Traumabewältigung

Hallo Wissende,

immer häufiger hört man in der heutigen Zeit, dass nach Unfällen oder Katastrophen die traumatiesierten Opfer und Helfer von Psychologen oder Notfallseelsorgern betreut werden mußten. Es handelt sich hier wohl um ein jüngeres Kind der Psychotherapie.

Wie haben aber Soldaten und zivile Opfer der vergangenen Kriege, besonders während WK 1 und 2, ihre traumatischen Erlebnisse verarbeitet? Wurden sie irgendwie betreut oder blieb ihnen nur der Alkohol und ein Tritt in den Hintern, um zum Sturmangriff wieder aus dem Schützengraben zu kommen?

Danke für Eure Meinungen.

Wolfgang D.

Bsp WW I: Craiglockhart War Hospital
Hallo Wolfgang,

im WW I gab es Militärhospitäler, die sich auf kriegstraumatisierte Soldaten spezialisiert hatten - auch mit dem Ziel, ihre Einsatzfähigkeit an der Front wiederherzustellen.

Ein Beispiel ist Craiglockhart http://en.wikipedia.org/wiki/Craiglockhart_Hydropathic, an dem z.B. W.H.R. Rivers http://en.wikipedia.org/wiki/W._H._R._Rivers#World_W… tätig war. Siehe auch http://sites.scran.ac.uk/Warp/index.htm

Leider habe ich auf die Schnelle keine deutschsprachigen Seiten finden können.

Viele Grüße
Diana

hi,

der regelfall nach kriegsrückkehr war ähnlich, wie du beschreibst.

man arbeitete vor allem mit schonung, also kuraufenthalten und befreiung vom kriegsdienst, aber nur in extremfällen, wie z.b. den sog. „kriegszitterern“. später kam als behandlungsmöglichkeit das stark und schnell süchtig machende valium dazu.

eine trauma-therapie gab es wie heute natürlich nicht und man muss in einem krieg kein frontsoltat gewesen sein, um ein behandlungsbedürftiges trauma zu erleiden, da reichte der gang über die strasse nach einem bombenangriff oder die bezeugung von greueltaten an jeder ecke! reden wir mal mit unseren oma´s, lässt sich das ungeheure leid des krieges erfassen, das auf die menschen niederging und es lässt sich auch im sinne einer massenhaften millionenfachen psychischen traumatisierung einzelner verstehen.

dieses leid durch die heute so gut beschriebene PTBS setzte sich über jahrzehnte fort, da auch noch in zeiten des wiederaufbaus und bis in die 60er jahre hinein die menschen noch ihre PTBS und deren spätfolgen hatten, familien litten und zerbrachen darunter, einzelne gingen innerlich daran zugrunde (rückzug, einsamkeit, alkohol).

und: traumabehandlung wird heute in den armeen aus soldatischer sicht oft kleingeredet und unter dem deckmantel der „notfallhilfe für weicheier und ganz schlimme fälle“ verdeckt. keine armee kann sich (kampfmotivationshemmend) leisten, die 18-25 jährigen frontsoldaten über das realistische risiko einer PTBS wirklich aufzuklären, und in dem alter kennt man sowas nicht und denkt auch nicht dran.

wehe denen, wenn sie mitbekommen oder getan haben, was im krieg alltag ist, dann reagiert deren psyche nämlich so wie die der 2. weltkriegs-millionen: ganz normal mit trauma-symptomen.

diese zu behandeln wird auch als soldat (oder polizist) nach dem einsatz oft abgelehnt, um den eigenen ruf in der truppe nicht zu zerstören.
ist ja auch logisch: wer dabei anfängt zu weinen, wenn er jemanden erschiessen soll, sollte nicht soldat werden! umgekehrt ist es aber intrapsychisch kaum realisierbar, ohne belastende gefühle jemanden zu erschiessen.

Bethel
Hallo Diana,

in Deutschland waren es wohl vor allem die Bodelschwinghschen Anstalten in Bielefeld:

http://www.bethel-historisch.de/index.php?article_id=64

http://de.wikipedia.org/wiki/Von_Bodelschwinghsche_A…

Beste Grüße

=^…^=

Tolle Antwort! (owT)
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