ich suche Argumente für oder gegen einen Beitritt der Türkei zur EU.
Bitte keine phrasierende Argumentation. Informative Links erwünscht.
Ich persönlich bin gegen den Beitritt in die EU. Mein Hauptargument ist die Geografie. Die Staatsgebiet der Türkei befindet sich zu weniger als 10 % auf europäischem Territorium. Ich habe aber weitere, politische als auch kulturell-soziologische Gegenargumente.
Genaugenommen finde ich keinerlei Argument, welches für einen Beitritt sprechen würde und stichhaltig wäre.
Eines möchte ich jedoch nicht ausschliessen und fände es auch sinnvoll: wenn die Türkei eines Tages Mitglied in einem größeren politischen Verbund wäre, der die EU mit einschliesst (bspw. EU+Mittelmeeranrainer) und ähnlich aufgebaut/umfangreich ist. Aber das läge sicher noch weit in der Zukunft, falls es überhaupt dazu käme.
Ein schwaches, genau genommen gar nicht existentes Argument, weil es keine klare geographiosche Grenze zwischen Europa und Asien gibt.
„Man sagt“ hier oder dort verlaufe die Grenze, aber was „man so sagt“ existiert eben nicht. Die geographische Abgrenzung von Europa und Asien ist willkürlich und beliebig.
die Geographische Lage würde ich persönliche absolut vernachlässigen. Ich werfe lediglich einen Blick auf die Kopenhager Kriterien (die eigentlich erfüllt sein müssen) um der EU beizutreten.
Politische Kriterien die meines Erachtens nicht erfüllt sind: „Wahrung der Menschenrechte und Bürgerrechte sowie Achtung und Schutz von Minderheiten“ - Ein jahrzentelagens unterdrücken der Kurden auf türkischem Territorium, völlig egal inwiefern auch Völkerrechtsverletzungen an der tagesordnung waren, der Umgang mit den Menschenrechten in diesem Zusammenhang war Katastrophal.
Auch andere Minderheiten, religiöser Natur, werden in der Trükei nicht ausreichend geschützt und annerkannt.
Fordern die Kopenhager Kriterien auch die AuffnahmeFÄHIGKEIT der EU, jeder der erzähl die EU wäre momentan fähig ein Schwellenland aufzunehmen, liegt falsch. Im Moment kämpft die EU mit der größten Binnenfinanzkrise die jeh da war. Inwiefern sollte diese also aufnahmefähig sein.
Verstehe ich nicht, warum die Türkei auf einen Beitritt in die EU pocht, während sie 2010 einen Wirtschaftswachstum von 9% hatten. Die Türkei sollte abgelehnt werden um sie selbst vor einem finanziell marodem supranationalen Organisation zu schützen.
wie ich sehe, hast Du keinen für einen Beitritt sprechendes Argument.
Zur Geografie: http://de.wikipedia.org/wiki/Europa . Wenn Du Dein Augenmerk auf das Kapitel Geografie richtest, wirst Du sehen, dass Dein Gegenargument zwar nicht unberechtigt ist, sich aber substanziell weithin durchgesetzt hat.
„Die Türkei erstreckt sich geografisch über zwei Kontinente. Anatolien, der asiatische Teil des türkischen Staatsgebiets, nimmt etwa 97 % der Fläche ein (790.955 km²). Den europäischen Teil bildet das östliche Thrakien (Ostthrakien), er umfasst etwa 3 % der Landesfläche (23.623 km²)…Die Türkei liegt größtenteils auf der Anatolischen Platte, die im Norden und Osten an die Eurasische Platte…grenzt.“ Der letzte Satz zur Geologie des Landes.
Die Türkei wäre keinesfalls ein sog. Geberland. Da helfen auch keine 9% Wirtschaftswachstum. Sind die überhaupt inflationsbereinigt ? Oder sind die in Euro ? Hier findest Du andere Zahlen: http://www.htai.de/mm/FactsheetTuerkei_Nov11.pdf
Und außerdem ist die EU der wichtigste Handelspartner der Türkei. Von
daher sind sie bereits wirtschaftlich „im Boot“.
Berücksichtigt man die demografische Entwicklung, sieht man, welches wirtschaftliche Desaster der EU drohen würde:
Meine Überlegungen gingen einfach in die Richtung zu sagen, dass die Türkei nicht darauf angewiesen ist. Sie haben ein relativ konstantes, gutes Wachstum und wie bereits gesagt wurde, die EU Länder sind bereits sowieso der wichtigste Handelspartner. Man könnte natürlich darauf spekulieren, dass ihre Wirtschaft nochmals mehr boomt nach dem Einstieg. Die Türkei selbst sollte aber sehen, dass die EU momentan in einem Finanzdebakel steckt, dass man eines Erachtens schon als einen Dominoeffekt bezeichnen kann. Egal ob sie Geberland oder Nehmerland sind, sie wären trotzdem ein AKTIVES Mitglied der Finanzkrise.
Die EU ist derzeit nicht Aufnahmefähig.
ich suche Argumente für oder gegen einen Beitritt der Türkei
zur EU.
Das ist jetzt gar nicht unbedingt als Argument gedacht, aber wenn man grundsätzlich für eine Erweiterung der EU ist (z.B. weil man annimmt, im globalen ökonomisch-militärischen Wettbewerb mehr Schlagkraft zu benötigen in einer künftigen multipolaren Konkurrenzsituation; die Annahme mag freilich bestreitbar sein), dann frage ich mich, welche bessere/andere Alternative die EU hat als die Türkei mit ihrer großen Volkswirtschaft, ihrer recht jungen Bevölkerung und v.a. mit ihrer Scharnier-Rolle zwischen Europa und der „islamischen Welt“.
der Scharniereffekt ist m.E. eine Chimäre. Außerdem ist die Türkei bereits in der NATO. Befindet sich in einer Zollunion mit der EU und ist assoziiert.
Was ich übrigens wegen Besetzung Nordzyperns in den 70ern bedauere. Damals hätte man die Türkei aus der NATO rausschmeissen müssen. Weniger, weil sie Truppen schickten, sondern weil diese Truppen nach wie vor dort sind. Also eine de-facto-„fast“-Annexion.
Wozu Alternativen ? Die EU ist auf die Türkei auch in einer multipolaren Welt (gab es tatsächlich je eine andere ?) als Verstärkung nicht angewiesen. Vor allem, solange es keine bessere innere Einheit in der EU gibt.
(musste es die Tilde „~“ in Deinem Nickname sein. Da mußte ich jetzt echt meine Tastatur absuchen ).
Erdogan als Diktator zu bezeichnen, finde ich etwas weitgehend, zumal er bislang die Gesetze der Türkei zu achten scheint, soweit ich das aus der Ferne beurteilen kann. Ich würde ihn als Islamisten im Maßanzug sehen. Zudem ist er immerhin durch demokratische Wahlen an die Macht gekommen und ein zweites Mal im Amt bestätigt worden. Dass es mit der verinnerlichten Demokratie in der Türkei (noch) nicht so weit her ist, steht auf einem anderen Blatt. Aber immerhin hat sich seit den Zeiten der Militärjunta doch vieles getan.
Demokratie nicht nur institutionell, sondern auch gesellschaftlich zu verwirklichen, ist ja auch ein längerfristiger Prozess. In D hat das auch von 1949 bis heute gebraucht.
Die gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Demonstranten sind mir weitgehend geläufig. Das übertriebene Vorgehen der Polizei ist zu verurteilen, Erdogans Reaktion alle pauschal als Extremisten zu bezeichnen, ist schlicht lächerlich.
Danke für den Link. Hieraus das Zitat: „Erdogan hatte erklärt, die Pläne für den Bau im Gezi-Park würden ungeachtet der Demonstrationen durchgesetzt. Unterdessen ordnete ein Gericht in Istanbul am Freitag Medienberichten zufolge an, die Pläne müssten zunächst auf Eis gelegt werden.“ Jetzt wird sich zeigen, ob er der Anordnung des Gerichts Folge leistet. Allerdings kann ich keinesfalls beurteilen, ob das Gericht überhaupt eine Weisungsbefugnis hat, da ich das türkische Rechtssystem nicht kenne und auch nicht weiß, welches Gericht die Anordnung erlassen hat.
Gruß
vdmaster
P.S.: Viel weiter möchte ich mich zu Erdogan nicht äußern, aber auch nicht verhehlen, dass ich ihm/seiner Partei nicht allzuviel echten Demokratiewillen zutraue. Zumindest sollte man ihn mit Skepsis beobachten.