Trennung der eltern - 5 jähriges kind

hallo liebe experten :wink:

ich habe mich vor 12 wochen von meinem mann getrennt, die räumliche trennung ist für juni geplant. es gibt zum glück recht selten richtigen zoff, so daß unser sohn (5) das nur manchmal mitbekommt. vor ca. 6 wochen habe ich mit dem kleinen ein gespräch geführt, was warum passiert ist, daß er keine schuld hat, daß wir (eltern) ihn trotz der räumlichen trennung immer lieben werden und daß er seinen papa sooft er mag, sehen kann.
natürlich war er anfangs etwas irritiert und traurig aber die aussicht auf ein zusätzliches kinderzimmer und wahrscheinlich auch (noch) mehr spielzeug, stimmten ihn wieder fröhlich. bis jetzt hat er keine anzeichen gezeigt, er verhält sich ganz normal, ißt wie immer, rastet nicht aus, o.ä…
trotzdem würde mich mal interessieren, was passieren könnte, wie ein kleines aufgewecktes intelligentes kind reagieren könnte, wenn papa dann tatsächlich auszieht. wer hat sowas schon mal mitgemacht und kann mir tipps geben?

danke schön
c.

Hallo Claudia,
vor einem Jahr trennte sich meine Frau von mir und sie zog dann 3 Monate spaeter mit unserer 4-jaehrigen Tochter in eine neue Wohnung, die nicht weit von unserer gemeinsamen Wohnung entfernt liegt. Auch wir haben uns selten gestritten und unsere Tochter wusste von der Trennung vor dem Auszug. Die Situation ist also vergleichbar.
Die raeumliche Trennung ist fuer das Kind meiner Erfahrung nach in den ersten Monaten nicht leicht zu ertragen und zu verstehen. Unsere Tochter hat schon etwas gelitten, wenn sie auch versuchte es zu verbergen. Ich halte es fuer wichtig die raeumliche Trennung so fliessend wie moeglich zu gestalten um ein Schockerlebnis („Papa ist weg“) zu vermeiden. Versucht Euch in den ersten Wochen nach dem Auszug des Vaters noch oft zu sehen, verbringt anfangs viel Zeit zudritt in seiner neuen Wohnung und vielleicht kann er ja in der Uebergangsphase noch manchmal bei Euch uebernachten; Das waere schoen fuer Euren Sohn. Wir haben es jedenfalls so gemacht und heute -ein Jahr nach der Trennung- geht es unserer Tochter psychisch wieder sehr gut. 3x pro Woche schlaeft sie bei mir aber sie wohnt bei der Mama. Auch dass hat sich so gut bewaehrt. Als sie mich zwischenzeitlich seltener sah, wurde unser Verhaeltnis unausgeglichener, da die gemeinsamen Momente zu komprimiert waren und meine Tochter versuchte die zu kurze Zeit mit mir foermlich aufzusaugen.
Nochetwas: Sollte einer von Euch einen neuen Partner haben, wuerde ich dieses in der schwierigen Uebergangszeit vor Eurem Sohn verheimlichen.

Ich wuensche Euch eine harmonische Trennung, so wiedersinnig es auch klingen mag.

Gruss, Marcus

Hallo Marcus,
vielen Dank für Deine Tips,
ich bin der Pappa, der „entliebt“ wurde, wenn man das so sagen darf. Wir werden uns Deine Ratschläge und Erfahrungen sicher verinnerlichen, die Situaution ist doch sehr gleich, bis auf die Tatsache, daß der Kleine mit Mama im gewohnten Haus bleibt, also noch einen Tic weniger Veränderung ertragen muß.
Wenns Dir nichts ausmacht, dann werde ich (oder meine Ex-Lebensabschnittsgefährtin) bei Auffälligkeiten immer mal bei Dir um Erfahrungen nachhorchen. Ist das ok ?
Grüße, Stephan

Hallo Stephan und Claudia,

Wenns Dir nichts ausmacht, dann werde ich (oder meine
Ex-Lebensabschnittsgefährtin) bei Auffälligkeiten immer mal
bei Dir um Erfahrungen nachhorchen. Ist das ok ?

Sehr gerne!
Ich kann zwar nur meine Erfahrungen weitergeben und es wird sich auch erst spaeter zeigen, ob wir wirklich den richtigen Weg gegangen sind (die Psyche eines Kindes entwickelt sich oft sprunghaft und ich kann nur hoffen, dass meine Tochter weiterhin stabil bleibt), aber ich denke, dass Euch bei eventuellen Schwierigkeiten meine Erfahrungen (oder die Erfahrungen anderer getrennter Eltern) nuetzlicher sein koennten, als der Weg zum Kinderpsychologen.
Ihr koennt mir jederzeit mailen oder schreiben oder anrufen und wenn mal einer von Euch in Paris sein sollte auch vorbeischauen - selbst wenn es keine Probleme gibt :wink:

Gruss, Marcus

Hallo Ihr beiden Getrennten,

erst mal finde ich es ganz toll, daß Ihr in der Lage seid, Eure persönlichen Differenzen nicht auf Euer Kind zu übertragen. Allein damit habt Ihr einen wesentlichen Teil geleistet, dem Kind Eure und damit auch seine Trennung von einem Teil der Familie zu erleichtern.
Man kann schwer sagen, was in solchen Situationen in einem Fünfjährigen so vor sich geht, es kommt immer auch auf die Konstitution des Kindes als solchees an. Ganz sicher kommen die Schwierigkeiten aber erst NACH der räumlichen Trennung, wenn das Kind die tatsächlichen Konsequenzen spürt.

Hier aber meine Tips:

Offen reden und auch später immer mal fragen,wie es dem Kind mit der Trennung so geht. Aber darauf achten, nichts hineinzureden und es auch nicht zu übertreiben!

Claudia Du solltest möglichst lange bestimmte Rituale beibehalten, die auch vorher üblich waren. Ich mußte nach der Trennung vom Vater meiner Kinder z.B. das abendliche Vorlesen übernehmen. Notwendige Änderungen im Tagesablauf sollen wenn möglich nicht abrupt erfolgen.

Die Trennung auf Raten, die vor mir jemand empfahl, finde ich persönlich nicht so gut, zum einen denke ich, daß es eine zusätzliche Belastung für die Eltern ist, die müssen aber auch irgendwann zur Ruhe kommen, zum anderen könnte sowas in dem Kind eine ständige (unerfüllte) Hoffnung nähren, daß alles vielleicht wieder rückgängig zu machen ist. Damit ist das Kind aber nicht in der Lage, die neue Sitution anzunehmen.

Ganz wichtig ist, daß Ihr Eure Vorhaben in puncto Kontakt auch umsetzt. Es ist vielleicht nicht mal wichtig, ob das Kind den Vater alle drei Tage kurz oder alle drei Wochen länger sieht (wobei sicher bei jüngeren Kindern kürzere Intervalle günstiger sind), wenn es sich nur ganz sicher sein kann, daß die vereinbarten Termine vom Vater zuverlässig eingehalten werden und von der Mutter nicht bewußt oder unbewußt blockiert werden. Das Kind muß unbeschwert diese Zeiten verleben können.

Der Vater sollte mit dem Kind auch in Zukunft Alltag erleben und nicht nur Highlights. Wie das umsetzbar ist, kommt nun wieder auf die konkreten Verhältnisse an, ideal wäre, das Kind hätte in der neuen Wohnung des Vaters vielleicht auch ein eigenes Zimmer, oder wenigstens eine persönliche Ecke.

Keiner der Elternteile sollte versuchen, das Kind über den anderen auszuhorchen, die Kleinen habe da sehr feine Antennen und machen ‚zu‘.

Vielleicht hilft es dem Kind auch, wenn Ihr den Kontakt zu Familien sucht, denen es ähnlich geht, da sieht das Kind, daß es nicht als einziges solche Probleme hat.

Sprecht auch in Eurem Umfeld die Dinge offen an, die Kindergärnerin sollte Bescheid wissen und auch in der Familie sollte die Trennung kein TABU sein, über das man schweigt, das bringt sonst nur ‚peinliche‘ Situationen und dem Kind womöglich das Gefühl, das hier was passiert, was ehrenrührig ist.

Wichtig ist, daß Ihr nun ‚dranbleibt‘ und immer wieder (denn da liegen noch lange Jahre vor Euch) die eigenen Empfindlichkeiten hinter die Belange des Kindes stellt. Das kann u.U. auch mal schwer werden, vor allem wenn dann hier oder da neue Partner ins Spiel kommen oder gar finanzielle Differenzen auftreten.

In diesem Sinne wünsche ich Euch dann auch alles Gute und bin sicher, Euer Kind wird alles ohne psychischen Schaden überstehen.

Gruß Heike

danke - und noch ne frage…
vielen dank euch beiden!

wir hoffen auch, daß der kleine nicht allzuviel „abbekommt“.
wie habt ihr das gemacht, wenn ihr euch mit eurem partner gestritten habt? ich meine, da fliegen doch auch mal die fetzen, emotionen haben freien lauf… da kann man doch nicht rational sagen: hey, stop, das kind geht erst zum babysitter!!!
wie haben eure kinder reagiert, wenn ihr euch mal so richtig gezofft habt???
c.

Streiten und Versöhnen
Guten Morgen, Claudia!

Keine leichte Situation, in der ihr da seid. *soifz* Wobei ich es bewundernswert finde, daß ihr eure Schwierigkeiten/Trennung getrennt vom Wohl eures Sohnes betrachten könnt. *lob* Das fällt vielen Eltern, die in Trennung leben, sehr schwer. Zu deiner Frage wegen des Streits: Ich halte es durchaus für richtig/wichtig, daß Kinder mitbekommen, daß Eltern sich streiten. Ein Heile-Welt-Szenario, wo immer eitel Sonnenschein herrscht, wäre ja auch völlig realitätsfern. Aber: Es ist ebenso wichtig, daß sie miterleben, daß Streit etwas vorrübergehendes ist. Eine Versöhnung sieht bei einem getrennt lebenden Paar sicher anders aus, als bei anderen. Versucht trotzdem ihm zu zeigen, daß zu einem Streit auch das Vertragen gehört. Kinder spüren sehr genau, was zwischen Erwachsenen abläuft - selbst wenn man sie im Falle eines Falles schlafend im Nebenzimmer wähnt. *g* Und er weiß auch mit seinen fünf Jahren, daß Paare sich trennen, eben weil sie sich nicht mehr so verstehen.
Ähm - Disclaimer: Das Gesagte bezieht sich auf „normale“ verbale Auseinandersetzung! Geschirrwerfen, Beschimpfungen unter der Gürtellinie, wildes Rumkreischen etc. solltet ihr (wenn nicht ohnehin) zumindest vor eurem Sohn vermeiden!

Viel Glück,
Sams

P.S. Nebenbei: Weißt du, was ich bei meinen Eltern am entsetzlichsten fand: Wenn die Benennung des jeweils anderen Elternteils nicht mehr mit „Mama“, „Papa“ oder dem Vornamen möglich war, sondern nur noch ein verbiestertes " DEIN Vater" resp. " DEINE Mutter"… *kotz* Selbst wenn nicht gestritten wird, das reicht vollkommen, um ein Kind unter Druck zu setzen (und ich war deutlich älter euer Sohn…)

vielen dank euch beiden!

wir hoffen auch, daß der kleine nicht allzuviel „abbekommt“.
wie habt ihr das gemacht, wenn ihr euch mit eurem partner
gestritten habt? ich meine, da fliegen doch auch mal die
fetzen, emotionen haben freien lauf… da kann man doch nicht
rational sagen: hey, stop, das kind geht erst zum
babysitter!!!

Schwierig, wir haben uns auch früher immer mal konstruktiv gestritten, als sonst noch alles i.O. war, so gesehen, kann ich nicht mal sagen, wann das in ‚Unkultur‘ umschlug…i.d.R. merkt man ja viel zu spät, daß man auf einem falschen Weg ist.
Viel spielte sich tatsächlich abends ab, dann waren die Kinder ja im Bett, sie haben es aber am Ende doch mitbekommen und ich glaube sogar, weniger der unmittelbare offene Streit belastet Kinder, als die permanent gereizte Stimmung und die Angst vor dem nächsten Streit. Insofern kann man das kaum vom Kind fern halten. Man merkt sowas z.B., wenn die Kinder woanders gelöster sind, als zu Hause. Und da ist Trennung auch für das Kind das beste, weil dann zumindest der ständige Druck und diese Ungewißheit weg ist.

Gruß Maid

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wir gehören auch zu denen, die da durch mussten. vielleicht helfen euch meine erfahrungen weiter: wichtig war zum einen dass für das kind ersichtlich war „wann“ der nächste besuch beim papa ist, sozusagen „greifbar“. wir haben das mit einem kalender für das kind gelöst, da konnte das kind jederzeit selber nachschauen wie lange es noch dauert. bei der sehnsucht hilfreich war auch „etwas vom papa mitzunehmen“, vorzugsweise an dem man riechen kann: ein getragenes t-shirt vom papa das man als pyjama tragen kann, ein polsterüberzug wo papa schon draufgeschlafen hat (nicht gewaschen!) … sehnsucht kommt ja oft beim einschlafen. desweiteren, manche kinder haben probleme sogenannten partnerschaftlichen trennungen - wenn man „danach“ noch zu 3. zusammensitzt, gemeinsam kaffeetrinkt, ist es für das kind nicht ersichtlich „warum“ eine trennung notwendig ist - wenn alles so passt, koennte die familie doch zusammenbleiben. insoferne bleibt das kind emotionell lange an seiner sehnsucht haengen, also v.a. in der ersten phase: klare grenzen. und die zeit des papa fuer das kind in seinem bereich. viel kraft! daniela