H wie Hola.
Mehr Naturwissenschaften und Mathe und
weniger Künstlerisches.
Eben nicht.
Schule hat nicht die Aufgabe, schön abgeschliffene ökonomische Wesen auszuspucken, die der Wirtschaft mit aller Gewalt Mühe und Aufwand bei der fachspezifischen Ausbildung sparen.
Fachbildung gehört in nachgelagerte Ebenen des Bildungswesen: Lehre, Studium.
Auch das Künstlerische, das Geisteswissenschaftliche hat seinen Platz.
Kunsterziehung beispielsweise. In diesem Fach wird nicht wirklich Konkretes gelehrt, abgesehen von der Kunstgeschichte vielleicht.
Doch es gehört zu den primitivsten Grundfertigkeiten, die heute viele Jugendliche nicht mehr beherrschen, Sachverhalte zeichnerisch und perspektivisch ***entzifferbar*** darstellen zu können.
In eben den genannten Ingwissenschaften, Naturwissenschaften und in Mathe ist es Tagesgeschäft, für einen Kollegen auch einmal eine vernünftige Skizze zu machen, bevor man eine halbe Habilitation aus dem Füller hämmert.
Kunstunterricht schult diese Fertigkeit nachhaltig, prägt das räumliche Verständnis und schlägt die Brücke zwischen dem Sich-im-Kopf-vorstellen-können und dem Erkennbar-in-eine-verständliche-Zeichnung-bringen.
Und Musik? Musik ist schlicht und ergreifend unerläßliche Allgemeinbildung. Um es mit dem O-Ton meines Freundes Nietzsche zu sagen: „Ohne Musik wäre das Leben ein Irrthum.“
Wir Leben im 21. Jahrhundert, können auf eine lange Kulturgeschichte zurückblicken - und ausgerechnet das soll ausgerechnet in den allgemeinbildenden Schulen gedrosselt oder gar abgeschafft werden?
Für sowas kennt der Deutsche viele blumige Begriffe: mit dem Klammerbeutel gepudert sein, eine Macke mit Schuß haben, nicht ganz rundlaufen, …
Wer fachliche Ausrichtung an Schulen möchte, möge doch bitte in den weiterführenden Ebenen eine Schule für sich wählen, die eben dort einen Schwerpunkt bildet und andere Dinge vernachlässigt. Gleiches gilt übrigens auch für den Wunsch nach religiösen schulischen Bildungswegen.
Der Einwand gegen die Schönen Künste ist nur insofern berechtigt, als daß man eine anständige Vereinigung von polytechnischer Bildung und von reiner Allgemeinbildung fordern kann. Hier sind traditionell (schon vom Namen her!) die Realschulen gefragt. Sie tragen die Breitenbildung und sie sind verantwortlich für ergänzende Bildungsinhalte. Als Beispiel führe ich das an, was ich selbst hautnah kenne: Nach der Wende konnte sich als Nachfolger des polytechnischen Unterrichts der DDR die Profilrichtung „Technik“ flächendeckend durchsetzen. Technisches Zeichnen, Produktionstechnik, Maschinenwissen, Elektrotechnik, Informationstechnik - vier Jahre lang ab Klasse 7.
Doch auch hier wird natürlich kein Ausbildungsniveau erreicht. Die Kinder lernen jedoch technische Denkweisen kennen, lernen methodisches Vorgehen, lernen korrektes technisches Darstellen, lernen jede Menge aus der Welt der Motoren, der Kupplungen, lernen Strommessen, Spannungsmessen, Löten usw. usf…
Daß dies an Gymnasien schon Jahre überfällig ist (wenn man schon gegliedertes Schulsystem machen muß), sollte klar sein!
Ich erzähle immer wieder gerne die Geschichten aus dem Grundstudium, wo man heutzutage mit Leuten in den Ingenieurvorlesungen sitzt, die noch nie einen Lötkolben in der Hand hatten, die unmöglichste Vorstellungen vom Studium haben (falls sie vorher überhaupt welche hatten!), die nicht wußten, was sie machen sollten und dann eben einfach mal etwas Ingieurwissenschaftliches anfangen, die nie technische Praktika im Vorfeld absolviert haben, die sich tatsächlich einbilden mit Matheleistungskurs/ Physikleistungskurs könne man irgendwas reißen…
Und wie schon erwähnt, dürften Leute, die keinen Stich in Mathe, in den Naturwissenschaften und/oder in der Technik sehen, kein Abitur bekommen. Es gibt genügend Alternativen im System!
Es kann nicht sein, daß sich manche durch das Abi schleichen, weil sie die ungeliebten Fächer einfach abwählen. Das Kurssystem ist einer der gewaltigsten Fehlgriffe der westdeutschen dreijährigen Oberstufe.
Nicht nur, daß ein Jahr vergeudet wird, nein, es darf (durfte) auch noch das Ungeliebte gestrichen werden.
Stärken fördern heißt nicht, den Schülern Möglichkeiten für ein Dünnbrettbohrer-Abitur einzuräumen.
Stärken fördern heißt: ALLES muß lückenlos belegt UND bestanden werden, von Mathe über Chemie bis Kunsterziehung, Geschichte und Geographie. Seine Stärken kann man dann ja in ZUSATZangeboten zum Tragen bringen.
Anders gesagt, sich auch den Schwächen stellen müssen, während man seine Stärken durch Unterricht voranbringt, der über den veranschlagten, möglichst hohen Standard hinausreicht.
Doch was hier so abläuft momentan?! Die meisten Leute prahlen regelrecht damit, was sie alles in den Wind geschossen haben bei der Kurswahl. Und solche Leute dürfen sich dann genauso Besitzer eines vollwertigen Abiturs nennen wie ich? Das ist ein Schlag ins Gesicht für alle Menschen, die nicht den Weg des geringsten Widerstandes gegangen sind – und durch unerhörte (legale) Trickserei einen Abschluß erhalten, der ihnen bezüglich ihres Leistungsvermögens gar nicht zusteht.
Soweit lasse ich mich auf die Diskussion Schöne Künste vs. ordentliche Wissenschaften ein. Doch ein einseitiger Ausbau der Naturwissenschaften, der Technik und der Mathematik auf dem Rücken der Geisteswissenschaften kommt nicht in die Tüte.
Fachidiot kann man später noch werden.
Ahoi