Trauer Haustier

Hallo,

wenn die Trauer um den Verlust eines Haustieres, daß einen 16 Jahre lang und über die Hälfte seines eigenen Lebens begleitet hat sehr, sehr viel größer ist, als die Trauer um den Verlust eines nahen Angehörigen z.B. Opa, der einem auch sehr nahe stand, ist das noch normal?

Oder ist dann irgendwas unnormal?
Lebt man dann in einer anderen Welt? Wie heißt das nochmal, Autismus oder sowas?
Oder hat das damit nichts zu tun?

Vielen Dank

Hallo Nathalie,

hat der/die Trauernde mit dem nahen Angehörigen 16 Jahre lang fast jeden Tag geschmust? Wurde der Angehörige behuddelt und betuddelt und gefüttert? Hat der Angehörige den Trauernden jeden Tag begleitet und ihn aufgemuntert?

Es ist meiner Ansicht nach völlig normal das man einem Familienmitglied, auch wenn es für Fremde „NUR ein Tier“ ist, mehr nachtrauert als einem Verwandten, wenn man mit dem Tier eine engere Verbindung hat.

wenn die Trauer um den Verlust eines Haustieres, daß einen 16
Jahre lang und über die Hälfte seines eigenen Lebens begleitet
hat sehr, sehr viel größer ist, als die Trauer um den Verlust
eines nahen Angehörigen z.B. Opa, der einem auch sehr nahe
stand, ist das noch normal?

Oder ist dann irgendwas unnormal?

Trauern ist nicht unnormal. Der Verlust und das menschliche Unvermögen den Tod zu Begreifen machen Trauern notwendig. Deswegen basteln sich die Menschen seit Urzeiten Modelle (Religionen*) um die Angst und das Unverständnis zu überwinden. Die Trauer zu leugnen wäre unnormal. Ich habe erst gestern meine, im letzten Jahr, verstorbenen Tiere auf dem Tierfriedhof besucht und Kerzen aufgestellt.

Lebt man dann in einer anderen Welt? Wie heißt das noch mal,
Autismus oder so was?
Oder hat das damit nichts zu tun?

Wir alle leben in unserer eigenen emotionalen und gedanklichen Welt. Und obwohl schon so mancher in Trauer um einen verstorbenen Freund oder Verwandten war, kann niemand nachvollziehen was der Trauernde in Deinem Beispiel gerade durchmacht. Denn wer hatte schon diese Bindung zu dem Haustier wenn nicht der Trauernde? Der Trauernde sollte sich nicht auch noch mit einem schlechten Gewissen belasten, wenn die Bindung zu dem Haustier enger war als zu dem Verwandten. Die Wertschätzung wird nicht vermindert, sondern es spiegelt sich nur das emotionale Miteinander wider, das zu Lebzeiten herrschte. Deswegen sollte der Trauernde jedem soviel Trauer geben wie es ihm möglich ist. Das sich der Trauernde für eine gewisse Zeit von der Umwelt abkapselt ist verständlich, man braucht Zeit um die nun getrennte Verbindung zu dem Verstorbenen zu verarbeiten. Nach und nach nimmt man dann wieder am Leben um sich herum teil.

Alles Gute
Oliver

* Bitte keine religiöse Debatte an dieser Stelle, Danke schön.

Oder ist dann irgendwas unnormal?

total normal!!! und wichtig für den menschen ausserdem

Lebt man dann in einer anderen Welt? Wie heißt das nochmal,
Autismus oder sowas?

hä??? was hat das eine mit dem anderen zu tun?

Oder hat das damit nichts zu tun?

in keinster weise.
trauer ist ausserdem keine erkrankung, kein schaden, nichts unmenschliches sondern in höchstem maße das gegenteil.
während ich es eher für mehr als befremdlich halte, wenn jemand daran
anstoss nimmt und auf die idee kommt, hier läge etwas unnormales
vor, gar eine erkrankung, nur weil jemand stark trauert.

puh…was für ein morgen.

beste grüsse
nina

Hallo Olli,

besser hätte man es nicht ausdrücken können.
Danke dir und ein Sternchen !

Gruß Carolin

Hi!

wenn die Trauer um den Verlust eines Haustieres, daß einen 16
Jahre lang und über die Hälfte seines eigenen Lebens begleitet
hat sehr, sehr viel größer ist, als die Trauer um den Verlust
eines nahen Angehörigen z.B. Opa, der einem auch sehr nahe
stand, ist das noch normal?

Ich denke es ist schon normal. Ein Haustier hat man den ganzen Tag 24 Stunde um sich. Den Opa nicht. Vielleicht war er krank und es war für ihn eigentlich „besser“ tot zu sein. Meinen einen Opa kannte ich so gut wie gar nicht. Als er starb hat es mich nicht berührt. Als unser Hund eingeschläfert wurde, habe ich geheult ohne Ende. Wenn mein anderer Opa sterben würde ( hatte drei Schlaganfälle und ist nicht mehr so ganz auf der Höhe, terrorisiert meine Oma, die ihn pflegt. drohte sogar sie zu erschießen ), dann würde ich nicht so traurig sein, als wenn jetzt meine Katze sterben würde. Klingt hart, ist aber so. Mein Opa ist krank. Meine Katze nicht. Mein Opa ist alt. Meine Katze nicht. Meine Katze ist jeden TAg bei mir. Mein Opa nicht. Meine Katze ist immer lieb. Mein Opa nicht…

Tara

Hi Nathalie,

Autismus ist eine tiefgreifende Entwicklungsstörung. Mit der Trauer um wen oder was auch immer hat er nichts, aber auch gar nichts zu tun. Trauer kann, wenn überhaupt in eine Depression ausarten.

http://de.wikipedia.org/wiki/Autismus

vs.

http://de.wikipedia.org/wiki/Depression

Davon abgesehen ist Trauer beim Verlust eines geliebten Wesens wichtig für einen Menschen. Daß das ein Haustier ebenso sein kann wie ein naher Verwandter oder Freund, das haben meine Vorredner ja schon hervorragend beschrieben, besser könnte ich’s auch nicht.

Als ich 14 war, starb meine Katze, die mich 10 Jahre lang begleitet hatte. Ich habe damals über ein halbes Jahr lang getrauert. Ja, wenn die Bindung zum Haustier sehr eng war, dann ist das normal.

Liebe Grüße,
Nike

Hallo Nathalie,

mit Autismus hat das gar nichts zu tun.

Haben diese Antworten hier:
http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarchiv…

Dich noch nicht davon überzeugt, dass Trauer um ein Tier ganz normal ist ?

Gruß, Inselchen

Hallo Nathalie,

in was für einer Welt leben wir eigentlich in der jemand, der Gefühle hat und auch noch „die Unverschämtheit besitzt“, diese auch zu zeigen, gleich als unnormal, krank oder gar als Autist hingestellt wird???

Insofern muss ich dir sogar recht geben, dass Trauer „nur für ein Tier“ in der Tat unnormal ist, denn laut Lexikon heißt „normal“ nicht mehr als „allgemein üblich“. Und in dieser Welt zählt anscheinend nur noch Kommerz, Geld, Macht und Leistung - immer schneller, immer weiter, immer höher, immer reicher. Für Gefühle ist da kein Platz mehr, schon gar, wenn es um so etwas „Minderwertiges“ geht wie den „Sachgegenstand“ Tier :frowning:((((((.

Aber sag mal, wieviel Menschen kennst du eigentlich,

  • die dich genau so annehmen und lieben wie du bist
  • egal ob du dünn bist oder dick
  • egal ob du alt bist oder jung
  • egal ob du Designerroben trägst oder Flohmarktklamotten
  • egal ob ein Mercedes vor der Tür steht oder ein alter Drahtesel
  • die immer für dich da sind, zu jeder Tages- und Nachtzeit
  • auch wenn du Verabredungen nicht einhältst und Stunden später kommst als geplant
  • und auch wenn du zerknautscht bist von einer schlechten Nacht
  • oder miesepetrig, weil dein Tag schlecht gelaufen ist
  • die dir BEDINGUNGSLOS treu sind
  • und niemals hinter deinem Rücken schlecht über dich reden
  • und nie aufrechnen, ob sie auch genug wieder bekommen für das was sie dir an Zeit und Liebe geben

Die Liste ließe sich bestimmt noch lange fortsetzen. Aber schon jetzt wird eines ziemlich klar: es gibt verdammt wenig Menschen, auf die all das zutrifft!!! Und jetzt schau dir noch mal das Tier an, um das nicht getrauert werden darf, weil man sonst nicht mehr für voll genommen wird!?!

Ich weiß nicht, ob es bei der Tiertrauer um dich selbst geht, und du nur selbst Angst hast, dich als „Trauernde nur um ein Tier“ zu outen - oder ob es um einen Menschen in deinem Umfeld geht, dessen Gefühle DU nicht akzeptieren kannst oder willst. Aber in beiden Fällen schau dich doch mal dort um: http://www.regenbogenreich.de/nureintier.shtml und http://www.regenbogenreich.de/trauerprozess.shtml
Der zweite Text ist in Zusammenarbeit mit einem klinischen Psychologen geschrieben, also vielleicht für dich eine maßgeblichere Meinung, als nur Laiengeschreibsel…

Gruß
Nena

Hallo,

Schade das nicht jeder so viel Verständnis für die Trauer um ein Tier hat wie ihr hier.

Ich ich finde es immer sooooooooooo peinlich, wenn ich vor Leuten heulen muß, von denen ich genau weiß, daß sie es nicht verstehen.

NAja, vielen Dank für eure lieben Antworten.

Viele Grüße

Tschüüüß