Transporter kaufen, leasen oder mieten: Was rechnet sich wirklich für

Vor ein paar Wochen hat mich ein Bekannter gefragt, wie er seinen nächsten Transporter anschaffen soll. Sein Steuerberater sagt Leasing, sein Bruder sagt kaufen, und ein Kollege schwört auf Langzeitmiete. Alle drei haben ihm eine Meinung gegeben, aber keiner hat sich wirklich die Zeit genommen, durchzurechnen, was für seinen Betrieb konkret Sinn macht.

Ich kenne das. Ich war selbst mal in dieser Situation und habe gedacht, ich mache das schon irgendwie richtig. Habe ich nicht. Und das hat mich damals wirklich getroffen, weil ich dachte, ich hätte alles im Griff.

Deshalb schreibe ich das hier auf.

Kauf

Das Fahrzeug gehört euch. Keine monatliche Rate, keine Laufzeitbindung. Klingt erstmal gut.

Was viele nicht einkalkulieren: Ein Transporter mit 150.000 km lässt sich nicht mehr so verkaufen, wie man es sich vorgestellt hat. Ich kenne Betriebe, die das wirklich unterschätzt haben. Man denkt, man verkauft das Fahrzeug nach ein paar Jahren und bekommt noch etwas zurück. Und dann merkt man, dass der Markt das gerade nicht hergibt, oder dass Reparaturen kurz vor dem Verkauf nochmal teuer geworden sind. Das ist mir selbst schon passiert, obwohl ich dachte, ich hätte alles richtig kalkuliert. Es hat mich jedes Mal getroffen.

Dazu kommen Wartungskosten, die ihr komplett selbst tragt, und Kapital, das im Fahrzeug gebunden ist und euch woanders fehlt.

Kauf macht Sinn, wenn ihr das Fahrzeug wirklich intensiv nutzt, also 200 km am Tag aufwärts. Wenn ihr eine eigene Werkstatt habt oder einen festen Partner mit Fixpreisen. Und wenn ihr kein Kapital für die nächsten Jahre anderweitig braucht. Wenn das alles passt, ist Kauf oft die günstigste Option. Wenn auch nur einer dieser Punkte nicht stimmt, wird es teurer als gedacht. Das habe ich oft genug gesehen.

Leasing

Planbare Monatsrate, steuerlich manchmal interessant, und am Ende gibt ihr das Fahrzeug zurück. Das klingt ordentlich, und für manche Betriebe ist es das auch.

Aber: Ihr seid 36 bis 48 Monate gebunden. Wenn sich euer Betrieb in dieser Zeit verändert, mehr Aufträge, weniger Aufträge, anderes Fahrzeugformat, sitzt ihr trotzdem drin. Kilometerüberschreitung kostet. Und am Ende habt ihr nichts in der Hand.

Ich spreche aus Erfahrung, wenn ich sage: Viele unterschätzen, wie sehr sich ein Betrieb in drei Jahren verändern kann. Wer das kennt, denkt beim nächsten Mal anders über Laufzeiten nach.

Langzeitmiete

Die Monatsrate ist meist etwas höher als beim Leasing. Aber Wartung ist oft inklusive, Reifenwechsel auch, und ihr seid nicht für Jahre festgeschrieben. Für Betriebe, bei denen ein Fahrzeugausfall direkt Aufträge kostet, ist dieser Schutz oft mehr wert, als er auf den ersten Blick aussieht.

Ich habe Betriebe gesehen, die auf dem Papier günstiger waren mit Leasing oder Kauf. Wenn man dann aber ungeplante Werkstatttermine, Reifenkosten und die Koordination dazurechnet, war der Aufwand enorm. Das sieht man in der Kalkulation nicht, aber man spürt es im Alltag.

Was fast alle vergessen: Versicherung

Das ist das Thema, das in fast jeder Rechnung fehlt. Und ich verstehe das, weil man es nicht auf den ersten Blick sieht.

Je nach Branche, Schadenhistorie und Fahrzeugtyp zahlt man mehrere hundert Euro pro Monat und Fahrzeug. Das verdoppelt oder verdreifacht schnell den tatsächlichen monatlichen Aufwand eines vermeintlich günstigen Vertrags.

Was noch schwerer wiegt: Nach einem Schaden riskiert ihr, dass die Prämie im nächsten Jahr steigt. Nach mehreren Schäden riskiert ihr, dass die Versicherung euch nicht verlängert. Und wer einmal raus ist, merkt schnell, wie schwer es ist, anderswo wieder reinzukommen oder zumindest zu vernünftigen Konditionen. Ich habe das selbst miterlebt und miterlebt, wie es andere getroffen hat. Es ist ein hartes Gefühl, wenn man denkt, man ist versichert, und dann stellt sich heraus, dass man an irgendeiner Stelle etwas nicht eingehalten hat und die Versicherung im Schadensfall gar nichts zahlt.

Versicherungen wollen mit euch Geld verdienen. Das ist legitim. Aber es bedeutet, dass ihr diese Partnerschaft aktiv managen müsst. Viele tun das nicht, solange alles gutgeht.

Deshalb gehört Versicherung in jeden ehrlichen Kostenvergleich rein, egal welches Modell ihr wählt.

Was ich selbst machen würde

Ich schaue mir immer zuerst die Gesamtkosten über die Nutzungsdauer an, nicht die Monatsrate. Die Monatsrate sieht bei Leasing oft gut aus, bis man Reifen, TÜV, ungeplante Reparaturen und Versicherungsprämien dazulegt.

Wer bei einem Fahrzeugausfall sofort einen Ersatz braucht und keine eigene Werkstattstruktur hat, sollte zumindest einmal seriös durchrechnen, ob ein Paket mit Wartung inklusive nicht günstiger ist als der auf dem Papier günstigere Einzelvertrag. Ich wünschte, mir hätte das jemand früher so klar gesagt.

Wie handhabt ihr das bei euch? Habt ihr die Versicherungskosten schon mal wirklich in den Vergleich einbezogen? Oder kam das als Überraschung?