Tuberkulose

Hallo zusammen,

ich hätte ein paar Fragen zu Tuberkulose ausgehend von
http://www.netdoktor.de/krankheiten/fakta/tuberkulos…
und ähnliche Beschreibungen

Mein Verständnis davon ist dass wenn man mit Tuberkulosebakterien in Berühurung komme, einen Hauttest machen lässt und dieser positiv ausgeht (deutliche
Rötung und Schwellung), dass man dann auf jeden Fall Abwehrzellen gegen TB hat. Entweder von früher oder eben von aktuell.
Nehmen wir den aktuellen Fall an. Das heißt man ist jetzt infiziert.
Der Körper bekämpft also die Bakterien. Wenn alle vom Körper vernichtet werden, ist man dann vollkommen gesund? Oder bildet sich auf alle Fälle so ein Primärkomplex??

Robert Koch Institut:
„…Im Primärkomplex und anderen abgekapselten Herden können die Bakterien lange im Körper überleben, werden jedoch von Blutabwehrzellen ringartig eingeschlossen. Ob sich die Krankheit später weiter ausbreitet, hängt erneut von der Abwehrlage des Körpers ab. Sind die körpereigenen Abwehrkräfte intakt, bricht die Krankheit nicht aus. Sie kann jedoch Jahre später aktiv werden, wenn das Immunsystem geschwächt ist, sich die Tuberkuloseherde öffnen und Verbindung zum übrigen Körper bekommen…“

Sprich, wenn ich keinen Primärkomplex habe, kann dieser auch nicht aufgehen und ich kann nie mehr TB bekommen oder ansteckend werden??

Wenn man nach positivem Hauttest die Lunge geröntgt bekommt und man sieht nichts und nach 6 Wochen das gleiche noch mal u.wieder nichts sichtbar. Heißt das ich habe keinen Primärkomplex und bin geheilt/selbst geheilt? Oder kann es sein, dass ich so ein Primärkomplex habe aber man diesen nicht erkennt?

Wann in diesem Ablauf bekommt man Medikamente?

Vielen Dank für die Antworten!

Gruß
Holger

Hallo

Mein Verständnis davon ist dass wenn man mit
Tuberkulosebakterien in Berühurung komme, einen Hauttest
machen lässt und dieser positiv ausgeht (deutliche
Rötung und Schwellung), dass man dann auf jeden Fall
Abwehrzellen gegen TB hat. Entweder von früher oder eben von
aktuell.

Ja, es handelt sich bei der Reaktion im Hauttest um eine allergische Reaktion vom verzögerten Typ, geht auf bestimmte Zellen des Immunsystems zurück.

Nehmen wir den aktuellen Fall an. Das heißt man ist jetzt
infiziert.
Der Körper bekämpft also die Bakterien. Wenn alle vom Körper
vernichtet werden, ist man dann vollkommen gesund? Oder bildet
sich auf alle Fälle so ein Primärkomplex??

M.tuberculosis ist ein intrazelluläres Bakterium. Die Krankheitserscheinungen, also auch der Primärkomplex, sind Ausdruck der Wirkung des Immunsystems. T-Lymphocyten sammeln sich um befallene Makrophagen, kapseln diese ab. Macrophagen, die zum Infektionsort gelangen, differenzieren sich weiter. Durch diesen Prozeß soll der Erreger kontrolliert, an der Ausbreitung gehindert und letztlich abgetötet werden. M.W. macht daher jeder, der sich mit M.tuberculosis infiziert, zumindest die ersten Schritte in der Entwicklung des Primärkomplexes durch.

Robert Koch Institut:
„…Im Primärkomplex und anderen abgekapselten Herden können
die Bakterien lange im Körper überleben, werden jedoch von
Blutabwehrzellen ringartig eingeschlossen. Ob sich die
Krankheit später weiter ausbreitet, hängt erneut von der
Abwehrlage des Körpers ab. Sind die körpereigenen Abwehrkräfte
intakt, bricht die Krankheit nicht aus. Sie kann jedoch Jahre
später aktiv werden, wenn das Immunsystem geschwächt ist, sich
die Tuberkuloseherde öffnen und Verbindung zum übrigen Körper
bekommen…“

Bei mehr als 90 % derjenigen die sich infizieren, werden die Bakterien abgetötet und es kommt auch später nicht mehr zu einer Reaktivierung. Bei etwa 10% bleiben die Mycobacterien in den ‚abgekapselten‘ Bereichen lebensfähig, es besteht das Risiko einer späteren Reaktivierung oder der Betroffene erkrankt gleich.

Sprich, wenn ich keinen Primärkomplex habe, kann dieser auch
nicht aufgehen und ich kann nie mehr TB bekommen oder
ansteckend werden??

Wenn man nach positivem Hauttest die Lunge geröntgt bekommt
und man sieht nichts und nach 6 Wochen das gleiche noch mal
u.wieder nichts sichtbar. Heißt das ich habe keinen
Primärkomplex und bin geheilt/selbst geheilt? Oder kann es
sein, dass ich so ein Primärkomplex habe aber man diesen nicht
erkennt?

6 Monate wäre wahrscheinlich besser. Ist der Röntgenbefund bei positiven Hauttest dann unauffällig ist man erst mal auf der sicheren Seite. Der Primärkomplex ist nicht notwendigerweise im Röntgen zu sehen.
Cave: Der Hauttest kann aus verschiedenen Gründen positiv sein. Hierzu zählt eine frühere BCG-Impfung und -zumindest bei dem weniger spezifischen Tyne-Test- auch der Kontakt mit einigen der atypischen Mykobakterien.

Wann in diesem Ablauf bekommt man Medikamente?

Nicht, wenn das Röntgenbild unauffällig bleibt.

Viele Grüße,
Oliver

Cave: Der Hauttest kann aus verschiedenen Gründen positiv
sein. Hierzu zählt eine frühere BCG-Impfung und -zumindest bei
dem weniger spezifischen Tyne-Test- auch der Kontakt mit
einigen der atypischen Mykobakterien.

Der Tyne-Test wird heute nicht mehr durchgeführt. Man weist an dessen Stelle das Tuberkulin nach. Tuberkulin ist nur nachweisbar, wenn sich eine sogenannte „Tuberkulin-Allergie“ entwickelt hat. Dies ist der Fall, wenn Tuberkel-Bakterien über die Lunge eingedrungen sind, sich also der Primärkomplex (s. Vorposting) gebildet hat (Primär-Tuberkulose). Nur dann hat der Körper auch Antikörper gegen dieses bakterielle Tuberkulin gebildet, und das braucht Zeit (Immunreaktion verzögerten Typs). Eine früher erfolgte Impfung macht den Test natürlich auch positiv, die Immunreaktion fällt dann in der Regel aber etwas schwächer aus. Heutzutage wird in Deutschland allerdings nur noch in Ausnahmefällen gegen TBC geimpft. Röntgenologisch ist der Primärkomplex (Primäraffekt) auf keinen Fall sicher nachzuweisen. Dafür ist er meist zu klein. D.h.: nur der Tuberkulintest gibt eine sichere Aukunft darüber, ob man mit TBC in Kontakt gekommen ist.

Zu deinen Befürchtungen: Der Mensch hat zum Glück gegen TBC eine relativ hohe, genetisch determinierte Resistenz. In der Regel kommt unser Immunsystem ziemlich gut mit dem Erreger zurecht. Gefährlich wird es nur, wenn dein Immunsystem geschwächt ist (z.B. bei HIV-Infektionen etc.). Dann kann es zu einer Reaktivierung der „schlafenden“ Bakterien kommen und führt dann zur sog. „Sekundär-Tuberkulose“. Kurz: wenn diese dann ins Bronchialsystem durchbricht, spricht man von einer offenen TBC. Und nur in diesem Stadium ist man infektiös. Therapiebedürftig ist man bei Immunschwäche und offener, bzw. drohender offener TBC.
Eine generelle Therapie (also auch bei Primär-TBC, um den Körper von Tuberkel-Baktererien zu „befreien“) würde wenig Sinn machen, da dies nie ganz gelingen wird und eine Reinfektion bei Kontakt mit einem Infektiösen jederzeit wieder möglich ist. Deshalb bekämpft man nur die gefährlichen Formen, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern.

Gruß, Dine

Hi Dine

Der Tyne-Test wird heute nicht mehr durchgeführt.

Er verschwindet zunehmend, und wird durch den Mendel-Manteaux-Test ersetzt.

Man weist an
dessen Stelle das Tuberkulin nach.

Tuberkulin ist die Testsubstanz, sowohl im Tyne Test als auch im Mendel-Manteaux Test (im letzteren gereinigt und in Bezug auf Antigengehalt standardisiert).

Tuberkulin ist nur
nachweisbar, wenn sich eine sogenannte „Tuberkulin-Allergie“
entwickelt hat. Dies ist der Fall, wenn Tuberkel-Bakterien
über die Lunge eingedrungen sind, sich also der Primärkomplex
(s. Vorposting) gebildet hat (Primär-Tuberkulose). Nur dann
hat der Körper auch Antikörper gegen dieses bakterielle
Tuberkulin gebildet, und das braucht Zeit (Immunreaktion
verzögerten Typs).

Klingt akademisch, aber mit dem Tuberkulintesten (Tyne oder Mendel-Manteaux) werden keine Antikörper nachgewiesen sondern eine zelluläre Immunität.

Eine früher erfolgte Impfung macht den Test
natürlich auch positiv, die Immunreaktion fällt dann in der
Regel aber etwas schwächer aus. Heutzutage wird in Deutschland
allerdings nur noch in Ausnahmefällen gegen TBC geimpft.
Röntgenologisch ist der Primärkomplex (Primäraffekt) auf
keinen Fall sicher nachzuweisen. Dafür ist er meist zu klein.
D.h.: nur der Tuberkulintest gibt eine sichere Aukunft
darüber, ob man mit TBC in Kontakt gekommen ist.

Es gibt neuerdings ein so genanntes ELISPOT Verfahren, welches angeblich zur Statusbestimmung besser geeignet ist als die Tuberkulin-Hautteste. Ist m.W. aber keine Kassenleistung und wird nur von wenigen (oder einem?) Labor durchgeführt.

Zu deinen Befürchtungen: Der Mensch hat zum Glück gegen TBC
eine relativ hohe, genetisch determinierte Resistenz. In der
Regel kommt unser Immunsystem ziemlich gut mit dem Erreger
zurecht. Gefährlich wird es nur, wenn dein Immunsystem
geschwächt ist (z.B. bei HIV-Infektionen etc.).

oder im Alter!!! Nicht wenige der in Deutschland erfassten TBC-Patienten erkranken im Alter auf Grund einer Reaktivierung einer latenten Tuberkulose.

Dann kann es
zu einer Reaktivierung der „schlafenden“ Bakterien kommen und
führt dann zur sog. „Sekundär-Tuberkulose“. Kurz: wenn diese
dann ins Bronchialsystem durchbricht, spricht man von einer
offenen TBC. Und nur in diesem Stadium ist man infektiös.
Therapiebedürftig ist man bei Immunschwäche und offener, bzw.
drohender offener TBC.
Eine generelle Therapie (also auch bei Primär-TBC, um den
Körper von Tuberkel-Baktererien zu „befreien“) würde wenig
Sinn machen, da dies nie ganz gelingen wird

Es würde gelingen. Kinder z.B. deren Mendel Manteaux positiv ist und bei denen eine latente Infektion vermutet wird, werden ein Jahr mit INH behandelt.

und eine
Reinfektion bei Kontakt mit einem Infektiösen jederzeit wieder
möglich ist. Deshalb bekämpft man nur die gefährlichen Formen,
um eine weitere Ausbreitung zu verhindern.

Des versteh ich jetzt nicht. Behandelt werden grundsätzlich alle an einer offenen TB erkrankten, unabhängig von der „Gefährlichkeit“ des jeweiligen Stammes (ich nehme an Du meinst damit die resistenten Stämme?)

Gruß, Dine

Hi Dine

Der Tyne-Test wird heute nicht mehr durchgeführt.

Er verschwindet zunehmend, und wird durch den
Mendel-Manteaux-Test ersetzt.

Man weist an
dessen Stelle das Tuberkulin nach.

Tuberkulin ist die Testsubstanz, sowohl im Tyne Test als auch
im Mendel-Manteaux Test (im letzteren gereinigt und in Bezug
auf Antigengehalt standardisiert).

Tuberkulin ist nur
nachweisbar, wenn sich eine sogenannte „Tuberkulin-Allergie“
entwickelt hat. Dies ist der Fall, wenn Tuberkel-Bakterien
über die Lunge eingedrungen sind, sich also der Primärkomplex
(s. Vorposting) gebildet hat (Primär-Tuberkulose). Nur dann
hat der Körper auch Antikörper gegen dieses bakterielle
Tuberkulin gebildet, und das braucht Zeit (Immunreaktion
verzögerten Typs).

Klingt akademisch, aber mit dem Tuberkulintesten (Tyne oder
Mendel-Manteaux) werden keine Antikörper nachgewiesen sondern
eine zelluläre Immunität.

D´accord, CD4± T-Zellen !! Mein Fehler!!

Eine früher erfolgte Impfung macht den Test
natürlich auch positiv, die Immunreaktion fällt dann in der
Regel aber etwas schwächer aus. Heutzutage wird in Deutschland
allerdings nur noch in Ausnahmefällen gegen TBC geimpft.
Röntgenologisch ist der Primärkomplex (Primäraffekt) auf
keinen Fall sicher nachzuweisen. Dafür ist er meist zu klein.
D.h.: nur der Tuberkulintest gibt eine sichere Aukunft
darüber, ob man mit TBC in Kontakt gekommen ist.

Es gibt neuerdings ein so genanntes ELISPOT Verfahren, welches
angeblich zur Statusbestimmung besser geeignet ist als die
Tuberkulin-Hautteste. Ist m.W. aber keine Kassenleistung und
wird nur von wenigen (oder einem?) Labor durchgeführt.

Noch nicht von gehört, werde mich aber mal schlau machen (Danke für den Hinweis )!
O-Ton der Mikrobiologen: " Nur der direkte Erregernachweis kann ihre Diagnose sichern"!! Würde hier jedoch Eine Sputumprobe erfordern und käme einer offenen TBC gleich.( Extrapulmoale- TBC mal ausgenommen)

Zu deinen Befürchtungen: Der Mensch hat zum Glück gegen TBC
eine relativ hohe, genetisch determinierte Resistenz. In der
Regel kommt unser Immunsystem ziemlich gut mit dem Erreger
zurecht. Gefährlich wird es nur, wenn dein Immunsystem
geschwächt ist (z.B. bei HIV-Infektionen etc.).

oder im Alter!!! Nicht wenige der in Deutschland erfassten
TBC-Patienten erkranken im Alter auf Grund einer Reaktivierung
einer latenten Tuberkulose.

Dann kann es
zu einer Reaktivierung der „schlafenden“ Bakterien kommen und
führt dann zur sog. „Sekundär-Tuberkulose“. Kurz: wenn diese
dann ins Bronchialsystem durchbricht, spricht man von einer
offenen TBC. Und nur in diesem Stadium ist man infektiös.
Therapiebedürftig ist man bei Immunschwäche und offener, bzw.
drohender offener TBC.
Eine generelle Therapie (also auch bei Primär-TBC, um den
Körper von Tuberkel-Baktererien zu „befreien“) würde wenig
Sinn machen, da dies nie ganz gelingen wird

Es würde gelingen. Kinder z.B. deren Mendel Manteaux positiv
ist und bei denen eine latente Infektion vermutet wird, werden
ein Jahr mit INH behandelt.

Die Dozenten in meinem Mikrobiologie-Kurs sagten jedoch, dass es bei schon gebildetem Primärkomplex sehr schwierig sei eine TBC völlig auszuheilen. Sprich: „Restbestände“ von Tuberkelbakterien seien auch nach erfolgreicher Therapie in mindestens 20 % der klinisch Ausgeheilten recht wahrscheinlich. Bei schwachem Immunstatus ist dann mit einer Reaktivierung zu rechnen. Aber ich lerne gerne noch dazu, wenn dem nicht so ist :wink:
P.S.: Es ging mir auch eigentlich darum, dass ein Immungesunder meist mit der Infektion zurecht kommt. Allerdings ist jede aktive TBC behandlungspflichtig. Diese ist dann stationär im Krankenhaus oder unter kontrollierten, ambulanten Bedingungen durchzuführen. Eine TBC wird laut Literatur als „AKTIV“ bezeichnet, wenn ein positiver Erregernachweis im Direktpräparat ( offene Lungentuberkulose), eine Kaverne mit Ableitungsbronchus im Röntgenbild, Pleuraerguß oder eine Größenveränderung eines Herdes im Verlauf beobachtet, vorliegt. Im Vordergrung steht die Expositionprophylaxe und die Prävention schwerer Verläufe der Erkrankung. Unter idealen Bedingungen wird eine > 97 % Heilung erreicht. Die Tuberkulosetherapie ist aber auch nicht ohne Nebenwirkungen ( von der Therapiedauer mal ganz abgesehen).

Des versteh ich jetzt nicht. Behandelt werden grundsätzlich
alle an einer offenen TB erkrankten, unabhängig von der
„Gefährlichkeit“ des jeweiligen Stammes (ich nehme an Du
meinst damit die resistenten Stämme?)

Nein ( NICHT nur die resistenten Stämme), allgemein die offene TB im Gegensatz zum Primärkomplex. Die offene TB ist hoch infektiös, die Patienten müssen sogar isoliert werden. Handelt es sich dabei um multiresistente Stämme, ist die Lage umso ernster. Therapiert wird immer in einer Kombi-Therapie, um weiteren Resistenzentwicklungen entgegenzuwirken.
In den USA geht man bei resistenten Stämmen sogar soweit, die Patienten in Zwangsisolation zu stecken, wenn sie nicht regelmäßig ihre Medikamente einnehmen.
Das kann zwischen einigen Monaten bis zu 2 Jahren Quarantäne bedeuten.
Bei Menschen mit eingeschränkter- oder noch nicht ausreichender Immunkompetenz d.h.: z.b.: bei AIDS, Transplantierten, Kindern

P.S.: Korrekturen und Verbesserungvorschläge werden gerne
entgegengenommen --man lernt nie aus !!
Gruß, Dine

Hallo Dine,
im großen und Ganzen haben wir wohl die gleichen Ansichten.
Hier nur ein paar kleine Anmerkungen aus meiner TB-Doc Zeit:

Die Dozenten in meinem Mikrobiologie-Kurs sagten jedoch, dass
es bei schon gebildetem Primärkomplex sehr schwierig sei eine
TBC völlig auszuheilen. Sprich: „Restbestände“ von
Tuberkelbakterien seien auch nach erfolgreicher Therapie in
mindestens 20 % der klinisch Ausgeheilten recht
wahrscheinlich. Bei schwachem Immunstatus ist dann mit einer
Reaktivierung zu rechnen. Aber ich lerne gerne noch dazu, wenn
dem nicht so ist :wink:

Bei schwachem Immunstatus hat Dein Dozent sicher Recht. Prinzipiell kann auch die beste Antibiotika-Therapie nur erfolgreich sein, wenn das Immunsystem unterstützend wirk. Bei entsprechender Schwächung ist das Risiko einer weiteren Latenz sicher gegeben.

Hier ein paar Zahlen ( hoffentlich aktuell):
Die Tuberkulose ist eine der großen Herausforderungen für das
Gesungheitswesen. Weltweit sterben jährlich ca. 2 Mio Menschen
an TBC. Nach AIDS ist sie die häufigste, auf eine
Infektionskrankheit

… auf einen Infektionserreger… :wink:

zurückzuführende Todesursache. Betroffen
sind im besonderen arme Länder. Dort ist eine Therapie oft
unerschwinglich obwohl die Behandlung extrem günstig ist ~
1-5$ pro gewonnenem Lebensjahr. In Deutschland ist die
Inzidenz bei 15/100 000 pro Jahr.

Ist mittlerweile in Bereich von etwa 9/100.000 gefallen.

5-10% aller mit Tuberkelbakterien infizierten erkranken in
ihrem Leben an Tuberkulose.

Nicht ganz. Man liest diese Zahlen zwar immer wieder, tatsächlich sieht die Sache etwas anders aus. Weltweit sind ca. 2.000.000.000 Menschen infiziert (ein Drittel der Menschheit!, WHO-Daten, kein Witz!). Der globale Krankenbestand (Prävalenz) liegt so etwa bei 30.000.000 Menschen (bei etwa 8-10.000.000 Neuerkrankungen jährlich). Damit erkranken weltweit etwa 1,5% der Infizierten (immer noch eine Menge). In den entwickelten Ländern ist diese Quote bedeutend geringer, da die TB eine Erkrankung ist, die ihren Närboden in Unterernährung, Mangelernährung und körperlicher Auszehrung findet. Zumindest in Deutschland und den USA ist die Tendenz ja eher in Richtung Übergewicht zu beobachten :wink:.

Übrigens: Isolierungen auf richterlichen Beschluß gibt’s auch bei uns. In Parsberg werden TB-Patienten ‚geschlossen‘ betreut, die sich durch mangelnde Compliance auszeichnen.
Viele Grüße,
Oliver

Hallo nochmal,

ok, soweit verstanden ihr zwei. Schon mal vielen Dank.
Ich habe allerdings noch ein paar Fragen die dann wieder ins praktische gehen :wink:

Also der Fall besteht dass der Hauttest (wurde mit Spritze gemacht, nicht Stempel) kräftigst ausgeschlagen hat. Erstes Röntgenbild zeigte nichts. Wenn nun nach sagen wir mal 6 Monaten immer noch nichts auf dem Röntgenbild zu sehen ist heißt das man hat tatsächlich keinen Primärkomplex oder man sieht ihn nicht. Hat man tatsächlich keinen kann dieser auch später nie aufbrechen, sprich man kann auch nie ansteckend werden.
Sieht man ihn nur nicht kann er später mal aufbrechen und man kann ansteckend werden. Das weiss man aber (wenn man nichts auf dem Röntgenbild sieht) nicht sicher.
Eigentlich müsste man bei solch einer Unsicherheit davon ausgehen dass man solch einen Primärkomplex hat und unter ungünstigen Umständen dieser später mal aufbrechen kann und man dann hochansteckend ist.
Richtig?
Sollte man dann als z.B. Partner dieser Person sich vorsorglich impfen lassen? Man weiss ja nie wann dieser Komplex aufbrechen kann. Hauttest machen wäre wahrscheinlich auch zu empfehlen?
Sollte sich ein Säugling dieser Person impfen lassen? Grund ist ja der gleiche! Hauttest ist negativ, sprich nichts zu sehen! Oder vielleicht mal 10 Jahr warten und dann impfen. Die Impfung ist für einen Säugling ja auch nicht ohne und mit 10 Jahren verkraftet man so eine Impfung wohl schon besser.

Angenommen man hat also einen positiven Hauttest und keinen Befund im Röntgenbild. D.h. ziemlich sicher der Körper kämpft gerade gegen die Bakterien. Was ja wahrscheinlich recht anstrengend ist. Kann man sich dann, weil dies eben so geplant war, Weißheitszähne ziehen lassen?? Oder lieber mal alle anderen Anstrengungen vom Körpfer fernhalten?

Wie groß darf der Ausschlag sein wenn man als Kind geimpft wurde? 15 mm??

Recht herzlichen Dank

Gruß
Holger

Hallo,
puuuh, jede Menge Fragen! Na dann woll’n wir mal:

Also der Fall besteht dass der Hauttest (wurde mit Spritze
gemacht, nicht Stempel) kräftigst ausgeschlagen hat. Erstes
Röntgenbild zeigte nichts. Wenn nun nach sagen wir mal 6
Monaten immer noch nichts auf dem Röntgenbild zu sehen ist
heißt das man hat tatsächlich keinen Primärkomplex oder man
sieht ihn nicht. Hat man tatsächlich keinen kann dieser auch
später nie aufbrechen, sprich man kann auch nie ansteckend
werden.

Wenn das RöBi normal ist, hat Dein Immunsystem den Erreger im Griff. Das heißt nicht, dass zeitlebens nichts mehr passieren kann.

Sieht man ihn nur nicht kann er später mal aufbrechen und man
kann ansteckend werden. Das weiss man aber (wenn man nichts
auf dem Röntgenbild sieht) nicht sicher.
Eigentlich müsste man bei solch einer Unsicherheit davon
ausgehen dass man solch einen Primärkomplex hat und unter
ungünstigen Umständen dieser später mal aufbrechen kann und
man dann hochansteckend ist.
Richtig?

ja, kann passieren.

Sollte man dann als z.B. Partner dieser Person sich
vorsorglich impfen lassen?

NEINNNN.
1.) Infektiös bist Du erst bei einer offenen TB. Die Wahrscheinlichkeit, die zu bekommen ist gering. Die TB-Impfung (richtiger BCG-Impfung) schützt nicht gegen eine Tuberkulose an sich sondern nur gegen eine generalisierte TB!

Man weiss ja nie wann dieser
Komplex aufbrechen kann. Hauttest machen wäre wahrscheinlich
auch zu empfehlen?
Sollte sich ein Säugling dieser Person impfen lassen?

NEINNN siehe oben
Die Impfung ist m.E. in Mitteleuropa nur noch unter sehr bestimmten Umständen zu empfehlen. Mit Sicherheit aber nicht, weil bei einem Familienmitglied ein positiver Tuberkulin-Test vorliegt.

Grund
ist ja der gleiche! Hauttest ist negativ, sprich nichts zu
sehen! Oder vielleicht mal 10 Jahr warten und dann impfen. Die
Impfung ist für einen Säugling ja auch nicht ohne und mit 10
Jahren verkraftet man so eine Impfung wohl schon besser.

Angenommen man hat also einen positiven Hauttest und keinen
Befund im Röntgenbild. D.h. ziemlich sicher der Körper kämpft
gerade gegen die Bakterien. Was ja wahrscheinlich recht
anstrengend ist.

Nein, wenn dem so wäre, wärst Du krank. Die Tuberkulose an sich, also die klinisch manifeste offene TB) ist letztlich ein Produkt dieses Kampfes. Wenn aber der Tuberkulin-Test positiv ist bedeutet dass nur, dass bestimmte Zellen (CD4+ Zellen) auf das angebotene Antigen reagieren, weil bereits einmal ein Kontakt bestand. Dieser kann aber auch bei stark positivem Test schon einige Zeit zurückliegen, die eigentliche Auseinandersetzung ist dann bereits vorbei.

Kann man sich dann, weil dies eben so geplant
war, Weißheitszähne ziehen lassen?? Oder lieber mal alle
anderen Anstrengungen vom Körpfer fernhalten?

Hier gebe ich jetzt mal keinen Rat, das sollte der behandelnde Zahnarzt entscheiden, der muss ja schließlich auch für die Folgen u.U. gerade stehen.

Wie groß darf der Ausschlag sein wenn man als Kind geimpft
wurde? 15 mm??

Nein, das erscheint mir dann doch ein bisschen viel für die Impfung. Aber: bei einem Geimpften geht der Hauttest natürlich ziemlich ab, wenn ein Wiederholungskontakt (Impfung als Erstkontakt) vorlag. Letztlich würde ich denken, dass Du -solltest Du gerade keine Nachtschweißigkeit, keinen Gewichtsverlust und keinen produktiven Husten haben- eine ordentliche Immunität gegen den Erreger hast.
Wenn Du sicher gehen willst, mach ein weiteres RöBi nach 1,5 bis 2 Jahren. Ist dann noch alles unauffällig würde ich erst wieder aktiv werden, wenn klinisch ein Verdacht auf eine TB besteht.

Recht herzlichen Dank

Gern geschehen.

Oliver