Trauerbewältigung für ein 4 jähriges kind

Hallo.

Letztes Jahr ist meine Oma am 4. Februar gestorben. Ganz plötzlich… Meine Oma war für mein Patenkind eine sehr wichtige Bezugsperson und Uroma. Mein Patenkind war zu dem Zeitpunkt drei Jahre. Sie hat nicht verstanden wieso ihre uroma plötzlich gegangen ist. Wir haben ihr gesagt, dass sie jetzt im Himmel ist und sie es dort gut hat. Kaum hat die Kleine angefangen, etwas über den Tod hinweg zu kommen, ist am 04. Juni mein Vater, also ihr Opa urplötzlich verstorben. Mein Vater war für mein Patenkind eine noch sehr wichtigere Bezugsperson, ein Vaterersatz könnte man sagen. Meine Schwester zieht die Kleine allein groß, von anfang an. Der leibliche Vater hat an meinen Patenkind noch nie interesse gezeigt. Mein Patenkind redet noch immer jeden Tag von ihrem geliebten Opa und was sie alles mit ihm gemacht hat und dass er doch vom himmel wieder runter kommen soll. Sie weint sehr oft, wenn z.B. ich zu Besuch bin und fahre oder ihre Mama arbeiten geht oder sie in den Kindergarten geht. sie hat mir im vertrauen letzte woche gesagt, dass sie angst hat, dass ihre Mama, ihre Oma und ich auch in den Himmel gehen, weil dann hat sie ja niemanden mehr und ist ganz allein. Dann hat sie herzzerreißend geweint und ich wusste nicht mehr was ich sagen soll. Der Hausarzt von der Kleinen meint, sie braucht noch keinen Psychologen. Was meint ihr? Soll man mit ihr zum Psychologen oder noch etwas zeit vergehen lassen? Mach mir einfach nur wahnsinnige sorgen um mein patenkind…

Hallo,

das Mädchen zeigt, so wie es scheint, ein ganz normales Trauerverhalten. Sie kann weinen und darüber sprechen - und beides ist ebenso wichtig wie heilsam im Umgang mit den erlittenen Verlusten.

Auch die Angst, noch weitere liebe Menschen zu verlieren und allein zurückzubleiben ist normal und verständlich. Solche Ängste werden sogar von Kindern erlebt, die noch keine direkte Begegnung mit dem Tod hatten.

Wichtig ist, immer zuzuhören und niemals einer Frage ausweichen oder zu versuchen, dem Gespräch eine andere Richtung zu geben. Je öfter das Mädchen über ihren Schmerz und ihre Angst sprechen darf, umso eher wird die Last leichter werden.

Man könnte anbieten, zusammen ein Fotoalbum von Bildern von Uroma und Opa zu basteln - und wenn ihr beide dabei ein bisschen gemeinsam weinen müsst, ist das völlig in Ordnung. Solange sie nicht von deinem eigenen Schmerz überrollt wird, darf und soll deine Nichte ruhig wissen, dass auch du traurig über den Verlust bist.

Entscheidend sollte aber immer bleiben, was das Kind möchte. Wenn es Vorschläge ablehnt, solltet ihr es auch dabei belassen.

Unterstützend kann ich das Bilderbuch „Leb wohl, lieber Dachs“ empfehlen.
http://www.amazon.de/wohl-lieber-Dachs-Susan-Varley/…
Es zeigt sehr schön, wie es ist, wenn jemand stirbt, ohne sich von seinen Freunden zu verabschieden und ermutigt dazu, die schönen Erinnerungen an die verstorbene Person zu pflegen.

Schöne Grüße,
Jule

Hallo Claudia,

vielleicht könnte es Deinem Patenkind helfen, mit anderen Kindern zusammenzukommen, die ähnliche Erfahrungen/Verluste erleiden mussten?
Dieses Konzept verfolgt zumindest der Verein Lacrima (in München) http://www.lacrima-muenchen.de/home.html
Falls Ihr in einer anderen Stadt wohnt, kann man Euch sicherlich dort auch entsprechende Adressen geben.
Übrigens gibt es bei Lacrima auch ein eigenes Forum und entsprechende Spezialisten, die sicher ebenfalls gute Tipps haben.

A pro pos „Tipps“: Hier gibt es auch noch ein paar Infos
http://www.familienhandbuch.de/cmain/f_Aktuelles/a_H…
http://www.br-online.de/ID1297953913270.xml

Liebe Grüße
Stefanie

. . . ersten Kontakt.

E-Mail: [email protected]

Ich habe dort vor etlichen Jahren viel Hilfe und Unterstützung erfahren. Die Organisation wurde zwar mal als Selbsthilfegruppe für trauernde Eltern / Geschwister gegründet, doch kannst du dich auch dort hinwenden um zu erfahren, was es wo für Unterstützungsangebote gibt. Beim Googlen mit der Eingabe „trauernde Kinder“ habe ich von einem „Zentrum für trauernde Kinder“ gelesen. Was mir ganz besonders gefällt, ist die grundsätzliche Einstellung / Herangehensweise. „Es wird keine Therpie angeboten, sondern Begleitung und Unterstützung des trauerden Kindes“ Ich finde diese Unterscheidung wichtig. Nicht weil ich Berührungsängste mit therapeutischen Hilfen hätte, sondern weil es einfach stimmt, dass Trauer kein pathologischer Zustand ist, der behandelt werden muss. Es ist vielmehr ein ganz normaler, notwendiger und gesunder Zustand, der gelebt, mit dem sorgsam umgegangen werden muss. Und der Unterstützung finden kann.

Die wichtigste Unterstützung gebt ihr deinem Patenkind schon. Trost, Zuwendung, Verständnis und Trost. Deine Nichte darf traurig sein, sich dabei auf vielfältige Weise ausdrücken, ja sie darf sogar „böse auf Opa“ seien, weil der sie verlassen hat.

Meine Vorposterinnen haben schon viel Hilfreiches geschrieben. Besonders das von Jule möchte ich unterstützen

Solange sie nicht von deinem eigenen Schmerz überrollt wird , darf und soll deine Nichte ruhig wissen, dass auch du traurig über den Verlust bist.

Das halte ich für ganz wesentlich. Vermittelt dem Mädchen, dass sie immer zu euch kommen kann, und immer das seien darf was sie gerade jeweils ist. Dass ihr (auch wenn bei euch mal Tränen fließen) ihren Schmerz und ihre Ängste aushalten könnt.

Alles Gute für dich, dein Patenkind und überhaupt für euch alle.

Albgrüße
Renate

Liebe Jule,

ich finde Deine Beitrag treffend und hilfreich - ich meine gehört zu haben, dass Trauer bis zu 3 Jahre dauern kann.

Neben dem von Dir empfohlenen Buch möchte ich auf „Haus im Himmel“ (google) hinweisen.