Typische Fehler bei Interviews /Befragungen

hallo Ihr Lieben,
ich bin gerad mit einem Projekt beschäftigt, wo es um Bürgerbefragung geht. Ziel ist es, deren Zufriedenheit zu erforschen.
Nun will ich mir erstmal Basiswissen und speziell auch die Standardfehler bei Interviews/Fragebogen aneignen.

Kann mir da wohl einer weiterhelfen.
Tolle Links wären echt klasse!!!1

Liebe Grüße,
lina

Hi!

Ohne alte Studienunterlagen herauszukramen oder Mafo-Fachbücher zu wälzen, kann ich dir folgende(n) Tipp(s) geben:

  1. Das k.A. (keine Angaben) nicht vergessen. Nicht zu jeder Frage kann einer eine Antwort geben. Manchmal ist er wirklich nicht von dem Problme betroffen. Wer hier trotzdem eine Antwort von einem verlangt, verfälscht das Ergebnis gehörig!

  2. Immer ungerade Antwortmöglichkeiten offerieren. Bei Antwortboxen also 5 Möglichkeiten (+ k.A.) aufzeigen. Oft wird man gezwungen, sich ganz auf die Seite „zufrieden“ oder gleich „unzufrieden“ zu stellen.

  3. Offene Antwortmöglichkeiten liefern dir ein besseres Abbild des Menschen, jedoch schwieriger auszuwerten und zeitaufwendiger.

  4. Würde Schulnoten-Prinzip (bei geschlossenen Fragen) bevorzugen, da diese Einteilung den meisten Menschen geläufig ist. Bei den Smilies frage ich mich immer, wie weit mein Mundwinkel nach unten gezogen sein muss, um eine „4“ zu vergeben.

  5. Mache bei heiklen Antworten (Gehalt, Alter…) lieber Spannen (40 - 45 Jahre, 10’ - 20’ TEURO). Nicht jeder sagt irgend einem Fremden gern sein exaktes Einkommen/Alter.

Gruß
Falke

  1. Immer ungerade Antwortmöglichkeiten offerieren. Bei
    Antwortboxen also 5 Möglichkeiten (+ k.A.) aufzeigen. Oft wird
    man gezwungen, sich ganz auf die Seite „zufrieden“ oder gleich
    „unzufrieden“ zu stellen.

Als Marketingmensch sehe ich das anders: Versuche diese Variante zu vermeiden, da alle Menschen dazu tendieren die goldenen Mitte anzukreuzen und sich nicht entscheiden zu mpssen, daher lieber ne grade Zahl nehmen.

  1. Offene Antwortmöglichkeiten liefern dir ein besseres
    Abbild des Menschen, jedoch schwieriger auszuwerten und
    zeitaufwendiger.

Hier stimme ich zu!!! Am besten noch nach jedem Fragenblock Raum für eigene Meinungen lassen, damit man auch Antworten erfassen kann, an die man bei der Fragebogenerstelung noch nicht gedacht hat. In der Regel … bei ganz großen Umfragen macht man einen Fragebogen zum testen vorab und korigiert den dann noch mal um die Erfahrungen.

  1. Würde Schulnoten-Prinzip (bei geschlossenen Fragen)
    bevorzugen, da diese Einteilung den meisten Menschen geläufig
    ist. Bei den Smilies frage ich mich immer, wie weit mein
    Mundwinkel nach unten gezogen sein muss, um eine „4“ zu
    vergeben.

Entweder die Schulnoten, dann aber trotzdem noch mal erklären dass 1 die beste Note und 6 die schlechteste ist, da viele Fragebögen das auch anders machen.

Wenn keine Schulnoten, dann wird auch gerne mit Smilies gearbeitet. Symbole helfen den Befragten gerade bei emotionalen Entscheidungen.

  1. Mache bei heiklen Antworten (Gehalt, Alter…) lieber
    Spannen (40 - 45 Jahre, 10’ - 20’ TEURO). Nicht jeder sagt
    irgend einem Fremden gern sein exaktes Einkommen/Alter.

Hier stimme ich auch zu. Setze Dich noch mal mit nem Statistiker zusammen. Man kann da auch Kreuzfragen stellen. Zusätzlcih zu den Spannen kann man z.B. nach dem PKW fragen oder ob man zur Miete oder im Eigentum wohnt etc… damit lassen sich dann die daten manchmal besser interpretieren. bzw. es läßt sich auf die Grundfrage runter loten.

Ansonsten muß man bei Fragebögen aufpassen in welcher Situation man sie ausfüllen läßt: SA morgens in der Fußgängerzone kann schlechtere Ergebnisse erzielen als in der Woche, weil die Leute nur schnell einkaufen wollen etc… und gerade gar keine Zeit haben. Auch hier würde ich verschieden Läufe machen, zumal unterschiedliches Publikum zu den UNterschiedlcihsten Zeiten unterwegs ist. Daneben sollte man auch auf den Ort achten. Supermarkt ist z.B. nicht gleich Supermarkt. Der Aldi in DA-Süd hat gaaaaaanz anderes Publikum mit einer ganz anderen Einkommensverteilung als z.B. der Aldi in DA-Nord oder wo auch immer.

Dann gilt es noch den Fehler beim Interviewer selbst zu suchen. Werden offenen Fragen gestellt, kann die Art der Fragestellung stark auf den Befragten abstellen.

Auch kann das Auftreten des Interviewers den Befragten beeinflussen. z.B. würde ich vermutlich bei einem öko angehauchten Interviewer zum Thema Lebensmittel eine andere Antwort geben als bei der gleichen Fragestellung durch eine PErson, die im Anzug da steht. Auch hier sollte man die Interviewer trainieren so eine Art Durchschnittstyp darzustellen und keine Suggestivfragen zu stellen, nur um den Fragebogen schnell ausgefüllt zu bekommen. Denke da an eine Umfrage in DA in der Stadtmitte zum Thema Kinderklinik:…Auch sie finden es doch bestimmt wichtig, dass Kindern ordentlich geholfen wird… (oder so ähnlich) …na, was soll man da noch antworten, ne ich bin gegen den Bau einer Kinderkrebsstation etc… Ohne diese Frage und mit dem Fragebogen ganz alleine in der Hand hätte da aus politischen, wirtschaftlichen etc. Gründen das Ergebnis mit Sicherheit anders ausgesehen.

Ansonsten schlage ich als Literatur zu dme Thema den guten alten Nieschlag dichtl, hörschgen vor (egal welche Ausgabe)

ISBN 3-428-07053-4 Buch anschauen

UNd jetzt virl Spaß beim Fragen ;o)

Gruß
Falke

  1. Immer ungerade Antwortmöglichkeiten offerieren. Bei
    Antwortboxen also 5 Möglichkeiten (+ k.A.) aufzeigen. Oft wird
    man gezwungen, sich ganz auf die Seite „zufrieden“ oder gleich
    „unzufrieden“ zu stellen.

Als Marketingmensch sehe ich das anders: Versuche diese
Variante zu vermeiden, da alle Menschen dazu tendieren die
goldenen Mitte anzukreuzen und sich nicht entscheiden zu
mpssen, daher lieber ne grade Zahl nehmen.

Hi!

Als Marketingmann gebe ich dir teilweise recht. Die Tendenz zur Mitte ist eine Gefahr.

Dann sollte man aber nicht nur 4 Lösungen anbieten, welche einem nur die „ganz oder gar-nicht-Lösung“ lässt, sondern eine feinere Abstufung erlaubt (z.B. 6 Möglichkeiten). Manch Marketing-Mensch meint sonst, wenn einer (gezwungenermaßen) „zufrieden“ ankreuzt, dass kein Handlungsbedarf besteht, weil ja alle Kunden total glücklich sind. Oder sie ändern alles, weil die Mehrzahl „nicht zufrieden“ angekreuzt haben, obwohl sie sich eher neutraler verhalten würden.

Also nicht nur:
voll zufrieden — zufrieden — nicht zufrieden — völlig unzufrieden

Letztendlich gilt aber sowieso nur: "Vertraue nur der Statistik, die du selbst gefälscht/erstellt hast"

Gruß
Falke

Hallo,

Als Marketingmensch sehe ich das anders: Versuche diese
Variante zu vermeiden, da alle Menschen dazu tendieren die
goldenen Mitte anzukreuzen und sich nicht entscheiden zu
mpssen, daher lieber ne grade Zahl nehmen.

mag wohl sein. Wenn man die Variante aber nicht zuläßt, dann muß sich der Mensch aber für eine Seite entscheiden und die Entscheidung ist dann vom Zufall, vom Wetter, vom Grad der aktuellen Genervtheit oder was auch immer abhängig und läßt sich damit statistisch nicht greifen. Man weiß also, daß unter den Antworten ein unbekannter Anteil von eigentlich „neutral“-Sagern drin ist, von denen wiederum ein unbekannter Anteil eher pro bzw. contra gewählt, als er sich denn nun entscheiden mußte. Damit ist die Frage bzw. deren Beantwortung für den Müll.

Das habe ich zwar auch schon einigen Marketingleuten versucht zu erklären, aber das waren natürlich immer arme, desinteressierte und unterbezahlte Geschöpfe, die sich a) weder für den Ausgang der Befragung interessieren noch b) für deren Ausgestaltung zuständig waren.

UNterschiedlcihsten Zeiten unterwegs ist. Daneben sollte man
auch auf den Ort achten. Supermarkt ist z.B. nicht gleich
Supermarkt. Der Aldi in DA-Süd hat gaaaaaanz anderes Publikum
mit einer ganz anderen Einkommensverteilung als z.B. der Aldi
in DA-Nord oder wo auch immer.

Frei nach MAD ~1985:
Es kommt darauf an, wo man eine Frage stellt:
(auf dem Golfplatz): Wollen Sie dieses Jahr noch einen zweiten Videorecorder kaufen?
(unter der Brücke): Wollen Sie dieses Jahr noch einen zweiten Videorecorder kaufen?

Es kommt darauf an, wie man fragt:
Sind Sie dafür, daß die Geschäfte rund um die Uhr geöffnet haben, damit alleinerziehende Mütter einkaufen können, wenn ihre Kinder schlafen?
Sind Sie dafür, daß die Geschäfte rund um die Uhr geöffnet haben, so daß die Ladenbesitzer Kunden und Mitarbeiter noch stärker ausbeuten können?

Gruß,
Christian