Traumatisierte Soldaten

Moin,

US-Soldaten als Heimkehrer aus dem Irak Krieg machten in den letzten Monaten wiederholt dadurch von sich reden, dass sie teilweise auf brutale Weise ihre Ehefrauen ermorden.

Ist das ein Zufall? Ermorden Kriegsheimkehrer aus dem Irak ihre Ehefrauen auch nicht häufiger als anderen US-Soldaten oder andere Männer, nur dass diese Fälle von der Presse hochgepuscht werden, so dass dieser Eindruck entsteht?

Oder falls sie doch häufiger ihre Ehefrauen ermorden, gibt es Untersuchungen darüber, warum? Es wird in den Berichten häufig darauf verwiesen, dass diese Soldaten durch den Irak Krieg besonders traumatisiert seien. Aber ist das ein Grund, seine Ehefrau umzubringen?

Gibt es ähnliche Informationen auch über Soldaten anderer Länder, die in Kriegshandlungen verwickelt werden?

Gruß
Marion

Ich habs leider mal wieder verpasst und weiß darum net genau worums geht, aber die Geschichte mit der Presse scheint mir zunächst mal plausibel.

Grundsätzlich gibt es eine ganze Reihe von Untersuchungen bezüglich der Traumatisierung Kriegsbeteiligter allgemein (Soldaten, Zivilisten…) deren Qintessenz immer ist, dass es zu Traumatisierungen kommt. Bei Soldaten tritt zusätzlich das Problem auf, dass sie häufig die "ja-nicht-jammern-"Mentalität annehmen. Selten über ihre Erfahrungen (relativ zum Ausmaß) sprechen. Ähnliche Probleme gab und gibt es in den Berufsgruppen bei Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienst. Es gibt durchaus psychologische Instanzen für alle diese Gruppen, nur werden sie unterschiedlich häufig frequentiert auch (nicht nur aber auch) in Abhängigkeit vom Bild nach außen.
Der Glaube und Wille damit „selbst fertig zu werden“ ist hoch.

Aber ist das ein Grund, seine
Ehefrau umzubringen?

Einen plausiblen Grund gibt es wohl kaum.
Und Entschuldigungen noch weniger.

Es würde an dieser Stelle zu weit führen, zu erörtern, warum Menschen überhaupt töten. Gemeint ist aber, dass ein Zusammenhang besteht zwischen der Traumatisierung und der Tötungshandlung. Zb. hinsichtlich der Konfliktbewältigung, der Handlungsalternativen etc.
Und das man meint, dass derjenige u.U. ohne Traumatisierung andere Konfliktbewältigungsstrategien und Handlungsalternativen gefunden hätte. Das nutzt der Frau und ihrer Familie gar nichts- ist jedoch für die Beurteilung der Schuld wichtig und darüber hinaus für die Prävention solcher Straftaten.
Transportieren wir das nach Deutschland geht es um die Frage was muß ich als Staat wem zukommen lassen, um solche Taten zu verhindern, und was kann ich dem Täter zukommen lassen um sein Defizit zu beseitigen und damit die Bevölkerung zu schützen? (Relation von Sicherung und Besserung- da es hier zb. weder die Todesstrafe noch das lebenslänglich im US-Sinne gibt.)

Gibt es ähnliche Informationen auch über Soldaten anderer
Länder, die in Kriegshandlungen verwickelt werden?

Ja. Es ist kein amerikanisches Problem, dass Krieg Auswirkungen auf seine Beteiligten hat. Es gibt eine ganze Reihe von Studien, die sich zb. mit den Kindersoldaten in Afrika beschäftigen oder zb. dem Vietnamkrieg und den verwickelten Soldaten.
Die Ergebnisse sind alle weitestgehend dieselben- Häufig schwere Traumata, psychische Erkrankungen und z.T. hohe Gewaltbereitschaft, schlechtes Konfliktmanagement…

Tötungsdelikte, die dann ausgerechnet auch noch alle die Ehefrauen treffen sind nicht die Regel und kommen meines Wissens nicht signifikant häufiger vor, als in der übrigen Gesellschaft. Allerdings ist speziell dieser Krieg kaum vorbei, so dass es keine hinreichenden Untersuchungen dazu geben wird. Grundsätzlich sind diese Delikte aber ein Hinweis darauf, dass die psychologische Intervention nicht dort ankommt, wo sie ankommen soll. Stellt sich die Frage warum.

wenn ich als soldat heimkehren wuerde und meine frau mit abdel, aus dessen land ich gerade komme, im bett erwischen wuerde, wuerde ich beide umbringen.

ich glaube, frauen umbringende soldaten koennten eventuell in japan im labor untersucht werden. dort werden sie auch gleich noch auf 20g getestet und wie lange sie ohne luft auskommen.

die amerikanischen testet man, indem man ihnen keine hamburger zum abendbrot gibt.da drehen die meisten durch.die restlichen zuecken das messer, wenn man sie nach der hauptstadt vom irak fragt.

in deutschland ist das eher ungewoehnlich. da reicht das vorspielen eines liedes von modern talking.

Hallo!

Studien zu dem Thema kenne ich zwar nicht, aber es gibt einen sehr guten Dokumentarfilm: „Weiße Raben“. Es geht darin zwar um russische Soldaten und den Tschetschenienkrieg, aber er vermittelt ein ziemlich gutes Bild, finde ich. Es wird dort klar, daß die Männer die Erlebnisse komplett ausblenden, nicht darüber sprechen. Die Regisseurin (habe ich auf einem Menschenrechtsfilmfestival kennengelernt) fragte bei den Interviews die Soldaten immer wieder, wie sie sich fühlen, was dort passiert ist, wie es dort war und die Männer – fast noch Kinder – antworteten darauf immer nur: ganz normal, alles ganz normal, wie zu Hause auch…
Einer von ihnen hat dann, während die Dreharbeiten noch liefen, ein Nachbarsmädchen vergewaltigt und ist deshalb ins Gefängnis gekommen. Ein sehr bedrückender Film, aber auch sehr beeindruckend.

Viele der Veteranen leiden ja ganz offiziell an PTSD (Posttraumatischem Belastungssyndrom), ich weiß nicht ganz genau, was alles zu diesem Bild dazugehören kann…

Angela

Hi,

ich kann nicht wirklich viel dazu antworten, ausser das ich als Insiderin weiß, dass die US-army die Soldaten nach der Rückkehr verpflichtet an einem Programm teilzunehmen um über Agressionen und Verhalten im Familienleben zu sprechen. Die Ehefrauen haben auch die Möglichkeit sich dort beraten zu lassen falls es zu Auseinandersetzungen kommt und sie nicht mit ihrem Mann klarkommen.

Meine persönliche Meinung ausserdem ist folgende: ich denke nicht, dass Soldaten nach DER Rückkehr eher zum Ehefrau-Mörder werden als andere gewaltbereite Ehemänner. Ich vermute, dass diese Männer auch gemordet hätten, wenn sie als Bäcker gearbeitet hätten- früher oder später.

Das ist meine persönliche Meinung.
Aber eins ist klar, ALLE Soldaten die aus einem Krieg zurückkommen (und dazu gehören auch die deutsche Soldaten die in Afghanistan stationiert sind) haben Anpassungsschwierigkeiten ins normale Leben zurückzukehren, der Eine mehr, der Andere weniger.

lg

Nina

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