Traumatisches erlebnis verarbeiten

hallo liebe (hobby)psychologen,
wenn man acht jahre lang erfolglos versucht hat, ein traumatisches schockerlebnis zu verarbeiten/verdrängen, und der wunsch endlich sterben zu dürfen immer wieder aufflammt, sobald man damit konfrontiert wird, wenn man alles versucht hat, von psychologen über freunde bis hin zum abreagieren, wenn alle versuche versagt haben, wenn man manchmal jede energie und jede lust am leben zu verlieren scheint…
welche ideen habt ihr noch, um solch einen menschen aus seinen albträumen zu wecken, so dass er wieder ein ganz normales leben führen kann, ein leben in freude oder zumindest mit einem ganz normalen alltag? welches aufbauprogramm könnte helfen?

liebe grüße, susi

Hallo Susanne !
Bei einer (chronifizierten) Posttraumatischen Belastungsstörung würde
ich zu einem speziell im Bereich Traumatherapie spezialisierten
Therapeuten gehen.

Je nachdem, wie stabil Du im Alltag bist, würde es zunächst darum
gehen Stabilisierungstechniken zu erlernen. Dies sind z.B.
Vorstellungsübungen (Immagination) wie ein „sicherer Ort“ (in
Gedanken bzw. der eigenen Vorstellung) oder ein „Tresor“, um
aufkommende negative Gedanken und Gefühle "verschliessen zu können.
Ist jetzt vielleicht reichlich kurz beschrieben, dafür gibt es aber
eben spezielle Fachliteratur (z.B. von Reddemann bzw. von Michaela
Huber)

Der nächste Schritt wäre dann ein Verfahren, dass direkt die
Flashbacks (Wiedererleben der traumatischen Erlebnisse) angeht. Dafür
gibt es unterschiedliche Möglichkeiten (z.B. Konfrontationsverfahren
der Kognitiven Verhaltenstherapie) oder aber (von mir bevorzugt)
EMDR. Hierbei wird nach Vorbereitung über wechselseitige
Augenbewegungen (oder andere Reize) ein besonderer
Verarbeitungsprozess im Gehirn angeregt, so dass (sehr einfach
ausgedrückt) alte Knoten im Gehirn mit Bildern und Erinnerungen mit
den heutigen Wissen und Kompetenzen im Umgang mit Belastungen
verknüpft bzw. alte Bilder regelrecht „gelöscht“ werden…

Ich halte das Thema aber für zu sensibel, um da Online irgendwelche
„Ratschläge“ zu geben. Die Botschaft sollte sein : Es gibt auch für
chronische traumatische Erlebnisse (bzw. auch komplex traumatisierte
Patientinnen) Hilfe

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

nicht verdrängen
Hi Susi

wenn man acht jahre lang erfolglos versucht hat … zu verarbeiten/verdrängen

Verdrängen ist ja auch nicht das anzustrebende Ziel, das wäre ja kein „verarbeiten“, zumal es gar nicht möglich ist, wenn das Erlebte - wie hier - so offen und „frei“ der Erinnerung und sogar der sprachlichen Darstellung zur Verfügung steht.

Es liegt in solchen Erlebnissen, wo der Wunsch, es ungeschehen zu machen, im Konflikt steht mit einer entgegengesetzten Kraft, die etwas, das bei dem Erlebten eine gewichtige Rolle spielte, gerade erhalten möchte, etwas, das der rationalen Vernunft nicht zugänglich ist (wie jeder andere Widerspruch ja auch).

wenn man alles versucht hat, von psychologen über freunde bis hin zum abreagieren, wenn alle versuche versagt haben

die „Lösung“ kann daher hier nicht im Versuch liegen, diesen tiefgreifenden Widerspruch, der in diesem Ereignis lag, „aufzulösen“ …

ein leben in freude oder zumindest mit einem ganz normalen alltag?

… sondern in der (nie aussichtslosen) Arbeit daran, neben der ja eh vorhandenen klaren detaillierten Erinnerung, irgendwann diesen scheinbar absurden Widerspruch zu durchleuchten und zu durchschauen - worin genau besteht er und wieso ist er menschenmöglich …

Nicht die Verdrängung ist also anzustreben, sondern etwas anderes … Auch wenn irgendwann die bildliche und gefühlte Erinnerung verblassen würde: Der Konflikt zwischen der Beziehung zur der Person, die handelte, und ihrer Handlung läßt sich nicht annihilieren.

Aber die „gründliche“ und „geeignete“ Durchleuchtung dieses Konfliktes kann - und wird - das Erlebte als ein Ereignis zurücklassen, das neben anderen Ereignissen der Vergangenheit (nicht dem Vergessen, das ist auch nicht nötig) überlassen werden kann. Darin liegt die Befreiung für ein Leben in neuen Möglichkeiten für Freude …

Gruß

Metapher

Hallo,
die Ursache für das damalige Erlebnis (sofern noch „greifbar“) vernichten. Deine Überlegungen in einem anderen Brett scheinen mir (in rechtsstaatlichen Rahmen) in die richtige Richtung zu gehen.

Gruss
Enno

Es liegt in solchen Erlebnissen, wo der Wunsch, es
ungeschehen zu machen, im Konflikt steht mit einer
entgegengesetzten Kraft, die etwas, das bei dem
Erlebten eine gewichtige Rolle spielte, gerade erhalten
möchte, etwas, das der rationalen Vernunft nicht zugänglich
ist (wie jeder andere Widerspruch ja auch).

Hallo Metapher,
das oben verstehe ich nicht. Was meinst Du damit konkret?
Gruß, Susi

unauflösbare Widerspüche

das oben verstehe ich nicht. Was meinst Du damit konkret?

Sorry, der Satz war etwas verunglückt, weil das Gemeinte nicht unkompliziert ist:

Es liegt in solchen Erlebnissen etwas, das der rationalen Vernunft nicht zugänglich ist (wie jeder andere Widerspruch ja auch), nämlich der Konflikt zwischen zwei sich widersprechenden Bewegungen:

Einerseits der Wunsch, das Geschehene nicht nur zu vergessen, sondern es ungeschehen zu machen.
Anderseits eine entgegengesetzten Kraft, die es nicht vergessen will - und zwar deshalb, weil der Handelnde zugleich der Geliebte war, und die Vernunft es sich nicht nehmen lassen kann und will, dieses Nichtverstehbare verstehen zu wollen. Weder Fluch noch Haß noch Rache sind imstande, der Vernunft diesen Willen zu nehmen, daher liegt in diesen Gefühlen mehr Bindung als Lösung.

Denn ein großer Anteil an Verzweiflung rührt aus der (zunächst) unlösbaren „Warum“-Frage (ähnlich wie auch bei dem von Kerbi erwähnten Ereignis). Und eine Antwort darauf überfordert - zunächst - den Bestand an Begreifbarem dessen, was in Menschen vorgehen kann und sie zum Handeln bewegt.

Dazu kommt noch, daß man als betroffener Mensch natürlich unmöglich gerade bereit sein kann, die abstrus erscheinenden Beweggründe des Täters nachzuvollziehen - und dennoch versucht man es immer wieder ergebnislos.

Es ist also eine in sich selbst verschlungene Kette vieler widersprüchlicher Bemühungen und Gefühle. Diese Kette aufzudröseln ist manchmal ein Weg der Befreiung.

(das war eigentlich gemeint)

Grüße

Metapher

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welche ideen habt ihr noch, um solch einen menschen aus seinen
albträumen zu wecken, so dass er wieder ein ganz normales
leben führen kann, ein leben in freude oder zumindest mit
einem ganz normalen alltag? welches aufbauprogramm könnte
helfen?

liebe grüße, susi

Meiner Meinung nach, ist das ständige Wiederaufkommen dieser Erinnerung, ein Zeichen dafür,daß man es nicht vollkommen verarbeitet hat. So kann es einen über Jahre hinaus quälen.

Mentale Methoden schieben es nur beiseite oder versuchen es zu unterdrücken. Es mag eine Weile gelingen, aber da es im Unterbewußten verankert ist, erhebt es sein Haupt bei der nächst günstigen Gelegenheit.

Da ist wirklich guter Rat teuer.

Es könnte sein, das derVersuch das Problem spezifisch anzugehen und seine Ursache herauszufinden, eher zu einer Heilung führt, wenn es im richtigen Licht betrachtet wird.

Wenn Du willst kannst Du mir eine e-Mail schreiben, ich werde dann versuchen Dir oder euch zu helfen.

mfg
rolf

hi
da muss ein GUTER therapeut her, evtl spezialisiert auf solche fälle… eigenes
herumdoktorn bringt da nix…

mfg
jj

hi

klar gibt der therapeut einem keine „heilungs-spritze“ und dann wird man ohne
eigenes zutun wieder gesund… man braucht eine gewisse eigenmotivation, die
aber vom therapeuten weiter gefördert werden kann…
dass man sich von privatpersonen im internet mehr hilfe erhofft als von
fachpersonen (vielleicht ja auch ne selbsthilfegruppe oder gruppentherapie)
erscheint mir doch ziemlich seltsam…da scheint der angesprochene therapeut
schlecht gearbeitet zu haben oder die person ist nicht wirklich bereit das
problem zu bearbeiten…

mfg
jj

Hallo,

klar gibt der therapeut einem keine „heilungs-spritze“ und
dann wird man ohne
eigenes zutun wieder gesund… man braucht eine gewisse
eigenmotivation, die
aber vom therapeuten weiter gefördert werden kann…
dass man sich von privatpersonen im internet mehr hilfe
erhofft als von
fachpersonen (vielleicht ja auch ne selbsthilfegruppe oder
gruppentherapie)
erscheint mir doch ziemlich seltsam…

du machst es dir da zu einfach, der Schritt zum Therapeuten kann für den Betroffenen extrem schwer sein. Im schlimmsten Fall ist der Therapeut auch noch einen Null und sich dann einen anderen zu suchen kann zur unüberwindbaren Hürde werden. Bei Depression kann man nicht mehr klar denken, was für dich einfach und logisch ist - wirkt auf den Kranken als unüberwindbare Mauer.

Foren im Internet sind auch eine Art Selbsthilfegruppe.

da scheint der
angesprochene therapeut
schlecht gearbeitet zu haben oder die person ist nicht
wirklich bereit das
problem zu bearbeiten…

das mag sein, aber dann gebe doch bitte auch ein paar Tipps wie man einen guten Therapeuten erkennt oder was es sonst für Alternativen gibt.

Gruss Jan