Troll

Hier im Forum kann ich mit Trollen ganz gut umgehen: Ich versuche, arrogante, provokative Postings schnell zu vergessen, indem ich weiterklicke. Ich vertraue auf die Weisheit der Mituser, den Troll nicht zu füttern und seine Postings zu ignorieren. Im Extremfall muss der MOD eingreifen und im ganz extremen Extremfall löscht das Team den Eintrag des Trolls.

Was aber, wenn mein 13jähriger zu Hause sich aufführt wie der ärgste Troll? Er beleidigt ständig seine jüngeren Brüder, stellt aus Lust und Laune Gesetze auf, deren Befolgung durch die Brüder er verlangt (natürlich ohne sich selbst an diese Regeln zu halten!!!) und provoziert Streit am laufenden Band. Ich bin den ganzen Tag damit beschäftigt, ihn im Zaum zu halten.

DAS KOSTET MICH DEN LETZTEN NERV!!! *erschöpftbin*

Ich versuche, ihm Zuwendung zu geben, und mit mir ist er auch oft ganz lieb, kommt mehrmals täglich und sucht Körperkontakt. Wenn meine Kräfte es zulassen, versuche ich auch, ihm Lob und Anerkennung zu geben - vielleicht nicht genug, was weiß ich. Ich horche ihm zu, wenn er mit seinen Spielfiguren Kampfszenarien aufstellt und mir bis ins Detail erklärt, welche Waffe was alles kann und mit welcher Taktik der Held seine abertausenden Feinde besiegt.

Ich habe das Gefühl, ihm alles zu geben was ich kann und doch immer noch zu wenig zu geben.

Wer kann mir helfen?

Hanna

Oh, Hanna,
wie gut ich das kenne. Dieses Alter der beginnenden Hormon-Umstellung ist für jedes Kind anders und jedes reagiert unterschiedlich auf die körperlichen und seelischen Veränderungen und wird dabei sich selbst und anderen zum Geduldsprüfstein.
Geborgenheit und Sicherheit ist in dieser Zeit das Wichtigste, was wir den Heranwachsenden geben können. Aber wir müssen aauch ihren Aktionsradius dem wachsenden Selbstbewußtsein anpassen - obwohl gerade das Selbstbewußtsein, die Selbstsicherheit eben gerade noch teilweise unterentwickelt ist.
Mein Rat: übertrage ihm verantwortlich Aufgaben in der Familie - z.B. den kleineren Geschwistern bei den Hausaufgaben zu helfen. Gib ihm aber auch die Anerkennung, wenn er sich als „Erwachsener“ benommen hat. Schicke ihn nicht mit den „Kleinen“ zu Bett, Beziehe ihn in „Erwachsenengespräche“ ein. Er muß jetzt eine neue Rolle lernen. Sage ihm ruhig, dass Du ihn gern als „Fast-Erwachsenen“ akzeptierst, wenn er sich so benimmt, dass Du das aber nicht kannst, wenn er sich als Kind aufführt.
Übrigens ist in dieser Zeit das männliche Vorbild des Vaters besonders gefragt. Der sollte deutlich mehr Zeit dem Knaben widmen als die Mama.

Ansonsten wünsche ich Dir starke Nerven
Gruß Eckard.

Hallo Eckard,

Mein Rat: übertrage ihm verantwortlich Aufgaben in der Familie

  • z.B. den kleineren Geschwistern bei den Hausaufgaben zu
    helfen.

So gut ich den Rat grundsätzlich finde - dieses Beispiel ist gewagt. Warst du denn nie ein jüngerer Bruder, den ein tyrannischer Größerer als Übungsuntertan benutzt hat ?

Und Hanna,
steck dein schlechtes Gewissen in die Tasche. Du kannst ihm nicht alles geben, was er braucht. Deine Anerkennung hat er doch und das weiß er auch. Jetzt muß er Neuland erobern, muß seine Muskeln spielen lassen und sich Respekt verschaffen. Du kannst nur da sein und beistehen. Mehr nicht. Fliegen muß er selber.

Grüsse

Heike

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Hast ja recht,

Warst du denn nie ein jüngerer Bruder, den ein
tyrannischer Größerer als Übungsuntertan benutzt hat ?

liebe Heike,
nein, ich war weder kleinerer noch größerer Bruder. Daher ist mir natürlich die eigene Erfahrung sowohl mit Tyrannen als auch Untertanen erspart geblieben :smile:
Was ich meinte, war einen gewissen Beschützerinstinkt zu wecken (ich glaube der schlummert in jedem Knaben) und der ist im Außenverhältnis ja auch meist sehr ausgeprägt, selbst wenn er intern nicht sichtbar wird.
Was aber m.E. wichtig ist, dass er Verantwortung in der Familie übernimmmt, mit dieser Verantwortung auch einen größeren Aktionsradius und größere Freiheit und Selbständigkeit gewinnen sollte.
Da das natürlich ein Prozeß ist, den auf Versuch und Irrtum beruht - wie jede Bestrebung zur Ausweitung der eigenen Grenzen - braucht es da bei den Eltern immer sehr viel „flexible Festigkeit“ (einerseits konsequente Einhaltung der Grenzen zu fordern, andererseits deren Ausdehnung zu gestatten, wenn sich verantwortungsvoller Umgang mit den erworbenen Freiheiten feststellen läßt).
Ständige Kommunikation, laufende Diskussion, fortgesetzte Erklärung und Standortdefinition ist da notwendig. Ja ich weiß, das sagt sich leichter als es getan werden kann, wenn man hier vor dem Rechner sitzt und nicht dem aufgebrachten, aufsässigen Rotzbengel gegenübersteht, in dem man kaum mehr ein eigenes Kind erkennen mag.
Grüße
Eckard.

Hallo Hanna,

du hast ja schon hilfreiche Ratschläge bekommen, aber ich möchte gern noch etwas ergänzen: Bei allem Stress und Frust, den du jetzt auszuhalten hast, solltest du nicht vergessen, dass dein Sohn dich mit diesem Verhalten ganz bestimmt nicht ärgern will. Er wird diese ambivalente Phase (hier Kind - da „Neu-Erwachsener“) selbst oft als verstörend und quälend empfinden.
Was man - nach meiner Beobachtung - möglichst vermeiden sollte, ist, den Jungen auf eine der wechselnden Rollen, die er jetzt spielt, festlegen zu wollen („Also du warst doch eben schon ganz vernünftig, dann benimm dich jetzt bitte nicht wieder wie ein Baby“…). Er KANN sich nicht konsequent wie ein „Großer“ oder ein „Kleiner“ verhalten. Besonders schlimm für die meisten Jugendlichen in dieser Situation ist es, wenn man diese Schwankungen - unter denen sie, wie gesagt, selbst leiden - ironisch kommentiert oder allzu herablassend behandelt („Du hörst schon wieder mal auf zu spinnen“). Dabei kann jedes Vertrauen verloren gehen!
Versuche diese stürmische und kräftezehrende Zeit mit ihm durchzustehen und zeig ihm ruhig auch mal, dass du selbst ratlos bist (möglichst aber ohne Vorwurf).
Ich meine natürlich nicht, dass du ihm unbeschränkte „Narrenfreiheit“ einräumen solltest - die „Schmerzgrenze“ der anderen muss respektiert werden.
Aber ich denke, dein Sohn wird wohl auch in seinem bisherigen Leben gelernt haben, dass er bei willkürlichem groben Fehlverhalten mit Sanktionen rechnen muss.

Ich wünsche dir Durchhaltevermögen und eine große Portion Gelassenheit - und freu dich mal schon auf den Super-Sohnemann, den du in absehbarer Zeit bestimmt haben wirst!

Gruß
Kreszenz

Liebe Hanna,

das hört sich ganz danach an, als ob Dein pubertierender Sohn sich eifrig darum bemüht, sich von seinen jüngeren Geschwistern (diesen „Kindern“!) abzugrenzen, als angehender Erwachsener Anerkennung und Beachtung verschaffen zu wollen, aber bei der Wahl der Mittel noch sehr unsicher ist. Vermutlich wirst Du Dich wohl oder übel darauf einstellen müssen, dass dieser Zustand noch eine Weile anhält.
Im Grunde genommen machen doch Teenager nichts anderes als Kleinkinder: Sie sind ständig dabei, ihre Grenzen auszuloten und zu testen, ob die Regeln von gestern auch heute noch Gültigkeit haben. Sie tun es nur wesentlich raffinierter und ausdauernder - das macht die Sache oft so kompliziert und nervig!

Mein Vorschlag: Führe Deinem kleinen „Troll“ vor Augen, welche Privilegien er gegenüber seinen jüngeren Geschwistern genießt (höheres Taschengeld, abends länger wach bleiben, bei Freunden übernachten dürfen, bestimmte Kino- oder Fernsehfilme sehen oder was noch alles). Mache ihm aber auch unmissverständlich klar, dass nicht ER seine Brüder erzieht, sondern DU, dass Du sein Verhalten nicht tolerierst, und dass er ggf. als Konsequenz eine Einschränkung seiner Vorrechte für geraume Zeit in Kauf nehmen muss.

Ich kann nur bestätigen, was Dir bereits jemand schrieb: Suche die „Schuld“ für das Verhalten Deines Sohnes nicht bei Dir !!! Du gibst ihm doch Zuwendung, Aufmerksamkeit, Zeit, Körperkontakt! Das ist für einen Teenager mindestens genauso wichtig wie für den Säugling die Muttermilch! :smile:
(Auch wenn man bei Teenies gelegentlich damit auf Ablehnung stößt…!)

Vielleicht schont es Deine Nerven etwas, wenn Du Dir bissel Hornhaut auf den Trommelfellen wachsen lässt und die Kinder ab und zu ihre Reibereien auch mal allein untereinander austragen müssen. Schließlich müssen die jüngeren Geschwister auch lernen, sich nicht alles bieten zu lassen.

In diesem Sinne möchte ich Deiner netten Zitatensammlung weiter unten noch zwei Lebensweisheiten hinzufügen:

Sind die Kinder klein, müssen wir ihnen helfen, Wurzeln zu fassen. Sind sie aber groß geworden, müssen wir ihnen Flügel schenken.
(Aus Indien)

Humor ist der Knopf, der manchmal verhindert, dass uns der Kragen platzt.
(Joachim Ringelnatz)

Viele Grüße,

Anita

Was aber, wenn mein 13jähriger zu Hause sich aufführt wie der
ärgste Troll? Er beleidigt ständig seine jüngeren Brüder,
stellt aus Lust und Laune Gesetze auf, deren Befolgung durch
die Brüder er verlangt (natürlich ohne sich selbst an diese
Regeln zu halten!!!) und provoziert Streit am laufenden Band.
Ich bin den ganzen Tag damit beschäftigt, ihn im Zaum zu
halten.

DAS KOSTET MICH DEN LETZTEN NERV!!! *erschöpftbin*

Ich kann Dir nicht helfen…nur trösten kann ich Dich…es geht da den Menschen wie den Leuten!

Ich habe (zum Glück???) zwei solche Trolle zu Hause, den lieben langen Tag zetern sie sich an, passen auf das der andere nur keinen Fehler macht, streiten sich grundsätzlich um alles. Jeder will bestimmen wer wann ins Bad darf und wer welchen Joghurt zu essen oder nicht zu essen hat…usw.usf. Vorteil ist aber, daß ihre ‚Kräfte‘ relativ gleich verteilt sind und ich somit keinen Schwächeren zu schützen habe.

Ich reagiere wenn möglich gelassen. Ab und an weise ich nachdrücklichst darauf hin, daß in meiner Gegenwart nicht zu streiten ist ( oder daß ich auch aufhören könnte überhaupt Joghurt zur Verfügung zu stellen ) und notfalls jeder sein Kinderzimmer zur Verfügung hat um sich auszutoben, wenn es nicht anders geht, auch mal ein ganzes Wochenende. Für den Rest gilt…Augen zu und durch…es wird vorbei gehen, ich glaube fest daran, immerhin weiß ich heute, auch die Trotzphase ging WIRKLICH vorbei .

In diesem Sinn, Kopf hoch!!
Gruß Maid :wink: