Trennung/Scheidung/Erziehungswechsel

Hallo miteinander,

aus aktuellem Anlass suche ich etwas allgemein anerkanntes, schriftliches, zur Psyche eines Kindes. Wie verhält es sich bei Trennung vom geliebten Elternteil durch den Wohnortwechsel zum anderen Elternteil. Welche Auswirkungen hat es, wenn es nach dem Wohnortwechsel wiederholt, ohne für das Kind ersichtliche Gründe, zum Abriss des Kontaktes kommt.

Wie wirkt es sich aus, wenn ein Kind im Grundschulalter gegen seinen Willen in den Haushalt des anderen Elternteiles wechseln muß und keinen Kontakt zum bisherigen Umfeld bekommt?

Was geschieht mit Dingen wie „Urvertrauen“, „Bindungsfähigkeit als Erwachsener“, „Sicherheit bei der Lebensplanung und -gestaltung“, „Fähigkeit alleinverantwortlich zu planen und handeln“, „Verhalten zu eigenen Kindern“, etc. Wurde das schon einmal irgendwo untersucht?

Meine Theorie ist, dass das Kind sich von dem Elternteil entfernt, der es an sich zwingt, früher oder später, aber sicher spätestens mit der Pubertät, auch wenn der Wechsel „begründet“ war. Was „Lebensfähigkeit“ betrifft, habe ich darüber hinaus große Bedenken, denn zu einem Lebensplan gehören ja auch Vorbilder, an denen man sich orientieren kann. Ein „herausreißen“ aus dem bisherigen Lebensumfeld kann ja nur zu Verlustängsten führen. Ich vermute, dass so ein Kind später große Probleme hat, feste, dauerhafte Bindungen einzugehen, zum einen, weil es aus Angst, Verluste zu erleiden, zu enge Bindungen meidet, zum anderen aber auch bei bestehenden Bindungen klammert, um eben keine weiteren Verluste erleiden zu müssen.

Nur, wo kann ich hierzu anerkannte Literatur finden?

Gruß, AndyM

Hallo AndyM,

es gibt einige recht gute Bücher rund um das Thema Scheidungs-/Trennungskinder.

Hier 2 Vorschläge:
Ochs/Orban: Was heißt schon Idealfamilie. Eichborn
Helmuth Figdor: Scheidungskinder - Wege der Hilfe

Beide richten sich sowohl an Personen, die beruflich mit Trennungskindern zu tun haben, sind aber auch für interessierte Laien durchaus verständlich.

Besonders angenehm finde ich bei beiden Büchern, dass sie die Chancen betonen und wegkommen von dem Vorurteil, ein Scheidungskind wird spätestens mit 18 straffällig, weil ja alles so schlimm war. Nicht die Trennung der Eltern ist das, was ein Kind schädigt, sondern das Streiten der Eltern vorher und der oft miese Umgang der Eltern später miteinander.

Für Kinder ist es am besten, die Eltern einigen sich im guten, vielleicht mit Hilfe einer neutralen dritten Person im direkten Gespräch (Familienmediation).

Mit sonnigen Grüssen,
Gabi

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Hallo AndyM,

hier noch ein Buch:
Mutters Haus, Vaters Haus
von Isolina Ricci
ISBN: 3858335622 Buch anschauen

Grüße
Irene

Hallo!

Wie verhält es sich
bei Trennung vom geliebten Elternteil durch den Wohnortwechsel
zum anderen Elternteil.

Da das gewohnte soziale Umfeld mit dem vorhandenen Netzwerk (Nachbarn, Freunde etc.) für das Kind sehr wichtig ist, da es ihm halt und Orientierung gibt, ist ein Wohnortwechsel sicher nicht gerade leicht für ein Kind zu bewältigen. Doch wenn sich seitens des Elternteils aktiv um den Aufbau eines neuen Netzwerkes bemüht wird und zusätzlich seelische Unterstützung gegeben wird, sehe ich persönlich da kein Problem.

Welche Auswirkungen hat es, wenn es
nach dem Wohnortwechsel wiederholt, ohne für das Kind
ersichtliche Gründe, zum Abriss des Kontaktes kommt.

Der Kontakt des Kindes zu beiden Elternteilen ist sehr wichtig, vorausgesetzt, dass das Kind den Kontakt nicht ablehnt und es während des Kontaktes nicht manipuliert/vereinnahmt wird.
Dem Kind sollte klar gemacht werden, dass sich zwar die äußeren Verhältnisse geändert haben, es aber nach wie vor von beiden Elterteilen geliebt und unterstützt wird. Ein unbegründeter Kontaktabbruch zu einer für das Kind sehr wichtigen Bezugsperson kann denke ich, wie Du auch annimmst, zu starken Verlustängten führen. Da ich „aus dem Kopf“ jetzt auch nichts Näheres dazu weiss, hier ein paar Buchtipps … Vielleicht helfen sie Dir ja weiter.

  • Scheidungsfolgen - die Kinder tragen die Last
    Untertitel : eine Langzeitstudie über 25 Jahre
    Wallerstein, Judith S. / Lewis, Julia M. / Blakeslee, Sandra
    2002

  • Scheidungserfahrungen bei Kindern
    Untertitel : Belastungen und Bewältigungsstrategien aus der
    Perspektive von Schülern und Lehrern
    Kötting, Kathrin
    2001

  • Eltern sägen ihr Kind entzwei
    Hrsg./Bearb. : Bäuerle, Siegfried / Moll-Strobel, Helgard
    Untertitel : Trennungserfahrungen und Entfremdung von einem
    Elternteil
    2001

  • Produktive Scheidungsbewältigung im Kindes- und Jugendalter
    Untertitel : Resultate einer Befragung von jungen Frauen und
    Theorien
    Hunter, Regina
    1999

  • Elterliche Trennung und Scheidung im Erleben von Kindern
    Hrsg./Bearb. : Krieger, Wolfgang ¬[Hrsg.]
    1997

  • Scheidung, Trennung, Kindeswohl
    Hrsg./Bearb. : Lehmkuhl, Gerd / Boos, Renate
    1997

  • Kinder im Scheidungskonflikt
    Untertitel : Beratung von Kindern und Eltern bei Trennung und
    Scheidung
    Hrsg./Bearb. : Menne, Klaus ¬[Hrsg.]
    1997

  • Familien in Trennung und Scheidung
    Untertitel : ausgewählte psychologische Aspekte des Erlebens und
    Verhaltens von Scheidungskindern
    Kardas, Jeannette / Langenmayr, Arnold
    1996

  • Der Riss geht durch die Kinder
    Gaier, Otto R.
    Untertitel : Trennung, Scheidung und wie man Kindern helfen kann
    1987

  • Ich brauche euch doch beide
    Untertitel : Kinder aus geschiedenen Ehen
    Britt, Inge
    1985

  • Elterliche Sorge und persönlicher Umgang mit Kindern aus
    gerichtspsychologischer Sicht
    Arntzen, Friedrich
    1980

Gruß,
Jova