Über Ängste sprechen

Hallo.
Für wie sinnvoll haltet ihr es über Ängste zu sprechen?
Sollte man dies in einer Gruppe oder nur mit Vertrauten tun?
Wie sollte so ein Gespräch aufgebaut sein?
Was darf nicht fehlen und was sollte lieber außenvor gelassen werden?

Liebe Grüße, Oleinka

Fragen
Hallo Oleinka!

Für wie sinnvoll haltet ihr es über Ängste zu sprechen?

Meine spontane Antwort auf deine Frage wäre gewesen „Für sehr“, doch dann fiel mir auf, dass mir gar nicht so recht klar ist, wovon du sprichst. Mit „Ängsten“ kann alles mögliche gemeint sein und jede/r denkt da wohl an etwas anderes. Ich persönlich denke dann z.B. an Ängste, wie sie eine Freundin von mir in ihren Panikattacken erlebt hat, aber meinst du so etwas hier bei deiner Frage auch?

Sollte man dies in einer Gruppe oder nur mit Vertrauten tun?

Ich bezweifle, dass sich hier eine allgemeingültige Antwort geben lässt. Außer der Frage, welche Art von Ängsten gemeint ist, kommt es dann auch wieder darauf an, an welche Art von Gruppe und Vertrauten du denkst. Ein guter Freund kann ein Vertrauter sein, aber dennoch mit der Konfrontation mit bestimmten Ängsten vollkommen überfordert. Auf der anderen Seite könnte ich mir auch vorstellen, „einen Professionellen“ aka Therapeut in gewissem Sinne als „Vertrauten“ zu bezeichnen.

Wie sollte so ein Gespräch aufgebaut sein?

Was sind der Hintergrund und die Zielrichtung dieser Frage?

Was darf nicht fehlen und was sollte lieber außenvor gelassen
werden?

S.o.

Grüße
Christiane

Es geht dabei um alle Ängste die ein Mensch haben kann.
Insbesondere aber um die von Jugendlichen.

Mit einer Gruppe meine ich Menschen, die man kennt, die aber nicht zum Freundeskreis gehören (somit also auch Konkurrenten oder gar Verursacher dieser Angst sein könnten).

Ich bin interessiert an allgemeinen Stellungnahmen dazu, da ich in letzter Zeit gezwungen bin mich mit dem Thema zu beschäftigen.

Ängste
Du solltest vielleicht deine Ängste genau konkretisieren, damit man dir eine Antwort geben kann. Jeder Jugendliche muss nicht gleich die gleichen Ängste haben.

Hi Oleinka,

es ist sehr sinnvoll über Ängste zu sprechen. Überdenke einfach mal was Ängste bewirken können, wie sie uns blockieren und hemmen können, die Lebensfreude vergällen können. Ängste können sich auf Lebensqualität und -quantität sehr auswirken. Ein schönes Beispiel hier für mich ist, sich an die eigenen Kindheit zu erinnern. Ich weiß nicht ob alle Erwachsene, doch einige hatten sicherlich auch mal Angst vor Monstern unterm Bett, im Schrank… Und wer sich dran noch erinnert wie schlimm das für ihn oder sie war, und wie unnötig nun rückblickend diese Ängste gewesen sind, weiß was Ängste anrichten können. Erwachsene neigen dazu ihre Ängste zu rationalisieren, zu verdrängen, werden eher psychisch oder physisch krank als sich ihre Ängste anzuschauen und sich ihnen zu stellen.

Kann es sein, daß Du konkret Ängste mit Schülern besprechen möchtest? Vielleicht sind hierfür andere Bretter hilfreicher, z.B. die beiden Bretter unter „Erziehungswissenschaften“.

Grundsätzlich könntest Du z.B. mal zu einem Selbsthilfezentrum bei Dir vorort geben. Dort sollte es auch Leitfäden für solche Gespräche geben. Wobei die meisten Gruppen wohl eher spezifisch sind. Hat jemand eine Sozialphobie, Angst vor Arbeitsplatzverlust, Angst vor Tieren, Angst vor dem Weltuntergang…

Grundsätzlich kann man in einer Gruppe mit un/-bekannten Menschen oder auch nur mit vertrauten Menschen über Ängste sprechen. Je größer das Vertrauen ist, umso mehr kann man sich öffnen und sich ausdrücken. Doch dafür muß man einen Menschen oder eine Gruppe nicht zwingend lange kennen. Manchmal begegnet man sich in einem bestimmten Rahmen, z.B. in einer psychosomatischen Klinik. Man kann sich „gefahrlos“ öffnen, da man mit diesen Menschen keinen Kontakt hat und ihnen auch nie wieder begegnet, so man das nicht möchte. Allerdings ist es natürlich eine ganz andere Qualität von Vertrauen, wenn dieses auf gemeinsamen Erfahrungen beruht.

Klar ist es nicht, ob es um z.B. Schülerängste geht, um Deine eigenen oder…?

Wichtig ist grundsätzlich meines Erachtens empathisch zuzuhören, nach Möglichkeit ausreden zu lassen, Rückmeldung zu geben daß und wie man jemanden verstanden hat (kann auch Mißverständnissen vorbeugen helfen), den anderen so wie er ist anzunehmen, ihm auch Achtung entgegen zu bringen. Vorab sollte unbedingt auch darauf hingewiesen werden, daß das was be- und gesprochen wird, im Raum bleibt (Schweigepflicht).

Es ist sehr schwer bzw. nahezu unmöglich Dir was zu empfehlen, da Deine Frage zu allgemein gehalten ist. Stelle ich mir mal eine Gruppe z.B. von Gleichaltrigen vor, so könnte man über Ängste allgemein sprechen die in dieser Gruppe häufig vorzufinden sind. Die Mitglieder der Gruppe würden merken, daß sie mit ihren Ängsten nicht allein sind, daß möglicherweise der der neben ihnen sitzt die gleichen Ängste hat, auch wenn keiner sich traut diese auszusprechen bzw. Ängste durch unterschiedliche Dinge überspielt werden.

Sicherlich gilt es auch darauf hinzuweisen, daß man sich öffnen kann und öffnen soll. Doch jeder sollte sich auch überlegen was er im jeweiligen Rahmen von sich preisgeben mag. Dh. sollte jemand sich nicht an das Stillbewahren halten oder sich über den Menschen gar belustigen der seine Ängste geäußert hat, so kann das diesen Menschen mitunter sehr aus dem Gleichgewicht bringen. Jeder muß für sich selbst entscheiden, ob seine Öffnung ihn eventuell sogar auch aus der Bahn werfen kann oder ob er stabil in sich ruht, auch wenn andere sich z.B. möglicherweise über ihn später belustigen.

Wenn jemand seine Ängste nicht oder wenigstens nicht alle in einer Gruppe thematisieren möchte, jedoch gerne mal drüber sprechen mag, so kann man den Gruppenmitgliedern auch anbieten, daß sie später für Einzelgespräche „unter vier Augen“ Dich oder die Gruppenleitung kontakten können.

Wie gesagt, Deine Frage ist zu allgemein gehalten um Genaues sagen zu können.

Ciao,
Romana

Hi Oleinka,

kenne den Rahmen nicht in dem Du Ängste thematisieren magst. Vielleicht ginge das auch mit im Vorfeld einer Buchbesprechung, z.B. „Grundformen der Angst“ von Fritz Riemann. Oder Du schaust Dich halt um Literatur um, die Ängste von Jugendlichen behandelt und verwendest das als Aufhänger.

Ciao,
Romana

Ich bin interessiert an allgemeinen Stellungnahmen dazu, da
ich in letzter Zeit gezwungen bin mich mit dem Thema zu
beschäftigen.

Da kann man nur mit einem allgemeinen aber bestimmten Jein antworten. Das kommt nun mal auf den Einzelfall an. Tud mir leid, aber es gibt da keine einfache Univerallösung. Anderenfalls brauchte man auch keine Psychologen die sich auf Angstbehandlung spezialisiert haben.

Meine Ängste haben sich nicht grundlegend verändert, die sind teilweise heute noch die gleichen wie am ersten Tag im Kindergarten. Nur das ich jetzt damit umgehen kann, weil ich mit bestimmten Leuten darüber rede und damit auch sehr offen bin. Es aber nicht jedem auf die Nase binden werde, das kommt immer auf den Gegenüber an. Ansonsten kann ich mich nur Romana anschliessen.

Gruss Jan

Schaut mal in das Erziehungsbrett. (Unterricht)
Das soll hier aber kein Doppelposting werden, sondern ich möchte hier eher die persönlich-psychologische Seite von Angst betrachten, da ich es falsch finde nur von einem Ansatz auszugehen.

Hallo Oleinka,

Für wie sinnvoll haltet ihr es über Ängste zu sprechen?

Schon für sinnvoll, vor allem dann, wenn sie einem am Leben hindern.

Ich will aber mal anmerken, dass man unter Angst meist Negatives assoziiert. Das ist im Grunde unsinnig, wenn man bedenkt, dass Angst einem das Leben retten kann (Angst vorm Abgrund z.B.). Angst ist auch ein Schutzmechanismus.
Möglicherweise bewirkt das zuviel reden über seine Ängste genau das Gegnteil von dem, was beabsichtigt ist oder aber überhaupt nichts (vom kommunikativen mal abgesehen).

Man kann Ängste schließlich nicht wegreden- man hat sie, und das ist auch gut so (im normalen Rahmen).

Sollte man dies in einer Gruppe oder nur mit Vertrauten tun?

Wenn man nur noch aus dieser Angst besteht, sich nur noch als Angstwesen wahrnimmt und empfindet, dann ist ohnedies professionelle, psychotherapeutische Hilfe angesagt.

Gruß

Hermann