Hallo
Dennoch habe ich schon wieder eine verseuchte Computer-Kiste.
Wie kann das sein?
Surfen mit Adminrechten erleichtert es Viren, Trojanern etc. sich im System einzunisten. Wenn Du es ausserdem versäumst, nicht nur die Signaturen des Virenscanners, sondern auch das System und die sonstigen Programme stets mit den neusten Updates etc. zu versorgen und z.B. den IE als Browser verwendest und der zudem noch unsichere Einstellungen hat, ist es wirklich nur eine Frage der Zeit, bis Dein System verseucht ist.
Evt. hast Du auch zu häufig auf Dateianhänge von E-Mails geklickt und Dich nur gewundert, warum da (vermeintlich) nix passiert.
Normalerweise macht er auch Alarm, sobald sich was in einer
neuen Datei befindet, nur manchmal halt auch nicht.
Vorsicht. Virenscanner sind unzuverlässig. Du darfst Dich nie (allein) auf einen Virenscanner verlassen. Virenscanner vergleichen in erster Linie bestimmte Bytefolgen im Code von Dateien mit den Einträgen in den Signaturen. Stimmt die geprüfte Bytefolge mit einem Signatur-Eintrag überein, schlägt der Scanner an. Sonst nicht. Wenn er anschlägt, heisst das aber nicht zwangsläufig, dass die fragliche Datei wirklich verseucht ist. Und wenn er nicht anschlägt, heisst das auch nicht zwingend, dass die Datei sauber ist. Streng genommen bedeutet es schlicht gar nichts. Die Datei könnte versucht sein oder auch nicht.
Gibt es vielleicht einen noch besseren Schutz?
Natürlich. Der beste Schutz nennt sich ‚Sicherheitskonzept‘ und beinhaltet in jedem Fall folgende Komponenten:
-
Sorgfältige Wahl von Betriebssystem und Programmen. Muss es zwingend Windows sein? Oder könnte z.B. Linux eine Alternative darstellen? Muss es unbedingt der IE zum Surfen sein? Oder darf es auch ein richtiger Webbrowser wie z.B. Firefox sein?
-
Sorgfältige Konfiguration von Betriebssystem und Programmen. Z.B. nicht benötigte Dienste abschalten oder so konfigurieren, dass sie nicht nach aussen hin lauschen. Wobei bei Verwendung eines Routers dieser Punkt evt. etwas weniger dramatisch ist. Und beim E-Mailprogramm solltest Du einstellen, dass alle E-Mails grundsätzlich als ‚Nur Text‘ angezeigt werden, damit nichts ohne Dein Zutun ausgeführt wird, was ggf. in den E-Mails eingebaut ist.
-
Betriebssystem und Programme stets aktuell halten. Etwa durch Verwendung der ‚Automatische Updates‘ und ähnlichen Funktionen.
-
Möglichst nur die Programme installieren, die auch wirklich benötigt werden. Zum Testen von Tools etc. ist eine virtuelle Maschine (VMWare, VirtualPC…) hilfreich. Und nur was sich beim Test als nützlich etc. erweist, kommt dann auf das ‚scharfe System‘.
-
Nach Möglichkeit einen Benutzer mit eingeschränkten Rechten erstellen und für die tägliche ‚Arbeit‘ verwenden. Falls man sich dann doch mal eine Malware (Virus, Trojaner…) einfängt, kann die deutlich weniger Schaden anrichten, weil die Dinger in der Regel die selben Rechte haben wie der Benutzer, der sie (absichtlich oder nich) startet und der dann auf gewisse Systemverzeichnisse nur Lesezugriff hat.
-
Generelle Vorsicht im Umgang mit Daten aus unbekannter oder unsicherer Quelle. Wobei das Internet (Webseiten, E-Mail, ICQ, Filesharing…) grundsätzlich als unsichere Quelle einzustufen ist.
-
Verdächtige Dateien kann man bei Virus Total, Jotti etc. hochladen, wo sie dann von einer Vielzahl von Virenscannern (mitunter bis zu 36 Stück…) geprüft werden. Dieses Ergebnis erlaubt eine bessere Einschätzung, ob die jeweilige Datei verseucht ist oder nicht.
-
Wissen aneignen. Je besser Du Dich mit der Materie auskennst, desto besser kannst Du potentielle Gefahren einschätzen, gewisse Gefahren vermeiden und für gewisse Gefahren geeignete Vorsichtsmassnahmen ergreifen.
-
Daten und evt. das ganze System regelmässig extern sichern. Die Daten, damit Du im Fall einer Verseuchung oder eines Hardware-Defekts keine oder nur wenige Daten verlierst, die Dir ggf. wichtig sind. Und das System (z.B. mittels Programmen wie Acronis TrueImage), um das System im Notfall möglichst rasch wieder lauffähig zu bekommen. Das ‚Flach machen und neu aufsetzen‘ verliert damit seinen Schrecken weitgehend.
Sicherheitssoftware wie Virenscanner, Personal Firewalls etc. können diese Massnahmen evt. in gewissem Umfang ergänzen. Niemals aber ersetzen. Verhalte Dich prinzipiell immer gleich vorsichtig, egal ob ein Virenscanner etc. installiert ist oder nicht. Verhalte Dich bei unbekannten Daten (z.B. E-Mailattachments) wie wenn Dir jemand eine Waffe in die Hand drückt -> Betrachte die Datei grundsätzlich als gefährlich/verseucht (die Waffe als geladen), bis Du Dich mittels geeigneter Massnahmen davon überzeugt hast, ob die Datei gefährlich ist oder nicht (bis Du mittels Entladekontrolle geprüft hast, ob die Waffe geladen ist…).
Wenn Dir all dies zu aufwendig und zu kompliziert erscheint, denk trotzdem eingehend darüber nach, ob Du Dir das aneignen kannst bzw. willst. Wenn nicht, solltest Du für die Konfiguration und die Wartung des Systems jemanden kontaktieren, der sich damit auskennt und der alles so macht, wie hier erläutert. Dann kannst Du Dich darauf beschränken, das System zu benutzen. Wobei Du auch dann eine gewisse Vorsicht walten lassen musst…
CU
Peter