Hi Ralph !
Unbestritten ist es ein großer Teil, der
seine alten Peiniger wählt.
Das klingt ja so, als ob die
SED-Mitglieder nach jedem Parteitreffen
durch die Straßen gezogen seien und
Kinder gefangen, gebraten und genüßlich
verspeist hätten. Das nannten sie dann
„real existierende Banane“.
Zumindest haben sie ein ganzes Volk in seinem land eingekerkert und Grenzverletzer erschiessen lassen. Ferner haben sie das Volksvermögen verspielt und sich selbst dabei noch bereichert.
Nein, die
wirklichen Verbrecher - und die hat es
ohne Zweifel gegeben - schwimmen immer
noch obenauf und sind jetzt
hochangesehene Wirtschaftsberater oder
Vorstände von Genossenschaften bzw.
Mitglieder einer GbRmbH (wenn ich schon
das Wort höre!).
Was hast Du denn gegen diese Rechtform ?
Hier geht es um eine kleine Personengesellschaft (GbR -> Gesellschaft bürgerlichen Rechts) mit beschränkter Haftung (mbH).
Das hat nichts illegales, anrüchiges o.ä. an sich.
Außerdem wird sich kaum ein Parteibonze mit einer derart kleinen Firma beschäftigen.
Schlimmer sind eher die Vorstandsposten, mit denen in solchen Kreisen geschachert wird. Das allerdings ist in jeder Partei gleich.
Mir sagte mal einer
(allerdings kein Verbrecher): „Ich habe
überhaupt nichts gegen die Einheit. Vor
der Wende ist es mir gut gegangen, und
jetzt geht es mir noch besser“.
So reden viele, auch in meinem Freundeskreis.
Nur war die DDR finanziell tot. Es wäre
so wie 1988… nicht weitergegangen ! Die
Lebensumstände hätten sich binnen weniger
Jahre dramatisch verschlechtert !!
Es stört mich, daß dieser Punkt bei allen
Diskussionen einfach außer Acht gelassen
wir, als ob die DDR ohne die Wende noch
ewig hätte bestehen können. Das ist
FALSCH !
Die DDR war schon 1982 finanziell am
Ende. Ich habe die Rede von Erich
Honecker
*generalsekretärdersedundvorsitzenderdesvolksratssowieverdientergenossewiderstandskämpferundpersönlichkeit*
zum soundsovielten Parteitag 1982 gelesen
und da liest man zwischen den Zeilen:
„Leute, wir sind pleite, macht Euch auf
harte Zeiten gefaßt“. Ungefähr zur selben
Zeit beginnen Absetzbewegungen der
Parteipaladine (Schalck-Golodkowski).
Unbestreitbar wirkte die Pleite der DDR
als revolutionäre Situation. Andererseits
hätten Krenz und Konsorten noch ziemlich
lange dahinwurschteln können. Auch mit
offener Mauer. Der Lebensstandard hätte
sich in etwa beim heutigen Tschechien
eingependelt. Die DM hätte sich als
Schattenwährung etabliert (1:12). Die
Facharbeiter wären zurückgekehrt, weil
sie einerseits für den Westen zu wenig
qualifiziert gewesen wären und
andererseits Heimweh gehabt hätten.
Es fehlte der Fußtritt des Volkes. Und
der kam, nachdem massive Wahlfälschungen
offenbar wurden. Da verlor die SED die
letzten Getreuen. Deshalb ist die
„allgemeine, unmittelbare, freie, gleiche
und Wahl“ für Ossis so wichtig, und
deshalb finde ich Wählerbeschimpfungen
besonders unangebracht.
Aber dieses Recht wird doch anscheinend nicht genutzt. Früher zwang man die Leute, SED zu wählen, heute tun sie es freiwillig !
Als die Bürger der DDR im März 1990 die
CDU , die damals als einzige Partei die
Wiedervereinigung auf die Fahne
geschrieben hat, mit überragender
Mehrheit wählten, da entschieden sie sich
zur Kollektivauswanderung.
Dann wäre der Osten jetzt leer…
Weder die Religionen noch die Ideologien
des Westens vermochten sich an deren
Stelle zu setzen.
Zum Glück !!
Nein. Auch der Liberalismus,
haha !
die
Sozialdemokratie
es ging in der DDR nicht um Sozialdemokratie.
und die christliche
Demokratie sind Ideologien.
Es ging in der DDR überhaupt nicht um Demokratie.
Das muß ja
nichts Schlechtes sein. Ich habe mich
übrigens immer gewundert, warum die
katholische Kirche mit ihrem Heer
unverheirateter, treuer Pfarrer die
Gelegenheit nicht beim Schopfe gepackt
hat, und die Gegenreformation in
urprotestantische Lande getragen hat.
Schlafmützen!
Sehe ich auch so.
Warum aber brauchen die Ossis unbedingt
eine eigene Identität in Berlin ?
Weil das, was ich als Alt-Wessis
bezeichnet habe, Alt-Westberliner sind.
Auch Westberlin ist verweht und kommt
nicht mehr zurück. Diese Inselspinnereien
(rechts, links, filz) hält ja keiner aus
und für die Berliner aus Ostberlin ist
das im höchsten Maße befremdend, weil sie
es nicht miterlebt haben.
Ich denke, man sollte sich nun um eine gemeinsame Berlin-Identität bemühen.
Sonst könnte die NATO einen Grund finden,
München zu bombardieren.
Nein !!!
Bitte nicht gerade München ! Nehmen wir
lieber Berlin…
Ach, ich vertraue darauf, daß die NATO
nie wieder eine Stadt anfliegen wird, in
der sich eine chinesische Botschaft
befindet. Chinesischer Turm reicht ja
auch.
- Sollten sich die Westparteien im Osten
genauso engagieren, wie es die PDS tut,
dann hätte die PDS einen schweren Stand.
So aber …
Sicher ?
Ja. Nur wird das ein hartes und immer
härteres Stück Arbeit. Die Funktionäre
der PDS sind zu dem vergattert worden,
was im Westen „Ochsentour“ heißt. Jeder
der Abgeordneten hat feste Sprechzeiten,
für die auch noch öffentlich geworben
wird. Jedes Problem ist wichtig, und wird
im Rahmen des Möglichen gelöst. Dabei
wird nicht auf die Parteizugehörigkeit
geguckt. Es ist wie der Hase und der
Igel: Überall ist ein dunkelroter Igel
und bemerkt: „Ick bün schon allhier“.
Kannst Du selbst nachprüfen: Auf der
Homepage der PDS gibt es einen Link auf
PDS-Forum:
http://forum.activ-consult.de/~pdsforen.
Das scheint mir symptomatisch für die
ganze Parteienlandschaft.
Das stehen die auf Dauer eh nicht durch.
Klar, eine kritische Diskussion sind die
Jungs allemal wert.
Nett gemeint, aber jetzt schwenke ich
mal. An dem PDS-Programm finde ich
nichts, was sich für eine Diskussion
lohnt. Weder Kommunismus, noch
Sozialismus, noch Ossifismus. Das ist
alles ziemlich zusammengestoppelt. Das
müssen die Jungs noch gründlich
überarbeiten.
Oder den Laden gleich dichtmachen.
Gruß,
Mathias