Hi Oleinka,
es ist sehr sinnvoll über Ängste zu sprechen. Überdenke einfach mal was Ängste bewirken können, wie sie uns blockieren und hemmen können, die Lebensfreude vergällen können. Ängste können sich auf Lebensqualität und -quantität sehr auswirken. Ein schönes Beispiel hier für mich ist, sich an die eigenen Kindheit zu erinnern. Ich weiß nicht ob alle Erwachsene, doch einige hatten sicherlich auch mal Angst vor Monstern unterm Bett, im Schrank… Und wer sich dran noch erinnert wie schlimm das für ihn oder sie war, und wie unnötig nun rückblickend diese Ängste gewesen sind, weiß was Ängste anrichten können. Erwachsene neigen dazu ihre Ängste zu rationalisieren, zu verdrängen, werden eher psychisch oder physisch krank als sich ihre Ängste anzuschauen und sich ihnen zu stellen.
Kann es sein, daß Du konkret Ängste mit Schülern besprechen möchtest? Vielleicht sind hierfür andere Bretter hilfreicher, z.B. die beiden Bretter unter „Erziehungswissenschaften“.
Grundsätzlich könntest Du z.B. mal zu einem Selbsthilfezentrum bei Dir vorort geben. Dort sollte es auch Leitfäden für solche Gespräche geben. Wobei die meisten Gruppen wohl eher spezifisch sind. Hat jemand eine Sozialphobie, Angst vor Arbeitsplatzverlust, Angst vor Tieren, Angst vor dem Weltuntergang…
Grundsätzlich kann man in einer Gruppe mit un/-bekannten Menschen oder auch nur mit vertrauten Menschen über Ängste sprechen. Je größer das Vertrauen ist, umso mehr kann man sich öffnen und sich ausdrücken. Doch dafür muß man einen Menschen oder eine Gruppe nicht zwingend lange kennen. Manchmal begegnet man sich in einem bestimmten Rahmen, z.B. in einer psychosomatischen Klinik. Man kann sich „gefahrlos“ öffnen, da man mit diesen Menschen keinen Kontakt hat und ihnen auch nie wieder begegnet, so man das nicht möchte. Allerdings ist es natürlich eine ganz andere Qualität von Vertrauen, wenn dieses auf gemeinsamen Erfahrungen beruht.
Klar ist es nicht, ob es um z.B. Schülerängste geht, um Deine eigenen oder…?
Wichtig ist grundsätzlich meines Erachtens empathisch zuzuhören, nach Möglichkeit ausreden zu lassen, Rückmeldung zu geben daß und wie man jemanden verstanden hat (kann auch Mißverständnissen vorbeugen helfen), den anderen so wie er ist anzunehmen, ihm auch Achtung entgegen zu bringen. Vorab sollte unbedingt auch darauf hingewiesen werden, daß das was be- und gesprochen wird, im Raum bleibt (Schweigepflicht).
Es ist sehr schwer bzw. nahezu unmöglich Dir was zu empfehlen, da Deine Frage zu allgemein gehalten ist. Stelle ich mir mal eine Gruppe z.B. von Gleichaltrigen vor, so könnte man über Ängste allgemein sprechen die in dieser Gruppe häufig vorzufinden sind. Die Mitglieder der Gruppe würden merken, daß sie mit ihren Ängsten nicht allein sind, daß möglicherweise der der neben ihnen sitzt die gleichen Ängste hat, auch wenn keiner sich traut diese auszusprechen bzw. Ängste durch unterschiedliche Dinge überspielt werden.
Sicherlich gilt es auch darauf hinzuweisen, daß man sich öffnen kann und öffnen soll. Doch jeder sollte sich auch überlegen was er im jeweiligen Rahmen von sich preisgeben mag. Dh. sollte jemand sich nicht an das Stillbewahren halten oder sich über den Menschen gar belustigen der seine Ängste geäußert hat, so kann das diesen Menschen mitunter sehr aus dem Gleichgewicht bringen. Jeder muß für sich selbst entscheiden, ob seine Öffnung ihn eventuell sogar auch aus der Bahn werfen kann oder ob er stabil in sich ruht, auch wenn andere sich z.B. möglicherweise über ihn später belustigen.
Wenn jemand seine Ängste nicht oder wenigstens nicht alle in einer Gruppe thematisieren möchte, jedoch gerne mal drüber sprechen mag, so kann man den Gruppenmitgliedern auch anbieten, daß sie später für Einzelgespräche „unter vier Augen“ Dich oder die Gruppenleitung kontakten können.
Wie gesagt, Deine Frage ist zu allgemein gehalten um Genaues sagen zu können.
Ciao,
Romana