Hallo allerseits,
eine kurze Geschichte zur meiner Person… ich bitte Euch nicht mit dem Auge des Mitleids auf diese Geschichte zu schauen, sondern würde es mir sehr helfen konstruktive Vorschläge und Kritik zu bekommen.
Mein Alter 45 Jahre
Im Alter von 10 Jahren verstarb mein Vater nach einem Langjährigem Krebsleiden, Gehirntumor. Meine Mutter, meine Schwester und ich , haben ihn so gut wir konnten gepflegt. Der Tod kam nicht plötzlich aber dennoch war das für mich ein Schlag genau in die Herzgegend, ich weinte viel, meine Mutter konnte mir nicht allzu gut helfen aber ich hatte ja meine ältere Schwester die doch ab und zu mich getröstet hat. Wie das Schicksal nun mal so spielt, verstarb meine Schwester im Alter von 15 Jahren, ich war knapp 13, nun habe ich in meinem Kopf nach Schuldigen gesucht und die einzige verantwortliche „Person“ war für mich Gott. Ich brach alles ab was mit Kirche und Glaube zu tun hatte. Es war nicht einfach da ich aus einem sehr katholischem Land komme.
Nun es vergingen wieder ca zwei Jahre und meine Mutter entschloss sich aus MEINER Heimat auszuwandern, damals war das für mich, verlassen von allen Dingen die ich liebte, Freunde die Gräber meiner Nächsten. Irgendwie habe ich mich immer wieder aufrappeln können, habe in Deutschland meine Ausbildung genossen, nach der ich Handwerklich tätig war. Es schien mir nicht genug und außer dem hatte ich so paar zwischenmenschliche Probleme mit Kollegen und Vorgesetzten. Meine Antwort darauf war ich bin nicht zufrieden mit der beruflichen Situation.
Also habe ich nebenberuflich Weiterbildungsmaßnahmen ergriffen und durchgezogen.
Tja aber die Probleme blieben. In jeder Arbeitsstelle ob ich direkt unter dem Chef arbeite oder im Team gibt es Probleme, Die Leute mögen mich nicht bis hin zum Hass, was ich gar nicht nachvollziehen kann. ( Ich halte mich in meinen Gedanken für den kleinen unschuldigen Jungen)
Im privaten Bereich gibt es meine Frau, meinen Sohn und ganz, ganz wenige Freunde.
Ich halte mich für intelligent und selbst reflektiv genug um an mir zu arbeiten und mich zu ändern.
In dem Zusammenleben mit anderen würde ich am liebsten jedem meine Geschichte erzählen um Verständnis zu erhalten für meine schlechte Laune, für meine Unsicherheit, für meine Trauer oder einfach dass die Mitmenschen mich nicht angreifen und nur nett zu mir sind. Natürlich überspiele ich sehr viele Dinge, ich verstecke es durch Härte aber es gelingt mir nicht immer.
Jetzt meine Frage welche Möglichkeiten seht Ihr um erfolgreich, auf Dauer Friede und Glück zu finden. Die schrecklichen Ereignisse sind doch schon sooo lange her.
Schönen Dank dass Du dir das durchgelesen hast.
Der große, kleine Junge
Hallo Peter
Ich kann deine Trauer verstehen, die Schicksaalsschläge waren hart.
Anscheinend hast du deine Trauer über all das nie richtig überwunden.
Es ist sicherlich ein Fehler einen Schuldigen für das alles zu suchen, denn den gibt es nicht.
Über die ganzen Jahre hast du dir anscheinend deshalb einen harten Kern zugelegt, eine gefühlsmässige Schutzmauer errichtet.
Die einfachste Lösung um herauszufinden warum andere Menschen ein Problem mit dir haben ist, rede mit ihnen darüber, frag sie was es ist, was an dir diese Abneigung bei ihnen auslöst und überlege dann, ob sie recht haben könnten. Denn,
Du kannst nicht immer flüchten wenn es zwischenmenschliche Probleme gibt.
Gruss
pue
Hallo Peter,
natürlich ist meine Antwort „ins Blaue hinein“, aber ich schreibe dir mal meine Gedanken, wie sie mir beim Lesen deines postings gekommen sind.
Du wunderst dich, dass du auf jeder Arbeitsstelle zwischenmenschliche Probleme bekommst, ich mich nicht, wenn ich folgendes lese:
Ich halte mich selbst für den kleinen unschuldigen Jungen
Ich würde am liebsten jedem
meine Geschichte erzählen um Verständnis zu erhalten für meine
schlechte Laune, für meine Unsicherheit, für meine Trauer oder
einfach dass die Mitmenschen mich nicht angreifen und nur nett
zu mir sind. Natürlich überspiele ich sehr viele Dinge, ich
verstecke es durch Härte aber es gelingt mir nicht immer.
Ich interpretiere, du bist nicht greifbar, nicht spürbar, nicht einzuordnen, nicht klar, nicht erwachsen, nicht in dir ruhend (= mit dir im Einklang), nicht kongruent, nicht selbstverantwortlich…?!?
All dies erwartet man allerdings i.d.R. von einem Mann mit Mitte 40.
Bei allem Mitgefühl für dein Leid, das du in deiner Vergangenheit erlebt hast, aber du kannst m.E. mit 45 kein Verständnis mehr erwarten, auch nicht wenn du es aussprechen würdest. (Zumindest meines hättest du nicht.)
Suche dir einen Therapeuten mit Schwerpunkt Trauerbewältigung und versuche, dich von der Vergangenheit zu lösen. Wenn du dies wirklich willst, wirst du es schaffen! Toitoitoi! 
Liebe Grüße,
jeanne
Hallo Peter,
Mein Alter 45 Jahre
Zumindest biologisch.
Ich halte mich in meinen Gedanken für den kleinen unschuldigen Jungen
Und an diesem Punkt der Selbstwahrnehmeung bist du offenbar hängen geblieben. Emotional bist du nach wie vor das kleine Kind, das Eltern und Schwester verloren und damit nicht die nötige Nestwärme bekommen hat.
Und aus diesem bislang offenbar unbewältigten Gefühl des Verloren- und Verletztseins entsteht möglicherweise die (unbewusste) Erwartungshaltung, dass alle Menschen sich deines Leids erbarmen und dich im übertragenen Sinn auf den Schoß nehmen müssten.
In dem Zusammenleben mit anderen würde ich am liebsten jedem meine Geschichte erzählen um Verständnis zu erhalten
Das zeigt, wie hoch deine Anspruchshaltung ist: Anstatt dich sozial adäquat zu verhalten, möchtest du deinen Verlust wie ein Schutzschild vor dir hertragen, um andere dazu zu bringen, dem kleinen Jungen, der du emotional noch immer bist, freundlich und liebevoll gegenüber zu treten.
Das Problem dabei ist, dass das nicht funktioniert. Du bist kein kleiner Junge mehr und alle Schonfristen sind längst abgelaufen. Deine Umgebung erwartet von dir, dass du ihr das selbe an Rücksicht, Respekt und Toleranz entgegenbringst, wie du deinerseits einforderst.
Das kleine Kind in dir ist dazu aber nicht in der Lage. Es schreit nach wie vor nach Mamas Schoß und Papas starken Armen und reagiert enttäuscht und verletzt, wenn die anderen scheinbar nicht begreifen wollen, dass du ein Recht hast, dich so zu verhalten, wie du es tust. Dabei übersiehst du, dass die Zeit, in der Kinder um ihrer selbst willen geliebt werden - egal, wie sie sich verhalten - für dich längst vorbei ist.
Du müsstest geben, um zu bekommen. Und das heißt, dass du dir den Respekt und die Zuneigung anderer Menschen selbst erarbeiten musst. Es reicht längst nicht mehr, sich hinzustellen und zu sagen „Ich bin doch noch so klein“ - auch wenn deine Seele sich noch immer so fühlen mag. Für deine Umwelt ist dieses Verhalten nichts anderes, als ein müder Versuch, deine Unzulänglichkeiten entschuldigen zu wollen. Man erwartet aber - zu Recht - von dir, stattdessen dein Verhalten zu ändern. Alles andere erscheint bestenfalls als Ausrede.
Der Weg in eine Veränderung muss darüber führen, dass du aufhörst, ein verletztes Kind zu sein. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird dir das nur über eine Therapie gelingen, denn das, was du empfindest, hat sich schon lange verfestigt. Das ist nicht mehr einfach loszulassen, zumal du damit sämtliche Rechtfertigungen dir selbst gegenüber verlieren wirst.
Der Lohn für die Mühe, die das bedeuten wird, wird aber sein, dass du aufhören kannst zu trauern und zu leiden und - wenn auch mit ein wenig Verspätung - in einem selbstbestimmten Leben als erwachsener Mann ankommen kannst.
Schöne Grüße,
Jule
Hallo Peter,
vorab, ich bin keine Psychologin, ich schreibe Dir lediglich meine Meinung und meine Gedanken.
eine kurze Geschichte zur meiner Person… ich bitte Euch
nicht mit dem Auge des Mitleids auf diese Geschichte zu
schauen, sondern würde es mir sehr helfen konstruktive
Vorschläge und Kritik zu bekommen.
Du siehst, dass etwas nicht rund läuft in Deinem Leben, Du nicht mehr klar kommst wie es läuft, diese Erkenntnis ist doch schon mal ein sehr wichtiger Schritt!
Also habe ich nebenberuflich Weiterbildungsmaßnahmen
ergriffen und durchgezogen.
Damit zeigst Du doch, dass Du ein Mensch bist, der es anpackt, der etwas tut, wenn er merkt, dass er in die Sackgasse gerät.
Tja aber die Probleme blieben. In jeder Arbeitsstelle ob ich
direkt unter dem Chef arbeite oder im Team gibt es Probleme,
Die Leute mögen mich nicht bis hin zum Hass, was ich gar nicht
nachvollziehen kann. ( Ich halte mich in meinen Gedanken für
den kleinen unschuldigen Jungen)
Das lässt sich aus der Ferne nicht beurteilen, vielleicht bist Du wirklich der nette Junge, vielleicht siehst aber auch nur Du Dich als solcher. Wie wäre der Ansatz, dass Du Dich abweisend verhältst, vielleicht aufgrund der gemachten Erfahrungen, aus Angst wieder verlassen zu werden, wenn Du jemanden lieb gewinnst?!
Im privaten Bereich gibt es meine Frau, meinen Sohn und ganz,
ganz wenige Freunde.
Die wenigen Freunde würden zu meiner o.g. Vermutung passen. Bleibt die Frage wie Deine Ehe läuft, ob Du extrem klammerst oder unnahbar bist etc.
Ich halte mich für intelligent und selbst reflektiv genug um
an mir zu arbeiten und mich zu ändern.
Das glaube ich auch, denn das hast Du durch die nebenberufliche Weiterbildung gezeigt und auch dadurch, dass Du hier nach Hilfe fragst.
In dem Zusammenleben mit anderen würde ich am liebsten jedem
meine Geschichte erzählen um Verständnis zu erhalten für meine
schlechte Laune, für meine Unsicherheit, für meine Trauer oder
einfach dass die Mitmenschen mich nicht angreifen und nur nett
zu mir sind. Natürlich überspiele ich sehr viele Dinge, ich
verstecke es durch Härte aber es gelingt mir nicht immer.
Jetzt kommen wir der Sache doch näher warum Dein Umfeld Dich ablehnt, ich denke man spürt, dass Du nicht „echt“ bist, dass Dein Verhalten und Deine Persönlichkeit nicht zusammen passen und lehnt Dich deshalb ab. Vielleicht bist Du nach außen auch zu hart, einfach nicht liebenswert? Zeigst Dich kalt, hart, emotionslos wer mag solche Menschen schon?
Du hast die Ereignisse in Deinem Leben nicht verarbeitet, willst nicht erwachsen sein, suchst nach Wärme und Schutz, wärst so gern noch mal der kleine Junge, das funktioniert aber nicht und das weißt Du selbst.
Ich denke nicht, dass Du mit diesen Problemen allein klarkommen kannst, auch nicht mit noch so viel Rat aus dem Forum. Ich rate Dir einen Psychotherapeuten aufzusuchen, er kann ganz anders auf Dich eingehen als es hier jemand könnte und er wird Dir helfen und zur Seite stehen Deinen Frieden zu finden!
Alles Gute wünscht Dir
Cha’kwaina