Hallo zusammen,
wir sind etwas ratlos, da wir nicht wissen, wie wir weiter damit umgehen sollen. Es geht um folgendes: Unser Sohn Luca (3,5) geht seit ein paar Monaten in den Kindergarten. Seit ca. 2 Monaten schläft er schlecht (o.k. das haben wir uns mit den vielen neuen Eindrücken aus dem KiGa erklärt - können wir mit Leben. Aber seit ca. 3 Wochen hat er 2-3 mal täglich irgendwelche Trotz-, Bock- und/oder Wutanfälle. Ihm passt was nicht (es kann jeder Kleinigkeit sein) und er rasstet förmlich aus: Er schreit, wirft diverse Sachen umsicht, schlägt nach uns, etc…). Tagsüber könnte man ihn noch ignorieren, aber was ist nachts? Es ist nicht immer zur gleichen Tages-/Uhrzeit, aber mind. 1 x täglich.
Das komische nach ca. 15 Minuten beruhigt er sich wieder und ist das liebste Kind, als wenn nichts gewesen wäre…
Wie gesagt, wir wissen hier momentan nicht mehr weiter, wie wir uns verhalten sollen. Ist das auch wieder nur eine sog. Phase (wie lange geht das noch?)? Kennt Ihr das und was habt Ihr gemacht.
Wir sind über jeden Tipp und Rat dankbar!
Wir haben gewartet, bis es vorbei ist, aber wir haben ihm schon klar gemacht, dass wir sein Verhalten nicht gut finden. Freilich ist das sehr zeitaufwendig. Unser z. B. legte sich immer flach auf die Erde und schrie, wenn ihm etwas nicht passte. Leider suchte er sich dafür die unpassendsten Orte und Zeiten aus: etwa zwischen zwei Ampeln (!), also mitten auf einer ziemlich stark befahrenen Straße oder wenn wir gerade den Zug erreichen müssen.
Mein Rat also: Deutlich den eigenen Standpunkt vertreten, aber bedenken, dass diese Entwicklungsphase notwendig ist.
Hi,
ich habe die Erfahrung gemacht, daß diese Phase sowohl für die Kinder als auch für die Eltern sehr lehrreich ist. Sie ist insbesondere für uns Erwachsene entscheidend, in welche Richtung sich das zukünftige Verhältnis mit den Kindern entwickeln wird.
Zum einen ist diese Phase notwendig und natürlich, so daß man sie weder unterdrücken kann noch sollte. Zum anderen ist es so, daß die Kinder durch ihr Ausrasten plötzlich entdecken, daß sie in solchen Ausnahmesituationen eine ungeheure Macht über uns und unsere Reaktionen haben: hier können sie alles, was sie sonst nicht dürfen, da sie „weggetreten“ sind. Es kann dabei sehr leicht passieren, daß aus einer Ausnahme eine regelmäßig wiederkehrende Aktion wird.
Ich habe festgestellt, daß man mit den Kindern durchaus vernünftig reden kann, indem man ihnen solche Ausrastereien nicht durchgehen läßt. Angefangen beim Essen (Anekdote: mein Sohn wollte unbedingt nur mit seinem Löffel essen, der aber dreckig in der Spülmaschine war; ich sagte ihm: hey, kein Thema, wenn Du das nicht essen willst, ich esse es auch. Gesagt, getan - nachdem er gesehen hat, daß es mir ernst war, hat er nicht mehr mit dem Essen gezickt) oder, wie bei Dir, mit dem Straßenverkehr, gibt es einfach Dinge, bei denen ich das nicht möchte. Da sage ich einfach: so nicht, rede mit mir, aber schrei mich nicht an. Für alle anderen können sie sich gerne austoben; hier haben sie im Kinderzimmer eine Rückzugsmöglichkeit.
Wie mit allen Dingen im Leben besteht die Kunst darin, den goldenen Mittelweg zu finden. Ich habe Jahre dazu gebraucht, glaube aber, daß ich den mittlerweile schneller erreiche. Meine jüngste Tochter (2 Jahre) zickt wesentlich weniger als es die beiden älteren getan haben!
Hallo,
auch unser Kleiner (4) hatte diese Phase. Konsequent bleiben ist da wohl das wichtigste aber sicher auch nicht das einfachste. Bei uns gings meistens Abends los, wenn er müde vom Kindergarten war (Nachmittagsgruppe). Wir haben ihn dann meistens ins Zimmer zum „Ausspinnen“ geschickt, nach ein paar Minuten konnte man mit ihm wieder reden und die Sache friedlich klären. Wenn es ausserhalb von Zuhause passiert ist, war es natürlich schwieriger und die Kommentare der Verwandten und evtl. Passanten waren entsprechend nerviger.
Jetzt kommt es allerdings selten vor. Er hat immer noch ab und zu eine schwierige Phase (vor allem wenn er müde ist) aber es passiert recht selten.
diese phase gehört (leider) dazu. ich kann ein lied davon singen. mein sohn ist jetzt 5 und als er ca. 3,5 jahre war, war es besonders schlimm. wegen kleinigkeiten flippte er völlig aus. ich sah natürlich nicht ein, nachzugeben und er wurde noch rasender. da reden und erklären in diesen momenten sowieso keinen sinn macht, habe ich ihn in solchen zu eskalierenden situationen in sein zimmer geschickt. dort konnte er sich „austoben“, meinetwegen auch sachen um sich rum schmeißen und sich abreagieren. nach ein paar minuten (selten auch ein viertel stündchen) war der spuk vorbei und er war wieder „auf dem teppich“. die sache war dann für ihn vorbei und ich habe ihn auch nicht mehr darauf angesprochen.
angeblich sind solche phasen der entwicklung sehr wichtig für kleinkinder, da sie immer stärker spüren, selbstständig zu werden. andererseits brauchen sie genau in diesem alter viel liebe, aufmerksamkeit und anerkennung durch die eltern. diesen konflikt können kinder diesen alters natürlich noch nicht verstehen und sie reagieren mit trotz. aber laß dich nicht entmutigen, sowas ist vollkommen normal und geht vorbei.
allerdings habe ich noch nie gehört, daß so ein „anfall“ auch nachts kommt. bekommt luca vielleicht zu viel schlaf? schläft er nachmittags? dann würde ich das mal einstellen, damit er abends wie erschossen in die federn fallen kann und hoffentlich duchschläft!
so was machen wohl (fast) alle Eltern mit. Uns wurde es damit erklärt, daß die Kinder in diesem Alter erkennen, daß sie nicht mehr das Zentrum des Universums sind. Aber sie wollen trotzdem, daß alles so läuft, wie sie es wollen. Dieser Konflikt überfordert das Kind und es reagiert aggressiv. Gegenaggression ist eher verschlimmernd, aber konsequentes Hinweisen, daß das Verhalten nicht hingenommen wird (nach dem Anfall) hilft meist weiter.
Wenns tröstet, ewig dauerts nicht.
ich habe ebenfalls eine Sohn (3,5 Jahre) welcher in dieser Phase steckt.Im Wesentlichen wurde in den angeführten Beiträgen schon alles gesagt.
Ergänzen möchte ich noch folgenden Tipp den ich einmal von einer Kinderärztin bekommen habe:
Anscheinden ist es für die Kleinen in der Ausrastphase u. a. wichtig einen äußerlich Impuls von ihrem Körper als so eine Art Feedback zu bekommen (daher auch oftmals das flach auf den Boden legen…den Körper spüren). Ich nehme meine Sohn oftmals einfach während dieser Phase (fest) in den Arm und rede beruhigend auf ihn ein. Nachdem er wieder „ansprechbar“ ist kann die Umarmung dann gleich in ein Schmusen und später in ein Gespräch übergehen.
im wesentlichen kann ich dem bereits gesagten nur zustimmen!
Auch wenn es manchmal nicht leicht fällt, die Selbstbeherrschung und gute Nerven zu behalten - nehmt diese Phase ernst, setzt konsequent Grenzen (…„Dieses Verhalten, z.B. Schläge und Boxen, toleriere ich nicht…“), aber Ihr solltet die Wutanfälle Eures Sohnes nicht überbewerten.
Noch zur Ergänzung, ganz wichtig: Vermeidet ALLES, was Eurem Sohn während und nach so einem Trotzanfall in irgend einer Weise signalisieren könnte „Wir lehnen dich ab, wir haben dich nicht lieb, du bist böse… wenn du dich SO verhältst“ - auch wenn es so nicht wörtlich ausgesprochen wird!!
Ansonsten ist es mitunter wirklich heilsam, wenn das Kind auch mal (altersgemäß) die Konsequenzen seines Handelns auskosten darf (wie in dem Beispiel von José Harvey) !!