TRK-Wert - Definition

Hallo!

Mein Sohn lernt gerade fleißig für die Chemie-Arbeit :smile:

Er erklärt mir hingebungsvoll und ausführlich MIK- und MAK-Werte, nur beim TRK-Wert stehe ich völlig auf dem Schlauch.

Unter der Technischen Richtkonzentration (TRK-Wert) eines gefährlichen Stoffes versteht man diejenige Konzentration als Gas, Dampf oder Schwebstoff in der Luft, die nach dem Stand der Technik erreicht werden kann und die als Anhalt für die zu treffenden Schutzmaßnahmen und die messtechnische Überwachung am Arbeitsplatz heranzuziehen ist. (…)
(Hervorhebung durch mich)

Bitte was heißt das auf deutsch?

Mit der Definition von Wikipedia kann ich schon mehr anfangen - die sagt aber meiner Meinung nach etwas anderes aus.

Die Technische Richtkonzentration (TRK-Wert) gab die Konzentration eines Stoffes als Gas, Dampf oder Schwebstoff in der Luft am Arbeitsplatz an, die nach Stand der Technik maximal erreicht werden darf. (…)

Ich bitte um Erklärung!

Hanna,
die auch gerne den Chemie-Stoff begreifen würde …

Hallo Hanna!

Soweit ich mich noch richtig an meine Toxikologie-Vorlesung erinnere, stimmt tatsächlich die erste Formulierung. Die Technische Richtkonzentration wurde für alle Stoffe eingeführt, bei denen es einfach technisch nicht möglich ist, mit der Belastung noch niedriger zu gehen.
Mir fällt jetzt spontan kein Beispiel dafür ein, aber es gibt einfach chemische Prozesse, die notwendig sind und aus unserem täglichen Leben nicht wegzudenken sind, aber dennoch ein großes Maß an Schadstoffen freisetzen. (Autos z.B. oder Tankstellen mit ihren Benzin- und Dieseldämpfen) Wenn so eine Situation an einem Arbeitsplatz entsteht, so wird die TRK so tief festgelegt, wie es technisch nur irgendwie machbar ist. Und dieser Wert muss dann vom Arbeitgeber eingehalten werden. Das ist nur ein schlechter Kompromiss, aber besser als gar keine Regelung. Dann nämlich kann der Arbeitgeber tun und lassen was er will.

LiGrü
igel

Hallo igel!

Schön, Dich wieder mal zu treffen, wenn auch nur virtuell :smile:

Mir fällt jetzt spontan kein Beispiel dafür ein,

Mein Sohn glaubt sich an radioaktive Strahlung erinnern zu können.

aber es gibt
einfach chemische Prozesse, die notwendig sind und aus unserem
täglichen Leben nicht wegzudenken sind, aber dennoch ein
großes Maß an Schadstoffen freisetzen.

Klar doch :smile:

(Autos z.B. oder
Tankstellen mit ihren Benzin- und Dieseldämpfen) Wenn so eine
Situation an einem Arbeitsplatz entsteht, so wird die TRK so
tief festgelegt, wie es technisch nur irgendwie machbar ist.

DAS wäre logisch.

Die erste Definition sagt aber:

_versteht man diejenige Konzentration als Gas, Dampf oder
Schwebstoff in der Luft, die nach dem Stand der Technik
erreicht werden kann _

Und das ist in meinen Augen kein festgeleger niedrig gehaltener Grenzwert. Eher hört sich das an wie: „Wieviel Schadstoff fasst die Luft maximal, wenn wir alle Register ziehen, sie zu verpesten? 88% oder doch 89%?“

Noch immer etwas ratlos,

Hanna

Moin Hanna,

die
nach dem Stand der Technik erreicht werden
kann
:
Bitte was heißt das auf deutsch?

das bedeutete, daß es etablierte Verfahren gab, mit deren Hilfe man mit vertretbarem Aufwand bestimmte Stoffe zurückhalten konnte.
Vertretbarer Aufwand war auch so ein Gummiwort, denn es gab in etlichen Fällen Verfahren, die eine bessere Rückhaltung ermöglicht hätten, aber die waren eben zu teuer/aufwendig/sonstewas.
Die Definition war insgesamt recht schwammig und die Konzentrationen wurden auch immer wieder mal angepasst.
Ich schreibe in der Vergangenheitsform, weil es mittlerweile eine andere Richtgröße gibt, die Bürokraten wollen schließlich auch leben.

Diese Größe ist der Arbeitplatzgrenzwert AGW http://de.wikipedia.org/wiki/Arbeitsplatzgrenzwert
Als Übergangslösung ist die TRK aber in einigen Fällen immer noch zulässig.

Hanna,
die auch gerne den Chemie-Stoff begreifen würde …

das hat mit Chemie soviel zu tun wie ein Specht mit morsen :wink:

Gandalf

Und das ist in meinen Augen kein festgeleger niedrig
gehaltener Grenzwert. Eher hört sich das an wie: „Wieviel
Schadstoff fasst die Luft maximal, wenn wir alle Register
ziehen, sie zu verpesten? 88% oder doch 89%?“

Leider ist die Realität auf Schritt und Tritt um uns. Chemische Techniken, chemische Prozesse und chemische Stoffe sind allgegenwärtig. Kunststoffe, Farben, Textilien, Baustoffe, Lebensmittel-Zusätze, Medikamente. Irgendwie müssen wir immer (!) den eventuellen Schaden mit dem vorhandenen Nutzen kritisch aufrechnen. Bisher ist man zumindest bei uns mit dieser Strategie gut zurecht gekommen. Blödes Beispiel, aber hilfreich: Am besten würde man derzeit am Horn von Afrika nicht mehr mit dem Schiff unterwegs sein. Dann wäre auch kein Risiko mehr, von Piraten überfallen zu werden.
Udo Becker

Hi Hanna!

Schön, Dich wieder mal zu treffen, wenn auch nur virtuell :smile:

Ich freu mich auch immer wieder, wenn ich dich hier irgendwo lese. Nach Weihnachten bin ich übrigens für ein paar Tage in OÖ…

Die erste Definition sagt aber:

_versteht man diejenige Konzentration als Gas, Dampf oder
Schwebstoff in der Luft, die nach dem Stand der Technik
erreicht werden kann _

und ich zitiere mich selbst:

so wird die TRK so
tief festgelegt, wie es technisch nur irgendwie machbar ist.

Du verstehst das in der falschen Richtung. Technik an sich ist nicht immer böse (;-p) und kann nicht nur dazu eingesetzt werden, die Schadstoffkonzentration zu erhöhen, sondern auch zu senken. Aber nach dem Stand der Technik ist es eventuell nicht möglich, die Konzentration noch weiter zu senken. Also legt man den Wert so niedrig, wie er nach Stand der Technik nur irgendwie erreicht werden kann. :smile:

LiGrü
igel

Danke an alle!
Jetzt kenn ich mich aus! :smile:))

Hanna