Vor gut 17 Jahren hatte ich einen Traum. Ich träumte von einem Menschen, der viel Geld hat. Soviel, daß er sich über seine
Ausgaben keine großen Gedanken machen muß, weil jeden
Monat neues Geld kommt. Wenn diesen Menschen ein Zipperlein plagt, legt er sich ins Bett und kuriert sich ordentlich aus. Ich träumte von Menschen, die viel Zeit haben. Unendlich viel
Freizeit. Sie gehen nur hin und wieder für kurze Zeit zur Arbeit und wenn die Arbeit nicht fertig wird, sagen sie einem unterbezahlten Hiwi Bescheid, damit dieser fleißig den Job zu Ende führt. Dieser Hiwi ist so unglaublich praktisch. Er arbeitet bis zum Umfallen. Keine Arbeit ist ihm zu schmutzig, zu schwierig, zu nervig, zu viel. Er erledigt für’n Appel und 'n Ei einfach alles und ist schon glücklich, einmal im Jahr ein freies Wochenende zu bekommen. Dann treibt ihn auch schon das schlechte Gewissen, weil er jetzt seine 100 Stunden pro Woche nicht mehr
schafft. Und dieser Mensch, von dem ich da träumte, fliegt in den Urlaub ans andere Ende der Welt und kommt braun gebrannt mit
einem fröhlichen Lied auf den Lippen wieder. Konnte er doch auch ausgiebig Partnerschaft und Liebesleben pflegen, wohingegen der
arme Hiwi schon zum zweiten Mal geschieden ist. Kein Wunder, er arbeitet ja nur.
Dieser Traum gefiel mir und so machte ich mich vor gut 17 Jahren selbständig. Und was soll ich Euch sagen? Es gibt noch Träume, die wahr werden. Wirklich, genau wie im Traum ist es auch eingetreten. Ich habe mein eigenes Unternehmen. Es gibt die glücklichen Menschen, die ihr Liebesleben pflegend vom anderen Ende der Welt zurückkommen und nachsehen, ob der Hiwi auch alles erledigt hat. Nur eine klitzekleine Kleinigkeit ist etwas anders gekommen:
Der Hiwi bin ich.
Nachdenklich, was da schief gelaufen ist
Wolfgang
