Typische Baumängel abhängig vom Baujahr

Hallo zusammen,

ich bin gerade auf der Suche nach einer Eigentumswohnung. Das Angebote ist sehr unterschiedlich - Vom Altbau im Jugendstil bis hin zur Neubauwohnung. Wie ich aus Gesprächen schon mitbekommen habe, gibt es abhängig vom Baujahr typische Baumängel bzs. Bauweise, die entsprechende Nach- und Vorteile haben. Ich habe z. B. gehört, dass Häuser, die nach dem Krieg gebaut sind, oft sehr hellhörig sind, da oft Hilfsbaustoffe verwendet wurden.

Wer kann mir nähere Info zu der typischen Bauweise abhängig vom Baujahr oder Baujahrzehnt geben?

Wie bekomme ich heraus, was ein vernünftiger Preis ist. Mir ist klar, dass ich natürlich verschiedene Anzeigen vergeleichen kann, aber ist der Vergleich wirklich so aussagekräftig???

Vielen Dank im voraus

Uli

Vom Altbau im Jugendstil
bis hin zur Neubauwohnung.

…abhängig vom Baujahr :typische Baumängel bzs. :Bauweise, die entsprechende :Nach- und Vorteile haben.
…da oft Hilfsbaustoffe
verwendet wurden.

… nähere Info zu der typischen Bauweise abhängig
vom Baujahr geben?

Hallo Uli!

Bauvorschriften sind keine Bürokratenerfindungen unserer Tage, vielmehr lassen sich regional unterschiedlich einschlägige Regelwerke hunderte Jahre zurück verfolgen. Neben Standfestigkeit und Tragwerksdimensionierung war es schon immer Ziel beim Bau menschlicher Behausungen, Schutz vor Wasser, Wind und Wetter, vor Wärme, Kälte und Lärm zu bieten. Zu allen Zeiten gab es fähige Architekten, gute Handwerker und penible Leute für die Bauaufsicht, aber es gab auch immer die gleichgültigen Stümper und Pfuscher. Deshalb findet man durchaus uralte Gebäude, vom Feinsten geplant und gebaut, die in ihrer Substanz auch noch den Ansprüchen unserer Tage genügen. Andererseits findet man neue Häuser, die nur deshalb nicht abgerissen werden, weil sie noch bis unter den First mit Hypotheken belastet sind.

Es gibt typische Schwachstellen, etwa Bruchsteinfundamente oder ganze Keller aus Bruchsteinen. In der Region, in der ich lebe, wurden über 100 Jahre lang Dachstühle zu schwach dimensioniert, obwohl es hier keinen Holzmangel gibt. In vielen Gegenden herrschte nach dem zweiten Weltkrieg schlimmer Wohnungsmangel. Eiligst hochgezogene Bauwerke sollten Abhilfe schaffen. Bier und Korn gehörten wie Hammer und Kelle zu den ständigen Begleitern vieler Handwerker und entsprechend war die Qualität der Bauausführung. Wo Baumaterial verschwand und es eine Kontrolle der Betonzusammensetzung nicht gab, wurde schon mal gefährlicher Schrott gebaut. Langer Rede kurzer Sinn: Man muß sich das Gebäude ansehen, in den Keller gehen, auf den Dachboden steigen und in jeden Winkel kriechen, wenn man zu einem brauchbaren Urteil kommen will.

Das Baujahr allein läßt keine Rückschlüsse auf die Qualität eines Gebäudes zu. Schließlich ist für den Zustand eines Hauses mitentscheidend, was Eigentümer und Bewohner mit dem Haus anstellten. Manches Gebäude - neu gebaut oder gerade saniert, alles drin, alles dran - gleicht einer Baumarkt-Ausstellung und ist für den in diesen Dingen sensibleren Betrachter ein Fall für die Entkernung.

Wenn Du eine Wohnung oder ein Haus kaufst, investierst Du 100 T€ oder weit mehr. Deshalb sollten vor verbindlichen Unterschriften ein paar hundert Euro für einen Architekten oder Bauingenieur übrig sein. Beachte bitte, daß Beurteilungen von Immobilienkaufleuten, Maklern und Bankern i. d. R. das Papier nicht wert sind.

Wie bekomme ich heraus, was ein vernünftiger Preis ist.

Am stärksten bestimmt die Lage des Objekts den marktüblichen Preis. Eine 100 qm-Wohnung im Hochhaus am Timmendorfer Strand oder an der Hamburger Rothenbaumchaussee kostet ein Vielfaches des Preises eines ländlichen Anwesens mit 500 qm Wohnfläche und Land, so weit das Auge reicht. Der Wert bemißt sich danach, was ein Käufer - also Du - zu zahlen bereit ist.

Gruß
Wolfgang

Zusatz
Wolfgang hat es einfach und kurz auf den Punkt gebracht. Einen Fachmann für einige 100 € zu befragen und eventuell ein Gutachten anfertigen zu lassen, sollte die Investition schon Wert sein. Meistens sind diese Ksoten bei 1,5% der Gesamtkosten.

Was die Kosten der Investition betrifft, ein alter Satz der Immobilienwirtschaft. Entscheidend sind drei Dinge

  1. die Lage
  2. die Lage
  3. die Lage

Viel Erfolg

Christian