jaja… das leidige Thema. Ich bin bei meinen Googlesuchen schon auf unzählige Beiträge hier bei wer-weiss-was gestoßen, aber so richtig geholfen hat mir bisher keiner…
Also, ich möchte ein Radio bauen. Und zwar dieses hier: http://www.tu-ilmenau.de/fakei/Vorlesungen.1713.0.html
Wir hatten dieses Semester eine Elektronikvorlesung dazu, in welcher uns anhand dieser Schaltung alles ganz nett erklärt wurde. Ich dachte ich hätte alles verstanden und so meinte der Prof, dass wir doch mal versuchen sollen das nachzubauen. Als angehender Medientechnologe sollte das ja auch kein Problem sein… eigentlich…
Vielleicht sieht ja von euch da jemand durch und kann mir Tipps geben?
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Der Schwingkreis besteht hier doch aus dem Drehkondensator und der Spule mit 80 Windungen. Warum die Unterteilung in 20 und 60 und warum hängt da die Antenne dran? Angeblich soll die Unterteilung ne Transformatorwirkung haben, aber den Sinn versteh ich an dieser Stelle nicht wirklich.
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In ein paar Vorlesungsfolien, waren Erde und Antenn verbunden. Macht das Sinn? Ich dachte ein Kabel als Antenne und eins an irgend eine geerdete Wasserleitung?
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Dann hinter der Diode befindet sich ein Widerstand und der 10nF Kondensator (parallel???) geschalten. Die soll ein Tiefpass sein. Hier frage ich mich, warum der Widerstand nicht in Reihe mit Diode und Koppelkondensator geschalten ist? So sähe doch meiner Meinung ein Tiefpass aus. Noch dazu komm ich bei 10kHz und 10nF auf eine Grenzfrequenz von knapp 1600Hz. Scheint mir etwas niedrig, da Mittelwelle doch eine Bandbreite von 9kHz hat.
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Und hier das größte Problem, dass ich habe: Die Transistoren. Nirgends ist eine Angabe zu finden, welche Transistoren hier verwendet werden sollen. Ich hätte mir ja beliebige Transistoren bestellen können und die Widerstände umdimensioniert, da wir ja ach so tolle Berechnungen damit durchgeführt haben, aber leider musste ich feststellen, dass auf Datenblättern keine 4-Quadrantenkennlinienfelder drauf sind und Messgeräte hab ich auch keine…
Ich fühl mich grade sehr, sehr dumm, obwohl ich dachte so schwer wird das schon nicht da ich das gefühl hatte in der Vorlesung alle verstanden zu haben…
Danke im voraus für eventuelle Hilfeversuche 
Hallo Fragewurm,
- Der Schwingkreis besteht hier doch aus dem Drehkondensator
und der Spule mit 80 Windungen. Warum die Unterteilung in 20
und 60 und warum hängt da die Antenne dran? Angeblich soll die
Unterteilung ne Transformatorwirkung haben, aber den Sinn
versteh ich an dieser Stelle nicht wirklich.
Die Güte des Schwingkreises wird wesentlich vom Lastwiderstand bestimmt.
Durch die Transformation wird der Schwingkreis nicht direkt mit den 10k belastet, sondern mit einem entsprechend höheren Wert(in diesem Fall nur mit 30k).
Das Selbe gilt auch für die parasitäre Kapazität der Antenne, sie würde ja sonst parallel zum 500pF Drehko liegen und die Abstimmung verstellen.
- In ein paar Vorlesungsfolien, waren Erde und Antenn
verbunden. Macht das Sinn? Ich dachte ein Kabel als Antenne
und eins an irgend eine geerdete Wasserleitung?
Das kommt auf den Antennentyp an. Bei einem Dipol ist eine Seite meist geerdet. Allerdings werden Dipole, bei Radios, nur bei UKW verwendet. Bei tieferen Frequenzen würden sie etwas zu unhandlich (die Abmessungen ergeben sich aus der Wellenlänge und ein 20m langer Dipol passt nicht in die meisten Wohnungen, zumal ein Dipol noch eine Richtwirkung hat und je nach Sender ausgerichtet werden muss).
- Dann hinter der Diode befindet sich ein Widerstand und der
10nF Kondensator (parallel???) geschalten. Die soll ein
Tiefpass sein. Hier frage ich mich, warum der Widerstand nicht
in Reihe mit Diode und Koppelkondensator geschalten ist?
Wenn wir jetzt einmal von idealen Bauteilen ausgehen:
Wenn eine positive Spannung an der Diode anliegt, würde dann der Kondensator über deinen Serienwiderstand geladen Punkt.
Es gäbe dann keine Möglichkeit wie sich der Kondensator wieder entladen könnte …
So sähe doch meiner Meinung ein Tiefpass aus.
Noch dazu komm ich
bei 10kHz und 10nF auf eine Grenzfrequenz von knapp 1600Hz.
Scheint mir etwas niedrig, da Mittelwelle doch eine Bandbreite
von 9kHz hat.
Auf die 1.6kHz komme ich auch. Aber die Schaltung stammt wohl noch aus den 60er Jahren.
Wie kommst du eigentlich auf Mittelwelle ??
- Und hier das größte Problem, dass ich habe: Die
Transistoren. Nirgends ist eine Angabe zu finden, welche
Transistoren hier verwendet werden sollen.
Die Schaltung sieht schwer nach Germanium aus !
In Serie zu P2 sollte man noch unbedingt einen Widerstand schalten. Steht der Schleifer von P2, beim ersten Einschalten, gerade ganz oben, knallt es gleich T3 durch !
MfG Peter(TOO)
Hallo cole-hawk,
- Der Schwingkreis besteht hier doch aus dem Drehkondensator
und der Spule mit 80 Windungen. Warum die Unterteilung in 20
und 60 und warum hängt da die Antenne dran? Angeblich soll die
Unterteilung ne Transformatorwirkung haben, aber den Sinn
versteh ich an dieser Stelle nicht wirklich.
diese Unterteilung der Schwingkreisspule hat den Sinn, daß der Schwingkreis nicht zu sehr durch die Antenne bedämpft wird, sonst wäre die Trennschärfe sehr gering. Aber ich glaube, die Teile sind gar nicht mehr so leicht aufzutreiben, z. B. der Drehkondensator.
- In ein paar Vorlesungsfolien, waren Erde und Antenn
verbunden. Macht das Sinn? Ich dachte ein Kabel als Antenne
und eins an irgend eine geerdete Wasserleitung?
Das würde ich auch meinen.
- Dann hinter der Diode befindet sich ein Widerstand und der
10nF Kondensator (parallel???) geschalten. Die soll ein
Tiefpass sein. Hier frage ich mich, warum der Widerstand nicht
in Reihe mit Diode und Koppelkondensator geschalten ist? So
sähe doch meiner Meinung ein Tiefpass aus. Noch dazu komm ich
bei 10kHz und 10nF auf eine Grenzfrequenz von knapp 1600Hz.
Scheint mir etwas niedrig, da Mittelwelle doch eine Bandbreite
von 9kHz hat.
Ich verstehe die Schaltung so: durch die Diode fließt Strom in nur einer Richtung (nur positive Halbwellen am Schwingkreis), und dieser Strom fließt weiter durch den 10 kOhm-Widerstand, sodaß an dem Widerstand ein Spannungsabfall im Rhythmus der Niederfrequenz entsteht, mit welcher die empfangene HF moduliert ist. Über den Elektrolyt-Kondensator ist der nachfolgende Transistorvertärker kapazitiv gekoppelt. Der 10 nF-Kondensator dient zum Glätten der Niederfrequenzspannung und wirkt zusammen mit dem Widerstand als Tiefpaß. Die niedrige Grenzfrequenz stimmt wohl, das Radio hat schon deshalb sicher keine Hifi-Qualität.
Die Diode sollte übrigens eine Germaniumdiode (AA112, OA90, 1N60 oder dgl.) sein oder eine Si-Schottkydiode.
- Und hier das größte Problem, dass ich habe: Die
Transistoren. Nirgends ist eine Angabe zu finden, welche
Transistoren hier verwendet werden sollen. Ich hätte mir ja
beliebige Transistoren bestellen können und die Widerstände
umdimensioniert, da wir ja ach so tolle Berechnungen damit
durchgeführt haben, aber leider musste ich feststellen, dass
auf Datenblättern keine 4-Quadrantenkennlinienfelder drauf
sind und Messgeräte hab ich auch keine…
Die Schaltung schaut aus, als käme sie aus einem Radio-Bastelbuch für Buben der 60er-Jahre. Es ist eine Art Seifenschachtel-Radio, ein Detektor-Empfänger mit Transistorverstärker. Deshalb glaube ich, daß am ehesten PNP-Germanium-Transistoren passen (irgendwelche NF-Typen wie AC126, AC121, AC151, OC70…), falls Du solche auftreiben kannst. Sonst würde ich es mit irgendwelchen Si-PNP-Transistoren (BC 177, BC 558…) versuchen und eventuell umdimensionieren (am ehesten die beiden Widerstände zwischen Basis und Kollektor erhöhen). Der 10 kOhm-Trimmer beim dritten Transistor ist zur Arbeitspunkt-Einstellung, in einer bestimmten Stellung funktioniert das Ganze.
Gibt es in Eurer Nähe noch einen Mittelwellensender (ein Ortssender, Fernempfang kann das Radio nicht)? Wenn nicht, hat es keinen Sinn, das zu bauen.
Grüße,
I.
Hi,
- Dann hinter der Diode befindet sich ein Widerstand und der
10nF Kondensator (parallel???) geschalten. Die soll ein
Tiefpass sein. Hier frage ich mich, warum der Widerstand nicht
in Reihe mit Diode und Koppelkondensator geschalten ist? So
sähe doch meiner Meinung ein Tiefpass aus. Noch dazu komm ich
bei 10kHz und 10nF auf eine Grenzfrequenz von knapp 1600Hz.
Scheint mir etwas niedrig, da Mittelwelle doch eine Bandbreite
von 9kHz hat.
die Diode zusammen mit dem RC-Glied bildet den Demodulator, einen s.g. Hüllkurvendetektor
http://de.wikipedia.org/wiki/H%C3%BCllkurvendetektor
An der kathode liegt also bereits die NF an, die nicht die von dir genannte Bandbreite von 9kHz hat. Diese bezieht sich auf die HF, die NF hat nur etwa 4,5 kHz.
- Und hier das größte Problem, dass ich habe: Die
Transistoren. Nirgends ist eine Angabe zu finden, welche
Transistoren hier verwendet werden sollen. Ich hätte mir ja
beliebige Transistoren bestellen können und die Widerstände
umdimensioniert, da wir ja ach so tolle Berechnungen damit
durchgeführt haben, aber leider musste ich feststellen, dass
auf Datenblättern keine 4-Quadrantenkennlinienfelder drauf
sind und Messgeräte hab ich auch keine…
Du bist irgendwie zu sehr in der Theorie gefangen 
Versuch mal BC328 oder was ähnliches.
Ich fühl mich grade sehr, sehr dumm, obwohl ich dachte so
schwer wird das schon nicht da ich das gefühl hatte in der
Vorlesung alle verstanden zu haben…
Quatsch. Studium ist Theorie. Komm nicht auf die Idee dich gegenüber Praktikern überheblich zu fühlen, die können dich sehr schnell auflaufen lassen; insbesondere wenn sie Berufserfahrung haben 
Hast du vorher ein Ausbildung gemacht? Bist du an einer FH oder Uni? (D)ein Studium ist ja nicht in erster Linie darauf ausgerichtet, dass du „mal“ was zusammenbastelst was dann auch funktioniert sondern soll dir (ggf) die Grundlagen verschaffen so ein technisches Gerät „ordentlich“ durchzuentwickeln.
HTH,
J~
Hi Peter,
Die Schaltung sieht schwer nach Germanium aus !
http://www.tu-ilmenau.de/fakei/fileadmin/template/fg…
hier wird von Silicium gesprochen (Seite 3)
Grüße,
J~
Hallo J~,
Die Schaltung sieht schwer nach Germanium aus !
http://www.tu-ilmenau.de/fakei/fileadmin/template/fg…
hier wird von Silicium gesprochen (Seite 3)
Und wieso sind T2 und T3 nicht auch mit einem roten Kreis markiert ??
Was weiss ich woher der Prof diese Schaltschema hat und wieviele Jahrzehnte er es schon verwendet.
Die Arbeitspunkt-Einstellung mit einem Widerstand zwischen Kollektor und Basis hat man eigentlich nur bei Germanium so gemacht und ist typisch für Ge-Schaltungen aus den 60er Jahren.
Der Grund war das kleine HFE (Ge typisch 50 bis 100 für Signaltransistoren), die grösseren Leck- und Basisströme und besonders auch die grössere Temperaturdrift bei Ge im Vergleich zu Si.
Zudem ist es typisch für Ge, dass PNP-Typen verwendet werden.
Ge-Transistoren gab es Anfangs nur als PNP, NPN war schwieriger herzustellen.
Bei Si war es genau umgekehrt, da waren NPN einfacher (und somit günstiger) herzustellen.
MfG Peter(TOO)
Ui… So viele Antworten. Danke.
Danke für den Artikel zum Hüllkurvendetektor! War sehr Hilfreich.
Auf die 1.6kHz komme ich auch. Aber die Schaltung stammt wohl noch aus den 60er Jahren.
Wie kommst du eigentlich auf Mittelwelle ??
Gibt es in Eurer Nähe noch einen Mittelwellensender (ein Ortssender, Fernempfang kann das Radio nicht)? Wenn nicht, hat es keinen Sinn, das zu bauen.
Ähm… oje… da habt ihr mich…
Hab eigentlich nur so an Mittelwelle gedacht… War jetzt keine Festlegung.
LW, MW, oder KW müsste man damit doch bewerkstelligen können, oder?
Warum ist Fernempfang nicht möglich?
Hmm, wenns keinen Sinn macht, muss ich nochmal überdenken, ob ichs da baue…
Gedanken darüber, wo ich denn nen Drehkondensator herbekomme, hab ich mir auch noch nicht gemacht.
Studium ist Theorie. Komm nicht auf die Idee dich gegenüber Praktikern :überheblich zu fühlen, die können dich sehr schnell auflaufen lassen; :insbesondere wenn sie Berufserfahrung haben 
Hast recht
Sollte nicht überheblich rüber kommen. Man sieht ja wie viel Ahnung ich hab… *hust*
Die Vorlesung war halt interessant, weil’s auch nen Praktischen Hintergrund mit dem Radio (aus Papas Zeiten) gab. Aber ich merke schon, dass Theorie und Praxis weeeiiiit auseinander liegen.
Hast du vorher ein Ausbildung gemacht? Bist du an einer FH oder Uni? (D)ein Studium ist ja nicht in erster Linie darauf ausgerichtet, dass du „mal“ was zusammenbastelst was dann auch funktioniert sondern soll dir (ggf) die Grundlagen verschaffen so ein technisches Gerät „ordentlich“ durchzuentwickeln.
Nee, keine Ausbildung. Nur das Studium an ner Uni.
Grüße
Franz
Hallo,
- Der Schwingkreis besteht hier doch aus dem Drehkondensator
und der Spule mit 80 Windungen. Warum die Unterteilung in 20
und 60 und warum hängt da die Antenne dran? Angeblich soll die
Unterteilung ne Transformatorwirkung haben, aber den Sinn
versteh ich an dieser Stelle nicht wirklich.
Die Transformation der Spule (Trafo) bewirkt auch eine Impedanztransformation. Die Antenne hat eine sehr niedrige Impedanz, meistens zwischen 50 und 100 Ohm. Willst Du damit direkt in den Eingangskreis gehen, muß dieser auch sehr niederohmig sein, damit die Schwingkreisgüte nicht zu sehr leidet. Dann brauchst Du aber sehr große Drehkondensatoren und die gibt’s nicht. Hauptgrund für die Transformation ist also, dass der Drehkondensator klein und bezahlbar bleibt.
- In ein paar Vorlesungsfolien, waren Erde und Antenn
verbunden. Macht das Sinn? Ich dachte ein Kabel als Antenne
und eins an irgend eine geerdete Wasserleitung?
Eine direkte Verbindung macht keinen Sinn.
- Dann hinter der Diode befindet sich ein Widerstand und der
10nF Kondensator (parallel???) geschalten. Die soll ein
Tiefpass sein. Hier frage ich mich, warum der Widerstand nicht
in Reihe mit Diode und Koppelkondensator geschalten ist? So
sähe doch meiner Meinung ein Tiefpass aus. Noch dazu komm ich
bei 10kHz und 10nF auf eine Grenzfrequenz von knapp 1600Hz.
Scheint mir etwas niedrig, da Mittelwelle doch eine Bandbreite
von 9kHz hat.
Der Tiefpass besteht eher aus dem differentiellen Widerstand der Diode und dem Kondensator. Der Widerstand dient nur dazu, den Kondensator zu entladen und dadurch die Diode mit einem Strom vorzuspannen. Er geht zwar mit in die Zeitkonstante ein, für die Grenzfrequenz ist dann aber die Parallelschaltung des Widerstandes und des Diodenwiderstandes relevant und deshalb ist die Grenzfrequenz dieser Anordnung deutlich höher.
- Und hier das größte Problem, dass ich habe: Die
Transistoren. Nirgends ist eine Angabe zu finden, welche
Transistoren hier verwendet werden sollen. Ich hätte mir ja
beliebige Transistoren bestellen können und die Widerstände
umdimensioniert, da wir ja ach so tolle Berechnungen damit
durchgeführt haben, aber leider musste ich feststellen, dass
auf Datenblättern keine 4-Quadrantenkennlinienfelder drauf
sind und Messgeräte hab ich auch keine…
Die Schaltung scheint aus den 60-er Jahren zu sein, als man noch vorzugsweise mit PNP-Germaniumtransistoren gearbeitet hat. Heute würde man NPN Transistoren z.B. vom Typ BC547 verwenden. Dazu müssen nur die Polaritäten aller Bauteile vertauscht werden. Natürlich gehen auch PNP-Transistoren wie z.B. BC557. Eine gute Schaltung zeichnet sich dadurch aus, dass sie mit jedem x-beliebigen Universaltransistor funktioniert. Diese aufwändigen Berechnungen von Transistorverstärkern in Abhängigkeit von den Kennlinien, wie es an den Unis sehr beliebt ist, sind rein akademisch und haben mit der Praxis nichts zu tun.
Jörg