Eine andere - vielleicht nicht allgemein - sächsische
Sprachmarotte lernte ich in Dresden kennen.
Den Gebrauch des Modalverbs „können“ ohne ergänzenden
Infinitiv.
Oh doch, die ist allgemein üblich, zumindest auch in Berlin:
Ein Dialog, der mir in der Grundschule mindestens einmal täglich untergekommen ist:
„Hallo, Saft!“
„Kannst Du das auch in einem ganzen Satz sagen?“ (Habe auch schon geantwortet: "Hallo, Satz!)
„Kann ich Saft“
„Das ist noch kein Satz“
„Frau Müller-Lüdenscheidt, kann ich bitte Saft?“
(grrr, HABEN oder BEKOMMEN)
Aber, Konsequenz half, nach 6 Monaten haben es die meisten Grundschüler (hingekriegt, äh nein) geschafft.
„tun“ wird hier als Hilfsverb verwendet; das Verb „tun“ ist
sehr leicht zu konjugieren, die eigentlichen Verben fordern
oft unregelmäßige Beugung.
Das könnte weniger sprachgewandte und unsichere Sprecher dazu
veranlassen, sich dieser Hilfskonstruktion zu bedienen.
Ja, das hört sich sehr schlüssig an. Aber man darf deswegen sicher keine falschen Rückschlüsse auf die kommunikative Kompetenz der Sachsen ziehen ;-»
Warum aber die Karabettist Michelmeier sich auf diese
Konstruktion kapriziert, ist mir unklar.
Vielleicht, weil er sich dadurch Lacherfolge sichert. (Fast) jeder im Publikum denkt: „Ein Glück, dass ich nicht so blöd bin.“
Dass er aber dadurch den Gebrauch dieser Konstruktion
„gesellschaftsfähig“ macht, dürfte klar sein.
Denke ich auch.
Zum Schluss noch eine sprachliche Absonderlichkeit aus meiner saarländischen Urheimat: das Verb „nehmen“ ist praktisch inexistent und wird durch „holen“ ersetzt, selbst bis ins"gebildeten Bürgertum" hinein. Man nimmt kein Medikament, sondern man holt es. Wenn man an Gewicht zugenommen hat, dann hat man 3 kg zugeholt.
…und wie ist es mit den Schwaben? Gehört nicht auch ihr
bekanntes
„Dätsch’d mr net…“ (würdeste du mir nicht … tun?)dazu?
Mir ist die Frage, ob nicht der Ausdruck „dätsch“ der Konjunktiv II
von „tun“ ist, denn die genaue Übersetzung des „Dätsch’d“ ist doch
„tätest du“ und meint das, was im Hochdeutschen mit „würdest du“
ausgedrückt wird.
Lasse mich gerne belehren!
im Schwäbischen ist das zusätzliche „tun“ nicht üblich.
Ich höre oft im Schwäbischen auf die Frage „Was machst du“, die auf
schwäbisch ja auch nicht so heißt, sondern „was duuschd du?“ also
„was tust du?“ eine Antwort mit „tun“: „I du d’Bädda macha, i du Kafe
dränka und die andere dänn grad abwäscha“ usw. = ich tue die Betten
machen, ich tue Kaffe trinken, die anderen tuen abwaschen.
Dätsch mr ned dein Auto leihen?
= Tätest du mir dein Auto leihen?
Dätsch mr ned beim Kochen helfen?
= Tätest du mir nicht beim Kochen helfen?
Die einzige Ausnahme, die mir grade einfällt, wäre:
Dätsch mr an Gfalle do? (einen Gefallen tun)
Ich fürchte allerdings, das alles gehört eigenlich ins Brett
Dialekte.