Trauerhilfe

Guten Tag,mein Vater ist im Mai gestorben und es war der erste Mensch, den ich habe sterben sehen.Er war sehr krank, aber er hätte so gerne noch gelebt.
Mein Kopf sagt mir ja auch, das es für ihn besser ist und das er erlöst ist, aber mein Herz weint. Ich war ein absolutes „Papakind“ und er fehlt mir so entsetzlich. Ich bekomme die letzten Momente nicht aus dem Kopf. Ich versuche dann immer an früher zu denken und was wir für eine schöne Zeit hatten, aber diese Bilder schieben sich immer wieder davor.

Guten Abend, Thaline,

Traurigkeit erfüllt mich ob Deines Schmerzes. Wenn ein Mensch geht, so gibt es immer zwei Seiten: Er muss den Schritt tun und zwar allein; andere bleiben zurück. Ich vermag nicht zu sagen, wer schlimmer dran ist. Der Mensch, der geht, muss loslassen und die, die bleiben, müssen es auch tun.

Die Erinnerung an vergangene guten (und auch schlechte) Zeiten scheint mir der erste Weg. Sag, wäre es Dir möglich, Deinem Vater zu danken für all das, was er Dir gegeben hat? Und wäre es Dir dann möglich, ihm zu sagen, dass Du ihn loslässt? Nicht um ihn zu vergessen sondern ihm die Gewissheit zu geben, dass sein Weg nicht umsonst war, dass er auch weiterhin von Dir geliebt wird.

Mir fehlen irgendwie die Worte. Ich kenne Dich nicht, daher ist es nicht einfach, einen Rat zu geben. Danke Deinem Vater für Dein Leben. Sag ihm am Grab (in Gedanken), dass Du ihn nicht vergessen wirst, ihn aber seinen nun neuen Weg gehen lässt. So kann er immer bei Dir sein, ist aber nicht gefesselt an eine ewig währende Traurigkeit.

Es tut mir leid, Thaline, ich kriege es nicht besser rüber, denn ich weiß, wie schwer es ist, hab schon Einige(s) loslassen müssen …

Hallo Thaline,

lass´ mich vorab klarstellen, dass ich Trauer nicht für eine Krankheit, sondern ganz im Gegenteil, sogar im weiteren Sinn für einen Heilungsprozess halte.

Durch das Leiden und Sterben Deines Vaters hast Du tatsächlich einen Verlust erlitten und es scheint völlig normal, dass Dich das beschäftigt, zumal Dein Verhältnis zum Vater intensiv war.

Ich will gar nicht die Floskel bemühen, dass die Zeit alle Wunden heilt, sondern Dir Mut machen, weil Trauer ihre Zeit braucht. Zeit den Verlust auf Deine ganz eigene Weise zu verarbeiten (nicht zu verdrängen oder zu überspielen). Ich meine mich erinnern zu können, dass Fachleute eine Trauerzeit von bis zu 3 Jahren für „normal“ halten. Wenn Du allerdings Hilfe dabei brauchst, gibt es inzwischen einige Möglichkeiten von Trauerchat bis Therapie.