heut früh war´s soweit… hätte nicht gedacht, dass mir sowas passiert!
am 30.06. hatte ich auf der a8 einen recht krassen autounfall, der in einem totalschaden endete, bei dem ich mir aber glücklicherweise nur verhältnismäßig leichte verletzungen zuzog. eigentlich hätte ich bei diesem unfall tod sein müssen - da muss was ganz gewaltiges die hand über mich gehalten haben!
jedenfalls dachte ich, hätte ich das ganz gut weggesteckt. die strecke musste ich eigentlich nimmer fahren, da ich während meines umzuges den unfall hatte und nun eine andere strecke nutzen KANN, die zwar kilometermäßig ein bisschen kürzer ist, aber zeitlich aufgrund des verkehrsaufkommens etwa 30 min. mehr ausmacht.
meine unfallstrecke bin ich seit dem crash nur wenige male gefahren.
bei den letzten paar malen bemerkte ich, dass ich an der unfallstelle etwas… unruhig wurde.
heute war´s soweit, ich kann es kaum beschreiben.
mir blieb kurz vor der stelle fast die luft weg, ich bekam schweißausbrüche, herzrasen, mir wurde speiübel, urplötzlich musste ich weinen. da der unfall kurz vor einer raststätte passiert ist, bin ich da dann rausgefahren um mich zu beruhigen. den halben morgen war ich unbrauchbar und mein chef sprach mich drauf an, ich brach wieder in tränen aus (zum glück ist dieser chef super einfühlsam und weiß ja von meinem unfall).
ich kenne mich so nicht! der unfall liegt nun über 3 monate zurück! ich schlafe tief und fest, träume nicht davon… fahre auch sonst problemlos auf der autobahn und hab auch keine angst vor LKWs, aber sobald ich in die nähe dieses streckenabschnittes komme, ist bei mir die panik da.
was kann ich tun??? ich meine, ich MUSS die strecke nicht unbedingt fahren, aber die zeitersparnis wäre halt schon gut! und vor allem: bringt es mir überhaupt was, wenn ich die strecke nun einfach meide oder verdränge ich damit nur etwas, wie ich es scheinbar bisher unterbewusst gut gemacht habe???
wer hat ähnliche erfahrungen und kann mir tipps geben??
So ein Unfall, auch wenn er glimflich ausgegangen ist, ist natürlich ein einschneidendes Erlebnis. Nicht nur, dass es schlimm hätte ausgehen können, dass man hätte tot sein können. Ein Unfall ist eine Situation in der man im wahrsten Sinne des Wortes die Kontrolle verliert. Im einen Moment fährt man noch ganz entspannt mit seinem Ziel vor Augen und im nächsten Moment bricht das totale Chaos aus und Alles was eben noch von Bedeutung war, tritt ganz weit in den Hintergrund. Von Jetzt auf Nachher befindet man sich in einer „Welt“ die man so nicht wollte und das Schlimme daran ist, dass man nichts tun konnte um es abzuwenden. Du glaubtest du hättest die Sache gut überstanden und auch überwunden, aber es ist vollkommen normal, dass plötzlich wieder alles da ist sobald man an den Ort des Geschehens zurück kehrt. Das ist dann eine körperliche Reaktion auf eine (lebens)bedrohliche Umgebung. Aber auch die Psyche reagiert darauf: wird es wieder zu einem Unfall kommen? Habe ich überhaupt Einfluss darauf?
Beim Erleben eines Unfalls werden einem die unvorstellbaren Kräfte vorgeführt die auftreten und gleichzeitig spürt man wie zerbrechlich der eigene Körper ist. Ein Unfall bringt immer einen gewissen Schock mit sich, egal wie schwerwiegend der Unfall und seine Folgen sind.
Du solltest das auf keinen Fall ignorieren und verdrängen. Besser wäre es proffessionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.
ich habe es selbst erlebt: unfall mit mehrfachem überschlag, wir stiegen aus einem haufen schrott aus, bei dem ausschliesslich die fahrerzelle erhalten geblieben war! ein echter horror-unfall. anschliessend fühlte ich mich überhaupt nicht belastet, vielleicht erschreckt, mehr nicht. erst stunden nach den nähen der platzwunde am kopf setzte ich mich vor´s nächtliche krankenhaus und weinte drauflos, weil ich realisierte, wieviel glück wir gehabt hatten. dabei war das nicht nur die freude über glück, sondern ein tagelang danach noch andauernder schreck mit herzklopfen usw.
das gehört dazu und ist doch auch angemessen, wenn man etwas, bei dem man eigentlich sicher hätte sterben müssen, überlebt.
ich rate dir, die stelle erneut aufzusuchen, dort eine blume hinzulegen (oder ein anderes rituelles bedanken auszudrücken) und dich so lange schlecht zu fühlen, bis es weg ist und du merkst: du lebst, sterben müssen (vorerst) andere.
ein trauma ist das nicht, allerdings gibt es angststörungen, die man schon vorher latent in sich trug, die aber durch schwere lebensereignisse dann durchkommen, dann muss man sich drum kümmern, auch psychotherapeutisch. das wird dann aber eher die eigentliche angstproblematik im blick haben, als den unfall.
hallo zusammen,
danke für eure antworten. zwischenzeitlich war ich bei meinem hausarzt, der mir sofort eine überweisung zum psychologen ausstellte. er meint es sei gar nicht ungewöhnlich, dass so eine reaktion verspätet auftritt - immerhin sei ich damals im umzugsstress gewesen, hätte mich um die schadensabwicklung kümmern müssen und war auch beruflich gestresster - alles gute gründe, den schock zu überdecken. nun komme ich zur ruhe und die psyche fordert nun ihr recht auf verarbeitung des ganzen.
es ist echt krass… seit gestern früh, seit dem vorfall, bin ich total daneben. ich könnt die ganze zeit heulen - und heul auch ordentlich, urplötzlich kommen mir die tränen, ich bin da grad völlig machtlos!
hab heut mit meinen eltern gesprochen. mein dad war damals dabei… also, er fuhr im auto vor mir (kolonne) und musste das alles im rückspiegel miterleben… er war damals total fertig, ist eine woche rumgelaufen wie falschgeld, konnte nicht schlafen. ich hingegen war total cool, hab mich eigentlich nur wegen meines autos aufgeregt und wie unpassend der zeitpunkt war (umzug), aber ansonsten ging es mir psychisch super. ich hatte verständnis für meinen dad, immerhin lebte er bis er an mein auto kam in dem glauben, dass sein kind tot sei.
aber ich konnte das damals gar nicht auf meine eigene gefühlswelt projezieren… und jetzt habe ich ständig ein bild vor augen: ich steh entgegen der fahrbahn auf der autobahn und LKWs rasen auf mich zu… und ich kann nichts machen, nicht aussteigen, nicht wegfahren…ich stand ja auch entgegen der fahrtrichtung, aber zum glück exakt an der leitplanke klebend, auf dem standstreifen. die LKWs rasten quasi „auf mich zu“, aber dann eben ganz knapp an mir vorbei… links aussteigen ging nicht, weil die leitplanke blockierte. rechts war auch ganz schwierig wegen dem verkehr…
wie kann einem bei so etwas psychologisch geholfen werden? wie behandelt man so was?
mein dad bekam feuchte augen, als ich ihm das vorhin erzählte… und er sagt auch, er denkt auch jedes mal daran, wenn er die strecke lang fährt, aber bei ihm sei es lange nicht so schlimm, er bleibt ruhig, aber erinnert sich. er hat es wohl in der zeit unmittelbar nach dem crash verarbeitet… dauert das bei mir jetzt viel länger, weil mehr zeit verstrichen ist?
Oft begreift man direkt danach garnicht was passiert ist. Im TV wurde mal ein zufällig gefilmtes Amateurvideo gezeigt auf dem zu sehen war wie ein Mann auf dem Seitenstreifen einer Autobahn neben einem defekten Auto stand. Wohl auf ein Rufen hin drehte er sich um und machte einen Hüpfer um einem mit hoher Geschwindigkeit quer heranschlitternden Auto auszuweichen. Er realisierte darauf hin natürlich nicht, dass er, wenn er vielleicht eine halbe Sekunde später reagiert hätte, oder 20 cm weiter in Richtung Fahrbahn gestanden hätte, sehr wahrscheinlich umgekommen wäre. Seine spontane Reaktion war ausgelassenes Lachen, so als ob gerade etwas unglaublich lustiges passiert wäre.
Ein Trauma bei einem Autounfall ist sicher ganz normal!
Von mir kann ich Dir erzählen, daß ich NUR als Aussenseiter in diesem Jahr bei einem Unfall beteiligt war ( ich blieb stehen um einzuparken und dem stehenden Hintermann fuhr dann ein Motorrad drauf)-- und ich stand 2 Tage wie neben mir-- bei dem Unfall selber, war ich regelrecht handlungsunfähig- hab weder dran gedacht, die Polizei zu rufen noch 1. Hilfe zu leisten!!-- glücklicherweise gabs zur Stosszeit morgens dann zig Helfer, die sich gekümmert haben!!
Ich war vor allem hinterher über mein Verhalten geschockt-- so reagiert zu haben!
Schliesslich bin ich jemand, der auch 1.Hilfe-Kurse durchaus immer wieder mal besucht!!- da war nix mehr von da!!
Nach Austausch mit Bekannten- habe ich dann erfahren, daß man oft sehr stark auf einen Unfall reagiert ( ich war auch nohc niemals so nah einem Unfall dabei)- und so ein Schockzustand dann gleich kommen kann- odre auch sehr zeitverzögert!
Bei eienr Freundin, der jemand hinten drauf fuhr, war es so, daß alles ok war…und 1 Woche später sie plötzlich nur noch schreien konnte- sich nciht mehr eingekriegt hat-- und erst nachdem sie beim Arzt war- ne Beruhigungsspritze bekam-- wieder „runterfuhr“,…danach war das dann auch wieder ok…- aber der Arzt meinte dann, es wäre normal, wenn es sogar so lange dauern kann!!
Wenn du nun zu einem Psychologen gehst- ist das sicher sehr gut!!
Obwohl ich selber ja gar nicht betroffen war bei dem Unfall damals- war ich aber auch noch einige Wochen beim Autofahren sehr unsicher- und hatte Angst…-- was sich mit der Zeit dann wieder gelegt hat…-- man muss das einfach alles erst mal verdauen!!