Grüß dich, Mikhael,
alles durchspielen, nochmal erleben bringt meines Erachtens
NICHTS.
Es mag ja sein, dass es nichts bringt. Der Mensch tut es trotzdem. Situationen, die er als traumatisch erfahren hat, werden nicht vergessen oder einfach nur ins Gedächtnis geprägt sondern werden (mit oder ohne bewusstem Zutun) immer wieder hervorgeholt. Das gilt für die unruhigen Träume nach einem durchgemachten Unfall wie für ein Schlüsselereignis, das die Beziehungen zwischen Partnern hat zerbrechen lassen. Warum tut es der Mensch trotzdem? Weil er damit nachträglich Ordnung in ein chaotisches Geschehen bringt, das zu einem Trauma geführt hat. Ordnung bedeutet: Das Gedächtnis wird beim wiederholten Durchspielen in dem Sinne manipuliert, dass fehlende kausale Zusammenhänge konstruiert werden, dass eigenes fehlerhaftes oder gar schuldhaftes Handeln relativiert wird, dass letztlich ein Abbild des Geschehenen entsteht, das der Mensch akzeptieren kann, mit dem er ohne Bedrängnis weiter leben kann.
Die eigentliche »Verarbeitung« findet aber im Bewusstsein statt wenn man sich ehrlich und objektiv darüber klar zu werden versucht, wie eine Situation tatsächlich zustande gekommen ist und welche Umstände oder Handlungen sie herbeigeführt haben. Dazu bedarf es manchmal der Hilfe eines offenen Gesprächs mit einem Beteiligten oder Unbeteiligten, in anderen Fällen genügt eine selbstkritische Reflektion.
Was ist Halbschlaf für dich?
Der Schlafrhythmus des Menschen kennt eine Phase nach dem ersten Erwachen aus dem Tiefschlaf (meist zwischen 4 und 5 Uhr), in dem ihm alle möglichen Dinge einfallen, die er verdrängt hat und an die er sich am Morgen auch nicht mehr erinnert (deshalb habe ich stets einen Zettelblock und Kugelschreiber auf dem Nachttisch liegen). Dazu gehören Dinge, die man eigentlich hätte dringend erledigen müssen, dies aber versäumt hat, oder aber Ereignisse, die plötzlich wieder aus der Erinnerung auftauchen - weil sie nicht abschließend verarbeitet sind. An dieses erste Erwachen schließt sich eine Phase des Halbschlafs an, die mit dem Wiedereinschlafen enden kann (aber nicht muss), in der man sich aber eben mit den Problemen beschäftigt, die einem plötzlich ins Bewusstsein getreten sind.
Im Traum werden Trugbilder gezeigt, sonst nichts.
Das mag sein. Auch fast alles, was in unserem Gedächtnis gespeichert ist, sind verfälschte Bilder der Wirklichkeit, also Trugbilder.
Hast du ein einziges Problem per Traum lösen können?
Im Traum nicht, aber im Halbschlaf sind mir einige meiner brillantesten Lösungen eingefallen! Und einige oft geträumte Träume haben mir dabei geholfen, traumatische Erlebnisse zu überwinden.
Was ist das „Unterbewusstsein“? Beschreibe es bitte.
Das Unterbewusstsein ist derjenige Teil der Leistung unseres Hirns, der ohne bewusstes Eingreifen des Denkens abläuft. Dazu zählen neben den Steuerungsleistungen des Kleinhirns auch Leistungen des Großhirns, zum Beispiel Teile der Gestik und Mimik, das Wiedererinnern von Ereignissen oder Wiedererkennen von Bildern oder Lokalitäten, die oft jahrzehntelang vergraben waren.
du kannst nicht DEIN SCHEMA auf einen anderen anlegen und es passt.
So ist es. Aber wenn ich den Sinn von wer-weiss-was richtig verstanden habe, dann dient diese Einrichtung auch dazu, Erfahrungen auszutauschen und Anregungen zu geben. Ob einige Erfahrungen meines Erlebnisbereichs anderen helfen können, ähnliche Erfahrungen zu machen, mag natürlich jeder selbst ausprobieren - oder es auch lassen.
Besten Gruß, Helmut