Trinkgeld 'hinterzogen'

Hallo,
was haltet ihr davon : in einem Restaurant werden Lochkarten für die Gäste ausgegeben.
Kellner lochen mit einer Spezialzange den Betrag der Bestellung in die Karte.
Diese wird an der Kasse dann zur Bezahlung vorgelegt.
Da die Kellner hier kein Geld kassieren, entfällt auch in der Regel das Trinkgeld
wie beim normalen Service. Geld auf den Tisch legen, wie in USA üblich, ist hier ja
noch nicht so angesagt.

An der Kasse steht ein richtig dickes Sparschwein. Kein Schild o.ä.
Jeder Gast vermutet beim Bezahlen natürlich, das ist für die Kellner und wirft in der
Regel auch einen Obolus da rein.
Aber denkste - das benutzt der Chef ausschließlich für sich. Die Kellner sagen
hinter vorgehaltener Hand dem Stammgast, wie es wirklich gehandhabt wird.

Kann man dieses Verhalten des Chefs irgendwie juristisch einordnen?
Fragt hier ganz ratlos der Ratlose.

Hi

Kann man dieses Verhalten des Chefs irgendwie juristisch
einordnen?
Fragt hier ganz ratlos der Ratlose.

Habe ich das richtig verstanden?

Da stellt jemand gut sichtbar ein Sparschwein auf und Menschen werfen dort aufgrund einer - vielleicht naheliegenden - Vermutung, Geld hinein und keiner kommt auf die Idee erstmal zu fragen, wofür das Geld verwendet wird?

Keine Ahnung, ob es juristisch irgendwie einem Chef angekreidet werden kann, daß Menschen etwas einfach annehmen und danach handeln, als sich erst zu vergewissern.
Aber bei der seltsamen Rechtsprechung, die es manchmal gibt, ist es durchaus möglich, daß ein Chef juristisch gegen irgendwas verstößt, wenn er ohne weitere Informationen ein Sparschwein in einen Kassenbereich stellt und Menschen dort Geld reinwerfen ohne sich zu informieren was damit geschieht.

Gruß
Edith

Habe ich das richtig verstanden?
Da stellt jemand gut sichtbar ein Sparschwein auf und
Menschen werfen dort aufgrund einer - vielleicht
naheliegenden - Vermutung, Geld hinein und
keiner kommt auf die Idee erstmal zu fragen, wofür
das Geld verwendet wird?

Genau, wenn man die Kasse beobachtet, fragt wirklich keiner.
Alle gehen automatisch vom Trinkgeld aus.
Dieses System erzeugt sogar noch höhere Trinkgelder.
Wenn beispielsweise eine Rechnung 12,40 lautet, wird häufig
gesagt - machen sie 13,00. Also 0,60 Tip. Hier wird der Betrag
an der Kasse exakt bezahlt und die Leute werfen 1 oder sogar
2- EUR Stücke in das Sparschwein.
Ich vermute auch noch, das diese Einnahme unversteuert
von Eigentümer genutzt wird. Die Größenordnung dürfte
der Besucherzahl entsprechend im hohem vierstelligen
Bereich monatlich liegen.

Hallo,

so etwas habe ich noch nie gesehen, oder gehört. Das mit dem Sparschwein finde ich äußerst merkwürdig.
Bei diesem komischen Chef und der eigenartigen Geschäftsführung wird es sicherlich Ärger geben, wenn du meinen Rat befolgst!:
Stellt ein eigenes Sparschwein auf - das dürft ihr. Das nehmt ihr dann zum Schluß mit, damit er es nicht knacken kann.
Es ist Euch nicht zuzumuten, für ihn Trinkgelder einzusammeln, die er mit Sicherheit nicht versteuert!
Das würde ich mir nicht gefallen lassen.

Grüße Heinz
(auch in der Gastronomie)

so etwas habe ich noch nie gesehen, oder gehört. Das mit
dem Sparschwein finde ich äußerst merkwürdig.

Richtig, empfinde ich ebenfalls so

Bei diesem komischen Chef und der eigenartigen
Geschäftsführung wird es sicherlich Ärger geben, wenn du
meinen Rat befolgst!:
Stellt ein eigenes Sparschwein auf - das dürft ihr. Das nehmt
ihr dann zum Schluß mit, damit er es nicht knacken kann.
Es ist Euch nicht zuzumuten, für ihn Trinkgelder einzusammeln,
die er mit Sicherheit nicht versteuert!
Das würde ich mir nicht gefallen lassen.

Jetzt bin ich aber nicht beteiligt. Sozusagen nur hypothetischer Gast.

Grüße Heinz
(auch in der Gastronomie)

Mit ratlosem Gruß

Hallo,

allenfalls ist hier an Betrug zu denken.

http://www.rechtsanwalt-louis.de/betrug.htm

Wie beim Spenden- oder Bettelbetrug liegt Betrug auch dann vor, wenn durch eine vorsätzliche - auch
konkludente - Täuschungshandlung ein Irrtum beim Gast erregt wird, dass das Geld dem Service
zukommt, tatsächlich aber dieser Zweck nicht erreicht wird.

Nur wird der Wirt ja immer sagen, dass kein Vorsatz vorlag und er nie die Absicht hatte, diesen Eindruck
zu erwecken (es steht ja nicht etwa „Trinkgeld“ / „Für das Servicepersonal“ auf dem Schwein). Und
warum soll der Gast nicht auch dem Chef - über den Preis hinaus - etwas zuwenden können, und sei es,
weil er das Kleingeld nicht haben will, der Chef aber eine stimmige Kasse.

Viele Grüße
EK

Danke - Re: Trinkgeld ‚hinterzogen‘
Danke für die Antworten. Schon ganz interessant, besonders die von Herrn Krull.
In so einem Fall ist wohl die Steuerfahndung der erste Ansprechpartner. Der Rest ergibt sich dann
vermutlich von allein.
Danke & Gruß