Hallo Ihr beiden Getrennten,
erst mal finde ich es ganz toll, daß Ihr in der Lage seid, Eure persönlichen Differenzen nicht auf Euer Kind zu übertragen. Allein damit habt Ihr einen wesentlichen Teil geleistet, dem Kind Eure und damit auch seine Trennung von einem Teil der Familie zu erleichtern.
Man kann schwer sagen, was in solchen Situationen in einem Fünfjährigen so vor sich geht, es kommt immer auch auf die Konstitution des Kindes als solchees an. Ganz sicher kommen die Schwierigkeiten aber erst NACH der räumlichen Trennung, wenn das Kind die tatsächlichen Konsequenzen spürt.
Hier aber meine Tips:
Offen reden und auch später immer mal fragen,wie es dem Kind mit der Trennung so geht. Aber darauf achten, nichts hineinzureden und es auch nicht zu übertreiben!
Claudia Du solltest möglichst lange bestimmte Rituale beibehalten, die auch vorher üblich waren. Ich mußte nach der Trennung vom Vater meiner Kinder z.B. das abendliche Vorlesen übernehmen. Notwendige Änderungen im Tagesablauf sollen wenn möglich nicht abrupt erfolgen.
Die Trennung auf Raten, die vor mir jemand empfahl, finde ich persönlich nicht so gut, zum einen denke ich, daß es eine zusätzliche Belastung für die Eltern ist, die müssen aber auch irgendwann zur Ruhe kommen, zum anderen könnte sowas in dem Kind eine ständige (unerfüllte) Hoffnung nähren, daß alles vielleicht wieder rückgängig zu machen ist. Damit ist das Kind aber nicht in der Lage, die neue Sitution anzunehmen.
Ganz wichtig ist, daß Ihr Eure Vorhaben in puncto Kontakt auch umsetzt. Es ist vielleicht nicht mal wichtig, ob das Kind den Vater alle drei Tage kurz oder alle drei Wochen länger sieht (wobei sicher bei jüngeren Kindern kürzere Intervalle günstiger sind), wenn es sich nur ganz sicher sein kann, daß die vereinbarten Termine vom Vater zuverlässig eingehalten werden und von der Mutter nicht bewußt oder unbewußt blockiert werden. Das Kind muß unbeschwert diese Zeiten verleben können.
Der Vater sollte mit dem Kind auch in Zukunft Alltag erleben und nicht nur Highlights. Wie das umsetzbar ist, kommt nun wieder auf die konkreten Verhältnisse an, ideal wäre, das Kind hätte in der neuen Wohnung des Vaters vielleicht auch ein eigenes Zimmer, oder wenigstens eine persönliche Ecke.
Keiner der Elternteile sollte versuchen, das Kind über den anderen auszuhorchen, die Kleinen habe da sehr feine Antennen und machen ‚zu‘.
Vielleicht hilft es dem Kind auch, wenn Ihr den Kontakt zu Familien sucht, denen es ähnlich geht, da sieht das Kind, daß es nicht als einziges solche Probleme hat.
Sprecht auch in Eurem Umfeld die Dinge offen an, die Kindergärnerin sollte Bescheid wissen und auch in der Familie sollte die Trennung kein TABU sein, über das man schweigt, das bringt sonst nur ‚peinliche‘ Situationen und dem Kind womöglich das Gefühl, das hier was passiert, was ehrenrührig ist.
Wichtig ist, daß Ihr nun ‚dranbleibt‘ und immer wieder (denn da liegen noch lange Jahre vor Euch) die eigenen Empfindlichkeiten hinter die Belange des Kindes stellt. Das kann u.U. auch mal schwer werden, vor allem wenn dann hier oder da neue Partner ins Spiel kommen oder gar finanzielle Differenzen auftreten.
In diesem Sinne wünsche ich Euch dann auch alles Gute und bin sicher, Euer Kind wird alles ohne psychischen Schaden überstehen.
Gruß Heike