Träume und Erinnerungen

Guten Morgen!

Ich habe in einem Buch mit dem Titel Kinderpsychologie gelesen, dass Kinder bis zu einem bestimmten Alter gelegentlich glauben etwas, was sie nur geträumt haben, sei tatsächlich geschehen.
Ist dieses Phänomen auch bei Erwachsenen bekannt? Wie häufig tritt es gewöhnlich auf? Bei mir trat es in den letzen drei Jahren mindestens zweimal auf.
Außerdem interessiert mich, welche Ursachen es hat, dass dieses Phänomen in der Regel nicht, manchmal aber doch auftritt. Über Literatur oder Recherchehinweise wäre ich ebenfalls dankbar.
Mein Erklärungsversuch ist folgender: Auch im Traum entstehen Erinnerungsmuster. Allerdings sind diese meist lückenhaft und erscheinen nicht plausibel. Deshalb sind wir in der Lage sie von echten Erinnerungen zu unterscheiden. Kinder müssen erst lernen, echte Erinnerungen von losen Assoziationsmustern zu unterscheiden. Bei Erwachsenen kann es zu Fehlentscheidungen kommen, wenn die Trauminhalte zufällig plausibel sind oder sie nicht leistungsfähig sind. Deshalb gehe ich auch davon aus, dass es sich um ein normales Phänomen handelt, dass auch bei Erwachsenen auftritt. Was haltet ihr von meinem Erklärungsansatz? Ist das Phänomen bereits erforscht?

Viele Grüße
Falk

Hallo Falk,

eine Bekannte von mir hat mir grad die Tage erzählt, dass sie oft so realistisch und alltagsnah träumt, dass sie selbst in ihrer Erinnerung manchmal nicht klar unterscheiden kann, ob sie das nur geträumt oder tatsächlich mit anderen erlebt hat. Das führt im Gespräch manchmal zu Verwirrung und oft zu großer Belustigung.

Allerdings fällt mir grad nicht ein, welche Bekannte das war … hmmm, sollte ich das geträumt haben? :wink:

Gruß
Burkh

Hi,

gelegentlich glauben etwas, was sie nur geträumt haben, sei tatsächlich geschehen.
Ist dieses Phänomen auch bei Erwachsenen bekannt? Wie häufig tritt es gewöhnlich auf?

Die Frage „wie häufig“ ist unklar gestellt: Es hängt ja wohl davon ab, wie groß die Zeitspanne ist, bis der Träumer erkennt, daß die Erinnerung eine bloße Traumerinnerung ist. Darüber hinaus ist unklar, ob du fragst „wie häufig bei je einem Individuum“ oder „wieviele Menschen kennen das Phänomen“.

Daß es manchmal nach dem Erwachen Minuten dauert, bis man erkennt „es war ja ein Traum“ … ich glaube kaum, daß es sich über dieses alltägliche Phänomen „statistische“ Untersuchungen zu machen lohnt. Und daß jemand im Traum eine sinnvolle, auch im Wachbewußtsein gültig und korrekt bleibende Lösung eines realen Problems findet, ist ebenfalls nichts ungewöhnliches.

Daß jemand hingegen etwas Geträumtes trotz Gegenbeweisen dauerhaft für real geschehen hält, kennst du gewiß aus psychotischen Phänomenen. Wogegen die gelegentliche Ungewißheit bzgl. eines lange zurückliegenden Ereignisses „… es kann auch sein, daß ich das nur geträumt habe“ jedem aufmerksamen Menschen bekannt sein dürfte.

Die Häufigkeit solcher noch näher zu bestimmender Phänomene bei einem einzelnen Individuum hängt davon ab, wie häufig jemand generell Traumerinnerung ins Wachbewußtsein hinüberrettet. Je häufiger das jemandem gelingt, um so eher wird er alle besonders auffälligen Traumphänomene kennengelernt haben.

Außerdem interessiert mich, welche Ursachen es hat, dass
dieses Phänomen in der Regel nicht, manchmal aber doch
auftritt.

Was jetzt? Daß jemand etwas eindeutig nur Geträumtes dauerhaft und trotz eindeutiger Widersprüchlichkeiten für real geschehen hält?
Oder daß es manchmal lange Minuten bis Stunden dauern kann, bis man es erkennt?

Mein Erklärungsversuch ist folgender: Auch im Traum
entstehen Erinnerungsmuster.

Das ist trivial, ja. An Träume erinnert man sich manchmal :smile:

Allerdings sind diese meist
lückenhaft und erscheinen nicht plausibel. Deshalb sind wir in
der Lage sie von echten Erinnerungen zu unterscheiden.

Was du „nicht plausibel“ nennst, läßt sich präziser sagen: Die Abbildung der Traumerinnerung in die Gesamtheit der Realerinnerungen ist in der Regel (aber nicht immer sehr schnell erkennbar) nicht bijektiv, also weder injektiv noch surjektiv. Oder anders gesagt (und dieser Terminus ist dafür brauchbarer): Es gibt keinen Homomorphismus zwischen den Erinnerungsmengen. Widersprüche zu physikalischen Gesetzen und Raum- und Zeit-Topologien sind darin zugleich impliziert.

Was ein Homomorphismus ist, kannst selbst nachschauen. Auf die Schnelle z.B. hier:
http://www.infobitte.de/free/lex/wpdeLex0/online/h/h…

Kinder müssen erst lernen, echte Erinnerungen von losen
Assoziationsmustern zu unterscheiden.

So ist es. Kinder haben noch keine Kriterien für physikalische Gesetze und Topologien und kennen das Homomorphiekriterium nicht. Besser gesagt: Sie brauchen es noch nicht.

Bei Erwachsenen kann es zu Fehlentscheidungen kommen, wenn die Trauminhalte zufällig plausibel sind …

Siehe oben. Es ist einfach trivial. Es setzt allerdings voraus, falls es sich nicht um ein psychotisches Phänomen handelt, daß die Erinnerung an das Ereignis nicht unmittelbar nach dem Erwachen stattfindet, sondern per Gelegenheit später. Wenn Felix sich, noch im Bett liegend, erinnert, in der Nacht die Anneliese - öhm - im Walde getroffen zu haben, wird er sehr schnell, auch wenn es „plausibel“ war, bemerken, daß er es geträumt hat. Wenn er den Traum aber nicht unmittelbar als solchen erinnert hat, dann wird ihn über die Pseudo-Realerinnerung und die daraus folgende Realitätsbehauptung spätestens Annelieses Ohrfeige eines Besseren belehren.

deshalb gehe ich auch davon aus, dass es sich um ein normales Phänomen handelt, dass auch bei Erwachsenen auftritt.

So ist es. Bei Vielträumern ist es naturgemäß häufiger als bei Menschen, die sich nur selten an Träume erinnern.

Was haltet ihr von meinem Erklärungsansatz?

Es ist für solche, die sich mit Traumstrukturen und -phänomenen befassen, eine absolute Trivialität.

Gruß

Metapher

Ich habe momentan ein sehr großes Problem damit.
Jahrelang konnte ich mich nicht an meine Träume erinnern, oder nur sehr selten, aber seit etwa einem Monat wach ich morgens auf und weiß nicht mehr, ob ich die eine oder andere Aufgabe erledigt habe, oder es nur träumte.
Ob ich eine Idee ausgesprochen habe, oder nicht, ob etwas passiert ist, oder nicht.
Dabei sind die Träume nichtmals sonderlich realistisch.
Heute Nacht z.B. habe ich geträumt zwei jeanshosen gekauft zu haben, eine gehörte zu 20€ eigentlich einem Internet Freund aus Birmingham.
Aus irgendeinem Grund bin ich heut morgen aufgewacht und habe erstmal nach den Jeans gesucht und nach dem Geld…
Dabei habe ich werde Geld, noch was gekauft, und ich trage seit Jahren keine Blue Jeans mehr.

Woran das liegt? keine ahnung… Momentan finde ich es nur sehr irritierend.

Hallo

Das beweist, das in deinem Körper sehr viel Unbewußtheit steckt. Wie ist dein Verhalten vor dem Schlafengehen? Nimmst du Drogen, Alkohol oder Schlaftabletten.

Mach damit reinen Tisch. Merke: Je bewußter der Körper, desto bewußter werden auch deine Träume. Die Macht des Körpers ist stark und sie zieht dich nach unten, deshalb hast du Schwierigkeiten beim Wiederaufwachen.

gruß
rolf

Ich nehme keine Drogen, keine Schlaftabletten und trinke so gut wie nie Alkohol, in letzter Zeit trinke ich nichtmals mehr Cola…
Ich nehme nur morgens meine Schilddrüsentherapie, aber das deckt sich nicht mit dem Zeitraum dieser Träume.

Vielleicht ist es auch nur die Nervösität >.[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Ich nehme nur morgens meine Schilddrüsentherapie, aber das
deckt sich nicht mit dem Zeitraum dieser Träume.

Dann solltest du eine Nebenwirkung der Medikamente die du wahrscheinlich nimmst, nicht ausschließen.

gruß

Hi Metapher,

Die Frage „wie häufig“ ist unklar gestellt: Es hängt ja wohl
davon ab, wie groß die Zeitspanne ist, bis der Träumer
erkennt, daß die Erinnerung eine bloße Traumerinnerung ist.
Darüber hinaus ist unklar, ob du fragst „wie häufig bei je
einem Individuum“ oder „wieviele Menschen kennen das
Phänomen“.

Du hast Recht: Die Frage ist unklar gestellt. Mich interessiert, wie häufig es bei einem einzelnen Menschen auftritt, dass ihm erst durch die Konfrontation mit der Realität (wenn er oder sie z. B. einen verloren geträumten Gegenstand wieder erblickt) bewusst wird, dass das was er für Erfahrung hielt nur geträumt war, was schon Minuten, oder Stunden, oder erst Tage, Monate, oder sogar noch länger nach dem Traum
geschehen kann.

Daß es manchmal nach dem Erwachen Minuten dauert, bis man
erkennt „es war ja ein Traum“ … ich glaube kaum, daß es sich
über dieses alltägliche Phänomen „statistische“ Untersuchungen
zu machen lohnt. Und daß jemand im Traum eine sinnvolle, auch
im Wachbewußtsein gültig und korrekt bleibende Lösung eines
realen Problems findet, ist ebenfalls nichts ungewöhnliches.

Auch und gerade alltägliche Phänomene sind es wert erforscht zu werden. Neben der Häufikgeit interessieren mich individuelle Unterschiede sowie der Einfluss individueller und situativer Faktoren. Auf den Faktor der Häufigkeit von Traumerinnerungen von Träumen hast du bereits hingewiesen. Welche sind noch relevant?

Was jetzt? Daß jemand etwas eindeutig nur Geträumtes
dauerhaft und trotz eindeutiger Widersprüchlichkeiten
für real geschehen hält?
Oder daß es manchmal lange Minuten bis Stunden dauern kann,
bis man es erkennt?

Letzteres wollte ich wissen. Meine Erklärung dazu ist, dass die Traumerinnerungen nach dem Aufwachen nicht gleich ins Bewusstsein zu gelange. Jetzt bleibt aber noch zu erklären, warum dies gelegentlich geschieht. Zeitdruck und Ablenkung als alleinige Erklärung erscheinen mir unzureichend.

Was du „nicht plausibel“ nennst, läßt sich präziser sagen: Die
Abbildung der Traumerinnerung in die Gesamtheit der
Realerinnerungen ist in der Regel (aber nicht immer sehr
schnell erkennbar) nicht bijektiv, also weder injektiv noch
surjektiv.

Ich finde es echt stark, dass du abstrakte Algebra und Topologie (und allgemein Mathematik) zur Erklärung psychologischer Phänomene einsetzt. Vielen Dank, das gibt mir Hoffnung!

Nur am Rande: Meines Wissens bedeutet bijektiv surjektiv und injektiv (und Wikipedia gibt mir recht); nicht bijektiv hieße dementsprechend lediglich, dass mindestens eine der beiden Eigenschaften nicht erfüllt ist.

Oder anders gesagt (und dieser Terminus ist
dafür brauchbarer): Es gibt keinen Homomorphismus
zwischen den Erinnerungsmengen. Widersprüche zu physikalischen
Gesetzen und Raum- und Zeit-Topologien sind darin zugleich
impliziert.

Die Betrachtungsweise gefällt mir; allerdings stellt sich die frage, wie das Gehirn überprüft, ob ein Homomorphismus vorliegt oder nicht.

Vielen Dank und viele Grüße
Falk

interessant, daß es so gehäuft auftaucht.

Dabei sind die Träume nichtmals sonderlich realistisch.

Nunja, sie sind immerhin prinzipiell real möglich. Hast du auch Beispiele, die schlichtweg nicht real sein könnten? Vielleicht magst du mehr Beispiele outen?

Gruß

Metapher

Ich habe momentan ein sehr großes Problem damit.
Jahrelang konnte ich mich nicht an meine Träume erinnern, oder
nur sehr selten, aber seit etwa einem Monat wach ich morgens
auf und weiß nicht mehr, ob ich die eine oder andere Aufgabe
erledigt habe, oder es nur träumte.
Ob ich eine Idee ausgesprochen habe, oder nicht, ob etwas
passiert ist, oder nicht.
Dabei sind die Träume nichtmals sonderlich realistisch.
Heute Nacht z.B. habe ich geträumt zwei jeanshosen gekauft zu
haben, eine gehörte zu 20€ eigentlich einem Internet Freund
aus Birmingham.
Aus irgendeinem Grund bin ich heut morgen aufgewacht und habe
erstmal nach den Jeans gesucht und nach dem Geld…
Dabei habe ich werde Geld, noch was gekauft, und ich trage
seit Jahren keine Blue Jeans mehr.

Woran das liegt? keine ahnung…

du bist ueberarbeitet oder in irgendeiner weise gestresst - wenn du dich an deine traeume erinnerst, hast du einen „schlechten“ schlaf, also du trittst nicht in die enspannungsphase ein.

mfg:smile:
rene

Traum und Realität
Hi Falk,

Auch und gerade alltägliche Phänomene sind es wert erforscht zu werden.

Da triffst du bei mir auf ein offenes Ohr. Das Problem ist, daß diese Alltäglichkeiten eben auch von ihrer Individualität und Aktualität und damit von ihrer Singularität geprägt sind. Statistiken benötigen aber Abstraktionen der singulären Ereignisse, wodurch sie zu Observablen werden. In der Physik ist das einfach, weil die Objekte oder Wechselwirkungen per Definition nicht singulär sind. Im psychischen Raum aber verlieren „Objekte“ durch die Abstraktion gerade das, was sie ausmacht: Ihre Aktualität und Individualität.

So ist z.B. die Aussage „ich hielt den (manifesten) Trauminhalt drei Stunden lang für real“ nicht sinnvoll vergleichbar mit derselben Aussage eines anderen Träumers. Der eine meint mit Trauminhalt eben sein Meeting mit Anneliese im Walde, der zweite hat geträumt, er sei vor Jahren in Katmandu gewesen, der dritte hat den Weg für die Lösung einer Gleichung gefunden (die sich beim Nachrechnen als Irrtum erweist), der vierte meint mit „Inhalt“ das Gespräch mit dem bereits gestorbenen Vater, dem fünften fiel eine tolle Pointe für einen zukünftigen Vortrag ein (die sich später als purer Blödsinn erwies).

Soll heißen: Der dreistündige Zustand des irritierten Realitätsdvergleichs ist jeweils ein anderer. Der eine hatte bis zur Ohrfeige gar kein Bewußtsein davon, daß es ein Traum war, der zweite ebenfalls, aber der falsche Sachverhalt war nicht ein Ereignis, sondern die Erinnerung an ein Ereignis, der andere wußte, daß es ein Traum war, aber der Inhalt war schlicht falsch, der andere hatte das Problem, etwas real prinzipiell Unmögliches für real zu halten und der letzte hat sich schlicht mit der Qualitätsbewertung vertan …

Dazu kommt noch, daß der eine diese Irritation nur kurz bemerkt, sie belächelt und dann zur Tagesordnunhg übergeht, der andere schlägt sich wochenlang damit herum und zweifelt an seinem Verstand, der nächste vergißt das Phänomen komplett, weil ihn Träume nicht interessieren und fällt damit aus der Beobachtung heraus.

Neben der Häufikgeit interessieren mich
individuelle Unterschiede sowie der Einfluss individueller und
situativer Faktoren. Auf den Faktor der Häufigkeit von
Traumerinnerungen von Träumen hast du bereits hingewiesen.
Welche sind noch relevant?

Mindestens das generelle Problem kommt hinzu, wieso man von manchen Träumen nichts anderes in Erinnerung behält, als die Tatsache, daß man geträumt hat, aber nicht mehr weiß, was. Von anderen Träumen bleibt wiederum der komplette Inhalt im Gedächtnis. Zahllose Träumende (nein: Geträumthabende) habe ich erlebt, die zunächst (d.h. im ersten Traum"bericht") nur Fetzen in Erinnerung hatten, dann aber, nach der Aufforderung, eben diese Fetzen präziser zu beschreiben, nach und nach reichhaltiges Traumgeschehen erinnerten.

Ein Beispiel, dafür, wie kompliziert das werden kann?
Felix hat geträumt, er habe sich auf einer Expedition in den Kongo (wo er real noch nicht war) mit eine Schlingpflanze unterhalten und er erinnert auch Einzelheiten dieses Gesprächs. Gefragt, ob er eine reale Person kenne, die für diesen Gesprächinhalt, bzw für bestimmte Pointen dabei ebenfalls in Frage kommen könne, erinnert er sich zunächst an Anneliese, mit der dieses Thema vom Inhalt her durchaus möglich gewesen sein könnte. Als er auf die Frage, woher er Anneliese kenne, lachend erzählt, daß er sie auf einem Musikworkshop beim Conga spielen kennengelernt habe, fällt ihm ein, daß er tatsächlich genau diese Unterhaltung einmal real mit ihr gehabt habe, er erinnerte sich genau an ihre und seine Worte und an die Gelegenheit, bei der es stattfand.

Nach einem ca halbstündigen Gespräch über Details der Beziehung zu Anneliese wird ihm plötzlich klar, daß dieses Gespräch tatsächlich nie wirklich stattfand, sondern im Gegenteil nur ein gewünschtes Gespräch war, dessen Verlauf er sich oft in verschiedenen Versionen in Gedanken durchgespielt hatte.

Fällt das nun unter die Beispiele falscher Traumerinnerungen? Wir dürfen nicht vergessen, daß das Phänomen des faux memoire auch unabhängig von Träumen vorkommt. Bei der Rekonstruktion von Streitgesprächen („du hast doch eben gesagt…!“ - „nein, sowas habe ich nie gesagt!“) ist es sicher jedem bekannt.

Beim Wachwerden aus einem Traum spielen sich ja mehrere Gedankengänge zugleich ab: „Was hab ich da grad geträumt? Wie war das doch gleich?“ ist ein Beispiel, wo sofort die Tatsache des Geträumthabens bewußt ist und zugleich schaut man sich im Wiedererkennen der Realität um. Aber beim Erwachen in einem fremden Bett eines Hotelzimmers kann der Abgleich mit der Realität („wo bin ich hier?“) schon mal länger dauern.

Mit anderen Worten und kurz gesagt: Die Phänomene verkehrter Realtätsabgleiche sind nicht klassifizierbar, weil sie aus einem Kontinuum von Möglichkeiten kommen.

Oder daß es manchmal lange Minuten bis Stunden dauern kann, bis man es erkennt?

Letzteres wollte ich wissen. Meine Erklärung dazu ist, dass
die Traumerinnerungen nach dem Aufwachen nicht gleich ins
Bewusstsein gelangt [korrigiert]

Das meinte ich ja.
Aber man kann es nicht generell so sagen. Ein Gegenbeispiel, in diesem Fall ein eigenes: Ich wurde wach, stand auf, machte mir einen Kaffee und erledigte eine Arbeit. Das war gegen 7:30. Um 9:00 wurde ich wach und bemerkte, daß es ein Traum war, daß ich bereits aufgestanden war. Aber erst, als ich mich an den Schreibtisch setzte, wurde mir klar, daß die Arbeit noch gar nicht erledigt war.

Ein anderer lebte mit einer (realen) schmerzlichen Trennungsgeschichte und hatte geträumt, diese Trennung sei in Wirklichkeit nur ein Albtraum gewesen. Er wurde wach und war glücklich, daß sein Traum, an den er sich sofort als Traum erinnerte, ihm die Wahrheit enthüllt hatte …

Wenn ich Beispiele falscher Traumerinnerung durchschaue, halte ich sie mehr für Ereignisse, bei denen der Traumzustand sich mit dem Wachzustand auf bestimmte Weise vermischt bzw. sich in ihn hinüberrettet (ähnlich einem Schlafwandel vielleicht). Denn - wie o.g. Beispiel des Gesprächs mit einem Gestorbenen - funktioniert es ja auch, wenn ein Homomorphismus zwischen Traumbild und Realität nicht gefunden wird.

Jetzt bleibt aber noch zu erklären, warum dies gelegentlich geschieht. Zeitdruck und Ablenkung als alleinige Erklärung erscheinen mir unzureichend.

Für diese Antwort müßte man mindestens bereits wissen, warum und unter welchen Bedingungen man einmal dies träumt und ein andermal jenes, oder warum man manchmal → Klarträume hat und meist nicht. Spezielle Trauminhalte, nicht unbedingt manifeste, aber latente (diese Unterscheidung von Freud eingeführter Begriffe lasse ich als sinnvoll gelten, andere dagegen nicht) lassen fast immer einen Homomorphismus zur Realerinnerung finden. Aber spezielle Traumtypusphänomene wie Klarträume oder faux memoire auf generalisierbare (und damit experimentierbare) physiologische oder situative Bedingungen zurückzuführen, halte ich für aussichtslos.

Die Analyse der jeweiligen Inhalte von falschen Erinnerungen jedoch dürfte das Rätsel im Einzelfall lösen. Mit anderen Worten: „Es macht Sinn“, daß dieser oder jener Trauminhalt sich als Realerinnerung manifestiert erhält. Interessant ist dann, wann, wie und wobei(!) fällt einem dann endlich auf, daß da etwas nicht stimmte: Denn das heißt ja, daß irgendein Detail des Traumbildes (das ja nie statisch ist, sondern eher Filmcharakter hat) den vormalig gedachten Homomorphismus zerstört …

Ich finde es echt stark, dass du abstrakte Algebra und
Topologie (und allgemein Mathematik) zur Erklärung
psychologischer Phänomene einsetzt. Vielen Dank, das gibt mir Hoffnung!

Gruppentheorie (wie in deinem ersten Posting) war auch nicht verkehrt. Kategorientheorie würde noch besser passen, dann wäre die Topologie gleich mit drin.

Ja, es ist aber eine ganz andere Mathematik als Statistik :smile: Topolische Modelle untersuche ich schon seit langem. Leider sind dafür teilweise notwendige topologische Strukturen in der Mathematik (noch) nicht untersucht. Und eine weitere Grundbedingung macht den Homomorphismus zwischen mathematischen Strukturen und psychischem Geschehen (im Unterschied zu physikalischem) leider zunichte, zumindest schwierig: Die Mathematik arbeitet mit wohldefinierten „Objekten“ und „Morphismen“, die es aus bestimmten Gründen im psychischen Geschehen nicht gibt (wegen ihres selbstreflektorischen und daher autopoietischen Charakters).

Nur am Rande: Meines Wissens bedeutet bijektiv surjektiv und injektiv

Das ist richtig.

nicht bijektiv hieße dementsprechend lediglich, dass mindestens eine der beiden Eigenschaften nicht erfüllt ist.

Korrekt. Ich meinte „nicht bijektiv“ und zwar weder injektiv noch surjektiv.

Oder anders gesagt (und dieser Terminus ist
dafür brauchbarer): Es gibt keinen Homomorphismus
zwischen den Erinnerungsmengen. Widersprüche zu physikalischen
Gesetzen und Raum- und Zeit-Topologien sind darin zugleich impliziert.

Die Betrachtungsweise gefällt mir; allerdings stellt sich die
frage, wie das Gehirn überprüft, ob ein Homomorphismus
vorliegt oder nicht.

Wie das Gehirn es tut, wird die Hirnphysiologie zu beantworten haben. Aber wie wir es tun, brauchen wir nur zu beobachten, wenn wir es tun: Wenn A in seinem Bezug Q zu B auf C schließen läßt (A, B, C geträumt, und „Bezug“ ein Inhalt des Traumgeschehens), und ferner A, B den realen A’, B’ entspricht, gibt es dann einen realen Bezug Q’, der auf das reale C’ schließen läßt?

Wenn Felix träumte, er war in Katmandu, dann wird er auch die Frage beantworten können, wie er dorthingekommen ist. Wenn er das aber nicht weiß … Und wenn er im August dort war (weil er immer nur im August Urlaub hatte), dann wird die Tatsache, daß er sich an Regen nicht erinnern kann, einen Hinweis geben, daß an der Erinnerung etwas nicht stimmt.

Und wenn Felix von Anneliese im Walde träumt, dann schaut er sich die Details der Abläufe der Erinnerung an und es fällt ihm dann beim Blick auf ihre Lippen oder ihren Busen oder die Art, wie sie ihn anblickt auf, daß diese zu Kunigunde gehören, wogegen Anneliese ganz anders aussieht. Kunigunde aber ist zur Zeit im Urlaub auf Teneriffa …

Das Problem ist dasselbe wie bei der Realitsprüfung von Erinnerungen an frühe biografische Ereignisse. Aus der Erinnerung folgende andere Tatsachen dürfen mit realen und überprüfbaren Tatsachen dieser Zeit nicht im Widerspruch sein …

Zu fragen wäre auch, ob manches Festhalten an einer aussichtslosen Idee, oder, wenn jemand etwas bestimmtes nicht gebacken kriegt, weil er irrationale Voraussetzungen macht, von denen er „an sich“ weiß - ob soetwas nicht derselbe Mechanismus ist, wie das Festhalten an Traumstücken …

Ein interessantes und weitreichendes Thema.

Gruß

Metapher

4 „Gefällt mir“

Erklärungsversuche für einzelne Phänomene
Hallo!

Mindestens das generelle Problem kommt hinzu, wieso man von
manchen Träumen nichts anderes in Erinnerung behält, als die
Tatsache, daß man geträumt hat, aber nicht mehr weiß, was. Von
anderen Träumen bleibt wiederum der komplette Inhalt im
Gedächtnis.

Ich denke für die Erinnerbarkeit eines „Traums“ ist entscheidend wann und in welchem Zustand er geträumt wurde. Es kann sich auch um im Dämmerzustand gedachte Gedanken oder Vorstellungen handeln, wie sie auch beim Einschlafen auftreten. Ich stelle hiermit die These auf, dass es sich bei „Träumen“ die sofort als zusammenhängende Folge von Ereignissen erinnert werden gar nicht um Träume sondern um im Dämmerzustand gedachte Gedanken handelt. Dafür spricht auch dass echte Träume aus meiner Sicht nahezu zwangsläufig Assoziationsfetzen sind, weil die Koordination der verschiedenen Areale und die Hemmung von Assoziationen im Schlaf nicht mehr funktioniert. Ersteres wurde, wie kürzlich in der Science berichtet mit bildgebenden Verfahren nachgewiesen.
Fazit: Die Schlafphase und die Zeit in der geträumt wird sind zwei entscheidende Drittvariablen.

Wann ein Traum ins Bewusstsein gelangt und welche Teile bewusst werden hängt sicherlich auch von Hinweisreizen ab: Wenn ich von meinem Computer geträumt habe, ist es wahrscheinlich, dass mir der Traum einfällt, wenn ich diesen sehe. Individuelle Unterschiede können auch daraus resultieren, wie stark die Person dazu neigt ihre Erinnerungen zu elaborieren und ob sie daran interessiert ist, was sie geträumt hat. Die Neigung zur kritischen Reflexion über Erinnerungen ist besonders für das Aufdecken von falschen Erinnerungen und der Erkennung von Erinnerungen als Träume entscheidend.

Wenn ich Beispiele falscher Traumerinnerung durchschaue, halte
ich sie mehr für Ereignisse, bei denen der Traumzustand sich
mit dem Wachzustand auf bestimmte Weise vermischt bzw. sich in
ihn hinüberrettet (ähnlich einem Schlafwandel vielleicht).

Ich betrachte die Erinnerung an echte Träume prinzipiell als den Versuch aus den Fetzen der Erinnerung ein konsistentes Gebilde zu schaffen. Entscheidend für diesen Versuch ist der Glaube, dass der Traum tatsächlich zusammenhängend und konsistent war. Diesen glaube halte ich für unzutreffend, weil der Zustand, in dem sich das Gehirn während des Traums befindet (Areale sind voneinander isoliert) dies aus meiner Sicht gar nicht zulässt. Bei dem Versuch der Interpretation spielen nun mit den Fetzen vernetzte Erinnerungen an reale Erlebnisse und Assoziationen (unter anderem Wissen über die äußere Welt) hinein. Vorallem aber sind die Motive, Erwartungen und Bedürfnisse der Person entscheidend. Erinnerung wird bekanntlich von allen drei beeinflusst, so auch hier. Diese Faktoren bestimmen auch das Ausmaß der Plausibilitätskontrolle: Was nicht sein soll, nicht erwartet wird und bedeutend ist, wird wahrscheinlich kritischer geprüft als etwas, was bedeutungslos erscheint, erwartet wurde und erwünscht ist. Ich finde, dass deine Fallbeispiele (z. B. das Beziehungsbeispiel oder das Arbeitsbeispiel) gut mit diesen Effekten erklärt werden können. Noch deutlicher kann es bei nicht organisch bedingten psychotischen Zuständen sein: Die Realitätsprüfung wird verweigert oder stark verfälscht, weil die Person die falsche Erinnerung benötigt um sich selbst zu täuschen.

Jetzt bleibt aber noch zu erklären, warum dies [gemeint war, warum Widersprüche, welche die „Erinnerung“ als nur geträumt entlarven, erst sehr spät entdeckt werden] gelegentlich geschieht. Zeitdruck und Ablenkung als alleinige Erklärung erscheinen mir unzureichend.

Für diese Antwort müßte man mindestens bereits wissen, warum
und unter welchen Bedingungen man einmal dies träumt und ein
andermal jenes, oder warum man manchmal → Klarträume hat
und meist nicht.

Ich denke, dass die Ursachen der speziellen Traumformen nicht relevant sind. Meine Erklärung basiert allein auf der Rekonstruktion nach dem Erwachen. Diese wiederum hängt von situativen und individuellen Faktoren ab.

Zu fragen wäre auch, ob manches Festhalten an einer
aussichtslosen Idee, oder, wenn jemand etwas bestimmtes nicht
gebacken kriegt, weil er irrationale Voraussetzungen macht,
von denen er „an sich“ weiß - ob soetwas nicht derselbe
Mechanismus ist, wie das Festhalten an Traumstücken …

Ich sage: Ja, es ist derselbe Mechanismus. Er operiert aber auf verschiedenen Mengen. Im Fall der Erinnerungen sind die Traumfetzen die zu prüfende Menge und die Vergleichsmenge sind Erinnerungen und das Wissen über ihre interne Logik. Im Falle der aussichtslosen Idee werden die gewünschten mit den aufgrund von Wissen und Erfahrungen zu erwartenden Ergebnissen verglichen. Irrationale Voraussetzungen entsprechen einem schlechten Vergleichsmechanismus.

Viele Grüße
Falk

Grenzen der empirischen Erforschbarkeit
Hi Metapher!

In diesem Posting argumentiere ich für das Vermögen der Psychologie ihren Phänomenbereich im allgemeinen und Traumphänomene im Speziellen empirisch untersuchen zu können. Ich befürchte, dass ich dabei zu grundsätzlich argumentiert habe und der Aussagegehalt dadurch entsprechend gering ist. Zur Verstärkung: Ich sehe nicht nur die prinzipielle, sondern auch die praktische Möglichkeit Traumphänomene empirisch zu untersuchen.

Auch und gerade alltägliche Phänomene sind es wert erforscht zu werden.

Da triffst du bei mir auf ein offenes Ohr. Das Problem ist,
daß diese Alltäglichkeiten eben auch von ihrer Individualität
und Aktualität und damit von ihrer Singularität geprägt sind.

Ich bin der Meinung, dass das der Phänomenbereich der Traumerinnerungen durchaus empirisch untersucht werden kann. Ich gebe dir Recht, dass die Singulariät der Erlebnisse und die Individualität der Versuchspersonen zu methodischen Problemen führen; aber ich halte diese für lösbar. Ich glaube, dass man die Vielfalt der Phänomene durch Interviews erfassen kann. Die Probleme, die aus den individuellen Unterschiedeb in der Bedeutung von Begriffen resultieren, können minimiert werden, in dem die Bedeutung abstrakter Begriffe an Beispielen geklärt oder auf konventionalisierte Begriffe zurückgeführt wird. Es ist natürlich schwierig alle relevanten Faktoren zu entdecken und von den irrelevanten zu unterscheiden, aber zumindest hat man anschließend die Möglichkeit die Güte der gefundenen Erklärung zu überprüfen. Hat man ausreichend viele singuläre Erlebnisse erfasst, kann man sie systematisch ordnen. Zwar ist jedes Traumerlebnis einzigartig, aber es wird stets auch Gemeinsamkeiten zwischen mehreren Traumerlebnissen ermöglichen, die eine Einteilung in verschiedene Cluster oder eine Klassifikation anhand verschiedener Dimensionen ermöglichen. Nach dieser Vorleistung ist es möglich, empirisch sinnvolle Hypothesen zu den statistischen Häufigkeiten, Ursachen und Zusammenhängen der verschiedenen Phänomene mit anderen aufzustellen. Diese können dann mit entsprechenden Indikatoren untersucht werden. Das allgemeine Problem ist aus meiner Sicht nicht spezifisch für die Psychologie. Wenn man genau genug hinsieht, ist jedes Ereignis singulär. Jede Schwingung eines Pendels ist ein singuläres Ereignis. Es ist ein Punkt in einem Raum, der durch unendlich viele kontinuierlicher Merkmale aufgespannt wird. Dazu gehören unter anderem alle denkbaren Zustände jedes einzelnen Atoms. Erst durch die Abstraktion durch einige wenige empirisch definierte Größen (Fadenlänge, Masse, Frequenz, Auslenkung) wird das Phänomen erfassbar. Bei psychischen Phänomenen ist dies aus meiner Sicht nicht anders: Sie sind wie beobachtbaren Phänomene äußerst komplex können aber durch Abstraktion erfasst und untersucht werden.
Außerdem könnte man argumentieren, dass alle psychische Phänomene sind physikalische, die man auf einer höheren Abstraktionsebene betrachtet. Wenn sich die Abstraktionen eindeutig auf ihre physikalischen Zustände abbilden lassen, dann sollten sie ebenso empirisch zugänglich sein wie diese. Ich bin mir bewusst, dass es im Moment vermutlich nur wenige psychologische Abstrakta gibt, welche dieser Bedingung gerecht werden. Ich halte es aber prinzipiell für möglich, dass solche aufgestellt werden können – zum Beispiel in der Psychophysik.
Aus diesen Gründe glaube ich nicht, dass Singularität und Individualität die empirische Untersuchung von alltäglichen psychischen Phänomenen weder im Allgemeinen noch die Untersuchung von Traumerinnerungen im Speziellen verhindern.

Mit anderen Worten und kurz gesagt: Die Phänomene verkehrter
Realtätsabgleiche sind nicht klassifizierbar, weil sie aus
einem Kontinuum von Möglichkeiten kommen.

Dieses Problem stellt sich meines Erachtens – wie oben beschrieben – bei jedem Phänomen und wird unter anderem durch empirische Definition und Abstraktion gelöst.

Aber spezielle Traumtypusphänomene wie
Klarträume oder faux memoire auf generalisierbare (und damit
experimentierbare) physiologische oder situative Bedingungen
zurückzuführen, halte ich für aussichtslos.

Wenn die Phänomene durch die von mir oben beschriebene Vorarbeit zuverlässig erfasst werden können, sind Experimente, welche situative Faktoren variieren, und die Suche nach physiologischen Korrelaten, sowie die Untersuchung von Zusammenhängen zu Persönlichkeitsfaktoren für mich durchaus vorstellbar.

Und eine weitere
Grundbedingung macht den Homomorphismus zwischen
mathematischen Strukturen und psychischem Geschehen (im
Unterschied zu physikalischem) leider zunichte, zumindest
schwierig: Die Mathematik arbeitet mit wohldefinierten
„Objekten“ und „Morphismen“, die es aus bestimmten Gründen im
psychischen Geschehen nicht gibt (wegen ihres
selbstreflektorischen und daher autopoietischen Charakters).

In dieser Form, habe ich es bisher noch nicht gedacht, aber du hast Recht. Jeder Input und jeder Prozess verändert das psychische System und damit die Regeln, nach denen es funktioniert. Die Struktur ist dynamisch und bildet sich selbst aus. Deshalb ist auch die mathematische Theorie neuronaler Netze so populär. Auch dynamische Systeme sind ein für dieses Problem vielversprechender Ansatz.

Viele Grüße
Falk

Hallo, Falk,

nur kurz drei Anmerkungen:

Ich bin der Meinung, dass das der Phänomenbereich der
Traumerinnerungen durchaus empirisch untersucht werden kann.
Ich gebe dir Recht, dass die Singulariät der Erlebnisse und
die Individualität der Versuchspersonen zu methodischen
Problemen führen;

Diese Aspekte wurden / werden in der Diskussion um nomothetische vs. idiographische Psychologie, ihre Möglichkeiten und Grenzen besprochen. Der Standpunkt, menschliches Erleben (und Verhalten) sei individuell und daher nicht mit naturwissenschaftlichen Methoden erforschbar erscheint m.E. nur auf den ersten Blick plausibel (mit Gegenargumenten hast Du ja bereits angeführt). Argumente dafür finden sich in der Literatur.

Ein anderer Aspekt betrifft die Frage, ob das menschliche Erleben naturwissenschaftlich nicht erforschbar sei, weil Erlebensinhalte prinzipiell nur demjenigen zugänglich seien, der sie erlebt. Diese Kritik kam z.B. von frühen behavioristischen Richtungen in der Psychologie, die sich gegen die Introspektion als wissenschaftliche Methode wendeten.

In dieser Form, habe ich es bisher noch nicht gedacht, aber du
hast Recht. Jeder Input und jeder Prozess verändert das
psychische System und damit die Regeln, nach denen es
funktioniert. Die Struktur ist dynamisch und bildet sich
selbst aus. Deshalb ist auch die mathematische Theorie
neuronaler Netze so populär. Auch dynamische Systeme sind ein
für dieses Problem vielversprechender Ansatz.

Ich halte Deine Ansicht in dieser Allgemeinheit für nicht haltbar, da durchaus Regeln angenommen werden können, die individuumsübergreifend sind und den Forschungsgegenstand einer empirischen Psychologie bilden können. Ein einfaches Beispiel: Das Prinzip der klassischen Konditionierung ändert sich nicht durch Input und Prozeß. Es stellt selbst ein Modell des Prozesses dar, durch den sich Erleben und Verhalten von Organismen, inkl. des Menschen ändern können.

Beste Grüße,

Oliver Walter

2 „Gefällt mir“

Hallo, Oliver,

Diese Aspekte wurden / werden in der Diskussion um
nomothetische vs. idiographische Psychologie, ihre
Möglichkeiten und Grenzen besprochen.

Vielen Dank für die beiden Stichwörter, über die ich mich weiter informieren werde.

Ich halte Deine Ansicht in dieser Allgemeinheit für nicht
haltbar, da durchaus Regeln angenommen werden können, die
individuumsübergreifend sind und den Forschungsgegenstand
einer empirischen Psychologie bilden können. Ein einfaches
Beispiel: Das Prinzip der klassischen Konditionierung ändert
sich nicht durch Input und Prozeß. Es stellt selbst ein Modell
des Prozesses dar, durch den sich Erleben und Verhalten von
Organismen, inkl. des Menschen ändern können.

Ich stimme dir zu, dass es Phänomene gibt, die auch ohne ein autopoietisches System erklärt werden können. Dies war es auch, was ich zuerst antworten wollte. Dann aber kam ich zu folgendem Schluss: Auch wenn oft auf die Modellierung solcher Effekte verzichtet werden kann, spielen sie dennoch immer eine gewisse Rolle. Bei der klassischen Konditionierung kann sich die Reaktion auf den unbedingten Reiz durch Habitualisierung abschwächen. Im Extremfall geschieht dies so stark, dass die Konditionierung abbricht, weil der unbedingte zu einem neutralen Reiz geworden ist. Versteh mich bitte nicht falsch: Ich meine nicht, dass diese Effekte immer berücksichtigt werden müssen, aber sie sind dennoch vorhanden.

Viele Grüße
Falk

Hallo, Falk,

Ich stimme dir zu, dass es Phänomene gibt, die auch ohne ein
autopoietisches System erklärt werden können. Dies war es
auch, was ich zuerst antworten wollte. Dann aber kam ich zu
folgendem Schluss: Auch wenn oft auf die Modellierung solcher
Effekte verzichtet werden kann, spielen sie dennoch immer eine
gewisse Rolle. Bei der klassischen Konditionierung kann sich
die Reaktion auf den unbedingten Reiz durch Habitualisierung
abschwächen. Im Extremfall geschieht dies so stark, dass die
Konditionierung abbricht, weil der unbedingte zu einem
neutralen Reiz geworden ist.

ich denke nicht, daß dies ein Widerspruch zu dem ist, was ich meine: Wenn das Phänomen für alle Individuen unter gewissen Randbedingungen zutrifft, dann läßt es sich in einem Gesetz beschreiben. So formulierst Du es auch in Deinem Beispiel, wenn Du sagst, daß sich klassische Konditionierung durch Habituierung abschwächen kann. Hier sind zwei Prozesse miteinander verflochten, die jeweils einzeln in einem Gesetz beschrieben werden können und deren Kombination ebenfalls gesetzmäßig beschrieben werden kann. Wenn eine solche Beschreibung nicht möglich wäre, weil es keine regelmäßigen Zusammenhänge gibt, die für alle Individuen gelten, dann könnte man kein Gesetz formulieren.

Grüße,

Oliver Walter

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