet hätte.

Ich verstehe dich sehr gut, ich könnte auch auf einige Entscheidungen verzichten. Nur in den Bereichen wo wir noch keine Entscheidung treffen können, kommen wir uns dann hilflos vor und wünschen uns mehr Fortschritt. *g*

Allein die Tatsache, das es Möglichkeiten gibt, zwingt mich zu
Entscheidungen, die ich früher nie hätte treffen müssen, die
mich vielleicht auch in meiner Seele korrumpieren: Lasse ich
meien Großmutter verhungern, beende ich die künstliche
Ernährung?, dann hat sie es in ein paar Tagen hinter sich.

Ja, auch diese Entscheidung ist unmenschlich…es ist wie selber töten. Meine Mutter hat mich gebeten im Falle eines Falles die Maschinen abstellen zu lassen…klingt wie IHRE Entscheidung… nur für MICH nicht. Ich würde mich immer fragen hätte sie es genau in diesem Moment auch gewollt ?

Lasse ich das Herz eines anderen Menschen in mich herein?
…obwohl ich das eigenlich nicht gut finde, aber die Angst zu
Sterben ist größer?..ist das wirklich Selbtbestimmung?

Nein, ist keine Selbstbestimmung…es ist vor Angst getrieben !

Ist halt die Frage, wie selbstbestimmt das ist. Wir wissen

nicht, ob die Empfindungen gleich Null sind nach dem Tod. Ob
der Körper völlig irrelevanter Kadaver ist. Ist er es nicht,
kann sich ein Toter auf jedenfall nicht mehr
umentscheiden…

Wenn der Körper nach dem Tod noch relevant wäre…wäre es für die Toten und für die Hinterbliebenen grausam. Ich mag den Gedanken gar nicht weiterdenken. Es würde das Altern noch grausamer machen…es würde das Verwesen noch erschreckender machen…und es würde die Todesursache wichtig machen.

Nun ja. Siehe meine Ausführungen weiter oben. Ob das noch
Selbstbestimmung ist? Ich sehe uns eher oft genug als Sklaven
des Machbarkeitswahns…

und des Machtwahns liebe Barbara.

liebe Grüße
Kerbi

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Hallo lehitraot,

noch einmal nein.

Das originale Christentum, wie wir es im NT lesen können, zeigt keine Anzeichen davon, das irdische Leben künstlich zu verlängern.

Paulus schreibt: „Ich habe Lust, abzuscheiden und beim HERRN zu sein, was auch viel besser wäre.“ (Philipper 1,23)

Nach christlicher Denkart liegt die Zeitspanne des Lebens allein in der Hand Gottes. Was allerdings meines Wissens auch im jüdischen Glauben der Fall ist. David sagt: „Du bist mein Gott. Meine Zeit steht in Deinen Händen.“ (Psalm 31,15)

Aus diesem Zusammenhang wird deutlich, dass eine Organverpflanzung zum Zwecke der Lebensverlängerung keine christliche Grundlage haben kann. Ich stimme da mit Michael überein, dass es sich um eine humanistische Ideologie handelt.

Gruss Harald

PS.: Die Qualität der Diskussion ist deutlich gestiegen :smile:

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

es geht ums Motiv
Moinmoin Harald:smile:,

es geht um das Motiv, sich für einen anderen zu opfern, oder Opfer zu bringen.

M.E. nach hat Lehitraot hier folgende wichtige Dingen zur Sprache gebracht:

  1. Das Motiv der Opferung durch der Tod

  2. Die Nächstenliebe

  3. implizit: Das christliche Menschenbild, das auf der griechischen Idee der Trennung von Seele und Körper fußt. (Ich muss das nochmal suchen, ob das überhaupt bei Paulus schon so war…ich hatte da mal was gelesen)

Der Humanismus ist übrigends kein Gegensatz zum Christentum, sondern hat natürlich auch christliche Wurzeln (und bezieht sich zurück auf due griechisch Philosophie - und da schließt sich dann der Kreis).

Was ich an dieser Beobachtung spannend finde, ist die Tatsache, dass in anderen Kulturen das anders gesehen und gefühlt wird! Und das z.B. auch Asuwirkungen auf die Politik zu Thema Organspende hat. Darüber habe ich mir vorher nie Gedanken gemacht. Ich denke ein Gesetz, wie es in Österreich gilt, würde es so nicht in Israel (um mal bei Lehitraot zu bleiben) geben. Mich würde hier auch interessieren, wie das im Hinduismus und Buddhismus gesehen wird.

Beste Grüße,

barbara

Guten Morgen Kerbi*grins*,

Wir wollen nicht sterben und wir wollen auch nicht daß
Angehörige sterben…egal wie besch*** das Leben oft
ist…wir kämpfen darum.

Ja, im Prinzip gebe ich dir Recht, es gibt aber auch Punkte, da wollen Menschen sterben und dürfen es nicht. (schwerste Behinderungen durch Unfall, Schlaganfall etc.)

Dieses Beispiel von dir…der Zwangsentscheidung der Eltern
ist eine der schrecklichsten. Nur, man muß aber keine Tests
machen lassen ob eine Behinderung vorliegt.

Muss man nicht, abe einem bestimmten Alter wirst du aber von den Ärzten als werdende Mutter dazu gedrängt. So ging es einer Bekannten von mir. Sie hat ihr erstes Kind mit 35 bekommen, sie ist Säuglingskrankenschwester, wusste also was sie tat. Und die Ärzte haben sie für verrückt erklärt, keinen Test zu machen. So nach dem Motto: Wenns dann behindert ist, biste selbst schuld.

Das Klima gegenüber diesen Menschne ändert sich, je mehr machbar ist, wird weniger toleriert, wenn man dieses machbare nicht ausnutzt. Je weniger wird toleriert, wenn man ein behindertes Kind hat oder keine Organsoenden will uswusf. Die Toleranz schwindet mit der immer größer werdenden Machbarkeit von medizinischen Eingriffen.

Das Thema ist ein sehr weites Feld, wäre eigentlich ein eigener Thread. Ein Kind im 6. Monat abzutreiben heißt in anderen Ländern, es erstmal vorsorglich totzuspritzen. In Deutschland ist das verboten, was dazuführt, das manche lebend geboren werden…und dann noch sterben…oder auch nicht. Mir ging es dabei nur darum, zu zeigen, dass die Medizin keineswegs immer Menschenfreundlichkeit zu Folge hat. Und das für die Medizin
nicht jedes Leben per se gut ist - wie Mike es meinte.

Wenn der Körper nach dem Tod noch relevant wäre…wäre es
für die Toten und für die Hinterbliebenen grausam. Ich mag den
Gedanken gar nicht weiterdenken. Es würde das Altern noch
grausamer machen…es würde das Verwesen noch erschreckender
machen…und es würde die Todesursache wichtig machen.

Ich wollte nur darauf aufmerksam machen, dass man es eben auch anders sehen und erleben kann. Nur so kann man ja überhaupt verstehen, warum manche Menschen eben auf keinen Fall eine Organspenden befürworten.

Nun ja. Siehe meine Ausführungen weiter oben. Ob das noch
Selbstbestimmung ist? Ich sehe uns eher oft genug als Sklaven
des Machbarkeitswahns…

und des Machtwahns liebe Barbara.

genau!

liebe Grüße,

barbara

Das originale Christentum, wie wir es im NT lesen können,…

du schaffst es nicht, deinen glauben von außerhalb zu betrachten und zu abstrahieren. es ist völlig egal, was im nt steht, fakt ist, daß jesus gestorben ist, und daß es heißt „für unsere sünden“. oder stimmt das etwa nicht? jemand stirbt, andere haben einen (spirituellen) vorteil. dies ist christliche lehre in einem satz. das ist das substrat.

Aus diesem Zusammenhang wird deutlich, dass eine
Organverpflanzung zum Zwecke der Lebensverlängerung keine
christliche Grundlage haben kann.

und warum hat sie sich dann nur in diesem kulturkreis durchgesetzt?

Ich stimme da mit Michael
überein, dass es sich um eine humanistische Ideologie handelt.

„humanistisch“ in diesem sinne entstammt der christlichen tradition!

wir drehen uns im kreise.

hallo lehitraot

Ad 1: du wolltest selber auf der meta-Ebene diskutieren. Verfällst aber immer wieder in deine persönlichen Ansichten zurück. das macht es für mich etwas schwierig.
Ich werde also auf alle deine persönlichen meinungen nur begrenzt eingehen.

bis hin zur Deponierung in
Abfallhaufen…

Beschrieben aus dem Neolithikum in Dänemark, von den Anasazi-Indianern (und anderen Stämmen) in Amerika… und bei weiterem Suchen sicher noch mehr.
meines Wissens wird heutzutage niemand mehr als „Normalbegräbnis“ auf der Müllhalde beerdigt.

Über den Zweck der damaligen Rituale kann man nur Mutmaßungen
anstellen.

wahrscheinlich nicht viel andere zwecke als heute. erinnerung,
ehre. ich würde soweit gehen, daß ausgeklügelte
beerdigungsrituale das auftauchen der menschheit anzeigen
(neben anderen dingen wie speise- und sexualtabus.)

Wohl wahr, allerdings sind genaue Angaben unmöglich, sie ähneln dem Versuch, einen Pudding an die Wand zu nageln…

Hinrichtungen, Schwere Arbeitsunfälle, der Tod im Kindbett,
Brutale Kriege etc, sowie die generell niedrige
durchschnittliche Lebenserwartung von etwa 30 Jahren führten
zu einer viel größeren Vertrautheit mit dem Phänomen Tod.

ja. herumgeschnitten wurde aber nicht an den toten.

Ach doch: so gab es bis in die Neruzeit einen schgwunghaften handel mit Leichenteilen Hingerichteter… (kein Witz) Die Teile wurden für irgendwelche „magischen“ Rituale verwendet.

Die ideologischen Tabus, die früher existierten und den Körper
„vor uns selbst“ schützten, sind nach und nach gefallen.

ganz richtig. allerdings wurde daraus eine art anti-ideologie.
das sagte barbara ja schon mehr als treffend.

das ist eben der Punkt: Es gibt keine moralische Instanz, die uns persönlich vorschreibt, was wir mit unserem Körper nach dem Tode zu tun oder zu lassen haben. es gibt nur Anregungen. Die Entscheidung muß wohl jeder für sich selbst treffen. Sonst kann passieren, das über einen selbst von anderen bestimmt wird. Dessen müssen wir uns VOLL bewußt sein.

Die Leiche ist heute weniger ein spirituelles Objekt (bitte
entschguldige den Ausdruck, ein besserer ist mir nicht
eingefallen) im Sinne von „Heilig“, sondern der Punkt, an dem
die Trauernden ihre Trauer fokussieren. Die Beerdigung ist
somit ein Abschied nehmen von einem geliebten Menschen. Dazu
passen auch die großen psychischen Probleme, die die
Angehörigen von Kriegsvermissten oder beispielsweise die
Angehörigen von nicht geborgenen Grubenunglücksopfern haben.

ich sehe in der praxis keinen wirklichen unterschied zwischen
spirituellem objekt und fokus der trauer.

Ich stelle hier die Mehrheitsmeinung dar, wie sie sich mir zeigt.
der Körper an sich gilt nicht mehr als Heilig.

daß sich das
verschoben hat, liegt bloß an der verweltlichung des lebens.

sag ich doch

die bedeutung des leichnams hat sich eigentlich nicht
verkleinert. so ähnlich wie bei den verschollenen toten ist
aber auch das gefühl, daß dem geliebten menschen, der jetzt zu
grabe getragen wird, möglicherweise beide augen fehlen, oder
ganze gliedmaßen, und ein anderer völlig fremder läuft jetzt
damit rum. für mich zumindest. ich sehe den unterschied nicht
wirklich.

das Problem ist also nicht ein Problem des Toten, sondern ein Problem seiner Angehörigen. Genau aus diesem Grund soll, ja muß man sich mit dem Tod auseinandersetzten. Wenn der Tote für sich selbst zu einer entscheidung kommt, wie nach seinem Tode mit ihm zu verfahren ist, dann ist diese Entscheidung zu achten, und diese Haltung bildet auch eine Stütze für die Hinterbliebenen.

Diese Wegrationalisierung ist ein Ergebnis der Aufklärung. Die
kritische Betrachtung und Enttabuisierung des Körpers
ermöglichte erst den wissenschaftlich-medizinischen
Fortschritt.

natürlich. aber die annahme, dies sei etwas gutes, ist reine
ideologie. das ist dir klar, oder?

Ja, das ist mir klar, Ich bin aber derzeit aus aktuellem Anlass in dieser Sache voreingenommen.
Nur eines, es wird von der Mehrheit der Menschen als Positiv angesehen, länger gesünder zu leben. In die Zeiten mit 35 jahren Lebenserwartung wollen wir ja wohl nicht zurück, oder?

Die ersten Transplantationen wurden übrigens aus genau dieser
Verzweiflung heraus durchgeführt… Ein (junger) Mensch musste
sonst sicher sterben, es war die „letzte Chance…“

dem wage ich zu widersprechen. die ersten transplantationen
wurden an tieren ausprobiert, aus reinem spaß am forschen.

Richtig, das ist der Weg der Forschung

dann kamen zu tode verurteilte (also entmenschte individuen)

Falsch lt meinen Unterlagen. Die erste Nierentransplantation wurde an einer Frau vorgenommen, die sich bei einem Selbstmordversuch die Nieren zerstört hatte… 1934 in Cherson, SU. Die zweite 1950 in Chicago, USA an einer Frau, deren Nieren durch zystenbildung zerstört wurden.
es mag sein, das tatsächlich transplantationsversuche an Todeskandidaten vorgenommen wurden. auf die ethischen Probleme hatten diese Versuche allerdings offenbar keinen Einfluß (Die betreffenden Ärzte wußten offensichtlich nichts davon
(Quellenangabe: Thorwald; Die Patienten, Zürich 1971)
Die entnahmekandidatin beim Zweiten fall war keine Exekutierte…
Für den 1. fall fehlen mir die Unterlagen…

… Auf den folgenden Block werde ich nicht eingehen. wir wollten auf der Meta-Ebene bleiben. Wenn Du davun abweichst, dann ist es sinnlos. Ich habe allgemein Argumentiert, du argumentierst persönlich.
Was soll das?
ich habe nur versucht, das Thema zu entwickeln…

Folgender Fall ist klar: Der Verstorbene hat dem ausdrücklich
zugestimmt. Eine derartige Zustimmung ist einem testament
gleichzusetzten, der Wille des Toten muß (wenn möglich)
entsprochen werden. Ähnlich wie er über seinen Sachbesitz
verfügt, so kann er über seinen Körper verfügen. Dies folgt
zwingend aus derm Recht auf Selbstbestimmung.

ja. stimme zu.

Schön

Umgekehrt gilt
natürlich das gleiche. Hat ein Verstorbener sich vorher
ausdrücklich gegen eine Entnahme ausgesprochen, so darf dies
auch nicht geschehen.

nein. man muß nicht widersprechen müssen. wo kommen wir denn
da hin. muß ich auch widersprechen, nicht ausgeraubt werden zu
wollen?

Sag ich doch, Wer lesen kann, hat mehr vom leben!

Problematisch bleibt die Entnahme von Organen aus Personen,
die einer Organentnahme weder zugestimmt noch sie abgelehnt
haben. Dies ist eine Moralische Grauzone. Bin ich berechtigt,
einer solchen Person Organe zu entnehmen.

nein. es ist wohl mein recht, unversehrt zu bleiben.

Doch, natürlich, wie gesagt, leg einen Zettel in deinen pass/perso

schließlich gibt es tatsächlich straftaten die da heißen
„störung der totenruhe“, „entehrung verstorbener“,
„grabschändung“. was ist eigentlich damit?

Bei einer nicht eingewilligten Explantation würde der Straftatsbestand Entehrung Verstorbener Greifen, zumindest in deutschland.

Zum anderen kann das Bewußtsein, das Teile eines geliebten
Menschen in einem anderen weiterleben, für die Angehörigen
auch ein Trost sein…

herzen leben nicht. nieren auch nicht. hornhäute auch nicht.

Doch, leben kann definiert werden als Durchführung von Stoffwechselfunktionen. In diesem Sinne sind die Zellen eines Transplantierten Herzens oder einer Niere nicht tot. Nur wenn du Leben als Bewusstes leben definierst, dann stimmt deine Aussage. aber dann… lebt ein pantoffeltierchen, leben mikroben… leben hefepilze?

das Deutsche Gesetz (erweiterte Zustimmungslösung)
unterscheidet sich wesentlich von dem Österreichischen
(Wiederspruchslösung)

könntest du mir das explizieren?

In Österreich mußt du dich ausdrücklich gegen die Verwendung deiner Organe Aussprechen, und dich sogar in eine zentrale Liste eintragen.
In Deutschland mußt Du dich FÜR eine Transplantation aussprechen (Organspendeausweis). Sollte kein Spendeausweis vorliegen, können nahe Angehörige befragt werden, um den mutmaßlichen Willen des verstorbenen zu erfahren. Sind keine Angehörigen greifbar bzw. sprechen sich diese dagegen aus, dann darf nicht explantiert werden, es wäre ein Fall für den Staatsanwalt, (was im übrigen schon geschehen ist)

Du siehst den Fundamentalen Unterschied!

Zum Schluß:
Ich stehe persönlich der in Österreich praktizierten Ablehnungslösung skeptisch gegenüber, weil offenbar darüber keine gesellschaftliche Diskussion stattgefunden hat. Erst wenn allen, bzw der absolut überwiegenden Mehrheit klar ist, was diese Lösung bedeutet, kann diese auch eingesetzt und durchgeführt werden. Wer sich trotz Information nicht entscheiden will, oder kann, dem wird diese entscheidung dann abgenommen.
(Wir sollten mal Grenzfälle aussen vorlassen, das Prinzip,ist hoffentlich klar)
Ich halte die derzeit in D praktizierte Lösung für einen halbwegs brauchbaren Kompromiß.

Wie ich auch aus unserer Diskussion entnehmen kann, stehst >Du einer Organtransplantation aus Toten nicht generell ablehnend gegenüber, sofern diese vorher ihr Einverständniss dazu erklärt haben.
Dies deckt sich mit meiner meinung.

Kurz gesagt:
Niemand darf gegen seinen Willen nach seinem Tod als Organspender verwendet werden!
So einfach isses.

Gruß
Mike

Moin Barbara :smile:

  1. Das Motiv der Opferung durch der Tod

Vieles gilt heutzutage als christlich motiviert, auch wenn es dem Inhalt der christlichen Lehre entgegenläuft. Für mich ist das aber ein Paradoxon.

  1. Die Nächstenliebe

Hier erhebt sich für mich die Frage, ob ich meinem Nächsten wirklich etwas Gutes tue.

Lass es mich etwas übertrieben formulieren.
Ein Freund ist bei mir zu Besuch. Es gefällt ihm auch bei mir. Aber eine geschäftliche Verpflichtung nötigt ihn dazu, mich zu verlassen.

Wenn ich dann ohne sein Wissen die Geschäftsbeziehung zerstöre, damit er länger bei mir bleiben kann, habe ich ihm einen Gefallen getan?

Wenn ein Christ im Beriff ist, in seine himmlische Heimat zu gehen, und ich halte ihn (medizinisch) zurück, tue ich ihm dann etwas Gutes?

  1. implizit: Das christliche Menschenbild, das auf der
    griechischen Idee der Trennung von Seele und Körper fußt. (Ich
    muss das nochmal suchen, ob das überhaupt bei Paulus schon so
    war…ich hatte da mal was gelesen)

Immerhin sagt Paulus: „Wenn unser Leib einmal zerfallen wird, werden wir einen neuen Leib erhalten…Aber wir würden am liebsten diesen Leib verlassen, um endlich ganz beim Herrn zu sein.“ (2.Kor.5,1+8)

Der Humanismus ist übrigends kein Gegensatz zum Christentum,
sondern hat natürlich auch christliche Wurzeln (und bezieht
sich zurück auf due griechisch Philosophie - und da schließt
sich dann der Kreis).

Richtig, der Humanismus hat christliche Wurzeln, aber auch griechische. Und die griechische Philosophie steht in manchen Punkten der christlichen Lehre entgegen. Aber das ist ein anderes Thema.

Gruss Harald

Halloho babs:smile:

Irgendwie kommen wir so langsam von der Organspende weg hin zu den tieferen Beweggründen… spannend…

…chtung" ist natürlich irgendwo

Ideologie. Denn auch die Naturwissenschaften (um die geht es
im Kern) bauen auf einem unbeweisbaren Axiom auf. Allerdings
stellt gerade die Versachlichung sehr hohe Ansprüche, denn
hierbei muß ich neine Argumente pro oder kontra durch
Untersuchungen am Objekt belegen.

Diese „Versachlichung“ ist m.E. per se schon die Ideologie!

Die „Naturwissenschaften“ untescheiden sich allerdings von klssischen Ideologien dadurch, das sie nicht für sich in Anspruch nehmen, das sie eine absolute Wahrheit verkünden. Die „absolute wahrheit“ ist eher, das man die absoluten wahrheiten (sofern es sie überhaupt gibt) nicht als solche erkennen kann…
(Also doch eine Ideologie, oh je, mein Hirn läuft über…)

Das ist genauso Ideologie- nämlich die Ideologie, das
Fortschritt und Lebensverlängerung per se gut sind.

Es resultiert aus der (natürlich angreifbaren) Überzeugung,
das das menschliche Leben per se gut ist. Also bin ich
verpflichtet, dieses Leben so weit als möglich und sinnvoll
(sic!!!) zu verlängern (ansonsten verrate ich meine
Überzeugung).

Das ist die Frage. Was ist denn dann bitte schön für diese
Mediziner „Leben“? Und wo ist es „sinnvoll“, es zu verlängern?
Was nötigen wir Menschen für Entscheidungen auf, so etwas
entscheiden zu müssen? Ist es nicht überhaupt und per se
pervers, entscheiden zu wollen, wann es „sinnvoll“ ist ein
Leben zu verlängern??? (und wann nicht??)

Tja, das ist die Frage, die sich in extremen Situationen immer stellt, und ein tiefer Gewissenskonflikt. Es ist natürlich immer einfach, sich an eine feststehende Leitlinie zu halten und stur danach zu handeln. Aber das führt schnell zur Unmenschlichkeit.
Ich persönlich würde es an der Lebensqualität festmachen. Besteht durch die Therapie eine Chance für den Patienten, die Qualität seinse verbleibenden Lebens zu verbessern, egal wie gering diese auch sein mag, dann sollte man es versuchen, sofern der Patient die Therapie nicht ablehnt (wichtig!).
Insofern ist die Organtransplantation (back to the roots) aus Sicht des Patienten zu rechtfertigen. Wenn nicht moralisch-ethische Probleme bei der Organentnahme wären…

BTW - Wenn Leben für die von dir geschätzte fortschrittliche
Wissenschaft per se gut wäre, dürfte man nicht gleichzeitig
Embryonen als "Rohstoffe " verwenden- beispielsweise. Im Namen
der Wissenschaft, im Namen des Fortschritts und der
Verbesserung des Menschen?? Wer wollte nicht, dass es morgen
keine Behinderungen und Krankheiten mehr gibt? Doch: zur Zeit
heißt das allein: Selektion! D.h. Tötung der behinderten
Kinder ( bis zum 6. Monat in Deutschland erlaubt!!!)

Zu Punkt 1: Hier stellt sich die Frage nach dem Beginn des menschlichen lebens. Di Frage zur verwendung menschlicher Embryonen zur Forschung und Therapie und die Abtreibungsproblematik sind somit engstens verknüpft.
da hilft auch keine staatliche regelung…
Welche Fixpunkte könnte man nehmen: Befruchtung, Einnistung in der Gebährmutter, Erste eigene Hirnaktivität (ca. 6 - 8 Wochen nach BF) das 3 Monatskriterium, Geburt…
Wenn man einen einen undifferenziertem Zellhaufen bereits als Mensch betrachtet, dann lautet die Antwort NEIN, wenn nicht, Dann JA…
Ich muß gestehen, das ich meine Meinungsbildung zu diesem Punkt noch nicht abgeschlossen habe…

Zu Punkt 2: Ich werde niemanden Verurteilen, der ein behindertes Kind abtreiben läßt. meine Bewunderung gilt aber denjenigen Menschen, die diese Belastung eines Behinderten Kindes auf sich nehmen (Eine Belastung ist es, zweifellos)

Der Preis kann hoch sein, aber auch der Gewinn…
Ein Kollege von mir wäre ohne moderne Medizin wahrscheinlich
bereits tot (Bekam vor 5 Jahren eine neue Herzklappe). Man muß
sich immer fragen: ist die Behandlung sinnvoll oder nicht…
oder gibt man auf und behandelt rein palliativ weiter (also
sterbebegleitend)
ist aber ein anderes Thema…:smile:

Nein, ist kein anderes Thema. Ist vielleicht auch eine Frage,
was man selbst erlebt hat. Ich bin ja nicht gegen die Medizin.
Aber ich sehe -denke ich- sehr klar, was es auch an negativen
Folgen hat. Und ich frage schon, ob der Preis nicht zu hoch
war und ist!

ich bin da derzeit etwas voreingenommen, desalb dazu kein Kommentar *g*

Der „Fortschritt“ in der Medizin nötigt uns Entscheidungen
auf, die wir mit unserem „ethischen Handwerkszeug“ gar nicht
entscheiden können.

dann sollten sich doch mal die Herrn und Frauen Philosophen dahinterklemmen. Was von denen kommt, ist zu 90% Unlesbar und der Rest zeigt sich vollkommen unbeleckt von der Naturwissenschaftlichen Problematik, habe ich so den Eindruck.
Sprich, diejenigen, die dafür eigentlich zuständig sind, tun ihren Job nicht. (Ich merk zumindest nichts davon). So bleiben die Ethischen kernfragen der modernen medizin in den Händen von philosophischen Laien, die eben mit einem ganz anderen Denkschema an die Ethischen Probleme herangehen.

Die ich (menschlich) auch gar nicht
entscheiden will. Eigentlich. Ich muss aber. Und das ist eine
Selbstverwirklchung auf die ich dankend verzichtet hätte.
Allein die Tatsache, das es Möglichkeiten gibt, zwingt mich zu
Entscheidungen, die ich früher nie hätte treffen müssen, die
mich vielleicht auch in meiner Seele korrumpieren: Lasse ich
meien Großmutter verhungern, beende ich die künstliche
Ernährung?, dann hat sie es in ein paar Tagen hinter sich.
Lasse ich das Herz eines anderen Menschen in mich herein?
…obwohl ich das eigenlich nicht gut finde, aber die Angst zu
Sterben ist größer?..ist das wirklich Selbtbestimmung?

Ja, genau das ist Selbstbestimmung!
Etwas großartiges und etwas fürchterliches. Wir entscheiden selbst, keine Institution kann uns das abnehmen. Wir können uns nicht darauf berufen, was in heiligen Büchern steht.

Wir müssen eine Entscheidung treffen, und die Konsequenzen tragen.
und eines glaube ich ganz tief in mir: Sollten wir uns vor dem „Jüngsten Gericht“ für unsere Taten verantworten, dann werden auch unsere Motive auf dem Prüfstand stehen, nicht nur unsere Taten und die daraus resultierenden Ergebnisse. Wer reinen Herzens ist…

Ich halte deshalb die Selbstbestimmung eines Menschen über
seinen Körper auch nach dem Tod für einen ganz wichtigen
Aspekt. Sprich, das man sich selbst zwingt, sich mit dem Tod
und den daraus resultierenden Folgen auseinanderzusetzten.

Ist halt die Frage, wie selbstbestimmt das ist. Wir wissen
nicht, ob die Empfindungen gleich Null sind nach dem Tod. Ob
der Körper völlig irrelevanter Kadaver ist.

Einen Toten können wir nicht fragen.

ja, aber das ist das Problem bei allen „letztwilligen Verfügungen“
Zum anderen: Ein Mensch kann Ohne Nieren leben, ohne das er sich als Mensch verändert (Dialyse), er kann sogar ohne sein Herz leben (künstliches Herz) Er kann ohne Arme, Beine, Augen ohren etc etc leben, aber nicht ohne Gehirn… Ich glaube (sic!) nicht, das für unsere spirituelle Weiterexistenz nach dem Tod der Körper eine signifikante Bedeutung hat. Aber das ist jetzt meine persönliche Meinung…

Ich persönlich glaube an ein Leben nach den´Tod. Viele Dinge
meine ich nicht mal ansatzweise zu verstehen.Gerade weil ich
keine letzten Antworten habe, finde ich es sehr problematisch,
wie mit Toten - und auch Sterbenden umgegangen wird.

Diese Ansicht ist klar, Logisch und in meinen Augen vollkommen in Ordnung.

Für mich persönlich auch, aber wie gesagt, wer bin ich, das
ich meine Meinung in einer ethischen Grauzone anderen
aufzwinge. Ich könnte falsch liegen…
(es gibt Problempunkte, wo ich mir persönlich sicher bin, das
ich nicht falsch liege… aber das ist eine andere
Baustelle…)

Wie kann man hier falsch liegen? Wo bleibt die vielgerühmte
Selbstbestimmung? Auf Verdacht bei so einem sensiblen Thema
davon auszugehen, dass die Menschen im Zweifelsfalle
einverstanden gewesen wären mit einer Organspende…

Wie Gesagt, ich sehe die Praxis in Österreich kritisch. Ich erkenne nur an, das es subjektiv korrekte Meinungen gibt, die von meiner Persönlichen abweichen. Sprich: Ich kann die Argumentation auf der Sach-Ebene nicht widerlegen, sondern nur auf der Emotionsebene. Um eine abweichende Meinung tatsächlich absolut zu verwerfen, muß ich sie auf beiden Ebenen widerlegen können.
So machs halt ich…

Nun ja. Siehe meine Ausführungen weiter oben. Ob das noch
Selbstbestimmung ist? Ich sehe uns eher oft genug als Sklaven
des Machbarkeitswahns…

Der Machbarkeitswahn ist ein Herumdrücken um die Selbstbestimmung. Ich gebe mich sozusagen hin, und überlasse die Entscheidung, was sinnvoll oder nicht ist, halt anderen… Um diese Entscheidung drücken sich auch hierzulande alle die Leute rum, die eben nicht festlegen, ob sie nach ihrem Tode Organe spenden wollen oder nicht. Sie halsen diese Entscheidung ihren Angehörigen auf, aus reiner Denkfaulheit. Es muß verdammt schwierig sein, einen simplen Zettel in seinen Geldbeutel zu legen…

Selbstbestimmung bedeutet auch, mal ein „bis hierher und nicht weiter“ zu setzten.
Beispiel: eine 81-jährige sagte zu ihrem Arzt nach der Diagnose „Krebs“ : „Herr Doktor, operieren lass ich mich nimmer…“ Sie starb 2,5 jahre später allerdings nicht am Krebs…

So, jetzt läuft das Hirn heiß, ich darf nicht so viel denken … *g*

Gruß
*Knuddel*
Mike