Trennungsangst

Hallo,

ich habe mit meinem Freund ständig Auseinandersetzungen, weil ich mich zu sehr an ihn klammere. Ich weiß, dass das Problem bei mir liegt. Ich habe einfach das Gefühl, ihm nicht wirklich vertrauen zu können, obwohl ich es eigentlich könnte. Aber einer meiner früheren Freunde hat mich mal ziemlich hintergangen. Auswirkungen hat dies insbesondere darin, dass ich meinen freund ständig anrufe, obwohl ich eigentlich genau weiß, dass er gar keine Zeit dafür hat. Er hat gerade einen neuen Job angenommen und muss sich dort beweisen. Und abends will er ja auch mal seine Ruhe haben (wir wohnen in verschiedenen Orten). Was kann ich tun? In dem Moment wo ich das Telefon in der Hand habe, weiß ich genau, dass es ihn nervt, wenn ich ihn (schon wieder anrufen werde) aber ich hab irgendwie das Gefühl, mich in seinem Leben präsent zeigen zu müssen, damit er mich nicht wegschiebt… und dann ruf ich doch an. Was kann ich tun? Ich fürchte nämlich so, meinen Freund zu sehr einzuengen, was über kurz oder lang denke ich eine Flucht provoziert.

Danke,
Christiane

hallo Christiane,

du hast den ersten Schritt ja schon getan, du hast erkannt, daß du klammerst. Jetzt kommt es darauf an, eine Lösung zu finden.
Wenn es nur um’s telefonieren geht, dann erstell doch für dich selber Regeln. Du DARFST ihn nur jeden 2ten oder 3ten Tag anrufen. Es gibt einfach keine Ausnahme dieser Regel. Wenn du ihn einmal doch anrufst, dann fällt halt als Strafe das nächste Telefonat aus.
Und Präsenz kannst du auch anders zeigen. Schick ihm eine kleine Karte, oder eine Blume. Oder mach ihm einen Kalender mit einer Botschaft für jeden Tag. So weiß er, daß du an ihn denkst.

Das nicht anrufen wird am anfang sehr schwer sein. Aber versuch trotzdem es durch zu halten.
Und sprich auf jeden Fallmit deinem Freund darüber. Sag ihm, daß du an dir arbeitest. Du kannst ihm auch die genauen Regeln, die du dir selber machst sagen, dann kann er dir nachher sein Feedback geben.

Viel kraft, wünsch ich dir.
Grüßle,
Sandra

Hallo Christiane,

Du möchtest Deinen Freund häufig anrufen. Das ist ja auch gut so. Schlimmer wäre es, wenn Du ihn überhaupt nicht anrufen wolltet. Wahrscheinlich sehnst Du Dich nach ihm und hörst gerne seine Stimme. Das ist auch ein Gefühl, dass nicht unterdrückt werden sollte. Er fühlt sich hingegen kontrolliert, vielleicht weiss er auch nciht, was er soviel mit dir Reden soll und hat Angst, dass man sich anschweigt. Wenn man viel Stress im Beruf hat möchte man auch einfach mal zu Hause an nichts denken und nicht unbedingt ein Gespräch führen (und ich meine aktiv) daran teilnehmen und weiter denken. Schreibe doch mal auf, was für Dich die beste Situation (wenn Du Dir was wünschen könntest).
Womit wäre denn CDein Freund am glücklichsten (er möchte ja wahrscheinlich nicht, dass Ihr nie telefoniert, oder?!)
Da findet Ihr schon das richtige.
Tschüss
Tim

Hi Christiane,

als Mann möchte ich beinahe sagen, sowas kann jede Beziehung killen. Mir wäre es jedenfalls absolut unangenehm, weil ich mich genervt und kontrolliert fühlen würde.

Du hast ja einen Grund genannt, warum Du Dich so verhälst- Du bist EINMAL ziemlich hintergangen worden. Ich denke es geht in Deinem Fall nicht nur ums kontrollieren per Telefon, sondern ums Klammern im Allgemeinen. Dieses Klammern hat Hintergründe (Angst ihn zu verlieren, Zwang zur Kontrolle)
Meine persönliche Ansicht: Wenn ich einmal hintergangen worden wäre, wäre das für mich kein Grund, mich so zu verhalten- da muss schon noch einiges andere passiert sein. Ich kenne Menschen mit diesem Verhalten als Personen, die in bestimmten Lebenssituationen wenig, oder unzureichend Aufmerksamkeit bekommen und- oder, die das Gefühl haben, nicht genügend geliebt zu werden. Wertschätzung, Achtung, Respekt spielen oft eine Rolle.
Wäre es nur diese eine Enttäuschung- dann würde ich sagen: Nun gut, aber es gibt -zig Freunde/innen, die mich nicht hintergehen- dann bräuchte ich nur die Sache nüchtern, realistisch betrachten: Es ist ja dumm, nur weil einer mal dabei war…

ME liegt es tiefer und ich glaube kaum, dass es Dir mit Aufstellung von Regeln gelingt, aus dieser ZWANGSHANDLUNG rauszukommen.
Ich würde mir die Frage stellen: Was ist eigentlich in meinem Leben gelaufen, dass ich andere Menschen kontrollieren muss? Was fehlt mir?
Ist es Vertrauen, Liebe, Achtung, Respekt, Zuneigung, Wertschätzung etc und wenn- woran kann es liegen, dass ich es nicht habe- wichtig ist, bei Dir zu schauen und nicht bei Deinem Freund.

Manchmal liegen die Gründe für unsere Verhaltensweisen in unserer Erziehung- und manchmal in einschneidenden, bedeutenden Ereignissen, eine sehr große Verletzung, schwere Enttäuschung, wohl weniger wenn man EINMAL hintergangen wurde, wie Du es beschreibst.

Zur Ermittlung solcher Gründe können gute Freunde/innen hilfreich sein, Menschen die Dich kennen und Dir ehrlich sagen, wie sie Dich aus ihrer Sichtweise sehen, die Dich charakterisieren, typisieren können.
Wichtig fände ich auch, Deinem Freund offen und ehrlich zu sagen, dass Du Dein Verhalten ändern möchtest, Ursachenforschung betreibst und an Dir arbeitest- was Du zweifelsfrei durch Dein Posting auch schon getan hast.

Jeder Mensch ist jederzeit in der Lage altes Verhalten über Bord zu werfen und neues zu erlernen- aber alles braucht auch seine Zeit und nichts geht von heute auf jetzt- lange eingeübte Verhaltensweisen abzulegen, gelingt imho nicht durch beispielsweise Telefonverbote- sondern durch die Einsicht, dass ich dieses heutige Verhalten, dass durch bestimmte Ereignisse in der Vergangenheit, oder durch Erziehung entstanden ist, heute nicht mehr NÖTIG habe.

Heute liebe ich meinen Freund und kann ihm Vertrauen- die Erfahrungen in der Vergangenheit sind nicht relevant für meine heutige Beziehung.
Du hast einen NEUEN, einen ANDEREN Freund- er ist ein ANDERER Typ, ein ANDERER Mensch und er hat verdammt noch mal das Recht, dass Du ihm unvoreingenommen begegnest und erst recht nicht, dass Du ihn in irgendeiner Weise mit früheren Freunden vergleichst.

LG
Frank

Hallo,

sicher hast Du damit recht, nur hat mich mein freund auch schon mal hintergangen. Ich habe ihm das verziehen und er ist dann relativ schnell wieder zum Alltag übergegangen. Meine Angst ruht also auch darin, dass sich die Situation wiederholt. Allerdings habe ich mit meinem freund auch schon darüber geredet und die Situation von damals grundlegend erörtert und geklärt.

Nur weiß ich einfach nicht, wie ich diesen Drang in den Griff bekommen soll. Ich denke schon, dass ich mich irgendwie abgeschoben fühle, wenn er keine Zeit für mich hat. Ich denke aber er meint das nicht böse, sondern braucht die zeit einfach für sich.

Was willst DU denn?
Hi Christiane,
ich habe nicht alle Antworten studiert, insofern bitte ich Wieiderholungen ggf. zu entschuldigen: Bei all Deiner Selbstkritik stellt sich dennoch die Frage, was Du willst bzw. brauchst. Rufst Du an mit dem Wissen oder Gefühl, Deinen Freund kontrollieren zu müssen oder ist Dir einfach nur der Kontakt wichtig?
Den Kontroll-Aspekt lasse ich Mal aussen vor. Wenn Du zu Deinem Freund mehr und öfter und enger Kontakt haben/halten möchtest als er, dann mag das eine gewisse Zeit gehen - langfristig wirst Du aber bei ihm nicht bekommen, was Du suchst/brauchst/willst. Er fühlt sich vieleicht eingeengt/bedrängt/unter Druck gesetzt und kontrolliert und Du bekommst nicht die Nähe, die Du möchtest. In aller Konsequenz wär der jetzige Freund dann wohl nicht der „richtige“ für Dich, um glücklich zu sein/werden.

Hallo Christiane

Ich bin der selben Meinung wie Gunther. Wenn es die Nähe, Häufigkeit der Kontakte, der
Austausch ist, der Dir fehlt dann wirst Du wahrscheinlich mit Deinem jetzigen Partner
nicht glücklich werden, wenn er nicht auch bereit ist Dir ein Stückchen entgegen
zukommen.(Ich finde es garnicht so ungewöhnlich, wenn man jeden Tag telefoniert, ich kenne
einige Paare die dies so handhaben aber vielleicht könnt ihr ja dazu eine Einigung finden,
z.B. dass ihr Euch immer abwechselnd anruft.) Mir ging es mit meinem Freund zu Anfang genau
andersherum. Wir haben uns BEIDE ein bischen verändert und dem anderen gegenüber
Zugeständnisse gemacht und inzwischen klappt das sehr gut. Es gibt eben Nähe und
Distanz-Menschen die sich dann in der Mitte treffen sollten.

Wenn es eher die Kontrolle ist, die Deine Gedanken bestimmt bzw. er in keinem Punkt bereit
ist auf Deine Bedürfnisse einzugehen und Du trotzdem nicht von ihm loskommst, dann solltest
Du Dir die Frage stellen was das eigentlich ist, dass Du Dir (immer ?) Männer aussuchst,
deren Liebe Du nicht sicher sein kannst. Ein „uralter Klassiker“ aber immer noch ziemlich
passend finde ich dazu das Buch „Wenn Frauen zu sehr lieben“.

liebe Grüße
Antje