Trendtat Suizid?

Hi,

ich würde gerne mal wissen ob es einen neuen Trend zum Suizid gibt oder ob mich das täuscht. IMHO ist es ja schon fast gesellschaftsfähig geworden sich selbst zu töten um diesem oder jenem, besonders der eigen Verantwortung aus dem Weg zu gehen. In meinen Erinnerungen kenne ich Suizid eigentlich nur von Nazigrößen die wirklich Menscheitsverbrechen begangen haben oder von psychisch Kranken bei denen rationale Gedanken gestört sein können wie z.B. Depressiven.

Aus „näherer“ Vergangenheit fallen mir aber Leute ein wie:
Barschel (vermutlich): „Gesicht verloren“
Hanelore Kohl: „körperliche“ Krankheit
Jürgen Möllemann (ziemlich sicher) : Witschaftsverbrechen (also kein Kapitalverbrechen was ich eher verstehen würde)
74-Jährigen Fleischhändler (Gammelfleisch): Witschaftsverbrechen
Wolfgang Priklopil: Entführer
… usw

Diese Leute waren alle mehr oder weniger bei „klarem Verstand“ und (vermutlich) nicht seelisch krank. Aber wenn’s ihnen zu blöd wird bringen die sich schnell mal um und irgendwie scheint sich keiner daran zu stören. Bin ich da der einzige? Was meint ihr?

Viele Grüße,
J~

Hi,

Kuckuck.

Wolfgang Priklopil: Entführer

… usw

Diese Leute waren alle mehr oder weniger bei „klarem Verstand“
und (vermutlich) nicht seelisch krank. Aber wenn’s ihnen zu
blöd wird bringen die sich schnell mal um und irgendwie
scheint sich keiner daran zu stören. Bin ich da der einzige?
Was meint ihr?

Auch wenn es hart klingen mag: Nein, stört mich absolut nicht.

Grüße
Joshua

Hi,

Wolfgang Priklopil: Entführer

Auch wenn es hart klingen mag: Nein, stört mich absolut nicht.

also grade bei dem stört es mich am meisten von all meinen Beispielen. Grade weil es ein „ganz persönliches“ Opfer gab welches zum Verarbeiten und zum „Antworten finden“ sicher noch einen Täter hätte gebrauchen können. Die Rachegefühle der Öffentlichkeit sind hier IMHO ziemlich unwichtig.

Viele Grüße,
J~

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Erinnerung…

in meiner Erinnerung gibt es drei Suizide meiner Geschwister.

Und dabei bin ich dankbar, dass inzwischen von „Suizid“ und nicht von „Selbstmord“(Verbrechen) gesprochen wird.

Die Selbsttötung ist ein Lösungsweg. Die Lösung von Schwierigkeiten. Ich sehe keinen anderen Weg, die Probleme zu lösen. Diese dunkle Seite unseres Selbst, können wird nicht nachfühlen, bis wir uns persönlich in dieser unlösbar scheinenden Situation befinden.

Für die die zurückbleiben bleibt die Wut, der Hass - du hast dich nicht auseinandergesetzt, hast dich nicht gestellt, dich nicht bekannt. Du hast dich mir nicht anvertraut.

Und der Vorwurf - was hätte ich tun können um es zu verhindern.

Nein, es ist keine Modeerscheinung. Es passiert Tag für Tag. Nur jetzt im Moment werdet ihr aufmerksam, weil es Personen sind, die im Medienmittelpunkt stehen. Dann wirds interessant.

Statistiken steigen. Mehr Männer als Frauen. Im Frühling mehr als im Herbst. Die Ungarn führen national. Die Zahnärzte vom Beruf her.

Hilft dass???

jederman

Hi J~,

ich würde gerne mal wissen ob es einen neuen Trend zum Suizid
gibt oder ob mich das täuscht.

es täuscht!
Z.B. wurde durch Goethes Roman ‚Die Leiden des jungen Werthers‘ eine wahre Flut von Selbstmorden ausgelöst, die sogar einen psychologischen Fachbegriff geprägt hat, den Werter Effekt
http://de.wikipedia.org/wiki/Werther-Effekt

IMHO ist es ja schon fast
gesellschaftsfähig geworden sich selbst zu töten um diesem
oder jenem, besonders der eigen Verantwortung aus dem Weg zu
gehen.

Auch das gab es früher schon, sogar ausgeprägter.
Ging ein Kaufmann so richtig bankrott, sodaß er keine Chance hatte aus dem Schlamasel wieder herauszukommen, rehabilitierte er sich und vor allem seine Familie mit seinem Selbstmord.
Auch sittliche und andere schwerwiegende Vergehen konnten mit einem Selbstmord getilgt werden.

Also nichts neues unter der Sonne.

Gandalf

Hi,

Die Selbsttötung ist ein Lösungsweg. Die Lösung von
Schwierigkeiten. Ich sehe keinen anderen Weg, die Probleme zu
lösen. Diese dunkle Seite unseres Selbst, können wird nicht
nachfühlen, bis wir uns persönlich in dieser unlösbar
scheinenden Situation befinden.

was du schreibst klingt sehr in sich gekehrt. Hoffnungslos. Irrational verzweifelt. Dem Leben nichts mehr abgewinnen könnend. Depressiv.
Meinst du ein Möllemann war so jemand? Es geht mir hier grade nicht um eine seelische Verzweiflungstat, nicht um das nicht mehr Leben wollen an sich.

Leute wie Möllemann und Frau Kohl sind ganz sicher nicht Opfer ihrer Gefühle, sondern flüchten aktiv und selbst gesteuert. Bei diesem Priklopil bin ich mir nicht ganz sicher. Sehr depressiv wirkt seine Tat nicht auf mich. Bei dem Gammelfleischhändler ebenso. Der hätte mit seinen 74Jahren doch wahrscheinlich nicht mal in den Knast gemusst, der Entführer sicher auch nicht grade ewig.

Für alle hätte es irgendwie weitergehen können. Zwar mit einer mehr oder weniger großen Lebenslast, aber die haben andere auch zu tragen. Stattdessen haben die einfach kein „Bock“ sich anzustrengen und geben sich die „Kugel“.

Was mich hier auch irgendwie stört, ist die allgemeine Akzeptanz in der Gesellschaft. Da kommen dann auch so Sprüche wie „ist mir doch egal, der hat’s auch nicht besser verdient“. Dabei ist das verachtenswert und keineswegs „gerecht“.

Warum soll außerdem der Suizid eines Politikers akzeptabel sein, der des psychisch Kranken aber nicht?

Nein, es ist keine Modeerscheinung. Es passiert Tag für Tag.
Nur jetzt im Moment werdet ihr aufmerksam, weil es Personen
sind, die im Medienmittelpunkt stehen. Dann wirds interessant.

Eben, die interessieren mich hier auch speziell weil ich das noch weniger verstehen kann,

Viele Grüße,
J~

Hi,

http://de.wikipedia.org/wiki/Werther-Effekt

interessant, kannte ich in dieser Art und Weise noch nicht. Aber vielleicht ist es genau das, was ich meine. Durch den „öffentlichen“ Suizid von z.B. Frau Kohl ist dieser „Weg“ sicher in vielen gesellschaftlichen Kreisen salonfähig gemacht worden. Wer eine schwere Krankheit hat mit der er nicht fertig wird nimmt sich selbst das Leben. „Die Kohl“ hat das schließlich auch so gemacht und „alle“ hatten Verständnis (ich übrigens nicht) kann da als Argument dienen.

Auch das gab es früher schon, sogar ausgeprägter.
Ging ein Kaufmann so richtig bankrott, sodaß er keine Chance
hatte aus dem Schlamasel wieder herauszukommen, rehabilitierte
er sich und vor allem seine Familie mit seinem Selbstmord.
Auch sittliche und andere schwerwiegende Vergehen konnten mit
einem Selbstmord getilgt werden.

Nunja, aber heute sind wir ja „zivilisiert“ und die Sippenhaft ist abgeschafft… Sollten eigentlich andere Voraussetzungen sein.

Nachtgrüße,
J~

Nabend,

Z.B. wurde durch Goethes Roman ‚Die Leiden des jungen
Werthers‘ eine wahre Flut von Selbstmorden ausgelöst, die
sogar einen psychologischen Fachbegriff geprägt hat, den
Werter Effekt
http://de.wikipedia.org/wiki/Werther-Effekt

Das ist der typische Suizid-aus-Verliebtheit, über den damals in
Zeiten, als ich noch die Bravo las, permanent berichtet wurde, und es
schon fast cool war, wenigstens einen Selbstmordversuch hinter sich
zu haben. Hauptsächlich wegen familiärer Probleme oder eben wegen
Verliebtheit, letzteres ein ziemlich romantisches Motiv, das diese
pubertäre Verknalltheit auf eine höhere, fast schon heilige Stufe
hebt. Ersteres wohl eher aus Rachegefühlen gegenüber Eltern o.ä.

Ich saß mal neben so einer, die war richtig stolz auf ihre
verbundenen Handgelenke und ihren kurzen Krankenhausaufenthalt.
Also wirklich nix neues. Gab´s genaugenommen schon bei Herrn Romeo
und Frau Julia.

Nacht,

Judy

Hi,

Nunja, aber heute sind wir ja „zivilisiert“ und die Sippenhaft
ist abgeschafft… Sollten eigentlich andere Voraussetzungen
sein.

Wieso zivilisierter?
Das ist noch keine hundert Jahre her.
Und Sippenhaft - ja, die gibt es zum Glück nicht mehr so ausgeprägt, wenn sie auch nicht völlig vergessen ist.

Gandalf

Hi J~,

Durch den
„öffentlichen“ Suizid von z.B. Frau Kohl ist dieser „Weg“
sicher in vielen gesellschaftlichen Kreisen salonfähig gemacht
worden.

‚Öffentlich‘ wäre der Suizid gewesen, wenn sie sich von einer Brücke oder vor einen ICE geschmissen hätte… Frau Kohl hat ihren Suizid sehr sorgfältig geplant, nämlich zu einem Zeitpunkt, wo nicht nur der Helmut sondern auch die Haushaltshilfe für zwei Tage nicht im Hause waren. Gleichzeitig hat sie mehrere Abschiedsbriefe an verschiedene Menschen, die ihr lieb waren, geschrieben.

‚Öffentlich‘ gemacht haben den Suizid die Medien und wenn ich Frau Kohl in ihrem Auftreten richtig einschätze, war sie sicher die letzte, die das beabsichtigte.

Wer eine schwere Krankheit hat mit der er nicht fertig
wird nimmt sich selbst das Leben.

Hast Du mal chronische Schmerzen gehabt? Weißt Du was es heißt, wenn jeder Tag, jeder Handgriff von qualvollen Schmerzen begleitet ist? Würdest Du so noch 20 oder was weiß ich wie viele Jahre leben wollen?

„Die Kohl“ hat das
schließlich auch so gemacht und „alle“ hatten Verständnis

Glaube nicht, dass der Suizidant sich in seiner Verzweiflung noch Gedanken darüber macht, ob ‚die anderen‘ Verständnis für ihre Tat haben werden.

(ich übrigens nicht)

Ich kenne sowohl chronische Schmerzen als auch schwere Depressionen und ich verstehe das schon.

Samstagsgrüße

Anja

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hi j mit welle,

zum einen war frau kohle eine persön der öffentlichkeit und hätte es also nicht vermeiden können, das die sog. öffentlichkeit keine kenntnis erhält. das gibt aber niemandem das recht ihr weniger rechte zuzusprechen als einer nichtöffentlichen person.

zum anderen - es geht niemanden etwas an.

darüber zu richten - und das tutst du meiner ansicht nach - steht dir nicht und niemandem sonst zu. jeder mensch ist für sich selbst verantwortlich und ein anderer kann sich doch nie in die lage eines anderen hineinfühlen und
so meine ich, es ist immer leicht den erhobenen zeigefinger zu benutzen, solange man selbst in der lage ja nicht ist.

selbsttötung dürfte zudem für mein verständnis niemals in mode kommen,
wie kommst du nur darauf?

ich halte es für tragisch genug wenn ein mensch für sich keinen ausweg mehr sieht - aus welchem grunde auch immer. mann kann wohl davon ausgehen, jeder würde lieber leben - aber z.b nicht mehr mit unerträglichen schmerzen.
sicher entscheidet niemand eben mal so aus der hüfte heraus seinem/ ihrem leben ein ende zu bereiten.

LG
nina

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was du schreibst klingt sehr in sich gekehrt. Hoffnungslos.
Irrational verzweifelt. Dem Leben nichts mehr abgewinnen
könnend. Depressiv.
Meinst du ein Möllemann war so jemand? Es geht mir hier grade
nicht um eine seelische Verzweiflungstat, nicht um das nicht
mehr Leben wollen an sich.

die seele, die psyche spielt doch die wesentliche rolle -
das auszuklammern halte ich für tragisch.

Leute wie Möllemann und Frau Kohl sind ganz sicher nicht Opfer
ihrer Gefühle, sondern flüchten aktiv und selbst gesteuert.

wer sagt, dass sie sich als opfer ihrer gefühle fühlten?
nach flucht sieht es für überlebende aus, aber wissen wissen wir
nüscht. denn dazu müsste man ja vergleichen können…

Bei diesem Priklopil bin ich mir nicht ganz sicher. Sehr
depressiv wirkt seine Tat nicht auf mich. Bei dem
Gammelfleischhändler ebenso. Der hätte mit seinen 74Jahren
doch wahrscheinlich nicht mal in den Knast gemusst, der
Entführer sicher auch nicht grade ewig.

reine spekulation was du das schreibst - woher willst du wissen, ob er in den knast gemusst hätte oder nicht und woher willst du wissen ob das bei seiner entscheidung überhaupt eine rolle gespielt hat?
du gehst mit deinen gedanken daran und klammerst div. möglichkeiten aus. - was kann ein mensch fühlen in so einer lage - scham, schuld, und vieles mehr - hoffnungslosigkeit aber sicherlich auch nicht wenig.

Für alle hätte es irgendwie weitergehen können.

das irgendwie mag für deinen geschmack ausreichend sein - offensichtlich aber nicht für sie.

Zwar mit einer

mehr oder weniger großen Lebenslast, aber die haben andere
auch zu tragen.

was der eine kann, kann der andere nunmal nicht. sowie der eine
die eine art schmerz besser ertragen kann als der andere.
sowie bei einer person ein und der gleiche „vorfall“ andere auswirkungen hat als beim anderen. menschen sind ja keine maschinen
und eben auch keine kopien.

Stattdessen haben die einfach kein „Bock“ sich

anzustrengen und geben sich die „Kugel“.

du machst es dir einfach - stülpst deine wertmassstäbe über und
behauptest denen ginge es um null bock…wenig einfühlsam und
deshalb aus meiner sicht wenig aussichtsreich im ansatz nachvoll-
ziehen zu können.
ich habe selbst nie nur ansatzweise todessehnsüchte gehabt,
kann aber manchen menschen ob seiner verzweiflung verstehen - auch wenn ich in der gleichen lage evtl gar nicht so verzweifelt gewesen wäre.
das aber berechtigt mich nicht seine gefühle in frage zu stellen.
das machst du nämlich aus meiner sicht.
wenig hilfreich für menschen in der situation.

Was mich hier auch irgendwie stört, ist die allgemeine
Akzeptanz in der Gesellschaft. Da kommen dann auch so Sprüche
wie „ist mir doch egal, der hat’s auch nicht besser verdient“.
Dabei ist das verachtenswert und keineswegs „gerecht“.

2 paar schuhe die du in einen topf wirfst - akzeptanz hat nichts mit gleichgültigkeit zu tun und du mischt beides hier.
wenn man aufhört die gefühle des anderen anzuerkennen ist alles vorbei. von daher hat jeder mensch ein recht auf seine gefühle und in letzter instanz auch ein recht auf seine ablebenswünsche.

wer das nicht respekiert hat meiner ansicht nach ein eigenes problem das er überträgt.

was du übrigens nun verachtenswert findest ist mir nicht ganz klar - die gleichgültigkeit (kälte) mancher menschen oder aber die entscheidung von freiwillig verstorbenen?

im ersteren fall ist jene verrohung (wenns denn keine schutzbehauptung ist) nat. ungut - doch zeigt deine bewertung ja auch eine deutliche abwertung und soooo gross ist für mich pers. der unterschied da nicht.
würde „es“ die „lebensmüden“ betreffen, würde es für mich auf dich ein kaltes licht werfen. das dessen: seid so wie ich euch haben will, lebt meine wertvorstellungen und geht mit dem leben um wie ich.
(wobei du ja selbst nicht wissen kannst ob nicht auch du unter bestimmten umständen todessehnsüchte bekommen würdest)

Warum soll außerdem der Suizid eines Politikers akzeptabel
sein, der des psychisch Kranken aber nicht?

wer sagt das denn?

LG
nina

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Hi Adler,

‚Öffentlich‘ wäre der Suizid gewesen, wenn sie sich von einer
Brücke oder vor einen ICE geschmissen hätte

Frau Kohl war eine Person des öffentlichen Lebens und somit war es auch ihr Suizid. Das ist kein Vorwurf an sie, sondern eine Feststellung gewesen. Das hätte sie wohl auch kaum ändern können. Sorry, wenn ich das falsch 'rübergebracht habe.

Wer eine schwere Krankheit hat mit der er nicht fertig
wird nimmt sich selbst das Leben.

OK, das war etwas übertrieben plakativ. Aber eigentlich ging es mir hier doch gar nicht um den Freitod aus gesundheitlichen Gründen, seien es seelische oder körperliche. Diese kann ich ja auch nachvollziehen. Reden wir doch mal von Möllemann, Barschel, Gammelfleischhändler und lassen die Kohl außen vor.

Viele Grüße,
J~

Hi kleinbuchstabennina,

darüber zu richten - und das tutst du meiner ansicht nach -

ich schrieb ja schon an Anja, nehmen wir die Kohl mal raus aus der Diskussion. Sie war ja krank und das ist was anderes.

so meine ich, es ist immer leicht den erhobenen zeigefinger zu
benutzen, solange man selbst in der lage ja nicht ist.

Ich bin der Meinung, dass jeder Mensch das Recht hat über sein Leben zu entscheiden wie er es will. Und das schließt IMHO auch den Tod mit ein.
Aber warum ist der Suizid von der Kohl gesellschaftlich weitesgehend akzeptiert worden, aber gegen Sterbehilfe bäumt sich alles auf? Kannst du mir das erklären?

selbsttötung dürfte zudem für mein verständnis niemals in mode
kommen, wie kommst du nur darauf?

Weil sich grade in den letzten Tagen mehrere Leute des Zeitgeschehens dazu entschlossen haben.

CU,
J~

Hallo,

Meinst du, irgendjemand auf dieser Welt „bringt sich mal eben um“?? So naiv kann keiner sein. Deine Frage finde ich legitim, nur hast du keinen Schritt weitergedacht.

Suizide werden begangen, weil Menschen krank sind. Ob derjenige unter einer unheilbaren Sonnenallergie oder Depressionen leidet, ist schlichtweg irrelevant. In beiden Fällen war es die Hölle. Woher weißt du, dass Barschel doer Möllemann nicht depressiv o.ä. waren?? Zum Krankheitsbild eines Depressiven gehören leider Gottes unter anderem auch Suizidgedanken.

Der Grund, warum dir diese Umstände als „Trend“ vorkommen, liegt einfach in der Tatsache, dass Suizid mehr und mehr den CHarakter des Tabuthemas verliert (ich hoffe, es wird bald noch mehr darüber gesprochen).

Auf einen „Suizidanten“ sauer zu sein, verstehe ich nur bedingt. Sicherlich, die Angehörigen leben in unvorstellbarem Schmerz (ich bin einer von ihnen) und ohne diese Tat wäre es nicht dazu gekommen. Vielmehr empfinde ich jedoch tiefes Mitleid und tiefe Liebe für den Verstorbenen: Er musste so leiden und hat sich keinem anvertrauen können.
Keiner macht sich die Entscheidung leicht, es ist auch in der Regel keine bewusste Entscheidung bei klarem Verstand. Viele Menschen sind bei dieser Situation in einer Art Trancezustand.

Gruß*Diana

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hi J~,

Diese Leute waren alle mehr oder weniger bei „klarem Verstand“
und (vermutlich) nicht seelisch krank. Aber wenn’s ihnen zu
blöd wird bringen die sich schnell mal um und irgendwie
scheint sich keiner daran zu stören. Bin ich da der einzige?
Was meint ihr?

Man könnte z.B. den Selbstmord auch als eine der freiesten Entscheidungen ansehen, die Dir das Leben ermöglicht …

Warum sollte mich eine Moral, eine Religion oder eine Gesellschaft davon abhalten, meinem Leben ein Ende zu setzen, wann ich(!) es will? Nur weil es Leuten wie Dir offensichtlich davor graust, so dass Du diese Entscheidung als krankhaft oder verwerflich ansiehst? Warum eigentlich? Kannst Du das begründen?

Grüße
Jürgen

Hi Jürgen,

Warum eigentlich? Kannst Du das
begründen?

weil es in den Fällen die ich hier meine (keine Depression, Krankheit, …) feige ist sich nicht seiner Verantwortung zu stellen. Ein Selbststöter verliert nicht meinen Respekt, ein Feigling schon (eher).

Grüße,
J~

Ich bin der Meinung, dass jeder Mensch das Recht hat über sein
Leben zu entscheiden wie er es will. Und das schließt IMHO
auch den Tod mit ein.
Aber warum ist der Suizid von der Kohl gesellschaftlich
weitesgehend akzeptiert worden, aber gegen Sterbehilfe bäumt
sich alles auf? Kannst du mir das erklären?

lass doch mal die frau kohl weg - es wird ja wohl nicht um sie gehen im grunde.

bei der sterbehilfedebatte geht es doch um uneinigkeit wann wer warum von wem sterbehilfe bekommen darf - egal wie man nun dazu steht ist ja eines klar - hilft eine andere person wird es kritisch - die freiwilligkeit könnte gefährdet sein (oder im übelsten fall gar nicht vorliegen) zudem gibts uneinigkeit ab wann sterbehilfe denn nun moralisch ok sei. ich meine aber, die wenigsten sind pauschal kategorisch gegen sterbehilfe an sich.
klar ist - hilft jemand aktiv oder passiv sind natürlich eine ganze reihe von punkten wichtig, sonst hat es fix den anschein von mord.
in deutschland erscheint mir das problem auch deshalb schwerer als in anderen ländern da diese kollektive schuld ob der grausamen taten vielschichtigster art des 2 weltkrieges noch wirken.

nun ist mir gerade eingefallen - wikipedia kanns sicher besser verdeutlichen und ich bin fündig geworden:
http://de.wikipedia.org/wiki/Sterbehilfe

selbsttötung dürfte zudem für mein verständnis niemals in mode
kommen, wie kommst du nur darauf?

Weil sich grade in den letzten Tagen mehrere Leute des
Zeitgeschehens dazu entschlossen haben.

ja nun, das nennt man wohl zeitlich befristeter tunnelblick - schwangere frauen sehen aufmal auch nur ebenfalls schwangere
und es gibt dennoch nicht mehr als sonst…

nicht jedes sommerloch wird auf diese weise von der presse gefüllt,
das hängt davon ab was sonst noch los ist.
und ausserdem finde ich nicht, dass es mehr sind als „sonst“ -
evtl kommts dir so vor weil deine aufmerksamkeit mehr als vorher
darauf gelenkt ist.

ciao

nina

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Hi J~,

Warum eigentlich? Kannst Du das
begründen?

weil es in den Fällen die ich hier meine (keine Depression,
Krankheit, …) feige ist sich nicht seiner Verantwortung zu
stellen. Ein Selbststöter verliert nicht meinen Respekt, ein
Feigling schon (eher).

Deswegen hast Du ja auch Frau Kohl in die illustre Reihe aufgenommen.

Nun ja, zum einen müsstest Du erst einmal „die Verantwortung“ definieren: Verantwortung vor wem? Vor der Gesellschaft? Vor sich selbst? Vor Opfern? Vor den eigenen nächsten? Vor Freunden? Finanzielle Verantwortung? Moralische Verantwortung? Meinst Du nicht, dass Du hier aus Deiner sehr entfernten Mediensicht etwas schnell urteilst?

Vielleicht hat so mancher Selbstmörder die einzig „richtige“ Entscheidung für die Betroffenen gefällt, indem er ein Thema schlagartig beendet hat? Und vielleicht hast Du als Nichtbetroffener gar nicht das Recht, von richtiger Verantwortung zu sprechen?

Ich vermute, dass Du ein sehr viel generelleres Problem mit der Entscheidung Selbstmord hast. Und weil dieses Poblem besteht, ist der Selbstmord auch in vielen Gesellschaften mit einem Tabu belegt, wobei mir tatsächlich nicht klar ist, warum das so ist. Vielleicht, weil sich ein Selbstmörder autonom den Zwängen der Gesellschaft entzieht, womit die Gesellschaft nicht klar kommt?

Grüße
Jürgen

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Hi J~,

ich würde gerne mal wissen ob es einen neuen Trend zum Suizid
gibt oder ob mich das täuscht.

ein Trend müsste die Gesellschaft bzw. zumindest repräsentative Teile davon umfassen. Deiner Aufstellung umfasst Menschen, die - aus verschiedenen Gründen - Medienaufmerksamkeit entgegengebracht bekommen, ohne dass sie besonders repräsentativ sind. Für ne ordentliche Statistik reicht das nicht.

Davon abgesehen, nimmt die „Suiziddichte“ in deiner Aufstellung mit fortschreitender Zeit zwar zu - was aber daran liegt, dass sich an Leute wie den Entführer oder den Fleischhändler in ein paar Monaten / Jahren keiner mehr erinnert. Und genauso funktioniert das mit den armen Seelen, die sich vor ein Jahren zum selben Schritt entschlossen haben.

Grüße, Simon