Ost/West verständnis- und kommunikationsdefizite
ich möchte mich gar nicht auf die unsinnige diskussion einlassen, was man von der pds halten soll. ich wähle sie nicht, denn sie vertritt mir zu sozialistische ziele
(in italien sind sogar kommunisten an der regierung, frankreich nicht zu vergessen. jospin ist sozialist. man glaubt ja kaum was in europa so geht)
diese diskussion krankt an einem einfachen problem. viele menschen aus west- und süddeutschland (politisch korrekte ortsbezeichnung) fühlen sich geradezu berufen die sed und damit pauschalisierend auch noch die pds abzuurteilen für etwas, daß sie weder erlebt haben noch ertragen mussten. ich unterstelle da gar keine negativen intentionen. viele treibt sicher das bemühen, die situation in ostdeutschland verstehen zu wollen, aber man muß dem osten die chance geben sich selber zu verstehen.
es hat jahrzehnte gebraucht um die demokratie in der bundesrepublik zu manifestieren und es brauchte eine völlig neue generation um die verbrechen der eltern anzuklagen und zu untersuchen. den menschen in ostdeutschland gibt man diese chance nicht. es werden westdeutsche moral- und geschichtsverständnisse übergestülpt die mit der erlebten realtität bei der mehrheit der 16 mio ehem. ddr bürger in keinem Zusammenhang steht.
wie soll ich mich mit jemandem verständigen, der die DDR _ausschließlich_ als DEN Unrechtsstaat (ein an sich politisch und rechtlich falscher Begriff) sieht und der meine glücklichen erinnerungen an eine normale kindheit nicht akzeptiert, weil sie nicht in sein erklärungsmuster passen? warum ist es schwierig zu glauben, daß 15 mio Bürger ein anderes Verhältnis zu einem staat hatten, der ihnen viel erlaubte und viel verwehrte als die bürgerrechtler und oppositionellen?
gerade dieses mißverständnis, daß westdeutsche einem ostdeutschen anfangen, die welt zu erklären, begründet den zulauf zur pds. denn sie ist ein primär ostdeutsches phänomen.
wenn ich manche der vorigen beiträge lese, kommt es mir übel hoch. namen muss ich wohl nicht nennen. ich empfehle an dieser stelle die lektüre des Dossiers der ZEIT vom 7.10.99 über den erfolg der PDS bei Gewinnern UND Verlierern und den Artikel „ich habe einen traum“ im ZEIT LEBEN vom 30.9.99. Wolfgang Schäuble schildert seinen traum von der wiedervereinigung. ihn wähle ich zwar auch nicht, und zwar aus tiefster sozialliberaler überzeugung, aber der artikel ist schön.
diese diskussionen über ost west blabla gehen mir langsam auf die nerven. leider nur deshalb, weil ich sehen muß, wie nötig sie sind. warum bringen die menschen nicht genug intellekt auf die welt, um sich zu unterhalten. es geht nur ums kennenlernen.
kurz zu mir, damit noch ein paar klischees bedient werden. (ja, das macht mir jetzt wiederum großen spaß)
-1979 geboren und getauft in OstBerlin.
-aufgewachsen in Marzahn (ja der schlimme neubaubezirk) in einem einfamilienhaus.
-in protestantischem und humanistischem verständnis erzogen
-in einer arztfamilie im stillen manchmal protest gegen die regierung
-nach der wende mit arztmutter auf materieller gewinnerseite
-nach 3 jährigem usa- forschungsaufenthalt des vaters 1993 -97 und darauffolgender trennung der eltern emotionale negativfolgen der wende
- mein bester freund ist geborener schweizer, aufgewachsen in köln, lebt da auch heute
- meine beste freundin kommt aus frankfurt a. M., wohnt zur zeit in OstBerlin und ist die tochter einer politikerin
- ich identifiziere mich vollkommen mit diesem land und das wort FREIHEIT hat für mich einen besonderen klang. ich möchte sie nicht missen. trotzdem hatte ich einblick in die reale ddr und kann beide systeme kritisieren, denn ich habe jetzt beide genauso lange erlebt (quantitativ jedenfalls)
so weit dazu,
viele grüße aus dem wilden osten
sebastian
