Ich weiß nicht, ob Ihr das Thema hier schon mal hattet (ich gucke nämlich ungefähr 1x im Jahr ins Brett), aber mir ist das grad mal so eingefallen und deshalb muss ich das auch sofort loswerden:
Wieso trägt man während der Trauerzeit schwarz?
Ich kann auch in weiß, blau, grau, rosa, grün oder sonsteiner Farbe trauern… Ist meine Trauer in schwarzer Kleidung anders?
Steht in der Bibel, dass man während der Trauerzeit schwarz tragen muss?
Warum laufen auf Friedhöfen die Leute meist in schwarzer Kleidung rum? Und steht es in der Bibel irgendwo geschrieben, dass man bei einer Beerdigung in schwarz erscheinen muss?
Oder hat das alles gar nichts mit der Bibel zu tun?
Hintergrund zu den Fragen:
Bei der Beerdigung meiner Mutter vor 13 Jahren habe ich es kathegorisch abgelehnt schwarz zu tragen. Ich bin in einer alten, tausendmal geflicken, ausgewaschenen Jeans und im Lieblings-Oberhemd meiner Mutter (weiß mit feinen roten, blauen, grünen und gelben Streifen - sehr hell alles) gegangen und die alten Damen und Herren in der Kapelle haben mich ziemlich schockiert angeguckt. Ich konnte förmlich die Sprechblasen über ihren Köpfen sehen…
Ich vermute, dass es daran liegt, weil die schwarze Farbe in unserem Kulturkreis die Farbe der Trauer und niedergedrückte Gefühle ist. Also einfach eine gewachsene Tradition.
Steht in der Bibel, dass man während der Trauerzeit schwarz
tragen muss?
Wenn die Menschen in der Bibel ihre Trauer ausdrückern wollten, zerrissen sie ihre Gewänder und bewarfen sich mit Asche.
Aber es gab kein Gebot dies zu tun.
zu den rituellen Farben rot, schwarz und weiß im Zusammenhang mit fast allen Ritualformen (nicht nur beim Totenkult) steht in den threads untendrunter etwas. Diese drei Farben, die die drei Phasen des Rituals [1. Einstieg (in die mythische Urwelt), rot ist Farbe des Blutes und des (reinigenden) Feuers 2. Aufenthalt ebendort, schwarz ist Farbe der Nacht und der Asche 3. Wiedereinstieg in die reale soziale Welt, mit weiss als Farbe des Lichtes und des Lebens] kennzeichnen, sind in allen alten Kulturen, von denen wir Kenntnis haben, in Gebrauch gewesen.
Die Farben zum Totenkult selbst können schwarz oder auch weiß sein. In allen Mittelmeerkulturen war die kultische Todesfarbe schwarz (bzw. Asche) - der von Carlos erwähnte jüdisch-israelitische Kult ist nur einer davon.
zur Farbsymbolik hat ja Metapher schon geschrieben; ich möchte noch was zum Rest sagen: das Lieblingshemd Deiner Mutter zu tragen (und Dich auf diese Weise mit ihr zu identifizieren) ist m.E. sehr viel mehr wert als irgendeiner Farbkonvention zu genügen.
ich stimme meiner Vorrednerin zu, jeder sollte doch trauern dürfen, wie er möchte.
Dazu noch folgendes: Meine Großmutter hat noch in einem schwarzen Brautkleid geheiratet; das war damals so üblich, wenn die Braut schon etwas (für damalige Verhältnisse!) „älter“ war. Keineswegs war sie geknickt über den Eintritt in die Ehe *grins*, im Gegenteil, sie hing sehr an meinem Großvater.
Die Bedeutung von Farben ist also gar nicht so festgelegt.
In asiatischen Ländern ist übrigens oft Weiß die Farbe der Trauer.
Farbige Grüße, Allie.
Ich kann Dir und alle anderen nur raten, so zu trauern, wie man trauern möchte. Man sollte nicht versuchen, andere Leute in seinem Bild des Trauerns hineinzudrängen, in dem man z.B. alle Leute nur in schwarz sehen möchte.
Jeder sollte den Verlust eines Menschen so verarbeiten, wie er es für richtig hält und wie ihm es am besten hilft. Jeder geht damit anders um und es sollte respektiert werden.
Es gibt Gemeinschaften, die sogar richtig feiern, wenn jemand stirbt. Sie zollen so dem Leben Respekt. Niemand sollte darüber urteilen.
auch ich möchte mich dazu noch äussern. Sicher ist aus der Tradition die Farbe schwarz an Trauernden entstanden. In einigen Fällen war auch mir sehr danach. Bis ich feststellte, dass das Tragen von schwarzer Trauerkleidung dazu führte, dass alle möglichen Leute meinten, mich ansprechen zu müssen.Bei uns auf dem Dorf „musste“ man dann ordentlich heulen ,weil es ja sonst keine richtige Trauer war.
Im Laufe der Jahre habe ich meine Einstellung wandeln sehen, denn die Trauer trage ich im Herzen - und nicht um anderen zu gefallen.
Ganz bewusst wurde dies, als vor knapp einem Jahr die Verlobte meines Sohnes verstarb. Sie war schwer krank und wartete auf eine neue Lunge - seit 4 Jahren ging es auf und ab. Die junge Frau hatte mit 20 die grosse Hoffnung - , sie war schon auf dem OP-Tisch, alles war für die Transplantation einer Lunge bereit - aber die Eltern eines Motorradfahrers sagten nein.
Nun wurde sie nr 22. Die letzten Lebenswochen wurde die Kraft immer geringer, sie war müde. Und dann starb sie. Wir waren alle verzweifelt, empört, wütend und unendlich traurig. Dann kam die Trauerfeier - sie hatte alles verfügt. Die Kirche war dekoriert mit Bildern aus ihrer Kindheit, aus gesunden Tagen. Es tat unendlich weh. Dann hatte sie angeordnet, dass keiner in Schwarz komme sondern in ihren Lebensfarben Blau wie der Himmel, Gelb wie die Sonne, Grün wie die Natur. Nur ein paar Begründungen. Als Musik hat sie Musik aus Filmen gewünscht, die sie gerne gesehen hat mit ihren Freunden. Wir waren - und es war eine grosse Gemeinde - alle so traurig und so froh ob der Stärke, die sie bewiesen hatte.
Seit dieser Zeit habe ich mich ganz eindeutig dazu durchgerungen, nicht nach aussen zu trauern, sondern tief im HERZEN - und das ist unabhängig von der Farbe.